{"id":15,"date":"2024-04-14T23:58:24","date_gmt":"2024-04-14T23:58:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=15"},"modified":"2024-04-15T00:22:45","modified_gmt":"2024-04-15T00:22:45","slug":"ankommen-6-lunet-242-mafuristag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/04\/14\/ankommen-6-lunet-242-mafuristag\/","title":{"rendered":"Ankommen &#8211; 6. Lunet 242, Mafuristag"},"content":{"rendered":"\n<p>\u200b<\/p>\n\n\n\n<p>Magister Mitras \u00f6ffnete ihr die T\u00fcr. &#8222;P\u00fcnktlich. Gut.&#8220;, sagte er knapp, ehe er die T\u00fcr ganz \u00f6ffnete und sie in den Raum dahinter winkte. Kira seufzte innerlich erleichtert. Den ersten Test schien sie bestanden zu haben. Den guten Geistern sei Dank f\u00fcr ihr ganz passables Zeitgef\u00fchl und die Uhr in ihrem Zimmer. Sie schaute sich neugierig um. Der Raum hatte die Form eines L mit einem sehr dicken kurzen Balken zu ihrer Linken. Die lange Seite bog bei der T\u00fcr, in der sie gerade stand, rechtwinklig ab, und hatte die L\u00e4nge des gesamten Hauses. Sie drehte sich nach links und trat hinter Mitras in den etwas kleineren der beiden Laborbereiche. Hier standen an der Wand zwei Schreibtische. Einer, der weitaus gr\u00f6\u00dfere der beiden, war \u00fcberladen mit Papieren und Notizen, zwischen denen einige Mineralien und Steine lagen, ebenso wie Federkiele und Tinte. Der andere war leer bis auf einige Bl\u00e4tter Papier und Schreibmaterial. Mitras war ihrem Blick gefolgt und wies auf den leeren Tisch: &#8222;Wenn Sie sich ausreichend eingearbeitet haben, wird dies Ihr Labortisch sein. F\u00fcrs Erste d\u00fcrfen Sie den Raum aber nur in meiner Gegenwart betreten.&#8220; Kira nickte und schaute weiter. Neben den Schreibtischen stand eine S\u00e4ule, auf der ein roter Stein mit glatten Fl\u00e4chen lag. Kira vermutete, dass es ein besonders gro\u00dfes Mineral war, das vermutlich so gewachsen war, wie es da lag, da es an seinem unteren Ende noch halb von gew\u00f6hnlichem Stein bedeckt war. Daneben stand ein hoher Schrank mit diversen kleinen Schubladen, die sauber beschriftet waren. Aus einigen schauten B\u00fcschel getrockneter Kr\u00e4uter oder Flaschenh\u00e4lse hervor. In der Ecke schr\u00e4g gegen\u00fcber der T\u00fcr stand ein Steintisch, der auf der einen H\u00e4lfte eine Vertiefung wie eine Schale hatte. Der Boden war get\u00e4felt und nach dem Tisch durch einen kleinen Teppich vom rechten, gr\u00f6\u00dferen Bereich des Raumes getrennt, der bis auf ein Fenster an der vorderen Wand hin zur Auffahrt vor dem Geb\u00e4ude fensterlos war. Hier befanden sich neben einem auf den Boden gemalten Kreis, in dem eine abgedeckte S\u00e4ule stand, diverse Ger\u00e4tschaften, die golden und silbern gl\u00e4nzten, einige mit Kuppeln oder kugelf\u00f6rmigen Beh\u00e4ltnissen aus Glas. Sie schaute Mitras fragend an, traute sich aber nicht, laut zu fragen. Da auf dem Boden stand vermutlich mehr Gold und Silber, als alle Menschen in Bispar jemals w\u00fcrden zusammentragen k\u00f6nnen. Sie kam sich in ihrem nachgemachtem Samtrock &#8211; echter Samt war zu teuer, selbst f\u00fcr H\u00e4ndler wie Kiras Eltern &#8211; ein bisschen sch\u00e4big gegen all diesen Reichtum vor. Mitras runzelte ein bisschen die Stirn. &#8222;Lektion Eins: Fragen Sie, wenn sie etwas wissen wollen. Sie sind zum Lernen hier, also m\u00fcssen Sie Fragen stellen.&#8220; Kira f\u00fchlte, wie ihr die Schamesr\u00f6te ins Gesicht stieg. &#8222;Ja, Magister. Wozu dienen diese Ger\u00e4te?&#8220; Er nickte, offenbar mit der Frage zufrieden. &#8222;Damit werden verschiedene magische Untersuchungen gemacht, etwa um magische Energie zu detektieren oder zu lenken. Sie sind \u00e4u\u00dferst empfindlich, also fassen Sie sie nicht an, ehe ich Sie nicht eingewiesen habe.&#8220; Seine Sch\u00fclerin nickte und hob die H\u00e4nde, um anzuzeigen, dass sie nichts unerlaubt anfassen w\u00fcrde. &#8222;Nein, Magister. Ich werde nichts anfassen.&#8220; Sie schaute sich nochmal um. So schnell w\u00fcrde sie vermutlich diesen Raum nicht mehr zu sehen bekommen. &#8222;Was ist das f\u00fcr ein Stein?&#8220;, fragte sie und deutete auf den roten Stein, der im linken Teil des Raumes auf der S\u00e4ule stand. Mitras schmunzelte ein bisschen, Kira glaubte, Stolz in seinem Blick zu sehen. &#8222;Den d\u00fcrfen sie einmal anfassen. Aber vorsichtig!&#8220; Kira ging auf den Stein zu und hob die Hand. Ehe sie ihn ber\u00fchren konnte, merkte sie bereits, dass eine starke, aber nicht unangenehme W\u00e4rme von ihm ausging. Vorsichtig fuhr sie in geb\u00fchrendem Abstand mit der Hand \u00fcber den Stein. &#8222;Er ist hei\u00df.&#8220;, sagte sie erstaunt. &#8222;Richtig. Das ist eigentlich eine Spielerei, aber sehr praktisch. Ich hab ihn verzaubert, nun gibt er seine Essenz \u00fcber einen langen Zeitraum als W\u00e4rme ab. Etwa einen Winter lang wird er so heizen und uns von der f\u00fcrchterlichen Kohle im Haus bewahren. Danach zerf\u00e4llt er.&#8220; Kira dachte einen Moment nach. &#8222;In meinem Zimmer steht auch so einer, oder? Nur der ist wei\u00df.&#8220; &#8222;Richtig. Man kann beinahe jedes Mineral nehmen, das ohne Kupfer oder Eisen ist. Nur das Ritual zur Aktivierung ist leider ziemlich aufwendig.