{"id":146,"date":"2025-02-09T18:40:14","date_gmt":"2025-02-09T18:40:14","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=146"},"modified":"2024-12-09T18:40:46","modified_gmt":"2024-12-09T18:40:46","slug":"quatsch-machen-10-firn-242-silenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2025\/02\/09\/quatsch-machen-10-firn-242-silenz\/","title":{"rendered":"Quatsch machen &#8211; 10. Firn 242 (Silenz)"},"content":{"rendered":"\n<p>Sebastian zeigte sich am n\u00e4chsten Tag hinreichend beeindruckt von Kiras leisem Bericht, den sie ihm in einem kleinen Nebenraum des Lesesaals gab &#8211; nat\u00fcrlich nicht, ohne vorher den Raum nach magischen Spionen abgesucht zu haben. Gemeinsam lasen sie anschlie\u00dfend in ein paar historischen B\u00fcchern \u00fcber die Skir, weiterhin auf der Suche nach Hinweisen zu den Hexen der Skir, aber au\u00dfer schaurigen Kriegsm\u00e4rchen fand Kira nur den Hinweis, dass Skirhexen wohl durchaus einige Spionagezauber konnten. &#8222;Sie reisen durch den Raum wie ein Geist&#8220;, schrieb einer der Autoren, &#8222;und willst du ihnen schaden, musst du ihren K\u00f6rper finden. Aber dieser wird zumeist eifrig bewacht von ihrem Gemahl, der die Hexe mit Leichtigkeit selbst an den fernsten Orten erreichen kann.&#8220; Wie genau dieser Zauber aber funktionierte, stand dort leider nicht weiter. Sebastian tr\u00f6stete sie, indem er ihr von den magischen Versuchen in Grundlagen der Elementarmagie erz\u00e4hlte, die seine Schwester anscheinend gerade plagten, und ihr ein passendes Buch besorgte, das es in Mitras Bibliothek nicht gab. Bis zum Shengstag gelang es Kira damit sehr zu Mitras Bewunderung, einen winzigen Ball aus Wasser in ihrer Hand zu erzeugen. Nunja, eigentlich eher eine Pf\u00fctze, aber immerhin. Sie beschlo\u00df, passende Telekinesezauber zu \u00fcben, damit das Wasser bei ihr ebenso sch\u00f6n \u00fcber der Hand in einer Kugel flie\u00dfen konnte, wie es das bei Mitras tat, als er ihr vorf\u00fchrte, wie der Zauber aussehen konnte. Am Abend des Shengstages zog Mitras sich eine ganze Weile mit Stefania in sein Labor zur\u00fcck, weshalb Kira erst \u00fcberlegte, ob sie weiter in ihrem Zimmer \u00fcben sollte, es dann aber nach einigen Versuchen abbrach &#8211; erstens hatte sie auf den Teppich gekleckert und zweitens sp\u00fcrte sie auch hier wieder, dass es m\u00fchsam war, sehr lange viel Magie zu sich zu ziehen. Sie gr\u00fcbelte, warum Mitras das so leicht fiel und warum es beim Laden des Generators noch nie dazu gekommen war, dass sie das Gef\u00fchl gehabt hatte, der Raum sei leer. Allerdings brachte sie dieser Gedanke&nbsp;letztendlich zur\u00fcck zu dem Anblick von Mitras, der das Wasser \u00fcber seiner Hand hatte tanzen lassen, und sie seufzte verliebt und lie\u00df sich auf den Tisch sinken, um sich dieser Erinnerung hinzugeben. Er hatte so gut ausgesehen, und das Wasser und seine Augenfarbe hatten so gut zusammen gepasst&#8230; Nach einer Weile des Schw\u00e4rmens setzte sie sich entschlossen hin, holte ihre k\u00fcrzlich gekauften Buntstifte hervor und begann, aus der Erinnerung ein Bild zu malen. Das w\u00fcrde sie gut versteckt immer bei sich haben k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p>Am Morgen des Silenz wachte sie erholt und aufgeregt auf. Heute hatte Mitras ihr angek\u00fcndigt, dass sie mit Frederieke und ihren beiden Kindern, Valencia und Julius, einen Ausflug zur Klippe oberhalb des Palastes unternehmen w\u00fcrden. Sie blickte zum Fenster hinaus und sah dicke Flocken Schnee rieseln. Hoffentlich wurde der Ausflug nicht abgesagt! Rasch zog sie sich an und ging nach unten, wo William bereits dabei war, den Fr\u00fchst\u00fcckstisch zu decken.