{"id":150,"date":"2025-02-23T18:41:28","date_gmt":"2025-02-23T18:41:28","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=150"},"modified":"2024-12-09T18:41:53","modified_gmt":"2024-12-09T18:41:53","slug":"neue-freunde-neue-geheimnisse-11-13-firn-242-uldumstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2025\/02\/23\/neue-freunde-neue-geheimnisse-11-13-firn-242-uldumstag\/","title":{"rendered":"Neue Freunde, neue Geheimnisse 11-13. Firn 242 (Uldumstag)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Am Mirastag begleitete Mitras Kira auf dem Weg zum Matheunterricht, um dann zu Nathanael weiter zu fahren. Der Magus empfing ihn in seinem Anwesen, das gar nicht so weit weg vom Anwesen di Pinzons entfernt lag. Es war aber im Vergleich zur Herzogsresidenz geradezu bescheiden, auf dem ersten Blick jedenfalls. Es war eins der Eckh\u00e4user eines ganzen Wohnblocks, der am Rand des Adelsviertels errichtet worden war. Die Geb\u00e4ude waren zweist\u00f6ckig, wobei das Erdgeschoss ein bisschen h\u00f6her gebaut war als die beiden dar\u00fcber liegenden Geschosse. Au\u00dferdem war der ganze Block voll unterkellert. Nathanaels Eckhaus verf\u00fcgte au\u00dferdem \u00fcber einen Turm, der direkt an der Ecke des Hauses drei Geschosse empor ragte und im Dach ein kleines Observatorium beheimatete. Der Eingang zum Geb\u00e4ude war wiederum im Fu\u00df des Turmes. Anders als die rechteckigen und kleiner geschnittenen mittleren Elemente des Blocks waren die vier Eckgeb\u00e4ude quadratisch und verf\u00fcgten auch \u00fcber die gr\u00f6\u00dften G\u00e4rten. Der Turm war allerdings Nathanaels Alleinstellungsmerkmal. Die Astronomie war schon immer das Steckenpferd des Magus und soweit Mitras wusste geh\u00f6rte ihm mehr als nur das Eckhaus von diesem Block. Der ganze Komplex war auch hochmodern, vollelektrisiert, mit perfekter Wasserversorgung und komplett neu. Mitras lebte bereits ein Jahr in seinem Haus, als er zum Einzug des Magus eingeladen worden war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras hatte nie herausgefunden, woher Nathanael so viel Geld hatte, um sich nicht nur eines dieser Anwesen zu leisten, sondern gleich mehrere, die er dann zu horrenden Summen an erfolgreiche H\u00e4ndler oder sehr verm\u00f6gende Adelige&nbsp;vermietete. Mitras gab gerne mal mit seinem Geld an, aber selbst eines der kleineren H\u00e4user in der Mitte zu kaufen, w\u00fcrde seine gesamten Mittel komplett aufbrauchen und ihn dann noch zwingen Kredite aufzunehmen. Nathanael verkaufte nichts, jedenfalls nichts von dem Mitras wusste, und auch wenn sein vorheriger Posten als Bibliothekar der Gilde durchaus viel Prestige inne hatte, so war die Besoldung doch eher bescheiden. Aber trotzdem lie\u00df Nathanaels Reichtum Mitras geradezu arm aussehen.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Butler, der Mitras die T\u00fcr \u00f6fnete, geleitete ihn in den zweiten Stock, wo Nathanael ihn bereits im Turmzimmer&nbsp;erwartete. Der Raum war nahezu kreisrund, bis auf die gerade Wand, die ihn von der Bibliothek davor abtrennte. Der Boden war von einem dicken dunkelgr\u00fcnen Teppich bedeckt. Jede Wandfl\u00e4che, die nicht aus einem Fenster bestand, war von B\u00fccherregalen in Beschlag genommen worden. Hier standen Nathanaels Sch\u00e4tze und in einer kleinen Komode befand sich sein Whisky Vorrat. Mitras wusste, was f\u00fcr eine Ehre es war, dass neben den ganzen hochwertigen Sorten auch eine Flasche Rum stand. Oder stehen sollte, denn jetzt gerade befand sie sich auf einem kleinen Beistelltisch neben einem 25 j\u00e4hrigen besonders teuren Whisky, von dem Mitras wusste, dass es Nathanaels Lieblingstropfen war, den er aber nur in Momenten der Entspannung herausholte. Links und rechts des Tisches standen zwei sehr bequeme Ledersessel. Im Linken von der T\u00fcr ausgesehenen sa\u00df dann nun auch der Magus. &#8222;Ich gr\u00fc\u00dfe dich mein Freund.&#8220; sprach er freundlich und prostete ihm mit seinem Whiskyglas zu. &#8222;Setz dich und bedien dich. Womit kann ich dir helfen?&#8220; Mitras schenkte sich ein Glas von dem Rum ein, die Flasche war deutlich \u00e4lter als Kira und wahrscheinlich teurer als sein halber Bestand an Rumsorten, und setzte sich. &#8222;Nun mein Freund, es sind zwei Sorgen die mich hertreiben, also neben der allgemeinen Freude dich mal wieder besuchen zu k\u00f6nnen.&#8220; sagte er und prostete nun seinerseits Nathanael zu. &#8222;Zum einen das Dauer\u00e4rgernis Secus und zum anderen einige Besonderheiten bez\u00fcglich meiner Sch\u00fclerin.&#8220; &#8222;Kira, richtig? Sie bereitet dir doch hoffentlich keine Probleme oder? Sie wirkte auf mich wie ein anst\u00e4ndiges, talentiertes M\u00e4dchen.&#8220; &#8222;Nun was den Anstand angeht, kommt sie ganz nach ihrem Mentor&#8230;&#8220; &#8222;So schlimm?