{"id":142,"date":"2025-01-26T18:39:16","date_gmt":"2025-01-26T18:39:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=142"},"modified":"2024-12-09T18:39:41","modified_gmt":"2024-12-09T18:39:41","slug":"flater-orangentorte-4-firn-242-silenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2025\/01\/26\/flater-orangentorte-4-firn-242-silenz\/","title":{"rendered":"Flater Orangentorte- 4. Firn 242 (Silenz)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Mit dem neuen Oberteil mit dem feinen gr\u00fcnen und wei\u00dfen Bl\u00fctenmuster, dass Abby erst vor wenigen Tagen fertiggestellt hatte und dem passenden gr\u00fcnen Rock dazu, mit Hut und Handschuhen und nat\u00fcrlich den wundervollen Ohrringen, die Mitras ihr geschenkt hatte, f\u00fchlte sich Kira fast vornehm genug, um mit ihrem Magister ausgehen zu k\u00f6nnen. Einen Moment lang stand sie vor dem Spiegel und \u00fcberlegte, dann setzte sich sich nocheinmal, holte ihre selten genutzten Schminksachen hervor und legte ein ganz wenig gr\u00fcne Farbe auf ihre Augenlider. Ja, jetzt war es perfekt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitras wartete bereits unten in der Halle auf sie und nickte ihr freundlich anerkennend zu. &#8222;Das Korsett steht dir! Hat Abby es erst die letzten Tagen fertig gestellt oder hebst du dir so sch\u00f6ne St\u00fccke etwa f\u00fcr einen Ausflug mit deinem alten Mentor auf?&#8220; Kira sp\u00fcrte, wie sie &#8211; mal wieder &#8211; rot anlief. &#8222;Es ist neu.&#8220; sagte sie. &#8222;Und du bist gar nicht so alt.&#8220; Mitras l\u00e4chelte und bot ihr seinen Arm an. &#8222;Irgendwann werde ich neben meiner flei\u00dfigen und \u00fcberaus begabten Sch\u00fclerin aber ganz alt aussehen!&#8220; Kira protestierte, w\u00e4hrend sie sich einhakte: &#8222;Mitras, du bist der j\u00fcngste Magister der letzten Jahrzehnte, erfolgreich, reich und gutaussehend. Ich bin nur ein Dorfkind mit roten Haaren, schlechten Mathekenntnissen und einem Talent f\u00fcr Pferde, ich werde dich niemals alt aussehen lassen.&#8220; Mitras sah sie einen Moment still an, die Hand schon auf dem T\u00fcrknauf, und Kira schaute in seine eisblauen Augen, bis ihr Herz raste. Dann hob er die Hand, legte sie auf ihre Schulter und sagte ernst: &#8222;Diese Sicht auf dich ist das, was ich meine Feinde gerne glauben lassen w\u00fcrde, denn es ist gut, untersch\u00e4tzt zu werden, bis man wirklich stark ist. Aber du solltest niemals vergessen, dass ich in dir eine begabte &#8230;&#8220;, er stockte kurz, &#8222;eine begabte und sch\u00f6ne Frau sehe, die ein faszierendes Talent und geheimnisvolle Potentiale hat. Und ich freue mich, dabei sein zu d\u00fcrfen und dir helfen zu k\u00f6nnen, diese Potentiale zu entfalten, auch wenn du mich dabei in mancherlei Bereichen sicherlich \u00fcberfl\u00fcgeln wirst.&#8220; Kira wusste nicht, was sie sagen sollte, also sagte sie nichts und senkte verlegen den Kopf, um nicht zu zeigen, wie rot sie wurde und wie sehr seine Worte sie mit Gl\u00fcck erf\u00fcllten. Sp\u00e4ter wusste sie nicht, wie sie zum Caf\u00e9 gekommen waren, denn der Sturm aus tausend kleinen Faltern in ihr lie\u00df ihr keine Ruhe, bis Mitras ihr vor einem etwas kleineren Haus zwischen h\u00f6heren Wohnh\u00e4usern aus der Kutsche half und sie dann los lie\u00df. Sie staunte dar\u00fcber, dass es anscheinend mitten in der Stadt ein kleines Haus gab, dass aussah, als h\u00e4tte es auch in der N\u00e4he von Flate auf einem H\u00fcgel liegen k\u00f6nnen: Mit einem kleinen Vorgarten, in dem es zwischen Blumenbeeten einen gewundenen Gang und einige kleine runde Terrassen gab, auf denen abgedeckte