&#8220; Kira betrachtete die goldenen Apparaturen zu ihrer Rechten und rezitierte nachdenklich den Spruch, den ihr Bruder Harras beigebracht hatte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Suchst du Zauber, such nicht Kupfer, nicht Eisen,<br>denn sie werden die falschen Wege dir weisen.<br>Suchst du aber Silber oder Gold,<br>so ist die Gunst der Magie dir hold.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Mitras schaute sie pr\u00fcfend von der Seite an. &#8222;Sehr gut. In der Tat spielt das Material, dass man nutzen will, eine gro\u00dfe Rolle bei Verzauberungen und Ritualen. Woher kennen Sie den Spruch?&#8220; &#8222;Unser Dorfpriester&#8230;&#8220;, murmelte Kira und schaute verlegen zur Seite. Sie hatte ja immer davon getr\u00e4umt, ein magisches Talent zu haben, nicht heiraten zu m\u00fcssen, sondern mehr von der Welt sehen zu d\u00fcrfen, mehr lernen zu k\u00f6nnen. Deswegen hatte sie alles aufgesogen und auswendig gelernt, was Bruder Harras ihr \u00fcber die magische Welt erz\u00e4hlt hatte, auch wenn er als Naturpriester nat\u00fcrlich eher den intuitiven Wegen der Magie zugewandt war. Aber vermutlich tr\u00e4umten alle kleinen M\u00e4dchen davon, mal gro\u00dfe Magierinnen zu werden, oder? Sie hatte Gl\u00fcck gehabt, oder eben Pech, wenn man bedachte, was ihr &#8222;Talent&#8220; schon angerichtet hatte, aber im Nachhinein betrachtet kamen ihr ihre Tr\u00e4umereien recht albern vor. Mitras schien sich nicht weiter darum zu k\u00fcmmern, er ging stattdessen zur T\u00fcr des Labors und hielt sie ihr auffordernd auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Flur blieb er stehen, wartete, bis sie zu ihm herausgetreten war und deutete dann den Gang hinunter. &#8222;Zur linken haben wir hier drei G\u00e4stezimmer, das hinterste ist ja nun Ihres. Die Treppe rechts f\u00fchrt nach oben, dort sind Williams Zimmer. Rechts die erste T\u00fcr f\u00fchrt zu meinen Gem\u00e4chern und die letzte T\u00fcr auf der rechten Seite ist die Bibliothekst\u00fcr.&#8220; &#8222;Darf ich die Bibliothek auch nutzen?&#8220;, fragte Kira gespannt. Eine Magierbibliothek, da gab es bestimmt viele tolle B\u00fccher. Mitras dachte kurz nach und musterte sie dabei nachdenklich. &#8222;Ja, warum eigentlich nicht? Aber nehmen Sie keine B\u00fccher heraus, alles muss ordentlich bleiben.&#8220; Kira nickte. Der Magier wies mit der Hand die Treppe, an deren Ansatz sie standen, herunter. &#8222;Gehen Sie schon mal voraus, ich folge gleich.&#8220; Er schloss die T\u00fcr zum Labor ab und folgte ihr dann die Treppe herunter in den gro\u00dfen Vorraum mit den gemusterten Fliesen. Am Ende der Treppe \u00f6ffnete er die T\u00fcr zu seiner Linken und winkte sie in einen gro\u00dfen Salon. Er wirkte auf Kira beinahe l\u00e4nger als das Labor oben, was aber vermutlich daran lag, dass die hintere, von der Stra\u00dfe abgewandte Wand fehlte und durch einige S\u00e4ulen ersetzt war. Dahinter begann ein heller Wintergarten. Die der T\u00fcr gegen\u00fcberliegende Wand war fensterlos und mit denselben elektrischen Kerzen ausgestattet, die auch im Flur hingen. Zwischen ihnen hing ein gro\u00dfes Gem\u00e4lde von einer Berglandschaft. In der Mitte des Raumes stand eine lange, leicht ovale Tafel, an der etwa 10 Personen sitzen konnten. Im restlichen Raum gab es verteilt einige Sessel und Tische, die zu kleinen Sitzgruppen zusammengestellt waren, und auch wieder S\u00e4ulen mit verschiedenen Heizsteinen. Mitras f\u00fchrte sie durch den Raum in den Wintergarten. Seine rechte Wand war gemauert, durch die verglaste Front sah Kira auch, dass sich diese Wand in den verschneiten Garten dahinter fortsetzte. Die Glasfront bog sich als Halbrund in den Garten hinein und schloss an der Ecke wieder an die Hauswand an. Der Raum beinhaltete 4 Beete, zwei etwas breitere an den Seiten, ein schmales, dass sich an der gesamten Front hinzog und ein sichelmondf\u00f6rmiges in der Mitte des Raumes, in dessen Rundung eine Bank angebracht war. Davor stand ein&nbsp;kleiner, metallener Tisch und ein bequemer Sessel. Die Beete waren bis auf das, dass an der Wand des Hauses links lag, offenbar den Jahreszeiten gewidmet: An der langen Front sah Kira zarte Pastellt\u00f6ne und Fr\u00fchlingsblumen, rechts von ihr hingegen leuchteten Astern und B\u00fcsche mit buntem Laub zwischen hohen, auff\u00e4lligen Gr\u00e4sern. In der Mitte hingegen gab es sattes Gr\u00fcn und leuchtend bunte Bl\u00fcten von verschiedenen Orchideen sowie einen gro\u00dfen Oleander, der aber anscheinend gerade nicht bl\u00fchte. Das Beet an der Hauswand hingegen schien den trockenen Gebieten G\u00e4as gewidmet zu sein: Zwischen kunstvoll drapierten Steinen und Mineralien wuchsen diverse Kakteen und ein kleiner Olivenbaum. Vielleicht auch eine besondere Anspielung an die Hochlandgegenden, die den Kern Albions bildeten, aber oft nur an den Anstiegen der Gebirgsketten ausreichend mit Wasser versorgt waren. Nur eine \u00fcppige Bougainvillia setze in dem Beet einen farblichen Akzent. Kira trat vorsichtig auf sie zu und betrachtete die bunten, pinken Bl\u00e4tter aus der N\u00e4he. &#8222;Eine lebende Bougainvillia. So etwas habe ich bisher nur in B\u00fcchern gesehen. Sie sind schwierig zu bekommen, oder?&#8220; Mitras zuckte mit den Schultern. &#8222;Ich habe sie geschenkt bekommen.