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Guten Morgen, Kira!&#8220;, begr\u00fc\u00dfte er sie. &#8222;Na, hast du das Langschlafen wieder eingestellt?&#8220; Kira nickte ein wenig verlegen. &#8222;Kann ich dir helfen?&#8220; versuchte sie abzulenken. William sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Nein, eigentlich ist alles fertig, nur der Herr des Hauses fehlt. Magst du ihn wecken?&#8220; Kira bejahte und ging nach oben, stand dann aber verlegen vor Mitras Zimmert\u00fcr. Was sollte sie sagen? Sein Schlafzimmer hatte sie noch nie von innen gesehen. Sollte sie nur klopfen? Eigentlich war sie schon gespannt, wie dieser Raum aussah &#8211; ob er ihn ebenso gut ausgestattet hatte wie ihr eigenes Zimmer? Sie hob die Hand und klopfte. Nichts geschah. Etwas lauter klopfte sie erneut.\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b&#8220;Jaja, Abby, ich komme ja schon, hat William dich wieder hochgescheucht? Es ist doch noch genug Zeit bis Frederieke kommt, da muss er nicht so rumdr\u00e4ngeln!&#8220; Kira z\u00f6gerte. Was sollte sie sagen? Ehe sie sich sammeln konnte, ging die T\u00fcr auf und Mitras stand vor ihr. Er hatte eine schwarze, dicht gewebte Leinenhose an und sonst nur ein noch nicht zugekn\u00f6pftes Hemd, was ihr einen deutlichen Blick auf seine Brust gab. Sein Oberk\u00f6rper war muskul\u00f6ser als sie bei seiner Statur erwartet hatte. Erschrocken wich sie ein St\u00fcck zur\u00fcck und blickte nach unten, was allerdings nur dazu f\u00fchrte, dass ihr Blick \u00fcber seinen ebenso muskul\u00f6sen Bauch wanderte.&nbsp;&#8222;Oh, guten Morgen Kira. Mit dir habe ich jetzt gar nicht gerechnet.&#8220; Er wirkte pl\u00f6tzlich ein wenig verlegen und begann schnell das Hemd zuzukn\u00f6pfen. &#8222;Aber ich nehme mal an, dass ich deinen Besuch auch dieser fr\u00fchmorgendlichen Nervens\u00e4ge&nbsp;William verdanke, oder?&#8220; Kira blickte angestrengt zu Boden und nickte heftig. &#8222;Tu&#8230;tut mir leid.&#8220; Sie hatte das Gef\u00fchl, dass ihr Kopf rauschte. Vermutlich war sie f\u00fcrchterlich rot. Sie linste ein wenig nach oben und bemerkte, dass ein Teil von ihr tats\u00e4chlich bedauerte, dass er gerade den letzten Knopf des Hemdes schlo\u00df. &#8222;Er sagte, ich solle dich zum Fr\u00fchst\u00fcck holen, alles andere sei schon fertig.&#8220; Mitras lachte. &#8222;Gut, gut, sag ihm ich komme gleich, und kopf hoch, so schlimm sehe ich nun auch wieder nicht aus.&#8220; sagte er mit einem schelmischen Grinsen und drehte sich wieder in sein Zimmer um. &#8222;Nein, gar nicht!&#8220; platzte es aus ihr heraus, ehe sie dar\u00fcber nachdachte. Dann schluckte sie. Oh, Geister, hatte sie das wirklich laut gesagt? Mitras reagierte nicht, und Kira ergriff die Flucht in ihr eigenes Zimmer, wo sie sich eine Weile in ihr Kopfkissen vergrub, bis das Rauschen des Blutes in ihren Ohren aufh\u00f6rte und ihr Atmen wieder normal funktionierte. Wieso hatte sie ihr loses Mundwerk immer noch nicht im Griff, hatte ihr der ganze \u00c4rger in Bispar nicht gereicht? Sie schimpfte mit sich selber und merkte dabei nicht, dass jemand in den Raum getreten war. Erst als Mitras sich hinter ihr r\u00e4usperte, fuhr sie hoch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras hatte das erste Klopfen gar nicht richtig mitbekommen, er war da noch mitten in seinen \u00dcbungen gewesen. Er war nach wie vor kein