{"id":176,"date":"2025-04-20T19:51:12","date_gmt":"2025-04-20T19:51:12","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=176"},"modified":"2025-03-17T19:51:51","modified_gmt":"2025-03-17T19:51:51","slug":"kriegsrat-23-firn-242-mirastag-bis-28-firn-silenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2025\/04\/20\/kriegsrat-23-firn-242-mirastag-bis-28-firn-silenz\/","title":{"rendered":"Kriegsrat 23. Firn 242 (Mirastag) bis 28. Firn (Silenz)"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Im Laufe des Mafuristags normalisierte sich das Leben im Haus langsam wieder. Oder vielmehr hatte Mitras sich mittlerweile soweit beruhigt, dass er die anderen nicht mehr alle halbe Stunde durcheinander wirbelte. Kira war am Mirastag regelrecht zu Christobal geflohen, nachdem Mitras Emotionen bei ihrer Meditationsstunde auch sie st\u00f6rte, einfach weil er sich so wenig unter Kontrolle hatte, dass er unbewusst leichte magische Wellen aussandte, die Kira wiederum komplett durcheinander brachten. Wenigstens hatte er sich in anderer Hinsicht wieder etwas abgek\u00fchlt. Er zog Kira nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig in Gedanken aus, und auch seine Tr\u00e4ume waren wieder ruhiger geworden. Allerdings hatte ihr Wunsch ihn auch \u00fcberrascht. W\u00e4hrend er nun auf dem Weg zu Nathanael war, konnte er zum ersten Mal wirklich dar\u00fcber nachdenken. Die Frage war, interessierte sie sich auch f\u00fcr ihn, oder war es einfach nun doch erwachtes jugendliches Interesse an Intimit\u00e4t? Letzteres k\u00e4me ihm entgegen. Sie waren mittlerweile Freunde geworden, auch wenn ihr Verh\u00e4ltnis durch seine Mentorenschaft immer noch ein gewisses Gef\u00e4lle hatte. Und wenn sie sich einfach ausprobieren wollte, dann war er mehr als nur bereit, ihr dabei zu helfen. Er wusste, dass es auf dem Land deutlich pr\u00fcder zuging als in der Hauptstadt, hier aber war es durchaus \u00fcblich erste Erfahrungen mit Vertrauten zu sammeln. Hier heiratete man aber in der Regel auch nicht schon mit 14. Auf der anderen Seite heirateten nur die wenigsten reichen H\u00e4ndlerskinder und erst recht keine Adligen aus Liebe. Da war es ganz gut, wenn man sich vorher ein bisschen austoben konnte. Aber Mitras musste aufpassen, zusammen Spa\u00df zu haben und ihr die k\u00f6rperlichen Freuden beibringen war in Ordnung. Aber au\u00dferhalb ihres Haushalts mussten sie der unn\u00f6tig abgelenkte Lehrer und die nur geduldete Sch\u00fclerin sein. Er hatte nat\u00fcrlich auch die Verpflichtung sie gesellschaftlich auszubilden, was ihnen erlaubte auch mal auszugehen, ohne dass die Fassade gleich fiel. <\/em><em>Aber an mehr als Erkunden war sie vermutlich eh nicht interessiert, also sollte das mit der Fassade beiden gut gelingen. Ja, sie hatte einen richtigen Kuss gewollt. Und weil er sie so \u00fcberraschend gek\u00fcsst hatte, hatte sie sich getraut ihn zu fragen. Garantiert nur, weil sie sich bei Sebastian eben nicht traute. Sie hielt sich immer noch f\u00fcr eine unansehnliche Skir. Aber nichts lag ferner, also au\u00dfer, dass sie deutlich nach Skir aussah, was ihr aber neben dem guten Aussehen zu allem \u00dcberfluss nur noch eine exotische Note gab. Wahrscheinlich hatte er ihr jetzt mit diesem Kuss mehr Selbstbewusstsein gegeben und wenn es nicht Sebastian war, mit dem sie die n\u00e4chsten Schritte ging, dann sicher einer der anderen gebildeten jungen Adligen. Aber das war vielleicht auch gar nicht verkehrt. Warum nur l\u00f6ste der Gedanken so eine seltsame Traurigkeit aus?