&#8220; Kira beugte sich noch etwas n\u00e4her an den Busch heran. &#8222;Wie winzig die echten Bl\u00fcten sind.&#8220;, sagte sie und stupste einen der kleinen wei\u00dfen Kelche an. Mitras r\u00e4usperte sich. Er stand bereits wieder im Durchgang zum Salon. &#8222;Wollen wir?&#8220; &#8222;Oh, \u00e4h, ja, klar.&#8220; Rasch folgte Kira ihm, aber nicht ohne den Blick nochmal \u00fcber den Raum streifen zu lassen. &#8222;Darf ich hierher zur\u00fcckkommen?&#8220; &#8222;Meinetwegen.&#8220; Er \u00f6ffnete eine T\u00fcr, die gleich neben den S\u00e4ulen zur\u00fcck ins Haus f\u00fchrte. Dahinter lag eine gro\u00dfe K\u00fcche, in der ein mittelgro\u00dfer Mann mit schwarzen Locken gerade Gem\u00fcse in einen Topf gab. Er drehte sich kurz zu ihnen um, lies aber dabei den Topf nicht aus den Augen. &#8222;Kira, das ist mein Koch William. William, das ist meine neue Sch\u00fclerin Kira Silva.&#8220; \u00dcber das Gesicht des Mannes ging ein freundliches Strahlen. &#8222;Hallo, willkommen in meinem Reich! Hier gibt es alles, was der Magen begehrt!&#8220; Er machte eine ausladende Handbewegung mit der freien Hand. &#8222;Ha! Wir haben jede Feinheit, die die edle Dame begehrt.&#8220;, sagte er mit der Stimme eines Markth\u00e4ndlers, der seine Waren anpries. &#8222;Hallo.&#8220;, sagte Kira versch\u00fcchtert. Die K\u00fcche war bis auf den Herd eine recht normale K\u00fcche, mit verschiedenen Schr\u00e4nken und Arbeitsplatten. Im hinteren Teil des Raumes gab es einen Treppenabgang nach unten, was man an einem Gel\u00e4nder erkennen konnte, an dem diverse Handt\u00fccher hingen, und eine T\u00fcr in den Nebenraum. Der Herd allerdings war seltsam: statt auf Flammen stand der Topf, in dem es eindeutig brutzelte, auf einer runden Platte aus Metall. Mitras nickte William zu und schaute dann zu Kira. &#8222;Es gibt Fr\u00fchst\u00fcck und Abendessen. Wenn Sie tags\u00fcber etwas essen wollen, k\u00f6nnen Sie sich hier oder in der Speisekammer&#8220;, er deutete auf den Abgang, &#8222;bedienen, aber sprechen Sie sich nach M\u00f6glichkeit mit William ab. Nicht, dass pl\u00f6tzlich etwas f\u00fcr eine seiner k\u00f6stlichen Pasteten fehlt.&#8220; Wieder nickte Kira mechanisch. Sie hatte das Gef\u00fchl, eine ewig lange Wanderung gemacht zu haben &#8211; was ja eigentlich auch stimmte. Mitras beachtete sie gar nicht weiter und ging schon durch eine T\u00fcr zur Linken, die neben der Treppe in den Vorraum des Hauses m\u00fcndete. &#8222;Da geht es zum Keller.&#8220; sagte er mit einer Handbewegung zu einer T\u00fcr unter dem Treppenaufgang. Mit einer zweiten Bewegung wies er auf zwei schmalere T\u00fcren an der Wand gegen\u00fcber: &#8222;Und dort sind Toiletten, f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen getrennt.&#8220; Er ging an der Wand, aus der sie gerade getreten waren, entlang in einen Flur, der wohl parallel zum Flur \u00fcber ihnen lag. Auch hier gab es einen rostroten Teppich und die grauen, leicht strukturierten Tapeten. Auch hier hingen einige Herbst- und Winterbilder an der Wand zu ihrer Rechten. Die linke Wand war mit einem sehr gro\u00dfen Gem\u00e4lde einer Seeschlacht verziert, mit schweren, eisernen Kriegsschiffen und gl\u00fchenden Feuern als Kontrast. Das Bild \u00fcberraschte Kira, es war viel gewaltvoller als alles, was sie bisher im Haus gesehen hatte, au\u00dferdem passte das Motiv nicht so recht zu dem friedlichen, sonnendurchschienen Wald, der in Tupftechnik auf dem Bild an der rechten Wand hing. Es muss ein Verm\u00f6gen gekostet haben, dachte Kira, so gro\u00df. Was f\u00fcr eine Schlacht es wohl darstellte? Sie suchte nach Abzeichen und Wappen, die einen Hinweis geben konnten, aber es war drau\u00dfen bereits v\u00f6llig dunkel und das Licht der elektrischen Kerzen erhellte den Flur nicht genug. Mitras, der ohne sich umzusehen voraus gegangen war, \u00f6ffnete nach einigen Metern die einzige T\u00fcr links im Flur und schaute sie auffordernd an, ehe er den Raum dahinter betrat. Kira folgte ihm, blieb dann aber verbl\u00fcfft in der T\u00fcr\u00f6ffnung stehen. Vor ihr \u00f6ffnete sich ein gro\u00dfes Bad. In der Mitte war ein gro\u00dfes, jetzt leeres Becken, umgeben von einer schmalen Bank, auf der eine Seifenschale und ein Schwamm lagen. An der rechten Seite gab es einige Vorh\u00e4nge, die nun zur\u00fcckgezogen waren, und normalerweise wohl einen Bereich mit einem kleinen Waschzuber und eine Umkleide verdeckten. An der linken Seite gab es ebensolche T\u00fcren wie im Vorraum, vermutlich waren die Toiletten von beiden Seiten betretbar. An der Wand ihr gegen\u00fcber war ein Fenster hinter zugezogenen Vorh\u00e4ngen und zwischen ihnen der gr\u00f6\u00dfte Spiegel, den Kira je gesehen hatte &#8211; polierte Metallspiegel mit eingeschlossen, und dieser war sogar aus Glas. Verbl\u00fcfft betrachtete Kira sich eine Weile selber, der Rock schwang um ihre Beine und die Haare l\u00f6sten sich schon langsam wieder aus der Spange. &#8222;Sie k\u00f6nnen jederzeit hier baden, sagen Sie einfach Abigail Bescheid.&#8220;, sagte Mitras, was sie zusammenzucken lies. &#8222;Ja, aber&#8230; werde ich dann nicht Sie st\u00f6ren?&#8220;, fragte sie. Er sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Abigail wei\u00df schon, wann ich das Bad nutzen will, und wird es Ihnen sagen.