Morgenmensch, aber seit er den Regenerationszauber angewandt hatte, war er morgens deutlch fitter und fr\u00fcher auf den Beinen. Das nutzte er nun schon seit einigen Wochen, um sich auch k\u00f6rperlich wieder in Form zu bringen. Seine Bewegungen wurden langsam wieder flie\u00dfender und geschmeidiger und er vermochte den Rapier nun schon fast wieder so k\u00fcnstlerisch zu f\u00fchren wie fr\u00fcher. Nun war er gerade dabei sich vom Schwei\u00df zu befreien und sich f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck fitt zu machen, als es klopfte. Als er die T\u00fcr \u00f6ffnete und dann pl\u00f6tzlich Kira statt Abby vor ihm stand, \u00fcberraschte ihn das doch sehr. Erst an ihrer Reaktion merkte er, dass er sich noch nicht weiter angezogen hatte, aber so viel Sch\u00fcchternheit hatte er trotzdem nicht von ihr erwartet. Er war doch sicherlich nicht der erste Mann, den sie mit offenem Hemd sah. Sie sah gut aus, und selbst wenn es auf dem Dorf wahrscheinlich nur Deppen gab &#8211; einige noch idiotischer, wie er selbst hinzuf\u00fcgte &#8211; so nahm er doch an, dass sie schon sexuelle Erfahrungen gemacht haben musste. Kurz blitzte die Erinnerung an ihre Erz\u00e4hlung \u00fcber den Angriff des Baronsbastards auf, und er korrigierte seine eigene Einsch\u00e4tzung. Sie hatte noch nie mit jemandem geschlafen, nun gut, aber es gab ja auch einiges, was man davor tun konnte. Warum sollte ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen wie sie nicht auch ein paar nicht ganz so bescheuerte Verehrer gehabt haben? Auf jeden Fall war ihre Reaktion am\u00fcsant. Und dann erst ihre Verteidigung seines Aussehens! S\u00fcss von ihr, dachte er grinsend bei sich, und kam sich nochmal f\u00fcnf Jahre j\u00fcnger vor. Er drehte sich noch einmal zur T\u00fcr um, aber da war sie schon weg. Da er sie nicht die Treppe runtergehen h\u00f6rte, war sie wohl nochmal in ihr Zimmer gegangen. Er zog sich schnell fertig an und trat auf den Flur. Ihre T\u00fcr war offen, dennoch klopfte er von au\u00dfen einmal, erhielt jedoch keine Reaktion. Er zuckte mit den Schultern und trat ein. Sie lag auf dem Bett, den Kopf in die Kissen gedr\u00fcckt, schluchste aber nicht. Einen Moment hatte er sich schon Sorgen gemacht, dass diese doch so harmlose Szene sie getroffen haben k\u00f6nnte, aber das war wohl nicht der Grund. Er r\u00e4usperte sich laut, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie fuhr hoch, und ihre fahrigen Bewegungen erinnerten ihn so deutlich an ein Eichh\u00f6rnchen, dass man dabei aufschreckte, wie es eine Nuss \u00f6ffnete, dass er beinahe gelacht h\u00e4tte. &#8222;Ich dachte ja nicht, dass du bei dem Anblick gleich wie ein erschrecktes Eichh\u00f6rnchen vor dem Wolf ins Nest fl\u00fcchtest.&#8220;&nbsp;neckte er sie. &#8222;Komm, lass uns zusammen runter gehen. Jetzt warten sie bestimmt schon auf uns.&#8220; Kira, deren Gesichtfarbe sich normalisiert hatte, lief wieder rot an. &#8222;Ich bin nicht&#8230;&#8220; Sie brach ab. &#8222;Magst du Eichh\u00f6rnchen?&#8220; Die Frage \u00fcberraschte ihn. &#8222;\u00c4hm ja, doch sehr. Ich meine, wie kann man diese kleinen s\u00fc\u00dfen Dinger nicht m\u00f6gen.&#8220; Nun merkte er, wie er leicht err\u00f6tete. Er wusste selbst nicht, was er an diesen kleinen flauschigen Nagern so toll fand, aber eine Welt ohne sie f\u00e4nde er doch sehr traurig. Kaum etwas konnte ihm den Tag so sehr vers\u00fc\u00dfen, wie einem roten Eichh\u00f6rnchen zu begegnen. Kira schien mit der Antwort zufrieden zu sein, denn ein kleines L\u00e4cheln stahl sich auf ihr Gesicht. Sie stand ganz auf, strich ihr Kleid glatt und ging an ihm vorbei. &#8222;Dann geht dein Eichh\u00f6rnchen jetzt nat\u00fcrlich mit dir fr\u00fchst\u00fccken.