Der springende Punkt – 21. Firn 242 (Schengstag)

Am Uldumstag brachte Kira Sebastian sein Buch zurück. Sie wich seinen Fragen dazu erfolgreich aus, so konnte sie ihm auch verschweigen, dass sie dasselbe Buch auch in Mitras Bibliothek gefunden hatte – neben zwei weiteren, die ähnlich detaillierte Inhalte zeigten. Sie waren zwischen Liebesromanen, die Mitras ihr empfohlen hatte, versteckt gewesen, und Kira wusste nicht, ob er das absichtlich gemacht hatte. Jedenfalls waren ihre Träume um keinen Deut besser geworden, im Gegenteil. Oft wachte sie keuchend auf und wünschte sich sehnlichst, sie könnte einfach über den Flur gehen, sich an Mitras schmiegen und ihre Unruhe bändigen. Aber Mitras schien ihr aus dem Weg zu gehen – vermutlich war er noch sauer über die Sache mit der Kerze.

Als Kira am nächsten Schengstag über den Büchern mit den Veränderungszaubern saß, fiel ihr ein Zauber auf. Er konnte einen Ball vom Boden abprallen lassen, indem er den Boden verzauberte. Das passte gut zu ihrer Nummer mit den Kugeln – ob man das auch mit einer Kugel Wasser machen konnte? Am nächsten Uldumstag wollte sie Mitras gerne überraschen. Seitdem sie das Labor verwüstet hatte – naja, in Unordnung gebracht hatte – war er so kühl zu ihr gewesen, und sie vermisste seine Anerkennung. Es tat fast körperlich weh, ihn nur beim Abendessen kurz zu sehen. Selbst ihre üblichen Fragestunden hatte er abgesagt. Und obwohl das Laden schön war wie immer, hatte er selbst da sie kaum angesehen und kaum mit ihr gesprochen. So langsam bereute sie es, mit der Kerze nicht aufgepasst zu haben, obwohl Pinzon sie für ihre Hausaufgaben sehr gelobt hatte. Sie holte sich einen Teller von William und versuchte den Zauber. Mit den Holzkugeln gelang es ganz gut, sie musste nur üben, den Telekinesezauber, mit dem sie den Ball auf den Teller prallen ließ, richtig zu richten. Aber mit Wasser ging es leider gar nicht. Sie saß auf dem Boden des Labors, ließ den Holzball zwischen ihrer Hand und dem Teller hin- und herspringen und grübelte. Warum klappte das nicht? Das Holz bewegte sich so leicht! Auf und ab. Was war am Wasser anders? Lag es daran, dass der Wasserball selbst schon durch Magie geformt war? Auf und Ab. Wie der Generator. Vielleicht sollte sie eine Elektrumkugel nehmen, um die Theorie mit dem verzauberten Material zu probieren? Nein, das würde Mitras nie erlauben. Sie müsste das Holz verzaubern, aber dazu kannte sie keine Zauber. Ob sie Mitras um Hilfe bitten sollte? Frustriert stand sie auf und ließ die Holzkugel schwungvoll auf den Teller fallen Sie sprang wieder hoch, fiel herab und sprang wieder hoch. Es sah lustig aus. Erstaunt beobachtete sie, wie der Ball seinen Sprung immer weiter machte. Hörte das gar nicht auf? Er verlor kaum an Höhe. Nachdenklich schaute sie ihm zu. Wenn das Elektrum wäre… dann würde der Generator ja auch so funktionieren… Man müsste eigentlich nur auf jeder Seite so einen Teller haben… Hmmm… Vielleicht konnte sie ihn so beeindrucken? Sie wusste, dass er seit Tagen unten im Keller experimentierte, aber wohl keinen Erfolg hatte, zumindest gemessen an seiner Laune beim Essen. Aber erst musste sie sich sicher sein. Hier oben stand auch ein Zylinder aus Elektrum, auch wenn er kleiner war als die in den Generatoren.

Die nächste halbe Stunde verbrachte sie damit, zu üben, den Zylinder magisch anzuheben. Der war verdammt schwer! Irgendwann öffnete sie das Fenster, damit ihr die Magie nicht immer ausging. Als sie endlich den Zylinder ruhig anheben konnte, ohne dass er wie wild durch die Luft schwang, ließ sie ihn erstmal vorsichtig zu Boden sinken. Ihn auf den Teller prallen zu lassen, war vermutlich keine so gute Idee. Sie blickte sich suchend um. Etwas, was nicht kaputt ging, selbst wenn der Zauber nicht klappte. Nochmal eine Schimpftirade wegen Unordnung musste nicht sein. Hoffentlich riss Mitras ihr nicht den Kopf dafür ab, das Elektrum überhaupt angefasst zu haben. Wobei, berührt hatte sie es ja eigentlich nicht, dachte sie kichernd. Mit ein bisschen Suchen fand sie in der Ecke ein hölzernes Schild, das stabil genug aussah, um den Brocken darauf fallen zu lassen. Sorgfältig wob sie den Reflektorzauber. Angesichts der Erfahrungen, die sie beim Anheben des Zylinders gemacht hatte, steckte sie auch in den Reflektor mehr Energie, lieber vorsichtig sein, als den Schild zerstören. Schließlich war alles bereit. Nervös stand sie an der Kante des Zirkels, den Schild vor sich. Wenn das schief geht, werde ich drei Tage lang die Ställe putzen müssen. Oder irgendwas in der Art. Sie hob den Zylinder an, ließ ihn über das Schild schweben und etwa 30 Zentimeter oberhalb sich gerade ausrichten. Dann machte sie die Augen zu. Wird schon gut gehen. Wird schon gut gehen. Sie ließ los.

Die ganze Woche über hatte er immer wieder verstörend anregende Träume von Kira gehabt, was ihn so langsam doch sehr beunruhigte. Ja ,er war ewig nicht mehr mit einer Frau zusammen gewesen und Kira war verdammt attraktiv, sowohl durch ihre Schönheit, als auch durch ihren Verstand. Aber sie hatte auch diesen Johann hinter sich und war obendrein noch sein Schützling. Er sollte sie vor lüstigen Idioten schützen und nicht selbst einer werden. Nun ja, er hatte sich so gut es ging von ihr fern gehalten, in der Hoffnung, dass das seine Gedanken wieder auf Kurs bringen könnte. Es hatte nicht wirklich geholfen. Aber darüber hatte er Kiras Ausbildung vernachlässigt. Sicher, sie war mehr als nur in der Lage, sich selbst alles Mögliche beizubringen. Aber er sollte trotzdem den Überblick behalten und sie lenken, und nach dem Vorfall mit der Kerze sie wohl auch vor sich selbst schützen. Soviel Potential wie sie besaß, konnte es gefährlich werden, auch für sie. Was wenn sie sich bei einem Zauber zuviel zumutete und sich übernahm und dadurch verletzt wurde?