&#8220; Unterbrach ihn Nathanael lachend. Gespielt entr\u00fcstet antwortete er: &#8222;Nein, so gut. Und nein, sie bereitet mir keine Probleme, aber sie weist diverse Besonderheiten auf, die ich so noch nicht erlebt habe. Ihr Potential ist jetzt bereits sehr gro\u00df, ihr gelingen mittlerweile Zauber aller Schulen, Hellsicht am besten. Sie hat mit einem einfachen Magie entdecken Zauber gut verborgene Spionagezauber in meinem Haus entdeckt.&#8220; &#8222;Moment, was hat sie gefunden?!&#8220; Nathanael beugte sich ruckartig vor. &#8222;Wie gesagt zwei Sorgen, aber da komme ich gleich drauf zur\u00fcck. Nathanael, kann es sein, dass ihre Begabung falsch eingesch\u00e4tzt wurde?&#8220; &#8222;Nun, die Artefakte, die wir f\u00fcr die Messung benutzen sind tats\u00e4chlich recht st\u00f6rungsanf\u00e4llig, was keine der Schulen jemals offen zugeben w\u00fcrde, am wenigsten die Schule der Hellsicht, die sie erschafft. Aber mit der Kernbegabung liegen sie immer richtig. Und ja es ist extrem selten, dass ein Magier in allen vier Bereichen brilliert, aber es kommt vor.&#8220; &#8222;Wirklich? Ich kenne keinen, bei dem das der Fall ist.&#8220; Nathanael lachte abermals. &#8222;Doch, tust du. Mich. Und ja, ich h\u00e4nge es nicht gerne an die gro\u00dfe Glocke, ich glaube, du bist der erste in den letzten zehn Jahren, dem ich das erz\u00e4hle. Was Kira angeht, habe ich eine Vermutung. Erz\u00e4hl mir mehr.&#8220; Mitras sah seinen Freund und Mentor erstaunt an. Wenn das stimmte, war es ein enormer Vertrauensbeweis. Nathanael offenbarte seine Geheimnisse nicht leichtfertig.&#8220;Also, wie gesagt, ihr fallen alle Zauber leicht, meistens jedenfalls&#8230;&#8220; Mitras berichtete von all seinen Beobachtungen in den letzten Wochen, wie Kira pl\u00f6tzlich trotz aller \u00dcbung auf der Bergstra\u00dfe die Kontrolle verlor, wie sie ihre Magiesicht beschrieb, dass sie Probleme hatte in R\u00e4umen Magie zu sammeln, und diese anscheinend gezielt aber unbewusst entleerte und von physischen Hindernissen wie W\u00e4nden gehemmt wurde. Er berichtete von ihren intuitiven F\u00e4higkeiten, die es ihr erm\u00f6glichten Zauber zu wirken, ohne deren konkrete Struktur zu kennen, auch wenn das nur sehr rudiment\u00e4r zu klappen schien. Und er berichtete von dem Geist, der sie als Kind begleitet hatte. Nathanael h\u00f6rte aufmerksam zu und nickte gelegentlich. Als Mitras endete, nahm er einen tiefen Schluck und antwortete: &#8222;Nun Mitras, deine Sch\u00fclerin ist eindeutig eine Skirhexe, beziehungsweise ein Nachkomme einer ihrer Linien.&#8220; &#8222;Ja, Nathanael, das vermute ich auch schon l\u00e4nger und dar\u00fcber haben wir ja auch schon spekuliert.&#8220; &#8222;Ja, aber Mitras, wei\u00dft du auch, was das hei\u00dft?&#8220; Mitras sah ihn verwirrt an. &#8222;Wie, was das hei\u00dft? Nun ja, sie wird ein paar Besonderheiten aufweisen, \u00e4hnlich wie die Inuk.&#8220; &#8222;Ah, du bist dem Geheimnis schon auf der Spur. Ich wusste gar nicht, dass du dich mit dem fahrenden Volk auskennst.&#8220; &#8222;Naja, auskennen ist nicht der richtige Begriff, aber ich kenne eine ihrer Magierinnen, was aber auch schon mehr ist als ich dir eigentlich sagen d\u00fcrfte.&#8220; Nathanael l\u00e4chelte wissend. &#8222;Schon gut, von mir droht ihr keine Gefahr. Mitras, was den Gildenmagiern des Reiches nicht bewusst ist, die Gildenmagie kratzt nur an der Oberfl\u00e4che der magischen M\u00f6glichkeiten. Sowohl die Skir, als auch mein Ursprungsvolk haben eine deutlich tiefere Verbindung zur Magie als es die Erben der Rasenner haben. Ich wei\u00df nicht, woran das liegt. Aber magiebegabte Skir und Astellianer sind deutlich m\u00e4chtiger als die st\u00e4rksten Gildenmagier. Sie kommen aber wohl auch seltener vor. Und Kira macht da keine Ausnahme. Sie ist aber nicht nur st\u00e4rker, f\u00fcr sie funktioniert Magie anders als f\u00fcr dich. Und auch f\u00fcr mich. Ich kann nur aufgrund meiner eigenen Unterschiede spekulieren, wie es sich f\u00fcr sie auswirkt, die Skir sind mir auch fremd. Soweit ich vermute, haben die Skir ebenso wie ich eine st\u00e4rkere Bindung an die Geister und die uns umgebende Natur. Wir k\u00f6nnen somit auch die Magie genauer sehen und punktueller beeinflussen &#8211; gleichzeitig wirken unsere Zauber aber, hmm&#8230; weiter in die allgemeine Umgebung hinein. Was die Unterschiede anbelangt &#8211; soweit ich wei\u00df, ist es nicht im Wesen der Hexen, ihre Umgebung zu drangsalieren. Die Grausamkeiten, die man ihnen nachsagt, habe ich noch nie best\u00e4tigt gesehen, sie sind nicht grausamer als ein Wintersturm. Der kann durchaus gef\u00e4hrlich sein, aber er ist ein Teil der Natur und somit auch nicht in besonderem Ma\u00dfe grausam, wie es manche Menschen sind. Viele Skirhexen, denen ich begegnet bin &#8211; und das waren nicht besonders viele &#8211; hatten Tiere oder sogar Geister als st\u00e4ndige, loyale Begleiter, die ihnen, wenn ich das richtig vermute, aus einem Gef\u00fchl der Zuneigung und Liebe folgen. Das passt zu deinem Bericht \u00fcber den unsichtbaren Freund.