&#8220; Er kam auf sie zu, und Kira wich in den Flur zur\u00fcck, so dass er die T\u00fcr hinter ihnen schlie\u00dfen konnte. &#8222;Am Ende des Ganges ist nur eine Abstellkammer, fragen sie Abigail, wenn sie etwas daraus brauchen. Und hier, &#8220; er \u00f6ffnete dabei die T\u00fcr gegen\u00fcber vom Bad, &#8222;ist unser Esszimmer.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden betraten ein kleines, gem\u00fctliches Zimmer, in dem neben einer Kommode an der rechten Wand ein Esstisch f\u00fcr sechs Personen stand, der nun gerade von&nbsp;William und Abigail gedeckt wurde. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite \u00f6ffneten eine Glast\u00fcr und ein gro\u00dfes Fenster einen Blick auf den verschneiten, aber nun im Dunklen liegenden Garten. An der linken Wand waren wieder Kerzenlampen angebracht, und zwischen ihnen das Bild einer kleinen Familie in einem sommerlichen Garten, die Mutter sa\u00df mit einer kleinen Tochter auf einer Schaukel im Vordergrund, vom Betrachter abgewandt, und im Hintergrund spielte der Vater mit einem Kind, vermutlich seinem Sohn, wenn man dem Kitsch ganz folgen w\u00fcrde. Obwohl es eindeutig eine sehr klischeehafte Szene war, verbreitete das Bild eine Art heitere Gelassenheit, die in den ganzen Raum ausstrahlte. Kira fiel trotz ihrer M\u00fcdigkeit auf, dass die Hortensien aus dem Bild sich auf der gegen\u00fcberliegenden Kommode wiederfanden, als gemalte Zirate auf den Schubladen und als angedeutete Formen in den Griffen. Nichts in diesem Haus, dachte sie, ist zuf\u00e4llig. Alles ist durchgeplant, aber es ist nicht kalt, sondern wundersch\u00f6n. Mitras trat an den Tisch, zog einen Stuhl zur\u00fcck und forderte sie mit einer Geste auf, sich zu setzen, eine Aufforderung, der Kira nur zu gerne nachkam. William brachte gerade aus der T\u00fcr an der Seite neben der Kommode, die vermutlich zur K\u00fcche f\u00fchrte, eine&nbsp;letzte Sch\u00fcssel, Abigail sa\u00df bereits auf dem Stuhl schr\u00e4g gegen\u00fcber von Kira.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Moment ging die T\u00fcr zum Garten auf und brachte einen eisigen Hauch frische Luft mit sich. Durch die T\u00fcr trat ein etwas rundlicher Mann, der etwas kleiner als William, aber gr\u00f6\u00dfer als Abigail war. Er trug feste Schuhe, die er nun ausklopfte und in eine daf\u00fcr bereitstehende, viereckige Schale neben der T\u00fcr stellte, eine Arbeitshose und eine Arbeitsjacke. &#8222;Hmmm, das riecht aber nach Festtag hier!&#8220;, rief er, w\u00e4hrend er die Jacke auszog und an einen Kleiderhaken neben der Kommode hing. Er ging zu Abigail, beugte sich \u00fcber sie und k\u00fcsste sie fl\u00fcchtig auf den Mund, ehe er sich zu Mitras, der sich links neben Kira gesetzt hatte, umdrehte und eine kleine Verbeugung andeutete. Mitras schunzelte ein wenig. &#8222;Kira, darf ich dir Tobey vorstellen? Er k\u00fcmmert sich um alles, was am Haus und Garten getan werden muss, und wie du vielleicht schon vermutest, auch darum, dass unsere gute Abigail nie unzufrieden wird.&#8220; Abigail grinste breit. Tobey verbeugte sich etwas tiefer vor Kira als er es bei Mitras getan hatte. &#8222;Ahhh, also ist unser \u00dcberraschungsgast endlich angekommen. Vielen Dank, junge Dame, dass ihr hier seid, so gutes Essen gibt es nicht alle Tage.&#8220; Dabei klopfte er an eine der Sch\u00fcsseln, in denen wohl ein Gulasch war, und zwinkerte ihr vielsagend zu. Trotz ihrer M\u00fcdigkeit und Scheu musste Kira kichern. Tobey hatte irgendwie etwas von Bruder Harras, so erdig und witzig. Sie sp\u00fcrte, dass sie ihn mochte. &#8222;Ich freue mich sehr, hier sein zu d\u00fcrfen.&#8220;, sagte sie, und l\u00e4chelte ihn und Abigail an, die ihr L\u00e4cheln erwiderten. &#8222;Na, dann soll es auch nicht kalt werden, das gute Essen.&#8220;, er\u00f6ffnete William, und begann, sich und Mitras die Teller zu f\u00fcllen. An der gegen\u00fcberliegenden Seite f\u00fcllte Abigail erst Tobey, dann sich auf und reichte die Kelle an Kira. &#8222;Nimm dir, was du magst und wie viel du magst, ja? Nicht, dass du uns hier irgendwann vom Fleisch f\u00e4llst, so zart, wie du bist.&#8220; Kira nahm den L\u00f6ffel und lief ein kleines bisschen rot an. So d\u00fcnn bin ich gar nicht, dachte sie. Allerdings hatte sie tats\u00e4chlich schon wieder Hunger, die Sandwiches von vorhin schienen nur kaum die erste Not gestillt zu haben. Also f\u00fcllte sie sich auf und staunte, was es alles gab: Da war das Gulasch, mit gro\u00dfen St\u00fccken Fleisch darin, Kartoffeln mit Petersilie, Rotkohl mit \u00c4pfeln, kleine St\u00fccke von Bl\u00e4tterteig, gef\u00fcllt mit einer Art von Pastete &#8211; Kira bewunderte besonders die Lilien, die oben in den Teig gestochen waren und durch die man die F\u00fcllung sehen konnte &#8211; und Birnen mit Kompott. In einem Korb waren dicke Scheiben Wei\u00dfbrot und einige, etwas d\u00fcnnere Scheiben eines Graubrotes mit einer zerkl\u00fcfteten Kruste. Eine Weile war um den Tisch herum nichts zu h\u00f6ren als das gesch\u00e4ftige Klappern von Geschirr, das Kauen und seliges Seufzen von Tobey, als er sich schlie\u00dflich in seinem Stuhl zur\u00fccklehnte und sich \u00fcber den nun noch etwas runderen Bauch strich. &#8222;William, du bist wirklich ein Gott in der K\u00fcche.