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Gut, Mitras w\u00fcrde sie nicht bedr\u00e4ngen, sollte sie doch noch Interesse an weiteren Erkundungen mit ihm \u00e4u\u00dfern, w\u00fcrde er ihr klare Regeln machen und sich dann voll Freude in ein weiteres Lehrfeld st\u00fcrzen. Und wenn nicht, dann war es eigentlich auch nicht schlecht, versicherte er sich selbst, nur dass er dann mit seinem eigenen Verlangen leben musste. Aber wenigstens brachte er sie dann nicht in Gefahr. Er sollte sich nun auch wieder auf das wirklich wichtige konzentrieren. Er musste mit Nathanael die n\u00e4chsen Schritte durchgehen. Er brauchte dringstens eine zweite Meinung, eine mit mehr Abstand als es ihm gerade m\u00f6glich war. Der Generator lief ruhig, vom Klopfen mal abgesehen, und das seit fast drei Tagen. Drei! Heute&nbsp;Abend w\u00fcrde wohl die n\u00e4chste teure Flasche Wein Teil des Abendessens werden. Aber das er heute Morgen noch lief hatte nach all der Aufregung dann doch eher zur Beruhigung beigetragen. Beim Mittagessen hatte sich langsam auch bei den anderen vorsichtiger Optimismus gezeigt. Um 13 Uhr hatte es ihn dann nicht mehr gehalten. Er hatte sich einen Eilboten geholt und zu Nathanael geschickt, mit der Aufforderung um sofortige R\u00fcckmeldung. Um den Boten machte Mitras sich dabei keine Sorgen, bei dem Trinkgeld w\u00fcrde er Morgen eh nicht mehr wissen, was heute \u00fcberhaupt passiert war. Nathanael hatte zum Gl\u00fcck Zeit, oder er hatte sich zumindest Zeit genommen. Und nun, gerade einmal eineinhalb Stunden sp\u00e4ter war Mitras fast da.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Butler lie\u00df ihn ein und brachte ihn in das Turmzimmer, in dem Nathanael ihn bereits erwartete. &#8222;Mitras, ist alles in Ordnung? Der Bote und die kryptische Botschaft hat mich doch beunruhigt.&#8220; Nathanael war sichtlich besorgt. &#8222;Es ist alles in Ordnung, nein, es ist mehr als in Ordnung! Setz dich mein Freund, ich habe gute Nachrichten.&#8220; Die n\u00e4chste halbe Stunde berichtete Mitras ihm alles, lie\u00df dabei lediglich die beiden K\u00fcsse aus. &#8222;Also Nathanael, der Generator l\u00e4uft nun fast 22 Stunden l\u00e4nger als jemals zuvor. Bei meiner letzten Sondierung waren die beiden Verzauberungen stabil und hatten das erwartete Energielevel. Es scheint also nicht so zu sein, dass das Elektrum Magie wie Eisen ableitet. Wobei ich sagen muss, dass&nbsp;der Gedanke mir erst kam, als der Generator schon lief. Aber die Angst war wohl unbegr\u00fcndet. Kannst du dir das vorstellen? Zwei Jahre forsche ich nun schon an den magischen Eigenschaften des Elektrums und wie ich es langfristig verzaubere und ich denke nicht einmal daran, stattdessen das umgebene Material zu verzaubern. Zumindest nicht bis meine vorwitzige, wie geniale Sch\u00fclerin einen Zirkuszauber f\u00fcr sich entdeckt und dann auch gleich die richtige Idee hat. W\u00fcrde ich nicht jedes Gramm brauchen, w\u00fcrde ich ihr Gewicht in Elektrum aufwiegen! Wobei nein, das w\u00e4re dann doch zu viel Geld f\u00fcr sie.&#8220; Mitras lachte, als er sich an ihr Gesicht erinnerte, als er ihr das Konto \u00fcberschrieben hatte. Nathanael riss ihn aus seinen Gedanken. &#8222;Mitras, ich finde zwar, dass es f\u00fcr Freudenfeste noch zu fr\u00fch ist, aber mich hinzuzuziehen war definitiv das Richtige, da verzeihe ich dir auch, dass du mich von diesen Stapel wichtiger Dokumente f\u00fcr die Planung des Convent weggezogen hast.&#8220; Mit einem ironischen L\u00e4cheln deutete er durch die offene T\u00fcr auf einen Stapel Akten auf seinem Schreibtisch im Nebenraum. &#8222;Also gut, mal angenommen der Generator l\u00e4uft nun die vollen zwei Wochen, was dann? Wie sehen deine Pl\u00e4ne f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Produktion aus?