&#8220;, sagte sie, nicht besonders laut, aber er hatte es dennoch geh\u00f6rt, und er folgte ihr mit einem breiten Grinsen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck verlief ohne weitere Zwischenf\u00e4lle und gerade, als Mitras aufstand, klingelte es an der T\u00fcr. Abby lief hinaus und nach wenigen Minuten h\u00f6rte Kira ein lautes Kreischen. &#8222;Onkel Miiiiiitraaaas! Onkel Miiiitraaaas! Wir sim da!&#8220; Kleine F\u00fc\u00dfe trappelten und dann st\u00fcrmte erst ein M\u00e4dchen zwischen 6 oder 7 und anschlie\u00dfend ein etwa halb so alter Junge ins Esszimmer. Die Kleine war eindeutig ein Kind der Familie Venaris, sie hatte lange braune Z\u00f6pfe und ebenso eisblaue Augen wie Mitras. Ihr Bruder hingegen, der noch eine Winterjacke und seine M\u00fctze trug, hatte anscheinend deutlich hellere Haare und gr\u00fcnlich-dunkle Augen, kam also vermutlich mehr nach seinem Vater. Kira wusste schon, wie die beiden hie\u00dfen: Valencia und Julius. Erstere sprang Mitras, der aufgestanden war, beinahe in die Arme, und er hob sie hoch in die Luft, was sie mit einem freudigen Lachen quittierte. &#8222;Is auch! Is auch!&#8220;, quengelte ihr kleiner Bruder, und Mitras lie\u00df seine Schwester los, hob ihn locker hoch und schwang ihn herum, wobei er fast die Lampe \u00fcber dem Tisch getroffen h\u00e4tte. Kira musste unwillk\u00fcrlich lachen. Schade, dass Mitras keine eigenen Kinder hatte, dachte sie, er w\u00e4re bestimmt ein guter Vater. &#8222;Bist du Onkel Mitras neue Frau?&#8220;, fragte Valencia, die nun pl\u00f6tzlich vor ihr stand. Kira blickte sie verbl\u00fcfft an. &#8222;\u00c4h, nein, ich bin&#8230; \u00e4h, seine Discipula.&#8220;, stammelte sie. Seine Frau zu sein war selbst f\u00fcr ihre verliebte Vorstellung gerade etwas zu viel. &#8222;Was ist eine Discipula?&#8220; &#8222;Das ist jemand, der lernt, Magie zu benutzen. Und dein Onkel erkl\u00e4rt Kira, wie das geht. So wie deine Lehrer dir erkl\u00e4ren, wie Lesen und Schreiben geht.&#8220;, antwortete Frederieke, die hinter den Kindern ins Zimmer getreten war und Kira blickte sie dankbar an. &#8222;Warum lernt Kira Magie? Ich will auch Magie lernen!&#8220; Frederieke l\u00e4chelte ihre Tochter an. &#8222;Nun, dazu muss man das Talent haben. Wir werden sehen, ob du das auch hast, aber noch bist du etwas zu jung daf\u00fcr. Und jetzt erstmal Schlu\u00df mit Fragerei.&#8220; Valencia zog eine Schnute, schwieg aber. Kira fand, dass die Fragerei eigentlich nur halb so schlimm war &#8211; immerhin war es wichtig, Fragen zu stellen. Mitras Nichte schien ausgesprochen neugierig zu sein, ein aufgewecktes M\u00e4dchen auf jeden Fall. Kira mochte sie &#8211; wobei, sie mochte eigentlich alle aus der Familie Venaris.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigen Worten der weiteren Begr\u00fc\u00dfung traten sie alle wieder in den Flur hinaus und zogen sich warm an. Kira nahm den neuen Mantel und erntete daf\u00fcr begeistertes Lob von Frederieke, die erst Kiras Aussehen und dann Mitras Geschmack bei der Wahl lobte und anschlie\u00dfend feststellte, dass Mitras und Kira nun auch \u00e4u\u00dferlich gut zusammen passten, was Kira ein wenig rot anlaufen lie\u00df und dazu f\u00fchrte, dass sie rasch als Erste vor die T\u00fcr trat. Es hatte aufgeh\u00f6rt zu schneien, der ganze Garten lag von einer dichten Schicht Schnee