&#8220; William, der links neben Mitras sa\u00df, schmunzelte und erwiderte: &#8222;Na, stets zu Diensten, Tobey, stets zu Diensten.&#8220; Alle am Tisch l\u00e4chelten, als sei das etwas, was die beiden jeden Abend zueinander sagten, eine Art Familienritual. Kira beugte sich etwas tiefer \u00fcber ihren Teller, um die Tr\u00e4nen zu verbergen, die sich ein wenig in ihre Augenwinkel geschlichen hatten. Sie w\u00fcrde ihre Familie lange nicht mehr wiedersehen. Und auch wenn ihre Eltern sie ja nun schneller loswerden wollten als die Reste aus dem Abtritt, sie vermisste ihre Br\u00fcder, insbesondere den \u00e4ltesten, ein wenig. Adrian war nicht da gewesen, als dieser ganze Unfall passiert war. Was er wohl sagen w\u00fcrde, wenn er es erz\u00e4hlt bekam? Ob er auch glauben w\u00fcrde, was der Johann allen erz\u00e4hlt hatte, dass sie ihn einfach angegriffen habe? Ihr \u00e4ltester Bruder hatte eigentlich immer f\u00fcr sie eingestanden, und Kira verehrte ihn zutiefst. Sie schaute vorsichtig hoch. Abigail hatte ebenfalls aufgeh\u00f6rt zu essen und beugte sich gerade zu Tobey, um seinen Teller einzusammeln. Dieser nutze die Gelegenheit, sie auf den Hinterkopf zu k\u00fcssen und \u00fcber ihren R\u00fccken zu streichen. Kira f\u00fchlte sich hin- und hergerissen zwischen Neugierde und Verbl\u00fcffung. Sie hatte noch nie gesehen, dass Erwachsene ihre Zuneigung derart \u00f6ffentlich zur Schau stellten. Sie schaute zu Mitras, doch der war v\u00f6llig in sein Essen vertieft und schien sich an dem Verhalten seiner Bediensteten kein bisschen zu st\u00f6ren. Stattdessen angelte er sich eine weitere Kartoffel aus der Sch\u00fcssel und wischte damit ziemlich elegant den Rest der Gulaschso\u00dfe auf. Wie eine Familie, dachte Kira, nicht wie ein Herr mit Angestellten. Vielleicht eine neue Familie f\u00fcr mich? Es f\u00fchlte sich fast wie ein Keim von Hoffnung an, aber sie traute sich nicht, es ganz zu hoffen. Meistens f\u00fchrt Hoffnung eh nur dazu, das man entt\u00e4uscht wird. Alles in diesem Haus war seltsam, wundervoll, magisch und so gut&#8230; bestimmt w\u00fcrde sie morgen im Heuschuber von Bruder Harras aufwachen und feststellen, dass alles nur ein Traum gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wo kommst du denn eigentlich her?&#8220; Kira schreckte aus ihren Gedanken auf und schaute Abigail an, die sich ein Glas Wein eingeschenkt hatte und sie erwartungsvoll anschaute. &#8222;\u00c4h&#8230; aus Bispar.&#8220; &#8222;Bispar?&#8220; Abigail runzelte die Stirn. &#8222;Nie geh\u00f6rt&#8230;&#8220; &#8222;Da hast du nichts verpasst.&#8220;, murmelte Kira leise, doch wohl nicht leise genug, denn sie h\u00f6rte, wie Mitras neben ihr ein kleines, am\u00fcsiertes Schnauben von sich gab. &#8222;Es liegt bei L\u00fchrenburg.&#8220;, sagte sie lauter. &#8222;Ah, Richtung K\u00fcste. Hast du das Meer schonmal gesehen?&#8220;, setze Abigail das Gespr\u00e4ch fort. &#8222;Ja, einmal.&#8220; Kira schwieg und legte das Besteck sorgf\u00e4ltig auf dem Teller ab, Messer und Gabel nebeneinander, so wie man es macht, wenn man nicht mehr essen mag. Adrian hatte sie einmal dort mit hingenommen. Man musste ihr ansehen, dass die Erinnerung sie gerade nicht besonders gl\u00fccklich machte, denn Abigail \u00fcberging ihre einsilbige Antwort und fragte gleich weiter: &#8222;Also ist das ein kleines Dorf, ja, Bispar? Und deine Eltern, was machen die?&#8220; &#8222;Sie handeln, meistens mit Lebensmitteln oder was man sonst so braucht und auch mit dem Schmuck aus Granit, der in der Gegend gemacht wird, oder sowas&#8230;.&#8220; Kira zog die Muschelkette, die sie immer trug, aus ihrem Ausschnitt und zeigte sie Abigail und Tobey, die sich beide interessiert nach vorne beugten. &#8222;Oh, wie h\u00fcbsch!&#8220;, kommentierte Abigail begeistert. &#8222;Das habe ich auch hier schonmal in einem Laden gesehen. Die Muscheln werden von Hand zu solchen Scheiben geschliffen, oder?&#8220; Kira zuckte mit den Schultern. &#8222;Ich glaube schon, ich hab nie einen Handwerker dabei gesehen, immer nur, wenn sie fertig waren&#8230;&#8220; Sie sp\u00fcrte, wie m\u00fcde sie war, so sehr m\u00fcde. Diese andere Welt, dieses Bispar, der Unfall, die Tage in ihrem Zimmer, das wirkte so weit weg nach diesem Tag und den ganzen Eindr\u00fccken. M\u00fchsam unterdr\u00fcckte sie ein G\u00e4hnen. &#8222;Ich glaube, unser Gast kann dir sp\u00e4ter noch genug vom platten, so wahnsinnig interessanten Landleben erz\u00e4hlen.&#8220;, sagte Mitras und wandte s\u00edch mit einem kleinen L\u00e4cheln an Kira. &#8222;Jetzt sollten Sie besser schlafen gehen.&#8220; Kira nickte. Nun, da sie endlich ganz satt war, stieg die M\u00fcdigkeit immer schneller in ihr auf. Sie stand auf, nahm ihren Teller und sammelte ihr Besteck ein. &#8222;Lass stehen, Kindchen.&#8220; Abigail griff \u00fcber den Tisch nach ihrem Arm und dr\u00fcckte ihn leicht wieder herunter. &#8222;William und Tobey machen das gleich. Ich bringe dich jetzt erst mal nach oben. Mitras hat Recht, du schl\u00e4fst uns ja sonst noch halb auf der Treppe ein.&#8220; Kira lies den Teller los. &#8222;Aber&#8230;&#8220; &#8222;Kein Aber.