&#8220; Mitras sah ihn sprachlos an. Er hatte gewusst, dass Nathanael aus dem Dschungelreich stammte, aber diese Enth\u00fcllung \u00fcber seine und Kiras Herkunft \u00fcberwarf vieles, was er \u00fcber Magie wusste &#8211; er hatte stets geglaubt, alle Magier seien gleich. Kira w\u00fcrde ihn also schon bald \u00fcberfl\u00fcgeln, zumindest was die Bandbreite ihrer Zauber anbelangte. Das hatte er zwar schon vermutet, aber es knickte ihn nun doch ein bisschen. Aber gut, es gab Schlimmeres. Viel wichtiger war, konnte er der Lage noch Herr bleiben? &#8222;Nathanel, wenn das alles stimmt, wie soll ich dann als ihr Mentor gen\u00fcgen? Ich beherrsche nur die H\u00e4lfte der Magie, die ihr offen steht und ich werde dann auch schon bald nicht mehr f\u00e4hig sein, sie bei Fehlern zu sch\u00fctzen. Verdammt, wenn Thadeus davon erf\u00e4hrt&#8230;&#8220; &#8222;Wird er nicht!&#8220;, schnitt Nathanael ihm das Wort energisch ab. &#8222;Und mach dir keine Sorgen, du bist f\u00e4hig genug f\u00fcr sie zu sorgen. Wenn ich es richtig entsinne, bezeichnete sie dich als Freund, richtig?&#8220; Mitras nickte. &#8222;Nun, dann wirst du ihr ein Freund sein. Das braucht sie am meisten &#8211; gute Freunde und Partner, die sie st\u00fctzen und auch leiten, wenn das zuviel an Macht einem zu Kopf steigt. Ich bin auch zuerst gildenmagisch ausgebildet worden, es schadet nicht. Man entdeckt die eigenen Besonderheiten nach und nach, und abgesehen davon, dass sie dir ab und zu mal was in die Luft heben wird &#8211; oder sprengen &#8211; wird nichts schlimmes passieren. Wir sind, soweit ich es erlebt habe, tief mit der Magie verbunden, der Wille zu \u00fcberleben l\u00e4sst da auch spontane Zauber zum eigenen Schutz zu. Und au\u00dferdem &#8211; du musst ihr gar nicht alles selber beibringen. Einen guten Elementarmagier werde ich wohl finden k\u00f6nnen, der sie unterrichtet, aber es gen\u00fcgt, wenn wir das angehen, sobald sie in der Schule ist, bis dahin sollten deine F\u00e4higkeiten und die B\u00fccher gen\u00fcgen. Und die Hellsicht &#8211; vielleicht kann deine Inuk da helfen?&#8220; Mitras schwieg einen Moment. Die Zweifel ebten nur langsam ab. &#8222;Nun gut, ich gebe mein Bestes.&#8220;, sagte er schlie\u00dflich mit einem Seufzen. &#8222;Und ich werde Hilfe annehmen. Aber ich werde auch versuchen mehr \u00fcber ihre Herkunft heraus zu finden. Zu wissen, woher sie stammt und ob es da noch mehr Verwandte gibt, kann sicher helfen.&#8220; &#8222;Gut, halte mich bitte auf dem Laufenden, was das angeht. Es k\u00f6nnte auch politisch irgendwann noch wichtig werden.&#8220; Nathanael wiegte ein wenig den Kopf. &#8222;Aber es kann sein, dass du da gegen Mauern rennst &#8211; die Hexen sind nicht ohne Grund unbekannt bei uns. Sie sch\u00fctzen sich und die Ihren, indem sie uns im Unwissen lassen. Im S\u00fcden ist es im \u00dcbrigen das Gleiche. Es war nicht leicht f\u00fcr mich, mehr \u00fcber meine Herkunft heraus zu finden.&#8220; Nathanael nahm einen weiteren Schluck und blickte bedeutungsschwer in den Raum, ohne noch etwas zu dem Thema zu sagen. Mitras dachte daran, dass er die friedliche Haltung der Hexen als Unterschied bezeichnet hatte &#8211; bedeutete das, dass sie Astellanier und ihre Verbindung zur Natur es nicht waren? Doch er traute sich nicht, weiter zu fragen. Die Informationen, die er gerade erhalten hatte, waren der Geheimnisse genug f\u00fcr einen Tag, und er war dankbar f\u00fcr Nathanaels Vertrauen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u200b&#8220;Gut, Mitras, du hast noch eine Sorge, die di Porrums? Sind die Spione von ihnen platziert worden?&#8220; Mitras seufzte erneut. &#8222;Wenn ich das w\u00fcsste!&#8220; Er beschrieb, dass die Nachforschungen von Titus am Mord seines Mitarbeiters gescheitert waren und berichtete anschlie\u00dfend detailliert \u00fcber die Spione\u200b\u200b.\u200b\u200b &#8222;Hmm, schade, dass du beide zerst\u00f6rt hast, aber es ist wohl besser so. Ich glaube aber nicht, dass sie dir irgendwie geschadet haben. Der Stein muss wieder eingesammelt werden und so wie die Vase stand wird sich dar\u00fcber nichts wichtiges in Erfahrung bringen lassen. Au\u00dferdem glaube ich nicht, dass sie nach Au\u00dfen \u00fcbertragen hat. Du solltest dich aber gegen weitere Einbr\u00fcche wappnen. Wer auch immer dir den Stein untergejubelt hat, wird ihn auch wieder herausholen wollen. Und ja, so ein leichtsinniger Plan kann nur von den di Porrums kommen. Andere w\u00e4ren da subtiler. Ich habe nachher etwas f\u00fcr dich, du hast zwei Eingangst\u00fcren, oder?&#8220; Mitras nickte verwirrt. &#8222;Gut, ich habe einige mit Konterzaubern versehene Artefakte, die sehr unauff\u00e4llig sind und dich warnen, wenn nochmal so ein Spionagezauber auf diesem Wege in dein Haus kommt. Ich nutze sie selbst, und glaub mir sie funktionieren und sind notwendig. Ich werde mal meine eigenen Kontakte wachklopfen und sehen, ob ich herausfinde was Secus im Schilde f\u00fchrt. Aber genug jetzt davon. Lass uns den Rest des Nachmittags \u00fcber angenehmeres plaudern.