bedeckt da, und zwischen den Wolken brach langsam die Sonne wieder hervor. Auf dem Platz vor dem Haus wartete bereits eine Kutsche, die Frederieke wohl mitgebracht hatte, und in die sie sich nun alle zusammen mit zwei gro\u00dfen K\u00f6rben Essen, die William ihnen brachte, hineinquetschten. Dann brach die Kutsche auf und Abby winkte ihnen noch, w\u00e4hrend sie das gro\u00dfe Tor in der Mauer hinter ihnen schlo\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Fahrt diskutierten die beiden Kinder lautstark, wer auf welchem Bein von Onkel Mitras sitzen durfte und Frederieke lachte ihn gr\u00fcndlich daf\u00fcr aus, dass er nun beide Kinder auf dem Scho\u00df balancieren musste, w\u00e4hrend sie sich gem\u00fctlich ausstrecken konnte. Kira kam sich ein wenig fremd im Familienkreis vor, also r\u00fcckte sie ans Fenster und sah hinaus. Solange sie innerhalb von Uldum waren, war der Schnee bereits festgetreten oder sogar schon ger\u00e4umt, so dass sie gut vorankamen. Aber sobald sie die Stadtgrenze hinter sich hatten, wand sich der verschneite Weg \u00fcber immer steiler werdende H\u00fcgel durch einen Wechsel von B\u00fcschen, freien Fl\u00e4chen und einzelnen B\u00e4umen und die Pferde hatten ordentlich damit zu k\u00e4mpfen, die Kutsche durch den Schnee zu ziehen. Bereits ein kleines St\u00fcck au\u00dferhalb der Stadt hielten sie darum an und der Kutscher bat Mitras um Hilfe, um statt der R\u00e4der vorbereitete Kufen anzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitras nickte bereitwillig, z\u00f6gerte dann aber. &#8222;Habt ihr was dagegen, wenn meine Sch\u00fclerin versucht, die Kutsche magisch anzuheben? Sie \u00fcbt gerade solche Zauber.&#8220; Der Kutscher rutschte vom Bock und sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Wie die Herrschaften es w\u00fcnschen, ich muss nur die Kufen anschrauben k\u00f6nnen.&#8220; , sagte er, und ging, um die Deichsel kurz zu l\u00f6sen und die Pferde ein St\u00fcck beiseite zu f\u00fchren. Begeistert rieb Mitras sich die H\u00e4nde. &#8222;Frederieke, nimm mal die Kinder aus der Kutsche!&#8220; , forderte er seine Schwester auf, die dem lachend Folge leistete. &#8222;Wasum?&#8220; , fragte Julius. &#8222;Weil dein Onkel Quatsch vorhat. Komm, wir stellen uns da zu den B\u00e4umen.&#8220;, antwortete seine Mutter kopfsch\u00fcttelnd und grinsend, was Valencia dazu brachte, aufgeregt zu h\u00fcpfen und beinahe auszurutschen. &#8222;Jaaa, Quatsch! Onkel Mitras, mach Quatsch!&#8220; Mitras sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Nein, keinen Quatsch. Kira, komm zu mir.&#8220; Kira trat z\u00f6gerlich zu ihm. Es war eine Sache, im Labor Zauber zu \u00fcben, aber eine ganz andere, hier vor Publikum einen ganz neuen Zauber auszuprobieren. Mitras musste ihr Z\u00f6gern wahrnehmen, denn er l\u00e4chelte ihr aufmunternd zu und sagte: &#8222;Den Zauber kennst du schon, das ist derselbe wie bei den B\u00e4llen. Du greifst einfach dort in der Mitte an und hebst die Kutsche nur ganz leicht auf dieser Seite an. Ich helfe, wenn n\u00f6tig.