&#8220; Mitras blickte sie an, und Kira hatte fast das Gef\u00fchl, ihr Herz w\u00fcrde ihr wieder in die Hose rutschen wie bei ihrer ersten Begegnung, so streng war sein Blick. Abigail stand auf, ging um den Tisch, r\u00fcckte ihren Stuhl ab und f\u00fchrte sie aus dem Raum, was Kira ohne weiteren Protest \u00fcber sich ergehen lie\u00df. Erst in der T\u00fcr hatte sie sich so weit wieder gesammelt, dass sie ein &#8222;Gute Nacht!&#8220; \u00fcber die Schulter rufen konnte, was von drinnen von den M\u00e4nnern freundlich erwidert wurde. Kira h\u00f6rte nur Mitras Stimme und stellte erleichtert fest, dass er nicht b\u00f6se zu sein schien. So schnell das Gef\u00fchl der Dominanz und Ver\u00e4rgerung gekommen war, so schnell war es auch wieder aus seiner Haltung und Stimme verschwunden, und Kira seufzte erleichtert, w\u00e4hrend Abigail sie durch den Flur zur Treppe f\u00fchrte. Oben in ihrem Zimmer angekommen lie\u00df sie sich aufs Bett fallen. &#8222;Du musst dich ausziehen, Kindchen, sonst schl\u00e4fst du schlecht.&#8220;, sagte Abigail, als sie den Raum verlie\u00df. Kira nickte mit geschlossenen Augen, k\u00e4mpfte sich dann aber nochmal hoch und begann, sich auszuziehen. Trotz des Winters heizte der Stein am Schreibtisch den Raum gut. Einen Schlafanzug brauche ich wohl nicht, dachte sie, also warf sie ihre Kleidung einfach auf den Boden und kroch rasch unter die dicke, flauschige Decke, die auf ihrem Bett lag. Und ehe sie noch \u00fcber irgendetwas nachdenken konnte, schlief sie bereits.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Na, was h\u00e4ltst du von der Kleinen? Wirst du sie ausbilden k\u00f6nnen?&#8220;, fragte William, w\u00e4hrend er den Tisch abr\u00e4umte. &#8222;Sie ist kein totaler Reinfall,\u201c gab Mitras zu. \u201eAls es hie\u00df, dass meine erste Sch\u00fclerin ein M\u00e4dchen vom Land sein w\u00fcrde, dachte ich, dass mir jemand &#8211; vermutlich Thadeus &#8211; ein faules Landei unterschieben wollte, um meinen Ruf zu sch\u00e4digen und vielleicht war das sogar die Absicht. Aber ihre Pr\u00fcfung hat ein exzellentes Talent aufgezeigt und sie wei\u00df deutlich mehr, als man ihr zutraut. Und ein M\u00e4dchen ist sie ja nun auch nicht mehr. Aber sie ist auch sehr unsicher und l\u00e4sst sich von sch\u00f6nen Blumen gleich ablenken, sie ist also immer noch wie ein naives Kind.&#8220; &#8222;Ha, ein gefundenes Fressen also wohl f\u00fcr die &#8218;feine Gesellschaft&#8216;. Das Pack wird sie in St\u00fccke rei\u00dfen, wenn du nicht auf sie aufpasst. So versch\u00fcchtert wie sie jetzt noch ist, werden sie wohl wie die Haie \u00fcber eine blutende Robbe herfallen.&#8220;, sagte William mahnend. &#8222;Ja, das k\u00f6nnte in der Tat ein Problem werden, nichts bei ihr zu Haus kann sie auf Uldum und den Sumpf aus Intrigen, L\u00fcgen und Verrat hier vorbereiten.&#8220; &#8222;Ha! Jetzt tu nicht so, als wenn du dieses Spiel nicht selber spielen w\u00fcrdest. Wir beide wissen doch wohl, dass du deinen Reichtum nicht nur deiner F\u00e4higkeit als Magier verdankst.&#8220;, warf William ihm zwinkernd an den Kopf. Er war ihm stets treu geblieben, auch als Mitras sich pl\u00f6tzlich mitten in der Gesellschaft wieder fand, \u00fcber welche die beiden sich fr\u00fcher immer lustig gemacht hatten. Sein alter Kindheitsfreund hatte ihn stets unterst\u00fctzt, sehr zum Missfallen seiner Eltern. Ein Sohn aus gutem Hause der Hauptstadt mit einem Bengel aus dem fahrenden Volk. Was dachte sich der Junge nur! Aber Mitras dachte nie auch nur daran, sich von William abzuwenden. Und letztendlich war aus dem schlaksigen Burschen mit zu vielen Locken und zu vielen Flausen im Kopf ein \u00fcberragender Koch geworden. Es war nur logisch, ihn anzustellen, nur ahnte keiner, dass William noch ganz andere Talente hatte, als den perfekten Rehr\u00fccken zuzubereiten. Ohne ihn w\u00e4re Mitras niemals in den Besitz des Buches gekommen, dem er all das hier verdankte. Und seinem Freund gen\u00fcgte es weiter kochen zu k\u00f6nnen und sich immer weiter zu verbessern. Mitras empfing nur selten G\u00e4ste, aber alle schw\u00e4rmten im nachhinein vom Essen, das serviert wurde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Abigail kam wieder herein, nachdem sie die Sch\u00fclerin zu Bett gebracht hatte. &#8222;Tobey ist bereits dr\u00fcben, Abby.\u201c, informierte Mitras sie. \u201eIch werde nun noch ein Bad nehmen, aber das bekomme ich auch alleine hin. Oh, und ich habe eine Bitte an dich. Die Kleine wei\u00df sich zu kleiden, aber das, was sie hat, gen\u00fcgt f\u00fcr die Hauptstadt nicht. Ich m\u00f6chte, dass du sie morgen mit in die Stadt nimmst und daf\u00fcr sorgst, dass sie etwas standesgem\u00e4\u00dfes zum Anziehen bekommt. Sie braucht eine Magierrobe f\u00fcr zeremonielle Anl\u00e4sse, ein paar Freizeit Garnituren und ein paar Kleider f\u00fcr offizielle Anl\u00e4sse. Du wei\u00dft besser als ich, was sie brauchen wird, sei nicht sparsam.&#8220; &#8222;Aber nat\u00fcrlich nicht! Oh, sie wird gar nicht wissen, wie ihr geschieht!