&#8220;&nbsp; Es fiel Mitras zwar eine Weile noch schwer, aber letztendlich entspannte er sich und sie redeten \u00fcber Nathanaels Pl\u00e4ne, ein weiteres Haus weiter die Stra\u00dfe hinauf zu kaufen, ebenso wie seine \u00dcberlegungen zum Fr\u00fchlingsfest der Gilde und Mitras Forschungen zum Elektrum. Als er Kira abholen musste, hatte er die neuen Erkentnisse schon gut genug verarbeitet, um sich nichts mehr anmerken zu lassen, und so endete der Tag so gew\u00f6hnlich wie jeder andere Miras.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Laden am Mafuristag schaffte Kira es kaum noch, einzuschlafen. Mitras H\u00e4nde auf ihrer Haut und sein Anblick, als er elegant den Zauber wob, waren nach den Ereignissen am Silenz einfach zu verlockend geworden. Sie erwischte sich mehrfach dabei, wie sie dar\u00fcber nachdachte, ob sie ihn einfach k\u00fcssen sollte, und verwarf es dann ganz schnell wieder. Als sie dann endlich schlief, hatte sie wilde Tr\u00e4ume, aus denen sie keuchend und voller Erregung aufwachte. Wie sollte das so weiter gehen? Sie f\u00fchlte sich einsam und hilflos. In Bispar hatte sie viele Probleme gehabt, aber nie solche. Sie hatte immer gewusst, wer sie war und was sie wollte. Sie erwartete ungeduldig den Nachmittag, um mit Sebastian sprechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er wartete bereits vor der Bibliothek auf sie. &#8222;Hallo, Kira!&#8220;, winkte er. &#8222;Hast du Lust, heute mal mit zu mir nach Hause zu kommen? Mir ist es einfach zu kalt und matschig heute hier drau\u00dfen.&#8220; &#8222;Musst du nicht arbeiten?&#8220;, fragte Kira erstaunt. Sebastian zuckte mit den Schultern und grinste sie an. &#8222;Ich habe meine Schicht getauscht, seitdem du jeden Uldum hier bist, komme ich eh nachmittags nicht genug zum Arbeiten.&#8220; Kira wusste nicht, was sie sagen sollte. &#8222;Aber&#8230;&#8220; Sebastian nahm ihren Arm und wischte ihren Widerstand beiseite. &#8222;Shh, wird meine beste Freundin wohl schweigen?&#8220; Sie schwieg. Beste Freundin klang gut. &#8222;Also, gespannt auf meine Jungesellenbude?&#8220; Sie l\u00e4chelte und hakte sich richtig ein. &#8222;Nat\u00fcrlich!&#8220; &#8222;Ist auch nicht weit weg.&#8220; Sebastian f\u00fchrte sie zum \u00e4u\u00dferen Rand der inneren Altstadt. Bei einem dreigescho\u00dfigen Haus mit wei\u00dfer Fassade blieb er stehen. &#8222;Tadaa! Naja, also, nat\u00fcrlich wohne ich nicht im ganzen Haus. Mir geh\u00f6ren oben ein paar Zimmer.&#8220; Kira blickte das Haus hinauf. &#8222;Aber selbst das ist ja schon eine Menge, dass du in der Altstadt wohnst, h\u00e4tte ich nicht gedacht.&#8220; Sebastian l\u00e4chelte. &#8222;Meine Frau Mama l\u00e4sst sich nicht lumpen, stimmt schon. Komm!&#8220; Er f\u00fchrte sie durch das dunkle Treppenhaus nach oben. Tats\u00e4chlich hatte er mit ein &#8222;paar&#8220; Zimmern recht &#8211; es waren n\u00e4mlich zwei, wobei das Wohnzimmer ziemlich gro\u00df war und eine kleine K\u00fcche enthielt. &#8222;Hast du gar keine Bediensteten?&#8220;, fragte Kira erstaunt, w\u00e4hrend sie sich im Wohnzimmer umsah. Neben einem gro\u00dfen Sofa gab es mehrere Sessel und einen kleinen Ofen. Eine Ecke war eindeutig zum Essen eingerichtet, dort stand ein gro\u00dfer Tisch mit vier St\u00fchlen. Eine Vitrine war mit verschiedenen Mineralien und einigen ausgestopften Tieren gef\u00fcllt, die restlichen W\u00e4nde waren hingegen mit B\u00fccherregalen versehen. Es war ein wenig, als k\u00e4me man in eine gem\u00fctliche Version einer Bibliothek. So, wie sie Sebastian von Anfang an gemocht hatte, mochte sie auch seine Wohnung. Er legte seinen Mantel ab und zuckte nachl\u00e4ssig mit den Schultern. &#8222;Meistens esse ich eh bei meinen Eltern oder im Restaurant, und zum putzen kommt die Haush\u00e4lterin meiner Eltern einmal die Woche, das gen\u00fcgt.&#8220; Interessiert betrachtete Kira das einzige Gem\u00e4lde, dass \u00fcber dem Sofa hing. Es zeigte eine Familie, aber ganz eindeutig nicht Sebastians, wie sie anhand der dreibl\u00e4ttrigen Bl\u00fcten auf den Umh\u00e4ngen schlo\u00df &#8211; diese Art der Lilien durften nur Mitglieder des K\u00f6nigshauses tragen. Sebastian folgte ihrem Blick. &#8222;Hast du sie schonmal gesehen?&#8220; Kira sch\u00fcttelte den Kopf. Sebastian kletterte auf das Sofa, nachdem er seine Schuhe ausgezogen hatte, und zeigte auf die verschiedenen Personen. &#8222;K\u00f6nig Elon di Leonidas, K\u00f6nigin Liliane, Kronprinz Aurel, Prinz Belisar, Prinzessin Kristina und&#8230;&#8220;, er stockte kurz, &#8222;Prinzessin Amelie.