Tische standen, einem Dach aus Schilf und einer Wand aus roten Ziegeln zwischen dicken Bohlen. Hinter dem Haus ragten zwei gro\u00dfe B\u00e4ume hervor. Mitras war ihrem Blick gefolgt und schmunzelte. &#8222;Ja, tats\u00e4chlich ist es von Anfang an als Caf\u00e9 geplant gewesen, und um G\u00e4ste anzulocken baute der Besitzer statt eines gro\u00dfen Hauses eine kleine Berger Kate. Dort drinnen gibt es Mittags den besten Fisch und nachmittags hervorragende Torten. Komm, ich habe einen Tisch reservieren lassen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Kiras Belustigung bestellte Mitras eine Flater Orangentorte. Sie konnte ihm nicht erkl\u00e4ren, warum sie dar\u00fcber kichern musste, aber sie nahm sich fest vor, es Abby zu erz\u00e4hlen. Am Anfang hatte sie sich im Caf\u00e9 etwas unwohl gef\u00fchlt &#8211; etliche Personen hatten sich nach ihr und Mitras umgedreht &#8211; aber er hatte einen Tisch bestellt, der etwas in einer Nische lag, und so konnte sie sich entspannen und ihr St\u00fcck Schokoladentorte mit einer ihr unbekannten, r\u00f6tlichen Fruchtmasse darin genie\u00dfen. Die S\u00fc\u00dfe der Schokolade in Kombination mit der S\u00e4ure der Fr\u00fcchte schmeckte hervorragend, und sie schaute Mitras dabei an, w\u00e4hrend sie das Gef\u00fchl im Mund geno\u00df, sp\u00fcrte, wie ihr Herz klopfte und stellte fest, dass heimliches Verliebtsein \u00c4hnlichkeiten mit dieser Torte hatte. Es schmeckte gut, aber war auch ziemlich s\u00e4uerlich. Naja, immerhin war es keine Orangentorte, obwohl die Variante, die Mitras da vor sich stehen hatte, wirklich viel Sahne beinhaltete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras war nicht entgangen, dass ihr die Blicke&nbsp;zu schaffen machten. Er war selbst auch nicht gerade erpicht darauf im Mittelpunkt zu stehen und hatte zu ihrer beider Gl\u00fcck eine der Nischen reserviert. Nun merkte er ihr an, dass sie sich entspannte. Er konnte sich nur keinen Reim darauf machen, was sie an der Tortenwahl so lustig fand. Sowohl f\u00fcr Uldumer als auch Burniaser Verh\u00e4ltnisse war Flater Orangentorte ein absoluter Exot. Normalerweise mochte Mitras sie auch nicht sonderlich, normalerweise jedenfalls. Das urspr\u00fcngliche Rezept war ihm zu bitter, aber hier hatten sie die Torte ein wenig abgewandelt, so dass sie s\u00fc\u00dfer war. Christobal war ein gro\u00dfer Freund dieser Torte, die wohl durch seine Mutter in die Familie gebracht worden war.&nbsp;So hatte Mitras sie letztendlich auch kennen lernen m\u00fcssen und Christobal lie\u00df es auch nicht zu, dass jemand in diesem Backwerk etwas anderes sah, als ein Meisterwerk.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u200b&#8220;Warum denkst du, dass ich andere Magieformen probieren sollte, Magister? Und welche \u00fcberhaupt?&#8220;, fragte Kira, als sie ihre Torte fast aufgegessen hatte. Mitras wirkte rasch einen kleinen Stillezauber, der ihnen die n\u00f6tige Privatsph\u00e4re gew\u00e4hren w\u00fcrde, und antwortete dann:\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b &#8222;Weil du anscheinend schon unterbewusst Zugang zu den eher priesterlich angehauchten Varianten der Elementarmagie gefunden hast. Priester wirken Zauber \u00e4hnlich wie wir, nur dass sie zum einen nicht selbst Magie sch\u00f6pfen, daf\u00fcr brauchen sie die Hilfe von ihnen wohlgesonnenen Geistern, und zum anderen formen sie die Magie nicht durch Formeln, sondern durch Gebete oder Ges\u00e4nge. Beides ist nat\u00fcrlich auch wieder eine Form von Formulierung, aber nicht so exakt wie in der Gildenmagie, was dann wiederum ausladendere Formulierungen n\u00f6tig