&#8220; Mitras erkannte, dass sein alter Meister genau die richtige Frage gestellt hatte und damit auch genau die, \u00fcber die Mitras bis jetzt noch gar nicht nachgedacht hatte. Das ewige Forschen nach einer L\u00f6sung hatte ihn so eingenommen, dass er dar\u00fcber noch gar nicht nachgedacht hatte. &#8222;Ich, \u00e4h&#8230;&#8220; Mitras brach ab und resignierte. &#8222;Ich wei\u00df es nicht. Ich bin noch keine Sekunde dazu gekommen mir \u00fcber das Danach Gedanken zu machen. Ich war so von den Forschungen eingenommen, und wahrscheinlich habe ich auch gar nicht mehr mit einem Erfolg gerechnet. Aber du hast bestimmt schon wieder drei Schritte weiter gedacht, alter Stratege.&#8220; &#8222;Als erstes wirst du ein Patent fertigmachen und beantragen. Sobald das durch ist, musst du das K\u00f6nigshaus als ersten K\u00e4ufer gewinnen, das wird nicht so schwer, birgt aber auch das Risiko, dass etwas schief l\u00e4uft und du damit komplett vom Markt fliegst. Den K\u00f6nig zu \u00fcberzeugen wird nicht schwer, aber kostspielig. Aber sobald du das Schlossgel\u00e4nde eine Weile ausfallsfrei versorgt hast, wird er klare Empfehlungen aussprechen. Sobald das passiert ist, wirst du dich nicht mehr vor Kunden retten k\u00f6nnen. Die Frage ist, kannst du genug Elektrum produzieren, um so viele Anfragen zu bew\u00e4ltigen?&#8220; &#8222;Mit den n\u00f6tigen Sicherheitsvorkehrungen, ja. Die Verzauberung ist der kleinste Teil der Arbeit. Viel aufw\u00e4ndiger ist die Vorbereitung der Materialien. Ich werde daf\u00fcr ein Werk ben\u00f6tigen. Ich denke, dass ich mich sowohl wegen der Rohstoffe, als auch wegen des Werks an die Familie di Ferrus wenden werde. Ich vertraue ihnen und beziehe die meisten Waren eh schon von ihnen. Und ich bin lang nicht so verschwenderisch, wie es manchmal erscheint. Ich habe Reserven angelegt und ich kann, mit Kiras Hilfe, meine Produktion verdoppeln und so immer noch Elektrum verkaufen. Im besten Fall kann ich die Absprache mit dem K\u00f6nig vor der Generalit\u00e4t geheim halten und die Ver\u00f6ffentlichung des Generators noch ein halbes Jahr hinausz\u00f6gern.&#8220; &#8222;Gut, gut. Mit unserer lieben Freundin Felicia als Verb\u00fcndete sehe ich da keine Probleme. Du bist also doch nicht so kopflos, wie ich bef\u00fcrchtet hatte. Aber Mitras, was passiert in 20 oder 30 Jahren? Irgendwann wirst du kein Elektrum mehr f\u00fcr die Generatoren brauchen, da dann genug vorhanden sind. Und dann wird die Generalit\u00e4t dich mit Auftr\u00e4gen zuschmei\u00dfen und wahrscheinlich werden sie bis dahin mit dem Material, was sie jetzt bekommen haben, alle Forschungen abgeschlossen haben. Du siehst, das Problem ist nur aufgeschoben.&#8220; &#8222;Wie immer denkst du gleich die n\u00e4chsten 20 Schritte weiter. Ja, du hast recht, das Problem ist in der Welt und Zeit meines Lebens werde ich wohl immer weiter zivile Nutzungsm\u00f6glichkeiten finden m\u00fcssen, um die Generalit\u00e4t auf Abstand zu halten. Aber vielleicht sorgt der so gewonnene Wohlstand daf\u00fcr, dass alle W\u00fcnsche nach Krieg verschwinden.&#8220; Nathanael lachte herzhaft. &#8222;Ja nat\u00fcrlich, der Mensch h\u00f6rt irgendwann auf gierig zu sein. Nein, Mitras, es wird immer unzufriedene geben. Schau dir Thadeus di Hedera an, er hat es bis zum Leiter der Akademie gebracht, aber zufrieden kann man ihn nicht nennen. Am liebsten w\u00fcrde er doch die Schule und auch gleich die Gilde f\u00fcr Neuzug\u00e4nge aus dem B\u00fcrgertum schlie\u00dfen und jede Entwicklung der letzten hundert Jahre zur\u00fcckdrehen. Er wird weder Elektrizit\u00e4t noch Waffen und neue Kriege gut hei\u00dfen, und du tust gut daran, seinen Einfluss nicht zu untersch\u00e4tzen. Manchmal denke ich, er w\u00fcrde sogar den K\u00f6nig kritisieren, wenn dieser etwas zu Modernes sagt. Und au\u00dferdem, wer wird denn von diesem Wohlstand profitieren? Viele Tausend Arbeiter werden durch die Elektrizit\u00e4t ihre Arbeit verlieren. Das wird zwar auf jeden Fall passieren, aber du wirst den Prozess wohl massiv beschleunigen.