&#8220; Neugierig sah Kira ihn an. Er war tats\u00e4chlich ein bisschen rot geworden. Sie blickte nocheinmal auf das Bild. Die beiden Prinzessinnen waren auf dem Bild etwa 13 oder 14. Sie sahen sich so \u00e4hnlich, dass Kira vermutete, dass sie Zwillinge waren. Ob eine von ihnen seine geheime Liebe war? Das w\u00fcrde dann allerdings zweierlei bedeuten: Erstens war seine Familie noch m\u00e4chtiger, als sie vermutet hatte, denn Sebastian hatte mal angedeutet, dass er seine geheime Liebe schon als Kind gekannt hatte. Als Kind Kontakt zum K\u00f6nigshaus zu haben, war schon etwas. Und zweitens hatte er dann tats\u00e4chlich Recht damit, chancenlos zu sein als nichtmagischer Adeliger. Die Spr\u00f6sslinge des K\u00f6nigshauses wurden stets magisch verheiratet, und diese Heiraten dienten mehr der Politik als der Liebe, soweit wusste Kira schon aus den Erz\u00e4hlungen von Sebastian, Abby und Tobey, die alle drei mit gro\u00dfer Freude alle Geschehnisse der oberen Adelsh\u00e4user verfolgten und, soweit Kira verstand, auch gerne dar\u00fcber tratschten. Sie hatte sich bisher daf\u00fcr nicht so interessiert, aber wenn ihre Vermutung stimmte, verstand sie pl\u00f6tzlich deutlich besser, warum Sebastian sich f\u00fcr solchen Klatsch so interessierte. Er mochte ihren Blick bemerkt haben, denn er fragte eilig: &#8222;M\u00f6chtest du was trinken?&#8220; Kira nickte. Falls sie Recht hatte, w\u00fcrde er ihr es erz\u00e4hlen, wenn die Zeit reif war. Sie lie\u00df sich aufs Sofa sinken. Liebe war so kompliziert! Sebastian, der mit zwei Gl\u00e4sern Wasser wieder in den Raum kam, lachte sie an. &#8222;Du siehst v\u00f6llig fertig aus. Hat unser guter Magister dich so hart schuften lassen?&#8220; Kira lief bei der Erw\u00e4hnung von Mitras sofort rot an. &#8222;Nein&#8230;&#8220;, sagte sie mit kl\u00e4glicher Stimme. &#8222;Er ist zu gut zu mir&#8230;&#8220; Sebastian lachte sie aus. Nein, eigentlich lachte er mit ihr, realisierte sie, als sie selbst von seinem Lachen angesteckt grinsen musste. Es war aber auch zu albern! Da sa\u00df sie hier, wurde mit Geld und Zuneigung und Spa\u00df \u00fcbergo\u00dfen und war immer noch nicht zufrieden. &#8222;Soso, was hat er denn getan, dein Angebeteter?&#8220; Erst z\u00f6gerlich, dann immer schneller werdend erz\u00e4hlte sie ihm vom Laden, vom Ausflug und der Umarmung, von der Eisfigur, von seinem L\u00e4cheln und von ihren Gedanken. Letzteres kostete sie einiges an \u00dcberwindung, aber Sebastian war ein aufmerksamer und r\u00fccksichtsvoller Zuh\u00f6rer und der private Raum half ebenfalls. Letztendlich sa\u00df sie mit einer Mischung aus Schw\u00e4rmen, Heulen und Verzweiflung auf seinem Sofa und sch\u00fcttete alles aus, was sich in den letzten Wochen angesammelt hatte &#8211; von ihrer Unsicherheit&nbsp;im Umgang mit Herzog di Pinzon, der konstanten Angst, doch wieder heimgeschickt zu werden, Mitras Arroganz beim Treffen mit den di Porrums bis hin zu ihren Gedanken \u00fcber Sex, die sie selbst so gar nicht einordnen konnte. Irgendwann h\u00f6rte Sebastian auf, ihre Erz\u00e4hlung zu kommentieren und h\u00f6rte still zu, nur als sie anfing zu weinen, reichte er ihr stumm ein Taschentuch. Als sie geendet hatte, \u00f6ffnete er die Arme, und sie lie\u00df sich gegen ihn sinken. Einen langen Moment sa\u00dfen sie schweigen auf dem Sofa, dann befreite sich Kira vorsichtig aus der Umarmung und richtete sich etwas verlegen auf. &#8222;Tut mir leid. Das war vielleicht ein bisschen viel&#8230;&#8220; Er sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Alles gut. Wir wollten Freunde sein, und Freunde h\u00f6ren auch einander zu.&#8220; Kira schluckte. Freunde war ein so seltsames Wort f\u00fcr sie. &#8222;Danke. Ich wei\u00df nicht genau, wie Freundschaft eigentlich funktioniert, aber ich bin dir sehr dankbar, dass ich endlich mal \u00fcber all das sprechen konnte. Sonst habe ich ab und zu mit meinem Bruder gesprochen, er war mein Vertrauter, aber wenn man ehrlich ist, ist er eigentlich nur selten da und wenn er da ist, hat er wenig Zeit. Ich glaube, er mag mich, aber so wie du mir gerade zugeh\u00f6rt hast, so haben mir bisher nur Geister und die B\u00e4ume zugeh\u00f6rt.&#8220; Sebastian strich sich eine Haarstr\u00e4hne aus dem Gesicht und schaute sie ernst an. &#8222;Dein Leben war wirklich nur halbsch\u00f6n, oder?&#8220; Sie nickte. &#8222;Und mein neues Leben ist ein bisschen zu sch\u00f6n&#8230;&#8220; Er lachte. &#8222;Ahja, aber dein Humor ist wieder da. Schau, was das Problem mit dem Sex anbelangt, ich habe nichts dagegen, dir einiges zu zeigen, als Freunde eben. Hier in der Stadt ist es nicht un\u00fcblich, dass Freunde auch k\u00f6rperliche Freuden miteinander teilen &#8211; wenn alle Beteiligten das wollen.&#8220; Kiras Kopf rauschte. Von ihm Dinge gezeigt bekommen? Sebastian sah gut aus und war sicherlich sehr erfahren, aber die Vorstellung, mit ihm intim zu werden, lie\u00df eher Alarmglocken als Vorfreude in ihr schrillen. Sie sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Nein, ich kann das nicht. Ich&#8230; ich will nur&#8230; nur dass er mich anf\u00e4sst, niemand sonst.&#8220; Sebastian war zu ihrer Erleichterung nicht beleidigt, sondern l\u00e4chelte sie verst\u00e4ndnisvoll an. &#8222;Das ist in Ordnung, du bestimmst, was du willst. Du bist eine freie Magierin, niemand kann dich zwingen &#8211; und das sollte meiner Meinung nach sowieso f\u00fcr jede Frau gelten.