macht. Du selbst brauchst keine Hilfe von Geistern und hast deine eigene Magie genutzt. Wobei es hier seltsam wird. Normalerweise unterscheiden sich die reinen Magiestr\u00f6me von Priestern und Zauberen, was dazu f\u00fchrt, dass sie die Zauber der jeweils anderen Proffession nicht wirken k\u00f6nnen. Das scheint f\u00fcr dich aber nicht zu gelten, was wohl daran liegt, dass du so lange mit deinem Bruder Harras zusammen warst. Ich wei\u00df nicht wie, aber unterbewusst hast du gelernt deine Magie f\u00fcr seine Zauber zu nutzen. Ich glaube, dass es dir dadurch auch leichter fallen k\u00f6nnte, verwandte Elementarzauber zu erlernen. Die Systematik der Magie hast du ja schon anhand der Telekinese erfahren. Deswegen glaube ich auch, dass du mich irgendwann \u00fcberfl\u00fcgeln wirst. Nat\u00fcrlich nicht in der Verwandlung unbelebter Materie, aber Elementarmagie liegt mir selbst \u00fcberhaupt nicht. Du scheinst da ein breiter aufgestelltes Talent zu haben. Das ist recht selten, aber auch nicht komplett ungew\u00f6hnlich. Nur dein Potential, das ist mir so noch nicht begegnet, wird f\u00fcr dich aber hoffentlich auch kein Problem sein.&#8220; Kira schaute ihn aufmerksam an, ihre Wangen ein wenig ger\u00f6tet, und ab und zu runzelte sie die Stirn oder wiegte den Kopf, wie sie es oft tat, wenn sie \u00fcber seine Vortr\u00e4ge nachdachte. Mitras sp\u00fcrte wieder einmal, wie stolz er darauf war, eine solche Sch\u00fclerin unterweisen zu k\u00f6nnen.&nbsp;&#8222;Deine Erz\u00e4hlung \u00fcber deinen imagin\u00e4ren Freund deutet auch noch auf ein weiteres Talent hin. So wie du ihn beschrieben hast, w\u00fcrde ich eher auf einen Geist tippen, der sich bewusst an dich gehangen hatte, weil du ihn sehen kannst. Tats\u00e4chlich ist es vielen Kindern begrenzt m\u00f6glich Geister zu sehen, wenn diese es denn wollen, aber die meisten verlieren diesen Kontakt dann schon im fr\u00fchen Alter wieder. Bleibt der Kontakt l\u00e4nger bestehen als bis zum sechsten oder siebten Lebensjahr, dann ist das ein deutliches Zeichen f\u00fcr eine hellseherische Begabung. Neben den Priestern sind es vor allem die Zauberer der Hellsicht Schule, die mit Geistern kommunizieren k\u00f6nnen. Wobei das nat\u00fcrlich nur ein Aspekt dieser Lehre ist. Du siehst also, deine F\u00e4higkeiten sind breit aufgestellt. Du solltest dich in allen Schulen ein bisschen ausprobieren, damit sich die Magie immer nat\u00fcrlicher f\u00fcr dich anf\u00fchlt. Ich hoffe, dass sich dann auch irgendwann deine Angst vor der Verwandlungsmagie l\u00f6st.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, das w\u00e4re tats\u00e4chlich gut. Aber jetzt gerade, in diesem vornehmen Caf\u00e9 und Mitras Stimme lauschend, die ihr eine unglaublich Zukunft vorhersagte und sie ja geradezu mit Komplimenten \u00fcbersch\u00fcttete, hatte Kira nicht das Gef\u00fchl, dass sie sich noch vor igrendwas f\u00fcrchtete &#8211; nicht mal mehr, von einem Mann angefasst zu werden. Sie w\u00fcrde jemanden wie Johann das n\u00e4chste Mal einfach mit Magie umpusten. Sie grinste. Mitras erwiderte ihr L\u00e4cheln, doch dann wurde seine Miene pl\u00f6tzlich steif und ver\u00e4rgert. Sie drehte sich, um seinem Blick zu folgen und sah, wie der Kellner zwei M\u00e4nner in Anz\u00fcgen an einen Tisch nicht weit von ihnen geleitete. Der \u00e4ltere der beiden trug silberne Stickereien am Kragen und an den \u00c4rmeln seines Jackets, war also ein Magier. Er blickte einmal durch den Raum, und offenbar erkannte er Mitras ebenso, wie Mitras ihn erkannt hatte. Etwas verschlagenes glitt \u00fcber sein Gesicht und Kira wusste instinktiv, dass sie