&#8220; Kira atmete tief ein, um die Nervosit\u00e4t zu \u00fcberdecken. Dann schloss sie gehorsam die Augen und \u00f6ffnete ihre magischen Sinne. Der ganze Wald um sie herum schwappte beinahe \u00fcber vor Magie. Das hatte sie ja schon beim letzten Mal bemerkt, doch nun wurde es noch deutlicher. Sie hatte beinahe das Gef\u00fchl, auch ohne den passenden Zauber die ganze Magie um sich f\u00fchlen, fast sehen zu k\u00f6nnen. Mit derselben Leichtigkeit wie beim Laden zog sie Magie in sich hinein, \u00f6ffnete dann die Augen und blickte die Kutsche an. Dort greifen, anheben, nicht umkippen. Sie bewegte die H\u00e4nde langsam und vorsichtig, der Zauber sollte genau werden&#8230; die Kutsche wackelte. Mehr Kraft? Sie lie\u00df mehr Kraft in die Verbindung flie\u00dfen. Neben ihr h\u00f6rte sie Mitras Stimme: &#8222;Oh, nicht so&#8230;&#8220; Er brach ab, als die Kutsche mit einem Ruck nach oben scho\u00df und ein St\u00fcck \u00fcber ihren Kopf in der Luft h\u00e4ngen blieb. Kira sp\u00fcrte, wie er ebenfalls magisch nach dem Gef\u00e4hrt griff. Verbl\u00fcfft schaute sie die Kutsche an. Sie hing etwas schr\u00e4g, aber sie hing komplett in der Luft. Valencia und Julius quietschten begeistert. Der Kutscher, der mit den Kufen ein St\u00fcck neben ihnen stand, kratzte sich am Kopf und sagte: &#8222;K\u00f6nnten Sie die etwas tiefer h\u00e4ngen, Mylady oder Mylord? Ich komme so ja nicht ran.&#8220; Ehe Kira reagieren konnte, presste Mitras ein: &#8222;Aber nicht spontan loslassen!&#8220; hervor. Sie nickte, war aber ein bisschen beleidigt. Was dachte er denn, dass sie eine Kutsche aus zwei Meter H\u00f6he fallen lassen w\u00fcrde? Vorsichtig, wie beim \u00dcben mit den B\u00e4llen, senkte sie die H\u00e4nde ein wenig und die Kutsche folgte der Bewegung. Mitras seufzte leise und lie\u00df seine H\u00e4nde sinken. Er drehte sich zu ihr, aber Kira beachtete ihn nicht. Der Zufluss der Magie war hier drau\u00dfen anscheinend wie im Generatorhaus gar kein Problem, aber die Kutsche stabil und ruhig zu halten, so dass der Kutscher die Kufen montieren konnte, war es durchaus. Aber sie blendete die Stimmen der Kinder aus, schaute nur auf die Kutsche und konzentrierte sich. Es gelang. Auch wenn sie einige Male etwas wackelte, es gelang. Mitras sprach die ganze Zeit nicht mehr, bis sie die Kutsche vorsichtig zu Boden gleiten lie\u00df. Dann schaute er sie einen langen Moment an, und Kira war sich nicht sicher, ob er schimpfen oder sie in den Arm nehmen wollte. Die Entscheidung wurde ihm aber von Valencia abgenommen, die wie von der Feder geschnellt auf Kira zugeschossen kam, sobald ihre Mutter sie losgelassen hatte und sie begeistert umarmte. &#8222;Das war so irre! Du bist riiiiichtig stark! Wenn Onkel Mitras dir alles beigebracht hat, bringst du es dann mir bei?&#8220; &nbsp;Kira sp\u00fcrte, dass sie beinahe kichern musste. Sie war ungemein erleichtert, auch diese erneute Pr\u00fcfung gemeistert zu haben. Und au\u00dferdem konnte sie eine Kutsche fliegen lassen, das war ein durchaus berauschendes Gef\u00fchl! L\u00e4chelnd sah sie Valencia an und antwortete diplomatisch: &#8222;Wenn du das Talent hast, werde ich noch keine Magistra sein, aber vielleicht zeigt dein Onkel es dir dann. Und wenn nicht, kannst du ja einfach lernen, eine Kutsche mit Mechanik anzuheben. Oder eine Flugmaschine zu bauen.&#8220; Valencia klatschte begeistert in die H\u00e4nde. &#8222;Ja, super!&#8220; &#8222;Daf\u00fcr muss man aber lesen und schreiben lernen.&#8220;, sagte Frederieke, die mit Julius auf dem Arm von hinten durch den Schnee heran stapfte. Valencias Gesicht verdunkelte sich kurz und nahm dann einen sehr ernsten Gesichtsausdruck an. &#8222;Dann werde ich das ab sofort lernen.