&#8220; Dem konnte Kira vorbehaltlos zustimmen. Sie \u00fcberlegte kurz, ob sie Sebastian von Johann erz\u00e4hlen sollte, lie\u00df es dann aber. Pers\u00f6nliche Enth\u00fcllungen hatte sie heute genug gehabt. Sie schaute ihn von der Seite an, wie er auf dem Sofa sa\u00df, das Glas in der Hand. Die Str\u00e4hne fiel schon wieder nach vorne, fast in die Augen. &#8222;Wei\u00dft du, dass du mich gerade ein wenig an meinen Bruder erinnerst? Wie eine bessere Version von ihm, mit mehr Zeit, mehr F\u00fcrsorge und mehr Geld.&#8220; Sebastian lachte schallend. &#8222;Ist das jetzt ein Kompliment f\u00fcr mich oder eine Beleidigung f\u00fcr deinen Bruder?&#8220; Sie grinste. &#8222;Eigentlich ein Kompliment f\u00fcr euch beide. Ich vermisse ihn oft. Wie gesagt, er war mein vertrautester Mensch in Bispar, und der netteste. Bruder Harras war eher mein Mentor, und er hat mich f\u00fcr die Lehrstunden auch durchaus viel arbeiten lassen, aber das ist in Ordnung. Ich vermisse die Fr\u00f6hlichkeiten meines Bruders und die W\u00e4rme und Ruhe von Bruder Harras. Und die W\u00e4lder um Bispar, die sind etwas besonderes.&#8220; Seufzend lie\u00df sie sich tiefer aufs Sofa sinken. &#8222;Und dennoch bin ich unendlich froh, hier zu sein, mit einem tollen besten Freund, gro\u00dfartigen Chancen zum Lernen und einen viel zu gutaussehendem Mentor.&#8220; Sebastian grinste. &#8222;Da du deine sexuellen Gel\u00fcste ja nicht anderswo ausleben m\u00f6chtest, sollten wir dann wohl einen Plan schmieden, wie du ihn verf\u00fchren kannst, nicht?&#8220; Kira sprang fast vor Schreck auf. &#8222;Nein! Das geht nicht! Das kann ich doch nicht machen!&#8220; Sebastian stellte das Glas ab, weil er zu sehr lachen musste. &#8222;Neeein?&#8220;, ahmte er sie nach. &#8222;Wieso denn nicht?&#8220; &#8222;Weil&#8230; Weil er viel \u00e4lter ist als ich. Weil er mein Mentor ist. Weil es seinem Ruf schaden w\u00fcrde. Und ich glaube, er will das auch gar nicht. Ich kann ihn doch nicht zu etwas bringen, was er nicht will. Und ich wei\u00df ja selbst nicht mal, ob ich \u00fcberhaupt Sex mit einem Mann haben will.&#8220; Sebastian lachte immer noch. &#8222;Glaub mir, Kira, das willst du. Wenn der Mann es richtig macht, ist Sex auch f\u00fcr die Frau ein gro\u00dfes Vergn\u00fcgen. Die Horrorgeschichten, die du da eben erz\u00e4hlt hast, sind m\u00f6glicherweise wahr &#8211; aber nur, wenn die M\u00e4nner einen Schei\u00df auf das Wohl ihrer Frauen geben.&#8220; Kira blickte zu Boden und schwieg einen Moment. &#8222;Ja, kann sein. Ich bin aber irgendwie noch nicht so weit. Ich glaube, ich br\u00e4uchte da erstmal ein Buch zu oder so&#8230;&#8220; &#8222;Wenn es weiter nichts ist, warte kurz. Es gibt kein Buch, dass Sebastian di Ferrus nicht hat. Oder so.&#8220; Er stand auf und ging in den Nebenraum, was vermutlich das Schlafzimmer war. Kira sp\u00e4hte durch die Fl\u00fcgelt\u00fcr und sah ein ausladendes Himmelbett im astellanischen Stil, eine Rarit\u00e4t. Vorh\u00e4nge und T\u00fccher schm\u00fcckten die verschlungenen Pfeiler. Ein vermutlich ziemlich guter Ort f\u00fcr das, wor\u00fcber sie eben gerade sprachen, scho\u00df es ihr durch den Kopf, doch ehe sie dar\u00fcber weiter nachdenken konnte, stand Sebastian bereits wieder vor ihr und hielt ihr ein schmales Buch in einem schlichten Ledereinband hin. &#8222;Bitte sehr, Bettlekt\u00fcre.&#8220; Kira nahm das Buch z\u00f6gerlich entgegen und wollte es aufbl\u00e4ttern, aber er hielt die Hand dar\u00fcber. &#8222;Nein, pack es ein und lies es zuhause in Ruhe. Mit abgeschlossener Zimmert\u00fcr ist es meiner Erfahrung nach am besten. Und sei nicht scheu. Sex ist daf\u00fcr da, uns zu entspannen und Freude zu genie\u00dfen. Die Sache mit den Babys kann man zweitrangig sehen.&#8220; Kira prustetete. &#8222;Das w\u00fcrde Bruder Harras auf jeden Fall anders sehen!&#8220;, sagte sie in Erinnerung an die endlosen Vortr\u00e4ge, die er ihr und allen anderen M\u00e4dchen im Dorf \u00fcber die Erf\u00fcllung der m\u00fctterlichen Pflichten gehalten hatte, insbesondere, wenn er gerade mal wieder bei einer Geburt helfen durfte. &#8222;Dein Harras ist ja auch alt, Priester und vom Dorf, der muss das anders sehen.&#8220; Sebastian sah auf die Uhr. &#8222;Musst du eigentlich zum Abendessen zuhause sein?&#8220; Erschrocken blickte Kira selbst auf die Uhr. &#8222;Herrjeh, eigentlich schon!&#8220; &#8222;Kein Problem, es gibt einen Kutschstand nicht weit von hier. Wasch dir eben in der K\u00fcche das Gesicht, du siehst ganz verheult aus, dann bringe ich dich eben r\u00fcber.&#8220; Gehorsam stand Kira auf, konnte es sich aber nicht nehmen, ihn nochmal fest in den Arm zu nehmen, ehe sie aufbrachen. &#8222;Danke! Wenn ich dir irgendwie helfen kann, sag es nur.