Mit diesen Gedanken im Kopf trat er gerade aus dem Keller heraus, als aus dem oberen Labor ein dumpfes, aber sehr lautes Knallen ertönte und sich kurze Zeit später wiederholte. Er war bereits im vollen Lauf die Treppe hinauf, als es ein drittes Mal rumste. Die Küchentür schwang auf und William setzte sich in Bewegung, sobald er Mitras laufend auf der Treppe sah. Das Geräusch war rythmisch, also war vielleicht noch nichts passiert, aber er sollte sich trotzdem… Der Gedanke riss ab, als ein nochmal deutlich lauteres Poltern aus dem Labor hallte, gefolgt von einem dumpfen „Verdammt!“ Mitras nahm die letzten drei Stufen in einem Sprung und war mit einem weiteren Schritt über den Flur und durch die Tür. Kalte Luft schlug ihm entgegen. „Kira, ist alles in Ordnung?“ Sie fuhr erschrocken zu ihm herum, da sah er den Elektrumzylinder vom Zirkel wegrollen. „Kira, was hast du…“ Seine Stimme stieg bereits wieder an. Sorge und Wut fluteten durch ihn hindurch. „Warte bitte Mitras, lass mich erklären! Es hat geklappt!“ Der ängstliche und gleichzeitig aufgeregte Tonfall ließ ihn inne halten. Er überblickte kurz die Szenerie, wechselte auf magische Sicht und sah den alten Holzschild im Zirkel. Er erkannte den Zauber nicht, der darauf lag, nur, dass es ein Veränderungszauber war. Er hob die Hand um William zurückzuhalten und zu beschwichtigen, da dieser gerade oben ankam. Über die Schulter blickend sagte er:“ Es ist alles gut, keiner ist verletzt und eine Renovierung ist auch nicht nötig. Ich kümmere mich darum.“ „Ha, also gut wenn du meinst.“ William warf ihm noch einen misstrauischen Blick zu und drehte dann aber wieder um. „Also gut,“, sagte er wieder an Kira gewandt. „Ich höre, was hat geklappt?“ Sie lugte kurz an ihm vorbei und rief: „Und es rumst gleich nochmal.“ Dann trat sie auf den Zylinder zu und hob ihn mit einer gemurmelten Silbe und einer Handbewegung an. Mitras widerstand dem Drang dazwischen zu gehen, er war doch zu neugierig, was sie vorhatte. Er bereitete aber einen Fangzauber vor, falls er ihr nochmal herunterfallen sollte und schloß gleichzeitig mit einem kurzen Zauber das Fenster, durch dass es kalt hereinzog. Hatte sie es geöffnet, um an mehr Magie zu kommen? Sie ließ den Zylinder über das Schild schweben und richtete ihn etwa 50cm oberhalb aus. Dann deutete sie auf das Schild und sagte strahlend: „Stell dir vor, dass wäre eine Seitenwand vom Generator. Also, die hintere Wand. Und hier drumrum ist deine Kupferspirale. Und jetzt…“ Mitras sprang beinahe hoch, als sie den Zylinder fallen ließ, bereit, ihn zu fangen. Zu seiner Verwunderung knallte er auf das Schild und flog senkrecht wieder in die Höhe – und zwar 50cm. Und dann fiel er wieder herunter. Und sprang wieder hoch. Auf die gleiche Höhe. Mitras brauchte eine Sekunde, ehe er verstand. Der Zylinder war gar nicht verzaubert, nur das Schild. Und wenn man auf der anderen Seite ebensolch ein Schild anbrachte… Er ließ den Fangzauber aus Achtlosigkeit los und der Zylinder blieb in der Luft hängen, war Kira ein entäuschtes Quietschen entlockte, doch schon war er bei ihr und hob sie an. Freudig wirbelte er sie einmal um sich herum. „Du kleines Genie!“, rief er und drückte sie an sich. Komplett aus dem Häuschen hielt er die völlig verwirrte Kira vor sich, drückte sie nocheinmal. Seine Freude schien sich auf sie zu übertragen, sie strahlte ihn an, und er spürte plötzlich, wie beinahe Steinlawinen von seinem Herzen fielen. Wild zog er sie an sich drückte ihr vor Freude einen ungestümen Kuss auf die Lippen, ehe er selbst bemerkte, was er da tat und sie erschrocken los ließ. „Es, es tut mir leid. Ich wollte dich nicht so überfallen, aber bei den Geistern! Kira, weißt du was du da gerade getan hast?“

Kira krallte sich an seinen Armen fest, um nicht umzukippen. Das Drehen und seine Freude waren nicht so schlimm gewesen, aber, bei den Geistern, er hatte sie geküsst. Ihr erster Kuss. Alles in ihr schien in Flammen zu stehen. Ein echter Kuss. Von Mitras. Auf die Lippen. Sie quietschte ein bisschen. Wo sollte sie jetzt nur mit all der Aufregung hin? Er hatte sie geküsst! Richtig… Geister! Das hatte sich gelohnt mit diesem Zauber.

Seine Freude schlug in Sorge um. Kira stand völlig weggetreten vor ihm und hielt sich krampfhaft an seinen Armen fest, als wenn sie sonst gleich umfallen würde. Verdammt, wie konnte er solch einen Moment nur so dermaßen zerstören! „Kira, es tut mir leid. Ist alles in Ordnung? Kira?“Sie gab einen leisen quietschenden Laut von sich. Mitras blickte sie besorgt an, aber ihre Augen waren nicht geweitet, es war also kein Schock. „Kira, bitte sei mir nicht böse wegen des Kusses.“

Er redete mit ihr. Oh, sie musste zuhören. Sie schaute ihn an. Wieso sah er so besorgt aus? Sie brauchte einen Moment, um seinen letzten Satz zwischen all den wild flatternden Schmetterlingen in ihr zu sortieren. Böse? Wieso böse? „Ich…“ , ihre Stimme brach ab. Oh, wie peinlich, nicht reden zu können. Sie wiederstand der Versuchung, über ihre Lippen zu lecken. Der Kuss war so kurz gewesen. Und so schön. Sie räusperte sich. „Ich, also, nein, ich bin nicht böse.“, stotterte sie. „Das war für einen ersten Kuss ganz gut.“ Oh, Geister, hatte sie das wirklich gesagt? Sie spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoß. Verdammt! Das war so gar nicht romantisch. Nicht mal das bekam sie hin!

„Erster Kuss?“, rutschte es Mitras verwirrt heraus. War dieser Johann der erste, der ihr nahe gekommen war? Und dann so? Aber ihm gegenüber wirkte sie nicht böse, eher verlegen. Nun gut, wenigstens hatte er keinen Schaden angerichtet, dachte er erleichtert. „Kira…“ Ein Rumsen, gefolgt von einem Knall, riss ihm das Wort ab. Der Zylinder war schräg auf das Schild gefallen, quer weggeschoßen und hatte ein kleines Loch in eine Schranktür geschlagen. „Gut, das geht auf mein Konto.“ sagte er und sammelte den immer noch rollenden Zylinder ein, ehe er noch mehr Schaden anrichten konnte.