\u201c, gluckste die Haush\u00e4lterin fr\u00f6hlich. Sie war bei der Aussicht, Kira mit Geschenken zu \u00fcberh\u00e4ufen, sichtlich am\u00fcsiert. Tobey und sie waren nahezu mittellos gewesen und kurz davor auf der Stra\u00dfe zu landen, als er die beiden als seine Diener aufgenommen hatte und daf\u00fcr waren sie ihm ebenso wie f\u00fcr die gute Behandlung unendlich dankbar. Ihre nun deutlich bessere Lage verdankten sie aber tats\u00e4chlich William. Er war es, der sie ausgew\u00e4hlt und beobachtet hatte. Sie waren gute Menschen mit einer gro\u00dfen Menge Pech, aber ehrlich und anst\u00e4ndig und vor allem loyal. Mitras wusste, dass er sich auf die beiden nun genauso verlassen konnte, wie auf William auch. Abigail war urspr\u00fcnglich eine begabte Schneiderin und Ausstatterin und hatte ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr Mode. Doch dann geriet sie ins Visier einer Adligen, der es missfallen hatte, dass eine ihrer nichtadeligen G\u00e4ste ein sch\u00f6neres Kleid als sie selbst trug. Und da sie der Dame nichts anhaben konnte, war sie doch bei der H\u00e4ndlerfamilie, deren Tochter Ziel ihres Neides war, hoch verschuldet, zielte sie stattdessen auf die Schneiderin ab. Und in k\u00fcrzester Zeit war Abigail komplett ruiniert, was Ihrer Leidenschaft f\u00fcr sch\u00f6ne Kleidung jedoch, den Geistern sei Dank, keinen Abbruch getan hatte. Sie hatte ihn nun schon oft stilsicher beraten und er wusste Kira bei ihr in besten H\u00e4nden. Jedenfalls musste er sich keine Sorgen machen, dass sie aufgrund von schlechter Kleidung negativ auffiel. Auch in Sachen Etikette war Abigail sehr bewandert und er wusste, dass sie daf\u00fcr sorgen w\u00fcrde, dass die junge Frau alles n\u00f6tige wissen w\u00fcrde, bevor sie sich den &#8222;Haien&#8220; stellen musste.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich w\u00fcnsche dann eine gute Nacht.&#8220; , sagte sie und verlie\u00df das Haus. &#8222;Gut, William, wie gesagt, ich nehme noch ein Bad, ehe ich mit der Meditation beginne. Heute Nacht werde ich mich um den Generator k\u00fcmmern m\u00fcssen, f\u00fcr mich also ein etwas kr\u00e4ftigeres Fr\u00fchst\u00fcck, bitte. Ich denke mal, dass ich unseren neusten Zuwachs um Neun hier antreffen werde. Abby soll sie nicht vorher wecken, die n\u00e4chsten Wochen werden anstrengend genug f\u00fcr sie.&#8220; &#8222;Du wirst sie doch wohl hoffentlich nicht genauso schinden wie dieser elendige Thadeus dich, oder?&#8220; Williams Blick wirkte schon fast vorwurfsvoll. &#8222;Thadeus ist ein elendiger Menschenschinder, der sich am Leid anderer erg\u00f6tzt. Also nein, so hart werde ich es ihr nicht machen. Ich werde es ihr aber auch nicht leicht machen, daf\u00fcr h\u00e4ngt auch zu viel f\u00fcr mich davon ab. Und noch ist unklar, ob sie wirklich charakterlich geeignet ist. Sie hat als erste magische Handlung einem Kameraden die H\u00e4nde so verdreht, dass ein zweit\u00e4giges Ritual n\u00f6tig war, um ihn halbwegs wieder arbeitsf\u00e4hig zu machen. Ich will, dass sie wegen meiner Ausbildung zu einer Magierin wird und nicht trotz ihr. Es soll sich ruhig rumsprechen, dass ich ein besserer Lehrmeister bin, als Thadeus es war.&#8220; &#8222;Na, wenn du meinst. Im Moment wirkt sie doch wohl sehr eingesch\u00fcchtert und \u00fcberhaupt nicht grausam. Pass also auf, dass du sie nicht zu hart ran nimmst.&#8220; &#8222;Ja, William-Papi, ich werde mich bem\u00fchen.\u201c Mitras zwinkerte ihm am\u00fcsiert und genervt zugleich zu. \u201eAber jetzt wartet die Wanne auf mich.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras stand auf und ging nach oben in sein Zimmer, um sich noch ein paar Sachen zu holen. Er griff sich eine einfache weiche Stoffhose, ein paar Pantoffeln und seinen Morgenmantel. Das w\u00fcrde f\u00fcr den R\u00fcckweg nach dem Bad reichen. Als er sich zur T\u00fcr herum drehte, blieb sein Blick am Spiegel seines Waschtisches h\u00e4ngen. Dieser war verzaubert und zeigte ihm &#8211; und nur ihm &#8211; einen Blick aus den anderen Spiegeln des Hauses. Neugierig geworden murmelte er die Formel, um den Spiegel zu aktivieren und zeichnete die entsprechende Rune f\u00fcr Kiras Zimmer auf die Stelle am Rahmen, die daf\u00fcr vorgesehen war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese Form der Haus\u00fcberwachung war sehr ins Geld gegangen, da nur Spiegel mit einem Silberr\u00fccken daf\u00fcr in Frage kamen. Diese noch neuen und teuren Spiegel gaben ein viel besseres Bild, als die mit alten Techniken hergestellten, die zum Beispiel Zinn verwendeten. Zinn blockte zwar die magische Energie nicht so wie Kupfer ab, aber es war deutlich schwerer zu verzaubern als Silber und f\u00fcr einen derart aufwendigen Zauber ungeeignet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nun blickte er in ihr Zimmer, wie er es schon bei vielen seiner G\u00e4ste zuvor getan hatte. Er wusste auch gar nicht so genau, wieso er das eigentlich tat, aber als der Spiegel in sein Blickfeld geraten war, \u00fcberkam ihn eine unstillbare Neugier. Vielleicht war es auch ein wenig die Gew\u00f6hnung an die paranoide \u00dcberwachung, mit der er sich in der letzten Zeit schon erfolgreich gegen einige spionierende G\u00e4ste gewehrt hatte. Auch wenn der Raum dunkel war, zeigte der Spiegel ihn immer, als w\u00e4re er taghell erleuchtet. Und so konnte er einen guten Blick auf sie werfen, wie sie in ihre Decke eingewickelt in ihrem Bett lag. Sie musste sofort schlafen gegangen sein, nachdem Abigail sie hoch gebracht hatte, denn so lange war