&#8220; Sebastian nickte, aber Kira sah auch, dass er nicht glaubte, dass sie ihm bei irgendwas w\u00fcrde helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b<em>Mitras hatte den ganzen Lunar durch nichts weiter von di Camino geh\u00f6rt, war nun aber von ihm zu einer Demonstration eingeladen worden. W\u00e4hrend Kira zu ihrem freien Nachmittag aufbrach, machte Mitras sich auf den Weg zur Schule, wo der Professor ihn in einer kleinen Werkstadt erwartete. In dem Raum standen zwei Manequins mit R\u00fcstungen. Die Linke war eindeutig aus Elektrum und der Magier, der sie geformt hatte, hatte all sein ganzes k\u00fcnstlerisches Talent in sie gelegt. Soweit Mitras es beurteilen konnte, war die zweiteilige R\u00fcstung, bestehend aus einer den Bauch mitbedeckenden Brustplatte und einem genauso langem R\u00fcckensegment, ungef\u00e4hr einen Millimeter stark. F\u00fcr eine R\u00fcstung schon l\u00e4cherlich d\u00fcnn, aber bei diesem Material sollte es reichen. Verschiedene wie einge\u00e4tzt oder graviert wirkende Zierelemente lie\u00dfen sie fast wie eine Parader\u00fcstung wirken, aber Mitras wusste, dass sie mehr sein w\u00fcrde. Die andere, eine einfache Eisenr\u00fcstung gleicher Bauart, aber deutlich schlichter, war wohl rund drei Millimeter stark, also eine normale Infanterie R\u00fcstung. Mitras sch\u00e4tzte, dass die Elektrumr\u00fcstung trotz der deutlich geringeren St\u00e4rke, wohl nur geringf\u00fcgig leichter sein w\u00fcrde als ihr Gegenst\u00fcck. Eisen war zwar schon schwer, aber das Elektrum \u00fcbertraf bei gleichem Volumen selbst Blei. &#8222;Werter Magister di Venaris, ich gr\u00fc\u00dfe Sie!&#8220; Di Camino kam auf ihn zu und sch\u00fcttelte ihm \u00fcberschw\u00e4nglich die Hand. &#8222;Professor. Ich nehme an, dass dieses sch\u00f6ne St\u00fcck aus ihrer Fertigung ist?&#8220; &#8222;Ist sie nicht vorz\u00fcglich gelungen? Stellen Sie sich nur vor, was das f\u00fcr eine Wirkung auf den Feind hat, wenn ein jeder Fu\u00dfsoldat ger\u00fcstet wie ein K\u00f6nig dem Feind gegen\u00fcber steht. Und erst die Festigkeit, sie \u00fcberbietet jede Hoffnung meinerseits. Es hat, neben dem Lehrbetrieb nur leider eine ganze Weile gedauert, erst einmal alle Unterlagen zu sichten und mich mit dem Material genau vertraut zu machen. Ich habe meinerseits einen Bericht \u00fcber meine Forschungen angefertigt, den Sie gleich mitnehmen k\u00f6nnen. Aber nun ersteinmal sehen Sie hier. Harald! Fange mit der Eisenr\u00fcstung an, tu dein Schlimmstes!&#8220; Harald, ein wahrer H\u00fchne, trat aus der Ecke hervor. &#8222;Sehr wohl, Herr Professor.&#8220; Er trug einen m\u00e4chtigen Zweih\u00e4nder in den H\u00e4nden und schwang ihn mit ganzer Kraft gegen die Brustplatte aus Eisen. Die Holzfigur wurde von hinten mit massiven Eichenbalken gest\u00fctzt und das war auch der einzige Grund, warum sie nicht an der Wand hinter ihr zerschellte. Die Platte wies eine deutliche Kerbe auf und der Tr\u00e4ger w\u00fcrde jetzt mit gebrochenen Rippen am Boden liegen. Mitras konnte sich aber nicht vorstellen, dass dieser Schlag der Klinge sonderlich gut getan hatte. Dann stach Harald mit gro\u00dfer Wucht auf eine unbesch\u00e4digte Stelle auf der Brust ein und das Schwert, nun wahrscheinlich stumpf, drang in das Holz ein und blieb mit der Spitze stecken. Harald riss es wieder heraus und brachte das geschundene Gro\u00dfschwert zu einem Tisch, auf dem bereits ein zweites lag, dass er nun ergriff. Der Elektrumr\u00fcstung drohte nun die gleiche Behandlung. Doch als Harald das Schwert nach seinem Hieb hochhielt, war die Brustplatte unbesch\u00e4digt, die Klinge jedoch wies eine mehrere Zentimeter lange Kerbe auf. Der Soldat w\u00e4re sicher immer noch von der Wucht \u00fcbel zugerichtet worden, aber er w\u00fcrde wohl kampff\u00e4hig bleiben. Mitras wechselte auf magische Sicht und l\u00e4chelte. &#8222;Beeindruckend Professor. Aber Sie haben etwas wichtiges vergessen.&#8220; Mitras wirbelte herum und lie\u00df den Ring an seinem rechten Arm zu einem Dolch werden und warf ihn auf die R\u00fcstung. Gleichzeitig wirkte er einen einfachen Verformen Zauber auf diese und bevor der Dolch traf, \u00f6ffnete sich die R\u00fcstung genau dort, wo er einschlug, wie eine Blume. Der Dolch steckte in dem nun ungesch\u00fctzten Holz der Figur und zitterte. &#8222;Ich hatte euch gesagt, dass das Material in Form gehalten werden muss. Wenn es nicht magisch gesch\u00fctzt wird, kann der Feind unsere Soldaten schneller entkleiden, als es die leichten Damen in einem Bordell verm\u00f6gen.&#8220; &#8222;Also wirklich Magister, ihr wisst wie ihr jemanden den Tag verderben k\u00f6nnt.&#8220;, sagte di Camino, sah dabei aber nicht besonders geknickt aus. &#8222;Ja, mir ist bewusst, dass die R\u00fcstung versiegelt werden muss. Aber auch diese Zauber sind nicht von Dauer. Kommt mit. Hier diskutiert es sich nicht gut.&#8220; Mitras trat noch an die Puppe heran und mit einem schnippsen flo\u00df der Dolch wieder um sein Handgelenk. Dann folgte er di Camino und sie gingen in dessen B\u00fcro.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras setzte sich und blickte den Professor an. &#8222;Mit den Bindungszaubern habe ich noch nicht viel experimentiert, die Kinetik hat mich aus naheliegenden Gr\u00fcnden mehr interessiert. Sagt di Camino, wie lange wirkt ein normaler Formbindungszauber?&#8220; &#8222;Zehn Tage. Deutlich l\u00e4nger als Zauber aller anderer Gattungen, aber letztendlich dissipiert auch hier die Magie. Aber es ist kein Abflie\u00dfen wahrzunehmen, wieso verschwindet die Magie einfach so?