&#8220; Frederieke zog die Augenbrauen hoch und nickte zustimmend. Zu Mitras und Kira gewandt murmelte sie: &#8222;Danke! Davon versuche ich sie schon seit Wochen zu \u00fcberzeugen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras trat einen Schritt zur\u00fcck, w\u00e4hrend die Kleine Kira weiter umschw\u00e4rmte und \u00fcberlegte, was da gerade passiert war. Der Zauber war nicht schwer und auch daf\u00fcr geeignet gro\u00dfe Lasten tragen, aber das erforderte \u00dcbung und vor allem viel Magie. Auf der anderen Seite hatte Kira ein gro\u00dfes Potential und beherrschte den Zauber schon sehr gut. Trotzdem, dass sie die Kutsche pl\u00f6tzlich so hoch geworfen hatte, das hatte ihn stark \u00fcberrascht. Er hatte gesehen, dass sie am Anfang nachjustieren musste, was ja auch zu erwarten war, bisher hatte sie ja nur mit kleinen Gegenst\u00e4nden ge\u00fcbt. Wenigstens hatte sie letztendlich die Kutsche genug stabilisiert, so dass der Kutscher seine Arbeit machen konnte. Kira hatte die H\u00f6he problemlos halten k\u00f6nnen, aber ihr fehlte die \u00dcbung auch alle anderen Faktoren unter Kontrolle zu halten, dass hatten die Bewegungen der Kutsche deutlich erkennen lassen. Der eigene Energieflu\u00df, der Wind, bewegliche Teile der Ladung. Mitras hatte konstant einen Zauber zum Auffangen bereit gehalten, aber zu seinem Erstaunen hatte es schlie\u00dflich geklappt, ohne dass er weiter eingreifen musste. Gerade der Magieflu\u00df machte ihm aber Sorgen. Das hatte sie schon besser hinbekommen. Am Anfang hatte sie beim ersten nachjustieren beinahe die Kontrolle verloren, so viel Energie war pl\u00f6tzlich in ihren Zauber eingegangen. Er nahm sich vor sie sp\u00e4ter danach zu fragen, was da los war. Warum fiel es ihr hier drau\u00dfen anscheinend wieder schwerer, die Magie genau zu dosieren? Und wieso stand ihr \u00fcberhaupt so viel Energie so leicht zur Verf\u00fcgung? Ein bisschen be\u00e4ngstigend war das schon. Wie sollte er sie gut schulen, wenn selbst kleine \u00dcbungen zu schwebenden Kutschen f\u00fchren konnten?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u200b&#8220;Nun gut, ich denke es kann weiter gehen, oder?&#8220; wandte er sich an den Kutscher. Dieser nickte, nachdem er gerade die Pferde wieder vor die Kutsche gespannt hatte\u200b\u200b\u200b, und sich nun wieder auf den Kutschbock setzte. Er hielt den beiden Frauen die T\u00fcr auf, hob Valencia in den Wagen und stieg dann selbst ein. Valencia war immer noch ganz aufgeregt und kuschelte sich an Kira, die nun im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit stand. Julius war hingegen deutlich reservierter &#8211; ihm schien die Vorf\u00fchrung eher etwas Unbehagen bereitet zu haben.<\/em> <em>Er kam aber gleich wieder zu ihm und machte es sich auf seinem Scho\u00df bequem. Immerhin ein Kind weniger, dachte er sich. So lie\u00df sich das Gewicht aushalten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sebastian zeigte sich am n\u00e4chsten Tag hinreichend beeindruckt von Kiras leisem Bericht, den sie ihm in einem kleinen Nebenraum des Lesesaals gab &#8211; nat\u00fcrlich nicht, ohne vorher den Raum nach magischen Spionen abgesucht zu haben. Gemeinsam lasen sie anschlie\u00dfend in ein paar historischen B\u00fcchern \u00fcber die Skir, weiterhin auf der Suche nach Hinweisen zu den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-146","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch-2"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=146"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":147,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146\/revisions\/147"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=146"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=146"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=146"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}