diesen Mann nicht mochte. Irgendwas an ihm erinnerte sie auch an Johann, und w\u00e4hrend er auf ihren Tisch zutrat, verschwand all ihr Hochgef\u00fchl schlagartig und wich einem beklemmenden Gef\u00fchl in der Magengegend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Kira nahm alles, was er sagte, gut auf, er konnte es f\u00f6rmlich sehen wie es in ihrem Kopf arbeitete und sie anfing M\u00f6glichkeiten wahrzunehmen. Sie bot auch f\u00fcr ihn Chancen, durch sie erfuhr er, dass es gar nicht so schlecht war Lehrer zu sein, vorausgesetzt der Sch\u00fcler oder die Sch\u00fclerin war so f\u00e4hig wie Kira. Nach seinem Monolog blickte er sich kurz zufrieden um, es schien ein vollkommener Nachmittag zu werden. Er geno\u00df die Zeit sehr, bis sein Blick auf zwei neue G\u00e4ste fiel, die gerade eingetreten waren und nun fast direkt auf sie zu geleitet wurden. Die Gebr\u00fcder di Porrum. Er riss sich stark zusammen, um sich nicht sofort seine komplette Abscheu anmerken zu lassen, aber es gab nichts, was ihn diesen Tag mehr verderben konnte als diese beiden. W\u00e4hrend Cepus sich an den angewiesenen Tisch setzte, blickte ihn Secus direkt an und kam auf ihn zu. Unter dem Tisch glitten Mitras H\u00e4nde unwillk\u00fcrlich zu den Elektrumarmb\u00e4ndern, w\u00e4hrend er den Stillezauber fallen lie\u00df. Er trug sonst keine Waffen, auch weil er Kira in der Stadt ein Gef\u00fchl von Sicherheit geben wollte. Au\u00dferdem war ein Rapier in einer Umgebung wie dieser doch unschicklich. Aber diese eigene Sicherheit hatte er gebraucht und es war den verschlungenen B\u00e4ndern ja auch nicht anzusehen, dass sie innerhalb eines Augenblickes zu t\u00f6dlichen, nahezu alles schneidenden Klingen werden konnten. &#8222;Ah Magister Mitras, hat es euch doch einmal aus der Alchimistenh\u00f6hle getrieben?&#8220;, begann Secus mit einem \u00fcberaus h\u00f6flichen Ton, der seine Beleidigung doch nicht verbergen konnte. &#8222;Und wer ist diese rothaarige Begleitung?&#8220;&nbsp;&#8222;Nun Secus, als ehrenwerter Magister der Schule verbringe ich viel Zeit mit den wichtigen Forschungsauftr\u00e4gen, ebenso mit den Auftr\u00e4ge des K\u00f6nigshauses und nun habe ich auch noch die Freude mich, in Vorbereitung auf meine weitere Gildenkarriere, als Lehrmeister zu profilieren. Diese werte Dame hier ist meine Sch\u00fclerin Kira Silva. Kira, dies ist Secus di Porrum Erbe des Grafen di Porrum. Ein fr\u00fcherer Sch\u00fcler von Erzmagier di Hedera.&#8220; Secus&nbsp; deutete eine Verbeugung Kira gegen\u00fcber an und verbesserte: &#8222;Magister di Porrum. Sie haben mein Beileid.&#8220; Kira schaute ihn k\u00fchl an und deutete mit einer leichten Kopfbewegung eine Verbeugung an, gerade genug, um den Regeln der H\u00f6flichkeit zu folgen. &#8222;Ich w\u00fcsste nicht, wof\u00fcr man mich bedauern m\u00fcsste, Magister di Porrum.&#8220; Mitras musste sich zusammen rei\u00dfen, nicht laut aufzulachen. Das war sein M\u00e4dchen! Mit nur einem Satz nahm sie das ganze Gehabe seines Gegners einfach auseinander. Secus runzelte die Stirn und sagte geh\u00e4ssig: &#8222;Nun, das kann ich mir bei Ihrer Herkunft lebhaft vorstellen.&#8220; Zu Mitras gewandt erg\u00e4nzte er: &#8222;Wenn es Sie dann zu sehr einnimmt, ein ehrenwerter Mentor zu sein, k\u00f6nnen Sie ja jederzeit auf mein Angebot zur\u00fcckkommen. Aber ich werde den Preis, den ich bereit bin zu zahlen, verringern, wenn Sie noch lange warten.