&#8220; &#8222;Das, werter Kollege, ist eine unserer wichtigsten Fragen, und leider bin ich genauso ratlos wie Sie. Ich habe das Ph\u00e4nomen umfangreich untersucht, konnte aber nichts dar\u00fcber in Erfahrung bringen. Unsere Sinne und Ger\u00e4te scheinen nicht fein genug zu sein, um den Magieabflu\u00df zu sehen oder den Verbraucher wahrzunehmen. Aber sagt, die R\u00fcstung, warum eine Infanterie R\u00fcstung? Elektrum ist in der Herstellung enorm aufw\u00e4ndig und ein ganzes Regiment mit Harnischen auszustatten w\u00fcrde Ummengen an Material verschlingen. Wolltet ihr nicht eigentlich Kavalarie R\u00fcstungen fertigen?&#8220; Di Camino lachte: &#8222;Ja, und davon bin ich nicht abger\u00fcckt. Aber als ich letztens einen Gardeinfanteristen der k\u00f6niglichen Wache sah in dieser albernen pomp\u00f6sen Silberr\u00fcstung, da dachte ich mir, w\u00e4re es nicht viel sinnvoller, wenn sie eine dekorative und sch\u00fctzende R\u00fcstung tragen w\u00fcrden? Au\u00dferdem experimentiert es sich mit den Puppen leichter. Ich kann so besser die Schadenswirkung beurteilen. Und Sie haben ja gesehen, was der gute Harald selbst einem Soldaten in Elektrumr\u00fcstung antun kann. Ich wollte dem K\u00f6nig ein Geschenk machen und ihm so eine R\u00fcstung anfertigen.&#8220; &#8222;Eine lobenswerte Idee, der Harnisch w\u00fcrde zu dem Rapier passen, den er von mir erhalten hat. Ich habe ihn auch darauf aufmerksam gemacht, dass er das Schwert vor Gebrauch verzaubern muss. Ein Gegner muss diese L\u00fccke nat\u00fcrlich erst erkennen, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. Aber sagen Sie eine klassische zweiteilige R\u00fcstung? Ist das nicht viel zu unflexibel? Sie k\u00f6nnen das Material in jede beliebige Form bringen. Erinnern Sie sich noch an die alten B\u00e4nderr\u00fcstungen aus dem Rasennareich? Nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben w\u00e4ren sie viel zu lose und leicht mit einem Rapier oder Pfeil zu durchsto\u00dfen, aber da das Elektrum magisch geformt und nachjustiert werden kann, k\u00f6nnte eine \u00e4hnliche, aber deutlich sichere R\u00fcstung gefertigt werden, die sich dann mit den Bewegungen des Tr\u00e4gers mit verformt und ihn so mehr Freiheit gibt.&#8220; &#8222;Verdammt, Sie haben recht! Warum habe ich daran nicht gedacht? Ich war so von der k\u00fcnstlerischen Wirkung der Garder\u00fcstung fasziniert, dass ich keinen Gedanken an ihre Praktikabilit\u00e4t verschwendet habe. Danke di Venaris!&#8220; &#8222;Nicht der Rede wert. Aber sagen Sie, was denkt der Dekan \u00fcber ihre Fortschritte?&#8220; &#8222;Ach, er jammert rum, dass das alles zu lange dauert, aber ich musste nunmal erst einmal Ihren Wissenstand einholen. Die Idee einer unbesiegbaren, gepanzerten Phalanx schien ihm aber zu gefallen. Merkw\u00fcrdig nicht wahr? Aber was anderes Magister, ich muss sie noch einmal um eine Probe des Venariums bitten. In dem Stoff muss es einen Hinweis auf das Geheimnis der verschwundenen Magie geben.&#8220; Mitras \u00fcberlegte, das k\u00f6nnte in der Tat sein. Anfangs hatte er das Venarium sehr genau untersucht, aber da hatter er noch nichts \u00fcber das Elektrum gewusst und w\u00fcrde das Venarium heute wahrscheinlich anders angehen. Aber wenn er dies nun an di Camino abtreten konnte, dann w\u00fcrde er die Grundlagenforschung geliefert bekommen, w\u00e4hrend er sich weiter auf anderes konzentrieren konnte und di Camino w\u00e4re von der Waffenforschung abgelenkt. &#8222;Also gut, Professor. Ich kann Ihnen aber nur einen Kilogramm \u00fcberlassen. Mehr habe ich im Moment nicht auf Lager.&#8220; Di Caminos Augen leuchteten auf, &#8222;Ich danke Ihnen, das sollte f\u00fcs erste reichen. Nun gut, Sie haben sicher auch noch zu tun. Hier ist mein Bericht.&#8220; &#8222;Vielen Dank, ich kenne einen vertrauensvollen Boten, den werde ich Morgen mit dem Venarium zu Ihnen schicken. Ich kann ihn nur empfehlen, falls Sie mal einen zuverl\u00e4ssigen Boten ben\u00f6tigen.&#8220; &#8222;Ich werde ihn mir mal ansehen, danke f\u00fcr den Hinweis. Ich w\u00fcnsche Ihnen einen sch\u00f6nen Abend, auf Wiedersehen.&#8220; &#8222;Auf Wiedersehen Professor.&#8220; Mitras verlie\u00df das B\u00fcro und machte sich auf den Heimweg. Was di Camino nicht wissen musste&nbsp;war, dass der Bote einer von Titus M\u00e4nnern war. Er war sicher vor den Kr\u00e4ften der Unterwelt, stand teilweise sogar unter deren Schutz. Und er w\u00fcrde Titus alles berichten, was er \u00fcber di Camino in Erfahrung bringen konnte. Mitras war zufrieden.<\/em>\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mirastag begleitete Mitras Kira auf dem Weg zum Matheunterricht, um dann zu Nathanael weiter zu fahren. Der Magus empfing ihn in seinem Anwesen, das gar nicht so weit weg vom Anwesen di Pinzons entfernt lag. Es war aber im Vergleich zur Herzogsresidenz geradezu bescheiden, auf dem ersten Blick jedenfalls. 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