Der Knall riss Kira ganz aus ihrer Trance. Sie beobachtete, wie Mitras den Zylinder einfing und überlegte fieberhaft, was sie nun sagen sollte. Es war so süß, dass er so sehr die Berrschung verlor, wenn er sich freute. Aber gemessen an seiner Reaktion hatte er sie nicht gerade aus männlichem Interesse heraus geküsst – so ein Kuss hätte seine Schwester vermutlich auch bekommen, wenn sie ihn in ähnliche Aufregung versetzt hätte. Der Gedanke minderte ihre Schmetterlinge deutlich. Ihr fiel wieder ein, warum sie ihn überhaupt so in Aufregung versetzt hatte. Immer noch hochrot fragte sie: „Also, denkst du, ehm, dass es funktionieren könnte, so einen Generator zu bauen?“

Mitras hielt inne und blickte Kira an. „Natürlich kann das funktionieren. Jetzt bewegt sich der Zylinder vorwärts und rückwärts in einer waagerechten Röhre, aber genauso gut kann die Röhre senkrecht stehen. Was ist das überhaupt für ein Zauber?“ Sie war aufreizend niedlich, wie so so hochrot vor ihm stand. Und er war so glücklich. Das konnte wirklich funktionieren! Er wiederstand dem Impuls, sie nochmal an sich zu drücken. „Ehh, ein Reflektorzauber. Nur, hmm, ich hab vielleicht etwas mehr Energie reingetan, weil der Zylinder so schwer ist. Eigentlich wollte ich ja Wasserbälle abprallen lassen, um dich zu beeindrucken, aber das hat leider nicht geklappt.“ Verlegen deutete sie auf eines der Bücher, das aufgeschlagen auf ihrem Tisch lag. Mitras ging hin und warf einen Blick auf den aufgeschlagenen Zauber. „Magie für Gaukelei und Unterhaltung“, sagte die Kapitelüberschrift – kein Wunder, dass er sich das bisher nicht so genau angesehen hatte. Thadeus hatte ihm solche Spielerein viel zu gründlich ausgetrieben. „Und wie bist du von einem Wasserball auf den Zylinder gekommen?“ Sie hockte sich neben den Schild und fuhr, immer noch sichtlich verlegen, mit dem Finger darüber. „Na, ich hab erst gedacht, ich könnte mit einem verzauberten Elektrumball testen, ob das Wasser wegen der Verzauberung nicht abprallt. Aber dann ist der Holzball so gesprungen und ich musste an den Generator denken… und weil du dir so Sorgen machst … und du bist mir wichtig und ich wollte nicht, dass du weiter sauer bist wegen der Kerze… und naja, dann hab ich halt gedacht, ich kann das ja testen… bist du mir böse, weil ich das Elektrum einfach genommen habe?“ Sie blickte ihn um Verzeihung heischend von unten herauf an. Sie dachte, dass er ihr immer noch böse war und sie sorgte sich um ihn. Die Scham stieg in ihm auf. Er war es, der sich entschuldigen sollte, so wie er die letzte Woche mit ihr umgegangen war. Aber er konnte ihr ja schlecht erklären, wovor er sie da hätte schützen wollen! Bei den Geistern, wie sehr er sie einfach in den Arm nehmen wollte. Vielleicht war das genau das richtige. Er ging einen Schritt auf sie zu und reichte ihr die Hand, um ihr aufzuhelfen. Sachte zog er sie hoch und nahm sie in den Arm. Diesmal behutsam und zärtlich. „Danke und Entschuldigung. Nein, ich bin dir nicht böse. Und auch wegen der Kerze war ich mehr besorgt als böse. Was, wenn dir dabei etwas passiert wäre? Aber du hast es wieder einmal geschafft mir weiter zu helfen. Und diesmal sogar noch vielmehr als beim letzten Mal. Also Danke.“

Die Schmetterlinge reagierten sofort auf seine sanfte Berührung. Sie schwebte neben ihm. Also, zumindest fühlte es sich so an. Sie legte die Arme, soweit sie hoch reichte, um seinen Hals und schaute ihn von unten herauf an, schaute in seine eisblauen Augen, wie Eissonnen. „Ich helfe dir gern.“ Vermutlich würde sie alles für ihn tun. Wenn er sie nur nochmal küssen würde… Mitras strich ihr zärtlich über den Kopf. Er war glücklich, sie hatte ihn glücklich gemacht, auch wenn er es nicht sagte, dessen war sie sich sicher. Glücklich und irgendwas anderes. „Helfen ist fast zu wenig gesagt.“, sagte er. „Du hast vielleicht gerade mein Lebenswerk gerettet. Wenn du dir irgendwas wünscht, wenn ich irgendwas machen kann, sag es einfach. Selbst wenn es nicht mit dem richtigen Generator klappen sollte, ich stehe in deiner Schuld nur dafür, dass du mir im wahrsten Sinne des Wortes die Sache umgedreht hast, mir eine neue Perspektive gibst. Du bist unglaublich, weißt du das?“ Sie sog die Worte in sich auf. Unglaublich… Oh, Geister, fühlte sich das schön an. „Du auch…“, hauchte sie, nur um sich sofort innerlich dafür auf die Zunge beißen zu wollen. Sowas sagte man doch nicht als Antwort zu so einem Lob. Rasch schob sie etwas lauter hinterher, während sie die Arme von seinen Schultern nahm: „Eh, du brauchst mir nichts schenken. Ich bekomme doch schon alles von dir.“ Und einen weiteren Kuss zu wünschen war ganz sicher nicht angemessen, fügte sie in Gedanken mit Bedauern hinzu.

In diesem Moment steckte William den Kopf durch die Tür. „Wirklich alles in Ordnung bei euch beiden?“ Mitras machte schnell einen Schritt zurück. „Ja, William, es ist mehr als nur in Ordnung. Kira hat mir gerade eine absolut fantastische Idee beschert. Ihr beide könnt zum Mittagessen runtergehen, und William, ich weiß, dass es aufwendig ist, aber kannst du auf die Schnelle noch deinen Vanillepudding zaubern? Jemand hat es sich verdient verwöhnt zu werden.“ William blickte skeptisch auf das Loch in der Schranktür. „Äh gut, mach ich. Und du kommst nicht runter?“ „Nein, ich habe keinen Hunger und muss mit der Arbeit an einem neuen Generatortyp beginnen. Ich muss wissen ob es funktioniert. Das ist zu wichtig und kann keine Sekunde warten.“ Kira, die vor ihm stand, grinste plötzlich heftig. „Aber mein Mentor hat mir beigebracht, dass man sich nicht zu sehr verausgaben soll. Und an das Essen denken soll. William kann doch den Pudding machen – danke dafür – und ich helfe dir. Du wirst Energie brauchen.“ Mitras lachte. „In aller erster Linie brauche ich jetzt handwerkliches Geschick. Aber ich sollte bis heute Abend fertig sein. Wenn du willst kannst du mir dann dabei helfen einen Prototypen in Betrieb zu nehmen. Und was das Essen angeht, ich muss eh in den Keller. Ich werde mir was mit runternehmen. William, Morgen Abend erwarte ich ein Festmahl zu Ehren unseres Genies hier. Ich erwarte nur das Beste von dir.“

Musterschülerin – 14. Firn – 15. Firn 242 (Ingastag)