&#8220;&nbsp;&#8222;Das wird nicht n\u00f6tig sein. Ich habe bereits einen Vertrag mit der Schule der Verwandlung abgeschlossen. Der Erzmagier di Hedera hat mir den \u00e4u\u00dferst f\u00e4higen Erzmagier di Camino, einen ausgezeichneter Metallurgen, zur Unterst\u00fctzung zur Seite gestellt. Nat\u00fcrlich wird mich die Schule nur bei der Grundlagenforschung unterst\u00fctzen, da ich bisher der einzige bin, der die Geheimnisse dieses neuen Stoffes wirklich zu meistern verstanden hat. Daf\u00fcr wurde ich ja auch von der Gilde und dem K\u00f6nig ausgezeichnet. Wenn Sie eine \u00e4hnliche Expertiese vorbringen k\u00f6nnten, dann w\u00fcrde ich Ihr Angebot ja in Betracht ziehen, aber so. Es tut mir leid.&#8220; Mitras war absichtlich ein wenig lauter geworden und nahm zufrieden zur Kenntnis, dass sich bereits mehrere Leute in ihre Richtung umgedreht hatten und sicher auch genug vom Gespr\u00e4ch mitbekamen. Das wurde nun wohl auch Secus bewusst, der sich err\u00f6tend und w\u00fctend kurz umsah.&#8220;Das wird dir noch leid tun!&#8220;, zischte er leise, ehe er sich umdrehte und zu seinem Bruder zur\u00fcck ging, der am anderen Tisch sitzen geblieben war. Er sagte kurz etwas und rauschte dann zur T\u00fcr hinaus, seinen Bruder hinter sich. Einen Moment lang war es still, dann begannen an allen Tischen die Gespr\u00e4che wieder, als sei allen bewusst geworden, wie unh\u00f6flich die Stille war. Mitras atmete einige Mal bewusst ein und aus, um seine Gef\u00fchle zu kontrollieren, und schaute dann Kira an. Sie hatte das wunderbar gemacht, aber dennoch&#8230; ein unbestimmtes Gef\u00fchl von Sorge lag auf seiner Brust. Secus war nachtragend, er w\u00fcrde auch nicht vergessen, dass sie ihn hatte auflaufen lassen. Er hoffte inst\u00e4ndig, dass er danach Secus selbst genug gereizt hatte, um von Kira abzulenken. Er sollte ihr vielleicht nun auch ein paar Zauber zur Selbstverteidigung beibringen. Nur zur Sicherheit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira a\u00df schweigend ihre Torte auf. Sie schmeckte gar nicht mehr so gut, seitdem sie den Disput zwischen Mitras und diesem Magister di Porrum angeh\u00f6rt hatte. Zu sehr f\u00fchlte sie sich an die Dispute ihrer Eltern erinnern, an Torges Geh\u00e4ssigkeit und an das Geschw\u00e4tz der Dorfweiber, denen es ja doch immer nur darum ging, sich selbst besser dastehen zu lassen. Mitras war erfolgreich, aber dass er das so hervorhob, war ihr bisher nicht begegnet, und sie fand, dass es diesem schmierigen Mann gegen\u00fcber zwar wohl angemessen war, aber Mitras h\u00e4tte dabei nicht so laut werden m\u00fcssen. Kira mochte nicht, wenn jemand laut wurde, egal warum. Und jemanden anderen \u00f6ffentlich blo\u00dfzustellen, und sollte er noch zu unsympathisch sein, hinterlie\u00df einen schalen Geschmack in ihrem Mund. Was, wenn Mitras sich so gegen sie richtete? Das w\u00fcrde sie vermutlich nicht aushalten, realisierte sie. Zu oft war sie selbst Ziel von Spott und Hohn gewesen. Von anderen w\u00fcrde sie es ertragen, aber der Ton, den sie eben an Mitras geh\u00f6rt hatte, machte ihr Angst. Von ihm, unter allen Menschen, von ihm w\u00fcrde sie sowas nicht ertragen. Nachdenklich r\u00fchrte sie in ihrem Tee herum und sp\u00fcrte, wie ihr das Herz wehtat bei dem Gedanken, nicht mehr in seiner N\u00e4he sein zu k\u00f6nnen, von ihm abgelehnt zu werden. Was war nur in den letzten Wochen mit ihr passiert, dass ihr es pl\u00f6tzlich so wichtig war, was jemand anderes \u00fcber sie dachte? Sie war doch immer frei gewesen, selbst ihre Mutter hatte sie nicht so getroffen, wie Mitras Stimme und auch nur der Gedanke daran, dass er sich gegen sie richten k\u00f6nnte, es jetzt gerade tat. Sie schaute ihn vorsichtig von unten herauf an. Er sa\u00df schweigend da und sah sie an, aber sie konnte keinerlei Ablehnung