das noch nicht her. Er nahm sich die Zeit, sie nun einmal ausf\u00fchrlich zu betrachten. Ihr Gesicht war ihm zugewandt. Mitras beobachtete es eine Weile, so gut es aus der Entfernung des Spiegels ging, und stellte fest, dass es angenehm symmetrisch war. Kleine Str\u00e4hnen ihres Haares ringelten sich verschmitzt bis an ihren leicht ge\u00f6ffneten Mund. Er hatte fast das Gef\u00fchl, das rote Schimmern selbst aus dieser Distanz sehen zu k\u00f6nnen. Ihr K\u00f6rper war komplett unter der Decke verschwunden. Er merkte, dass ihn dies st\u00f6rte, auch wenn er nicht sagen konnte, warum. Sie war doch eigentlich viel zu jung f\u00fcr ihn, f\u00fcnfzehn Jahre Unterschied, aber wie er ihr so ins Gesicht sah, merkte er, dass sie doch etwas Faszinierendes an sich hatte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er riss sich vom Spiegel los und deaktivierte ihn. Was war nur in ihn gefahren! Auch wenn sie schon deutlich eine Frau war, so war sie immer noch seine Sch\u00fclerin. Sie w\u00fcrde ihn sicherlich auch nicht attraktiv finden. Er durfte sich nicht zu sehr ablenken lassen, nur weil ein Teil von ihm fand, dass sie doch ein sehr sch\u00f6nes Gesicht habe. Er nahm seine Wechselsachen wieder auf, ging schnell runter ins Bad, entkleidete sich, lie\u00df warmes Wasser in das Becken ein und gab ein Schaumbad hinzu. Dann wandte er sich dem Eimer mit der Sch\u00f6pfkelle zu und kippte ihn sich gleich ganz \u00fcber den Kopf. Das kalte Wasser half ihm, wieder zu klaren Gedanken zu kommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"blob:https:\/\/sandbox.cryptpad.info\/bb45fb48-162a-4fdd-91f2-a0169eb97ad1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"15\" src=\"blob:https:\/\/kingdom-of-albion.de\/2e515cde-9400-462f-acb5-df84ed27f606\" width=\"15\"><em>Er lie\u00df sich in die Wanne gleiten und sp\u00fcrte die W\u00e4rme in seine Glieder steigen. Seit Wochen nun trat er auf der Stelle.<\/em><em> Die ganze Prozedur der Verzauberung ging komplett spurlos an dem Material vorbei. Er konnte die Zylinder praktisch beliebig oft wiederverwenden. An ihm selbst ging das Ganze aber \u00fcberhaupt nicht spurlos vorbei. So viel Magie zu kanalisieren war ziemlich anstrengend, vom Schlafmangel ganz zu schweigen. Dem \u00fcppigen Fr\u00fchst\u00fcck w\u00fcrde bald ein kr\u00e4ftiges Mittagessen folgen m\u00fcssen. Dann konnte er sich wieder seinen Studien widmen und weiter versuchen, die Wirkung des Zaubers zu verl\u00e4ngern oder Wege finden wie das Elektrum mehr Magie aufnehmen konnte. Tags\u00fcber traute er sich nicht, das Laden vorzunehmen &#8211; zu lang dauerte die Meditation, bei der er ungest\u00f6rt sein musste und zu gro\u00df war seine Sorge, jemand k\u00f6nnte hinter die Geheimnisse des Generators gelangen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er experimentierte immer wieder mit unterschiedlichen Zylindergr\u00f6\u00dfen herum, aber das jetzige Format schien das beste Potential zu bieten. Blieb also nur der Zauber. Zwei Tage lie\u00df sich die Bewegung halten, danach wurde sie instabil und der Zylinder begann sich in andere Richtungen als die gew\u00fcnschte zu bewegen, was den ganzen Generator zerst\u00f6ren konnte. Nun studierte er g\u00e4ngige Werke der Telekinese, um einen Langzeitzauber zu erfinden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er ging noch eine Weile seinen Gedanken nach. Kira hatte ihn effektiv einen halben Tag gekostet. Aber die n\u00e4chsten Wochen w\u00fcrde sie sehr viel Zeit im Selbststudium verbringen. Immerhin musste er ihr das Lesen nicht auch noch erst beibringen. Die Frage war, wie es um ihre mathematischen Kenntnisse stand. Im schlimmsten Fall musste er ihr einen Mathematiklehrer besorgen. Das ewige neu Laden der Zylinder und jetzt noch eine Sch\u00fclerin. So w\u00fcrde er nie voran kommen. Wenn die Stra\u00dfe wenigstens an eins der Kraftwerke angeschlossen w\u00e4re , dann k\u00f6nnte er seinen Generator stehen lassen und nur zu Versuchszwecken betreiben. Aber bisher war das komplette Viertel noch unerschlossen, er hatte nicht den geringsten Schimmer, wieso. Au\u00dferdem brachte der Stromverkauf wirklich ein stattliches S\u00fcmmchen zusammen, auch wenn das Einkommen vom Verkauf des Elektrums f\u00fcr alle seine Ausgaben durchaus gereicht h\u00e4tte. Eigentlich m\u00fcsste er mal einen zweiten Generator f\u00fcr den Schuppen bauen, \u00fcberlegte er. Zumindest sobald das Problem mit der Zauberdauer gel\u00f6st w\u00e4re. Im Moment w\u00fcrde er nicht genug Kraft f\u00fcr beide aufbringen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie dem auch sei, er musste sich nun fertig machen. Er lie\u00df das Wasser ablaufen, stieg aus der Wanne und trocknete sich ab. Als er sich angezogen hatte, ging er nach oben, wechselte wieder in seine normalen Sachen und begann in seinem Schlafzimmer den Meditationszirkel vorzubereiten.<\/em> \u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u200b Magister Mitras \u00f6ffnete ihr die T\u00fcr. &#8222;P\u00fcnktlich. Gut.&#8220;, sagte er knapp, ehe er die T\u00fcr ganz \u00f6ffnete und sie in den Raum dahinter winkte. Kira seufzte innerlich erleichtert. Den ersten Test schien sie bestanden zu haben. 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