Mitras saß in seinem Bett, ein Buch in der Hand, als die Tür aufging. Ohne ein Wort zu sagen kam Kira herein und trat in das Licht der Lampe. Sie trug einen Morgenmantel, aber keine Pantoffeln. Mitras konnte nichts sagen und sah sie nur an, wie ihre Hände zu dem Stoffgürtel wanderten. Sie öffnete den Knoten und hielt den Mantel nun nur noch mit ihren Händen zusammen. Langsam schlug ihr linker Arm die linke Seite zurück, erst rutschte der Stoff von ihrer Schulter und enthüllte, dass sie nichts weiter trug. Langsam öffnete sich die linke Seite, legte ihr Schlüsselbein, dann ihre Schulter frei. Immer weiter sank der Stoff hinab und enthüllte ihre linke Brust. Mitras Mund war komplett trocken und er konnte nicht anders, als gebannt zuzuschauen. Ihre kleine, apfelgroße Brust war makellos weiß, bis auf die leicht rosa gefärbte Brustwarze. Mitras spürte wie seine Erregung anschwoll und ihm das Blut in den Ohren rauschte. Die linke Seite des Morgenmantels fiel nun ganz von ihr ab, während sie die rechte Seite noch so hielt, dass von ihrer Schulter bis zu ihrem Mondhügel ihre rechte Körperhälfte komplett bedeckt war. Mit der linken Hand entblöste sie nun die rechte Schulter, ließ den Stoff langsam herunter rutschen und reckte den Brustkorb empor, so dass Mitras ihre Brüste bestens im Licht der Lampe sehen konnte. Auch wenn sie nun komplett aus dem Morgenmantel geschlüpft war, hielt sie den Stoff noch fest, so dass er sie nun vom Bauchnabel abwärts bedeckte. Langsam drehte sie sich um, den Mantel weiter vor sich haltend. Mitras sah an ihren nackten Rücken herab, folgte dem langen Haarschopf, der ihre Rückseite bis fast zum Po bedeckte. Dieser war straff und rund, deutlich breiter als ihre schmale Taille. Ihre Beine deuteten klare Muskeln an, sahen dabei aber weich aus. Das Verlangen einfach die samtig wirkende Haut ihrer Schenkel zu streicheln nahm schier überhand. Aber Mitras war immer noch wie gelähmt. Kira neigte langsam den Hals und blickte ihm über die Schulter hinweg an, sah ihm direkt in die Augen und ließ ihren Blick schüchtern lächelnd an seinem Körper hinabwandern. Mitras sah, wie sie leicht errötete und ihn doch weiter lächelte, als ihr Blick in seinem Schoß ankam. Mitras spürte, wie er wiederum errötete. Er war schon mit vielen Frauen im Bett gewesen, aber er konnte sich nicht entsinnen, dass ihn irgendeine je so erregt hätte. Immer noch von ihm abgewandt, ließ sie den Morgenmantel fallen und drehte sich nun langsam wieder zu ihm hin. Nun war es an Mitras, seinen Blick auf ihren Schoß zu richten. Zuerst sah er die feinen Haare, die im Licht hellrot schimmerten, während sie sich weiter drehte. Sie war ebenfalls sehr erregt, kleine, feuchte Tropfen schimmerten an den Haaren und ihren leicht geröteten Lippen. Nun kam sie auf ihn zu, zog die Decke von ihm weg und krabelte von der Fußseite her ins Bett. Kriechend kam sie über ihn und hockte sich auf Höhe seiner Knie über seine Beine. „Kira…“ Schnell legte sie ihm einen Finger auf die Lippen und brachte ihn zum Schweigen. Sie schob sein Nachthemd nach oben und entblöste seine Erektion. Schüchtern streichelte sie über seinen Penis, ehe sie weiter an ihn heran rückte. Ihr Becken senkte sich auf seines hinab und er spürte wie ihre weichen Härchen über seinen Schaft strichen. Sie erhob sich noch einmal kurz und richtete sich aus, ehe sie ihr Becken schnell herunter gleiten ließ.

Mitras wachte schweißnass auf. Er spürte noch wie seine Eregung nach einem Höhepunkt endete. Es war komplett dunkel und er griff zur Lampe, schaltete das Licht an und sah zur Uhr. Kurz nach eins. Mitras war völlig verwirrt, was war hier gerade geschehen? Natürlich hatte er schon Träume wie diesen gehabt, aber niemals so konkret und zu einer Person, die er kannte… Er stand auf, säuberte sich und trank einen Schluck Wasser. Dann trat er schnell an den Spiegel heran und aktivierte ihn. Den Zauber wieder aufleben zu lassen, war anstrengend gewesen und nur durch das Artefakt, in welches der entsprechende Zauber eingewoben war, und einige sehr kostbare, starke Magiespeichern, die nun unbrauchbar waren, möglich gewesen. Schnell wählte er Kiras Zimmer an. Ging es ihr gut? Hatte er nur von ihr geträumt oder hatte Magie eine Rolle gespielt? Auch wenn er nicht hellsichtbegabt war, sie war es, und sich in seinen Traum zu bringen wäre eine Möglichkeit, wenn sie in Not war. Durch den Zauber war es, als sei das Zimmer taghell erleuchtet. Kira drehte sich im Schlaf gerade herum, vom Spiegel weg. Mitras konnte nichts auffälliges sehen. Auch magisch sah er nichts. Er seufzte erleichtert. Ihm fiel aber das schmale Buch auf, dass sie auf dem Nachtschrank liegen gelassen hatte. Das war keines von seinen, wohl eine Leihgabe. Aber ein Buch, dass sie las, sollte keinen Einfluss auf seine Träume haben. Müde werdend schüttelte Mitras sich, deaktivierte den Spiegel. Er musste sich wohl eingestehen, dass er seiner Discipula gegenüber sehr sehr unväterliche Gedanken hatte. Scheinbar genug, um seine Träume so konkret werden zu lassen. Er ging wieder ins Bett, doch es dauerte eine Weile, bis er zur Ruhe kam. Immer wieder kam ihm das Bild vor Augen wie Kira am Ende ihrer Drehung komplett nackt vor ihm gestanden hatte. Ihr Körper war makellos schön, aber was ihn wirklich fesselte, war dieser schüchterne und doch wolllüstige Blick gewesen. Nichts an ihr hatte ihn so sehr erregt wie dieser Ausdruck. Mitras spürte, dass er sich beim morgigen Laden besonders zusammen reißen musste.

Am Morgen des Ingas fühlte sich Kira ein wenig zerschlagen. Sie war gestern eindeutig zu spät eingeschlafen. Aber dieses Buch von Sebastian… sie hatte nach dem ersten Blättern gut verstanden, warum er vorgeschlagen hatte, es mit abgeschlossener Tür zu lesen. Die Beschreibungen waren, nunja, sehr detailliert, aber die Bilder dazu waren noch… sie konnte nicht sagen, schlimmer, denn eigentlich war es ja gar nicht schlimm. Eher anregender, also, noch anregender gewesen. Irgendwann, schon spät in der Nacht, hatte sie es zur Seite gelegt, die Augen geschlossen und sich vorgestellt, es seien sie und Mitras gewesen, die diese Dinge dort taten. Und wie schnell sie zum Höhepunkt gekommen war allein bei der Vorstellung, ihn anzufassen! In einem hatte Sebastian also Recht: Sie wollte das ausprobieren. Sie wollte Sex ausprobieren. Allerdings war die Erinnerung an Johann deutlich genug, als dass ihr auch sehr klar war, dass sie nicht mit jemandem anderen als Mitras ausprobieren wollte. Und da das ja nun eindeutig nicht zur Debatte stand, würde sie wohl eher Jungfrau bleiben. Sie seufzte, während sie sich anzog. Immerhin eine Jungfrau mit guten Fantasien und einem Leidensgenossen. Den letzten Gedanken verwarf sie allerdings wieder. Sebastian war zwar unglücklich verliebt, aber Sex hatte er vermutlich genug. Insofern also Jungfrau mit Fantasie. Immerhin besser als Jungfrau mit Angst. Immer noch müde, aber durchaus motiviert, jetzt die Meditation und die Übungen in der Verwandlungsmagie anzugehen, ging sie zum Frühstück herunter.