entdecken. Machte er sich Sorgen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras merkte, dass Kira nun besorgt und niedergeschlagen war. Dieser verfluchte Bastard hatte ihnen beiden den Nachmittag geh\u00f6rig verdorben. Wie konnte Mitras das nur wieder richten? Mittlerweile fing es auch an zu d\u00e4mmern. Von hier war der obere Teil des Avens nicht weit. Dort gab es einen leichten H\u00fcgel mit einer kleinen Aussichtsplattform. Vom Aristrokratenviertel konnte man von dort zwar nichts sehen, aber das H\u00e4ndlerviertel, die Altstadt, der Hafen, all das lag darunter ausgebreitet und auch die Gebiete im Norden konnte man sehen, wenn es nicht zu viel Nebel \u00fcber dem Avens gab. Weit war es nicht. &#8222;Kira, ich m\u00f6chte dir noch etwas zeigen. Der Tag soll auf einer besseren Note enden. Wenn du nichts dagegen hast, werden wir jetzt noch einen kleinen Spaziergang machen.&#8220;&nbsp;Kira nickte. &#8222;Selbstverst\u00e4ndlich, Magister.&#8220; Die f\u00f6rmliche Rede stach ein bisschen, war aber hier in der \u00d6ffentlichkeit wahrscheinlich angebrachter als sein eigener vertraulicher Tonfall. &#8222;Gut.&#8220; Er winkte einen der Kellner heran und beglich die Rechnung und erg\u00e4nzte sie, mit einem Nicken auf den leeren Tisch, an dem die di Porrums sich hatten setzen wollen, um ein gro\u00dfz\u00fcgiges Trinkgeld. Es \u00e4rgerte ihn, dass er nirgends vor den \u00dcbergriffen seiner Feinde sicher war, aber so konnte er sich wenigstens bei dem unn\u00f6tig in Mitleidenschaft gezogenen Personal entschuldigen. Der Kellner nickte mit einem wissenden Blick und sagte dann zum Abschied: &#8222;Meine Dame, mein Herr, ich hoffe Sie bald wieder in unserem Haus begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.&#8220; Er verbeugte sich noch einmal tief. Mitras war nicht entgangen, dass er sehr darauf geachtet hatte, dass andere es mitbekamen, wer der Meinung des Personals nach der St\u00f6renfried gewesen war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras geleitete Kira aus dem Haus und die Stra\u00dfen entlang zu der Plattform. Sie wirkte immer noch ziemlich niedergeschlagen und das bedr\u00fcckte ihn mehr, als er sich eingestehen wollte. Doch als sie auf der Plattform standen und unter ihnen in der lilanen D\u00e4mmerung die Lichter der Stadt nach und nach aufgl\u00fchten, fand sie zu seiner Erleichterung zu ihrer \u00fcblichen Unbeschwertheit zur\u00fcck und staunte \u00fcber die Aussicht. Er unterdr\u00fcckte den Implus, sie in den Arm zu nehmen, und fasste nur ein wenig ihre Hand, um sie zu dr\u00fccken, und sagte: &#8222;Es freut mich, dass dir deine neue Heimat gef\u00e4llt.&#8220; Kira l\u00e4chelte ihn scheu an, erwiderte den Druck aber und fl\u00fcsterte, den Blick \u00fcber die Stadt gleiten lassend: &#8222;Heimat. Danke, dass du mir eine gibst.&#8220;<\/em> <em>Einen Moment lang standen sie schweigend, dann kamen von unten die Treppe herauf einige Leute und Mitras beeilte sich, ihre Hand loszulassen. Man war nirgendwo sicher, und derartige Vertrautheit sollte besser niemand wahrnehmen, dass war ihm nach dem heutigen Nachmittag nocheinmal deutlich bewusst geworden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Mit dem neuen Oberteil mit dem feinen gr\u00fcnen und wei\u00dfen Bl\u00fctenmuster, dass Abby erst vor wenigen Tagen fertiggestellt hatte und dem passenden gr\u00fcnen Rock dazu, mit Hut und Handschuhen und nat\u00fcrlich den wundervollen Ohrringen, die Mitras ihr geschenkt hatte, f\u00fchlte sich Kira fast vornehm genug, um mit ihrem Magister ausgehen zu k\u00f6nnen. 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