Mitras saß mit William bereits am Tisch. Etwas verlegen – ihr kamen Bilder von gestern nacht in den Sinn – grüßte sie die beiden. William stichelte: „Naa, heute Spätaufsteherin, Mylady?“ „Mh ja, guten Morgen. Ich hab mich gestern Abend festgelesen. Und als ich gerade eingeschlafen war, hat mich ein Geräusch oder so wieder geweckt.“ Bei diesen Worten zuckte Mitras leicht zusammen und sie meinte ihn kurz erröten zu sehen. William wiederum schien es nicht zu bemerken und meinte nur: „Unser werter Herr Nachbar di Risa beliebt am Uldumsabend in einen Herrenklub in der Nähe zu gehen. Mich wundert’s, dass dir das noch nie aufgefallen ist. Er ist meistens ziemlich laut beim nach Hause kommen. Laut und betrunken.“ Kira zuckte mit den Schultern und setzte sich hin. Warum war Mitras rot geworden? Sah das niedlich aus! „Normalerweise schlafe ich ganz gut.“ Wie, um ihre Worte zu unterstreichen, musste sie ein Gähnen unterdrücken. „Aber ich bin gleich wach!“, beeilte sie sich in Richtung Mitras. Nicht, dass er dachte, sie würde hier ihre Pflichten versäumen. „Der Verwandlungsmagie steht heute nichts im Wege!“ Mitras lachte. „Es ist gerade erst acht Uhr. Wir fangen um neun an. Es spricht also nichts dagegen wenn du mal bis acht schläfst. insbesondere nicht wenn dich, äh, unser Nachbar dich weckt. An welchem Buch hast du dich denn festgelesen? Eins aus meiner Sammlung oder was frisches aus der Bibliothek? Ich könnte auch mal wieder neuen Lesestoff vertragen.“ Kira spürte, wie sie knallrot wurde. Sie konnte unmöglich sagen, was für ein Buch sie da gelesen hatte. „Äh…“, stammelte sie, „äh, nein, also, das hat Sebastian mir geliehen. Ich soll es ihm auch bald wieder zurück geben, aber wenn ich etwas anderes spannendes finde, kann ich es dir gerne auch ausleihen.“ Sie betete, dass er nicht weiter nachfragen würde. Und auf jeden Fall würde sie ihm nächste Woche ein Buch mitbringen. „Ha, so einen ganz schrecklichen Liebesroman, dass du dabei so rot wirst?“, lachte William. Sie hätte ihn am liebsten unter dem Tisch getreten, aber er saß zu weit weg. Also begnügte sie sich mit einem bösen Blick und murmelte: „Ja, sehr.“ Um weiteren Gesprächen auszuweichen, biss sie ins Brot und schob schnell noch ein Stück Käse hinterher. William lachte und stand auf, seinen Teller mitnehmend. „Alles gut, ich hab als Jugendlicher auch schrecklichen Schund gelesen, und Mitras erst, was meinst du, von wem ich meine Bücher hatte?“ Mitras lachte ebenfalls. „Ja, bei diesen Büchern sind wir alle irgendwann mal hängen geblieben. Falls sie dir gefallen, in der Bibliothek oben, auf der rechten Seite stehen auch noch welche.“ Kira nickte mit vollem Mund. Liebesromane waren nicht ihres, aber sie würde trotzdem schauen, denn mehr über Mitras Vorlieben als Jugendlicher zu erfahren, machte sie durchaus neugierig. Wenn sie ehrlich war, wollte sie eigentlich alles über ihn wissen. Ehe ihre Gedanken allerdings wieder zu sehr abwandern konnten, konzentrierte sie sich auf ihr Brot und ruhiges Atmen. Und sie hatte heute morgen noch gedacht, die intensiven Momente von gestern nacht hätten sie etwas ruhiger gemacht! So kann man sich irren, grinste sie in sich selbst hinein. Den Geistern sei dank würden sie gleich erstmal meditieren.

Nach der Meditation fühlte sie sich wesentlich ruhiger und entspannter. Es half tatsächlich sehr, ihre Emotionen besser zu kontrollieren. Zu Beginn hatte seine Gegenwart sie ja oft noch abgelenkt, aber in der Zwischenzeit schaffte sie es auch mit ihm im Raum immer besser, zur Ruhe zu kommen, bis er keine Farbe mehr in ihrer Aura wahrnehmen konnte außer der ihr eigenen, die er als Karamellschimmern beschrieb. Ihr gefiel diese Beschreibung. Ein Karamell-Eichhörnchen wollte sie gern für ihn sein, das klang nämlich gleichzeitig süß, lecker und wild. Aber letztendlich war das ja eh nur Wunschdenken, also schob sie es beiseite und setzte sich nach den Übungen locker im Schneidersitz in die Mitte des Zirkel. „Jetzt also wieder Ton verformen?“ „Ja, da es vorgestern mit den Schneebällen und dem Eisformen gut geklappt hat, können wir jetzt zum Anfang zurückkehren. Dann hast du auch wie jede gute Fünftsemester Schülerin alle vier Arten kennen gelernt und beherrschst Zauber zu jeder Gattung.“ Seine Stimme hatte eine Mischung aus Necken und Stolz, die sie durchaus mochte. Sie grinste ihn an. „Ich habe jetzt schon Zauber aus jeder Gattung gezaubert, der Eismann am Mafuris war Veränderungsmagie.“ Und Elementarmagie, fügte sie im geheimen hinzu, aber sie wollte ihm lieber nicht sagen, dass sie für einiges von dem Eis Wasser hergezaubert hatte, weil sie zu faul gewesen war, mehr Schnee zu sammeln. „Ja, meine Musterschülerin.“, schmunzelte Mitras und legte den Klumpen Ton in die Mitte des Zirkels. „Dann jetzt also bitte den Ton verformen und nichts explodieren lassen.“ Ein wenig nervös sah Kira den Klumpen Ton an. Das Eis hatte sich leicht formen lassen, aber da war sie ja auch draußen und nahe der magischen Schilfbüschel gewesen… Sie atmete Magie ein, schloß einen Moment die Augen und spürte, wie sie von ihr erfüllt wurde. Mit jedem Üben wurde das Gefühl vertrauter, und sie genoß es, die Magie einen Moment in sich zu bewahren, ehe sie sie formte. Dann öffnete sie die Augen wieder. Eine Schüssel. Langsam ließ sie die Magie sich entfalten. Da herunter, den Rand hinauf… vor ihren Augen bewegte sich der Ton erst ruckartig, dann langsamer. Eine etwas verbeulte Schüssel formte sich. Sie versuchte mit dem Rest an Magie, die Kante etwas glatter zu streichen, doch das hatte nur zur Folge, dass die Schüssel eine größere Delle bekam. Etwas unzufrieden ließ sie die Hände sinken und betrachtete ihr Werk. Der Geschmack des leicht verbrannten Sahnekaramell lag in ihrem Mund und passte zu dieser nicht ganz so gelungenen Schüssel. „Hmm, ich glaube, nicht so Musterschülerin, wie du dir das vorstellst.“, sagte sie mit leichter Verzweiflung in dem Versuch, sich wenigstens den Humor zu bewahren. „Na, nun rede dich nicht klein. Für einen ersten Versuch ist das nicht schlecht. Die meisten brauchen schon so ein bis zwei Wochen um soweit zu kommen.“ Mitras hob die Schüssel auf, nahm sie behutsam in seine Rechte und wirkte mit der anderen Hand einen Zauber. „Du auch?“, wagte Kira zu fragen. „Und was machst du da?“ “ Dafür sorgen, dass wir uns immer an deinen ersten gelungenen Versuch erinnern können. Ich habe die Struktur verfestigt, so dass dies nun eine richtige Schüssel ist. Ich bewahre sie als Erinnerung auf, an das erste, naja, an den ersten Übungszauber, den meine erste Schülerin erfolgreich gewirkt hat.“ Kira wurde ein bisschen rot. „Uhm, das… das kann ich aber bestimmt besser… Sowas schiefes kannst du dir doch nirgendwo hinstellen…“ Er öffnete eine Vitrine in der oberen linken Ecke des Schranks und stellte die Schale neben einen ziemlich unförmigen Becher, der ihre Schale schon fast gut aussehen ließ. „Doch, das kann ich, wie du siehst.“ Neugierig stand Kira auf und deutete auf den Becher. „Wer hat den gemacht?“ „Nun, ich war nicht immer der große Meister der Veränderungsmagie. Auch ich habe irgendwann einmal mit einem Tonklumpen angefangen. Mein Meister hat es aber deutlich weniger zu schätzen gewusst. Es war gar nicht so leicht, das gute Stück hier vor ihm zu bewahren.“ Kira trat neben ihn und schaute ihn an. Er wirkte ein wenig traurig. Vorsichtig berührte sie seine Hand. „Danke, dass du meine schiefe Schüssel so schätzt. Du bist ein besserer Mentor als er. Und ein besserer Mensch.“, versuchte sie ihn zu trösten. Diesen Thadeus, der ihm wehgetan hatte, irgendwann würde sie dem wehtun, dass er nicht wusste, wo oben und unten war, beschloss sie grimmig. Jeder, der Mitras wehgetan hatte oder wehtun wollte, jedem würde sie es heimzahlen, wenn sie erst stark genug war.

Mitras spürte förmlich, wie sie bei dieser unerfreulichen Anektdote zornig wurde. Thadeus konnte einem gut die Laune verderben. Aber letztendlich half ihm diese Erfahrung nun seiner Schülerin die richtige Form der Unterstützung zukommen zu lassen. Dass er ihr diesen krummen Becher zeigen konnte half ihr sicher enorm. Sonst sah sie von ihm ja immer nur das Bild des großen mächtigen Zauberers. Sie sollte ruhig wissen, dass er auch klein angefangen hatte. Dann verstand sie auch besser, dass sie durch ihr enormes Potential noch viel weiter kommen würde. Mitras musste aber auch an Nathanaels Warnung denken. Sie Demut zu lehren war auch wichtig, nur dass er dafür nicht gerade der beste Lehrmeister war. Nun, immerhin hatte sie ihm hier aber noch etwas voraus – nach allem, was er bisher wusste, war sie meistens eher bescheiden. Das hatte man von ihm in ihrem Alter nicht behaupten können.

Sie war wieder zurück in die Mitte des Zirkels gegangen und schaute ihn von unten herauf an. „Gibst du mir einen neuen Klumpen Ton? Ich will das besser können.“ Mitras lachte. Ja, an diesem Punkt war sie ihm offenbar aber ähnlich. „Nun gut, wenn der Ehrgeiz dich schon so packt, will ich dem nicht im Wege stehen.“ Er öffnete die Schranktür und blickte zu den Tonwürfeln. „Ich habe allerdings nur noch Material für fünf weitere Versuche. Entweder musst du den Ton wiederverwenden oder warten bis ich neuen besorgt habe.“ Sie ließ einen der Klumpen zu sich heran schweben. „Ich werde ihn schon wieder verwenden. Der kleckert wenigstens nicht.“ Mitras lächelte, dann wurde ihm bewusst, was sie da gerade gesagt hatte. „Moment, wo hast du womit gekleckert?“ „Ähhh, nichts.“ Rasch schloss sie die Augen und er sah, dass sie sich Magie heranzog. Schmunzelnd sah er ihr zu. Durch Zaubern einer unangenehmen Frage entgehen, die Taktik kannte er auch zur Genüge. Wie zu erwarten, wurde die nächste Schüssel dann auch eher ein zerdellter Teller. Zerknirscht sah sie den Ton an. „Ja, das kommt dabei heraus, wenn man nicht genug Konzentration in den Zauber legt, aber ich bin immer noch neugierig. Kira, wobei hast du gekleckert?“ Sie schaute ihn schuldbewusst von unten an. „Mit Wasser. Auf meinen Teppich. Aber nicht doll.“ Eine ihrer Locken hatte sich gelöst und hing über ihrer Nase, und sie pustete sie weg, was allem Zerknirschtsein, dass sie gerade versuchte darzustellen, jegliche Wirkung nahm und ihn beinahe zum Lachen brachte. Möglichst ernst fragte er: „Und wieso hattest du Wasser in deinem Zimmer? Hast du gezaubert oder beim Waschen gepütschert?“ Eigentlich kannte er die Antwort ja schon – über Spritzer beim Waschen wäre sie nicht so verlegen gewesen. Aber zu sehen, wie sie sich ein wenig wand, machte doch Spaß. „Ich hab versucht, das Wasser in meiner Hand auftauchen zu lassen. Ich wollte eben üben…“ Sie blickte zu Boden, doch nicht schnell genug, er hatte ein leichtes Grinsen gesehen. Offenbar wusste sie durchaus, dass sie nicht alleine und in ihrem Zimmer zaubern sollte, aber wirklich leid tat es ihr nicht. Noch etwas, in dem sie ihm ähnlich war, nur das er es deutlich besser verstanden hatte, dass vor Thadeus geheim zu halten. Was allerdings für ihn auch deutlich wichtiger war als für sie. Und obwohl er ihr Vertrauen schätzte, er musste ihr auch ihre Grenzen aufzeigen, ehe sie sich oder andere in Gefahr brachte. Denn das war bei ihrem Potential weitaus wahrscheinlicher als bei ihm! „Kira, du kannst üben, hier im Labor, wo es dafür Schutzzauber gibt, die uns alle, und das schließt dich selbst auch ein, vor den Folgen eines Unglücks schützen. Ich denke mal, dass hier eine kleine Verdeutlichung nötig ist. Morgen soll Abby den Saal und auch den Flur reinigen, aber Morgen wird sie sich eine Auszeit nehmen können. Da wirst du das übernehmen, ohne Magie. Aber ich verstehe auch, dass du mehr Zeit zum Üben brauchst. Solange deine sonstigen Studien darunter nicht leiden, darfst du das Labor auch benutzen, wenn ich nicht da bin. Aber nur zum Üben bekannter Zauber. Ich möchte nicht, dass du dich oder jemand anderes verletzt, weil dir ein neuer Zauber misslingt.“ Sie blickte ihn mit einer ganz seltsamen Mischung von Gefühlen an, erst sah sie kurz wütend aus, dann erstaunt und freudig, dann wieder bockig. Mitras musste sich zusammennehmen, angesichts ihres wechselnden Mienenspiels ernst zu bleiben. Schließlich nickte sie. „Danke und in Ordnung.“ Sie schwieg einen Moment. Dann ergänzte sie leise, den Kopf nach unten gesenkt: „Und danke, dass du eine so milde Strafe ausgesucht hast.“ Mitras zog eine Augenbraue hoch. Den kompletten Salon und Flur zu putzen empfand sie als eine milde Strafe? Nun, er hatte ihre Mutter erlebt. Dann sollte es so sein. Er nickte ihr zu und setzte sich an seinen Schreibtisch. „Dann üb jetzt weiter, ich arbeite hier.“ Sie nickte gehorsam und so verbrachten sie den Rest des Tages gemeinsam im Labor. Nach mehreren Versuchen ging Kira wieder die Magie aus, weshalb er ihr stattdessen einige Bücher zu Verwandlungs- und Telekinesezaubern brachte und ihr vorschlug, dass sie sich den nächsten Zauber selbst aussuchen könnte. Sie lag eine Weile auf dem Boden des Zirkels und las, ehe sie sich aufrappelte und sich selbst an den Schreibtisch setzte, und auch darin, fand er, war sie ihm ähnlich. Das warme Gefühl von Zuneigung lag in ihm, schien beinahe den Raum zu füllen, und obwohl er selbst sich den eher ermüdenden Überlegungen zu einem erneuten Versuch, die Ladezeit der Generatoren zu verlängern, widmete, fühlte es sich doch angenehmer an, gemeinsam zu arbeiten.

Den Salon zu putzen fand Kira eigentlich nicht schlimm, aber als sie am Shengstag gegen Nachmittag immer noch damit beschäftigt war, aus den letzten Ecken Staub und Spinnenweben zu fischen, ärgerte sie sich doch wieder, dass sie sich verplappert hatte. Wie viel lieber würde sie gerade lesen oder zaubern! Und ihre Mathematikaufgaben musste sie auch noch machen. Grummelnd räumte sie das Putzzeug weg und holte zum dritten Mal Abby, um ihre Arbeit prüfen zu lassen. Zu ihrer Erleichterung nickte diese nun endlich und entließ sie von ihrer Strafarbeit. Schnell stürmte Kira die Treppe nach oben. Jetzt rasch umziehen und dann Mathe erledigen. Oder erst ein wenig üben? Konnte ja nicht schaden, endlos lange würde es eh nicht klappen, so lange sie das Fenster nicht aufmachte. Sie nahm sich dennoch ihre Mathematiksachen mit ins Labor. Mitras war nicht da, also angelte sie sich ein Stück Ton und verfeinerte ihren Zauber. Wenn man ehrlich war, versuchte sie es, aber die Schüssel wurde nur unwesentlich schöner und der Geschmack des Verbrannten ging nicht ganz weg, nach ein paar Versuchen hatte sie beinahe das Gefühl, ihr würde wieder schlecht werden, also brach sie ab und vertiefte sich stattdessen in die Mathematikübungen. Diesmal ging es um Veränderliche – wie passend. Di Pinzon hatte ihr einen Text mitgegeben, den er selbst geschrieben hatte, und ihr aufgetragen, sich selbst eine Aufgabe passend zum Text zu überlegen. Das Konzept der Veränderlichen Zahl, zu der eine weitere nach festen Regeln zugeordnet wurde, hatte er ihr auch schon in einem Vortrag erklärt, also überflog sie den Text nur nocheinmal kurz und überlegte dann. Für was gab es feste Zuordnungsregeln, aber die Grundgröße war veränderlich? Preise, hatte di Pinzon gesagt, aber Preise fand sie uninteressant. Gab es Regeln darüber, wie gut eine Schüssel wurde, gemessen an der Menge Magie, die man hineinsteckte? Sie grinste. Vermutlich ja – je länger sie übte, desto besser würde die Schüssel werden. Aber da man die Schönheit einer Schüssel schlecht in Zahlen messen konnte, nahm sie davon wieder Abstand. Ob Mitras Texte zu Mathematik und Magie hatte? Vielleicht konnte sie da abschreiben? Aber nein, di Pinzon hatte eindeutig gesagt, dass sie sich selbst etwas ausdenken sollte. Hmmm… sie betrachtete den Schrank, aus dem Kerzen und Kräuter herausragten. Ah, Kerzen. Je länger eine Kerze brennt, desto geringer wird ihre Höhe. Da gab es bestimmt eine Regel! Sie traute sich nicht, eine der Kerzen aus dem Schrank zu nehmen, vielleicht waren sie magisch. Also ging sie nach unten und besorgte sich eine von William. Die nächste Stunde verbrachte sie damit, die Kerze abbrennen zu lassen und immer wieder ihre Höhe zu messen. In der Zwischenzeit formte sie, nun deutlich entspannter, an der Schüssel weiter herum, bis diese einigermaßen zufriedenstellend aussah. Wie praktisch, Mathe und Magie gleichzeitig erledigen zu können! Die Pausen, die sie brauchte, um die neue Höhe zu messen und aufzuschreiben, waren genau richtig, um wieder mehr Magie in den Raum fließen zu lassen und das flaue Gefühl in ihrem Magen zu verringern, das die Veränderungsmagie immer noch auslöste. Als sie mit der Schüssel halbwegs zufrieden war, wechselte sie zur Telekinese, jonglierte ein wenig und griff dann die Mischung aus Elementarmagie und Telekinese wieder auf, mit der man den kleinen Wasserball formen konnte. Als Mitras gegen 18 Uhr ins Labor kam, konnte sie schon fast einen Ball von der Größe einer Wallnuss erzeugen und schweben lassen.

Frustriert kam Mitras aus dem Keller und ging nach oben. Ein erneuter Versuch war gescheitert. Er hatte versucht den Zauber bei seiner Wanderung durch die Bezirke zu steuern, oder zumindest die Richtung vorhersagen zu können. Zur Sicherheit nutzte er dafür das untere Labor, wo bessere Schutzmechanismen angebracht waren. Das viele Eisen, dass in die schweren Netze eingearbeitet war, behinderten zwar auch seine eigene Magie, aber das war immer noch besser als ein Loch in die Decke oder in eine Wand zu sprengen, stanzen, brennen oder sonstwie das Haus zu beschädigen. Gäbe es noch Festungen wie früher zu Zeiten der Rasenna, dann bräuchte es nur ein dutzend Elektrumzylinder, um binnen einer Stunde genug Breschen in diese zu prügeln, um jede Verteidigung nutzlos zu machen. Es bestand dann nur das Risiko, dass einer der Zylinder plötzlich in die eigenen Reihen einschlug und mit den Belagerern das Gleiche machte, wie mit den Mauern. Mitras wollte da lieber nicht weiter drüber nachdenken. Das Elektrum sollte in Kriegen überhaupt keine Rolle spielen und den Frieden befeuern. Aber dahin schien es noch ein weiter Weg zu sein.

Deprimiert von den Gedanken an Verwüstungen kam er in sein Labor, und stellte fest, dass die Verwüstung ihn nun auch hier aus seinen Gedanken heraus einholte. Kira schien mehr als eine Schüssel explodiert zu sein, überall auf ihrem Stuhl und dem Boden zeigten sich Spuren des Tons, um den Zirkel herum war alles nass. Am schlimmsten war aber die Seite von Kiras Notizen, die gerade anfing eine leichte Rauchfahne zu entwickeln. Er sammelte sich, blies mit einem schnellen und kalten Windhauch die Kerze aus, sammelte die Lehmklümpchen ein und stellte dabei fest, dass es gar nicht so viele waren, Kira es aber geschafft hatte, diese so gestreut zu verteilen, dass es nach einer Katastrophe ausgesehen hatte. Als letztes sammelte er die Pfütze auf, indem er das Wasser in einen Ball zusammen laufen ließ. Kira, die bei seinem Eintreten sich ihm freudestrahlend zugedreht hatte, schaute ihm verwirrt zu. Er lenkte ihn über Kiras Kopf und beließ ihn dort. „Ich denke, diese Form schwebte dir vor, oder?“ Sie drehte den Kopf, um den Ball zu sehen und sagte: „Oha, so viel Wasser habe ich herbeigerufen?“ Mitras sah die Schüssel aus den Augenwinkeln und nickte kurz anerkennend, ihr Nachmittag war anscheinend erfolgreicher als seiner. Aber sie sollte definitv sorgfältiger auf ihre Umgebung achten. Zeit, sie ein bisschen abzukühlen. Er ließ den Wasserball los, der direkt in Kiras immer noch nach oben gewandtes Gesicht fiel. „Mitras!“, kreischte sie. „Nicht, meine Hausaufgaben!“ Sie sprang vom Tisch weg. „Du meinst die, die hier beinahe verbrannt wären?“ Mitras zeigte auf die leicht angesengte Ecke des Blattes neben der Kerze. „Ahh!“, rief sie, rannte zum Schreibtisch und fischte das Blatt herunter, vorsichtig darauf achtend, dass ihre tropfenden Haare nicht das Blatt erwischten. „Ja, oh, meine Güte, ich hab die Kerze vergessen!“ Bevor sie nun wieder mit der Nässe etwas von ihren Unterlagen beschädigen konnte, wischte Mitras einmal mit der Hand und wirkte gezielt einen Hitzezauber auf das Wasser, so dass Kira von einer heißen Dampfwolke umweht wurde, unangenehm, aber ungefährlich. Sie prustete und hustete. „Gut, dass das Labor bei deinen Übungen nass wird, da kann ich drüber hinweg sehen. Dass überall Lehm klebt, gut, sah bei mir in den ersten Wochen wahrscheinlich auch nicht besser aus. Aber eine Kerze unbeaufsichtigt in einem Haufen Papier stehen zu lassen, dass geht zu weit!“ Mitras merkte selbst, wie er mit jedem Satz lauter wurde und versuchte sich zu bremsen. Aber verdammt, ein Feuer hier, das wäre fatal gewesen, für Kira und für seine Unterlagen. Kira blickte ihn verlegen, aber nicht besonders schuldbewusst an. „Uhm, eigentlich war sie ja gar nicht unbeaufsichtigt…“, versuchte sie sich rauszureden. „Und außerdem war es meine Mathematikhausaufgabe.“ „Wenn sie nicht unbeaufsichtigt war, wieso ist dann diese Seite angesengt?“ Mitras deutete auf das Papier. „Ähh…“ sie schaute ihn an, eine Mischung aus Wut und Niedergeschlagenheit. „Weil ich halt nicht so gut bin, wie mein Mentor behauptet? Ich kann halt ganz schlecht üben und Mathe und alles halt!“ Sie warf kurz frustriert die Arme in die Luft. „Wahrscheinlich muss ich jetzt das Labor putzen, gemessen an deiner Lautstärke?“ Bei dem letzten Satz musste Mitras unwillkürlich an Thadeus denken, wie er ihn immer wieder und wieder wegen jeder Nichtigkeit zusammen geschrien oder schlimmeres getan hatte. Von sich selbst beschämt, sammelte er sich kurz. „Wie du siehst, ist das Labor bereits wieder sauber, und ein bisschen unordentlich ist es eh immer. Aber ich möchte auch in Zukunft nicht, dass es verbrennt.“ sagte er nun deutlich ruhiger. „Gut, erkläre mir wieso du in einem Haus, in dem es mehr elektrisches Licht als in Dreiviertel der Stadt zusammen gibt, eine Kerze brauchst.“ Kira blickte ihn misstrauisch an. „Du bist nicht böse? Ich muss nichts putzen und keine andere Strafarbeit machen? Und ich darf weiter hier üben?“ Mitras verschränkte demonstrativ die Arme „Das hängt davon ab, wie du meine Frage beantwortest.“ „Oh, ja. Äh, also…“ Sie verbrachte etwa fünf Minuten damit, ihm zu erklären, dass sie eine Funktion hatte aufstellen sollen und zu diesem Zweck das Abrennen der Kerze beobachtet hatte, was tatsächlich eine ziemlich kreative Idee war. Er selber hätte wahrscheinlich mit wesentlich weniger Sorgfalt eine Preisliste für Schokolade aufgestellt. „Nun gut. Beim nächsten Mal wirst du dir einen Kerzenständer holen und ihn im sicheren Abstand zum Tisch und den Regalen aufstellen, und während ein Feuer brennt, dass du nicht sowieso unter magischer Kontrolle hältst, wirst du nicht zaubern.“ „Ja, Magister.“ Sie knickste sogar, eine wirklich übertriebene Darstellung von Gehorsam, die ihre Missbilligung für seine Regeln ebenso deutlich zeigte wie ihren Willen, sie künftig zu befolgen. Mit dem Wissen über ihre Eltern und seinen eigenen Erfahrungen mit Thadeus, konnte Mitras schon verstehen, dass sie so trotzig reagierte. Er wusste aber auch aus eben diesen Erfahrungen, dass sie sich in dieser Hinsicht nicht sonderlich geschickt anstellte und nur noch mehr Ärger provozierte. Er beließ es dabei. Lieber das eine oder andere Gespräch mit den Kollegen an der Schule, als sich jetzt selbst an diesem Dickkopf abzuarbeiten. Das würde eh nichts bringen, dachte er resignierend mit einem Blick auf seine eigene Vergangenheit. Aber er sollte bei offiziellen Anlässen doch mehr auf sie aufpassen. Als Magierin, selbst als Discipula, genoß sie mehr Privilegien als die meisten Frauen, aber dafür galten auch andere Regeln für sie, die Frauen sonst nicht betrafen. Ihr gegenüber hätte ein gekränkter Adelsbengel sehr wohl das Recht, Genugtuung in einem Duell zu fordern. Er seufzte. Mentor sein war nicht immer so angenehm wie am letzten Silenz.