&#8220; Mitras nickte. &#8222;Die Sache mit Thadeus stimmt, aber mit ihm komme ich sowieso nicht mehr auf einen gr\u00fcnen Zweig, nichtmal mit einem Meister der Elementarmagie am Baum. Und ja, auch mit den Arbeitern k\u00f6nntest du durchaus recht haben, aber das w\u00e4re durch die Kohlekraftwerke und die Manufakturen sowieso passiert. Ich hoffe ja nur, dass wir durch die Elektrizit\u00e4t etwas weniger Russ in die Luft pumpen. Und denk dir nur, wie viele Arbeiter wir brauchen werden, um all die Kupferleitungen herzustellen. Und wie viele neue Ger\u00e4te man erfinden kann, wenn erst jeder Haushalt Strom hat! Ich glaube, da werden auch einige tausend neue Arbeitspl\u00e4tze entstehen. Ach, was wei\u00df ich, was die Zukunft bringt. Zum umkehren ist es eh viel zu sp\u00e4t.&#8220;&nbsp; Nathaneal dachte einen Moment nach und sagte dann ernst: &#8222;So ist es. Ich will dich auch nicht entmutigen, aber du musst das gro\u00dfe Ganze im Blick behalten. Ich werde dir solange helfen wie m\u00f6glich. Aber ich werde nicht immer da sein.&#8220; &#8222;Und nichts ist mir schmerzlicher bewusst. Auch wenn es da drau\u00dfen Ger\u00fcchte gibt, dass du das Geheimnis der Unsterblichkeit geknackt hast.&#8220; Erneut lachte Nathanael, diesmal aber deutlich herzlicher, voller und vor allem wahrhaft belustigt. &#8222;Ich will gar nicht ewig leben. Ich habe jetzt schon genug f\u00fcr zwei normale Lebensspannen. Aber keine Sorge, so bald werde ich dich auch nicht verlassen, daf\u00fcr bin ich auch noch zu neugierig, wohin deine Reise gehen wird.&#8220; Er stand auf und ging zu seinem Getr\u00e4nkeregal und zog die zwei teuersten Flaschen heraus, einen Rum, den Mitras bisher nur vom H\u00f6rensagen kannte, und einen 25 Jahre alten Whisky einer Brauerei, die sonst nur f\u00fcr das K\u00f6nigshaus produzierte. Diese beiden Flaschen zusammen waren schon so viel wert, dass Mitras selbst nach seinen Aufstieg unter die Reichsten Uldums noch staunte mit welcher Selbstverst\u00e4ndlichkeit Nathanael ihnen davon einschenkte. Seinen Blick bemerkend, sagte er l\u00e4chelnd: &#8222;Nur vom Besten f\u00fcr diesen Anlass. Mitras di Venaris, sei dir bewusst, dass du dabei bist Geschichte zu schreiben. In hundert Jahren kannst du deinen eigenen Namen in B\u00fcchern \u00fcberall im Reich nachschlagen. Sto\u00dfen wir darauf an, dass alle Erw\u00e4hnungen nur lobenswert sein werden, und darauf, dass du alt genug wirst, sie auch wirklich zu lesen.&#8220; Sie stie\u00dfen an und Mitras nahm sich alle Zeit der Welt, um diesen einmaligen Tropfen zu w\u00fcrdigen und um Nathanaels Toast zu verarbeiten. Dann sagte er: &#8222;Ich glaube, Kira w\u00fcrde das nicht gut verkraften, zu wissen, dass ihr Name irgendwann in einem Geschichtsbuch stehen wird.&#8220; Nathanael lachte ein wenig und meinte dann: &#8222;Willst du sie wirklich mit erw\u00e4hnen?&#8220; Mitras nickte langsam, w\u00e4hrend er den letzten Tropfen des wirklich hervorragenden Rums trank. &#8222;Nicht gleich. Sie ist noch nicht stark genug, sich gegen die Hetzerei und die Angriffe zu stellen, welche die Neider sicher beginnen w\u00fcrden &#8211; und man stelle sich erst vor, was Menschen wie der gute di Pinzon dazu sagen w\u00fcrden. Aber ja, ich denke, ich w\u00fcrde sie im Patenttext nennen oder so, damit ihr sp\u00e4ter der Ruhm zugestanden werden kann, den sie f\u00fcr diese geniale Idee verdient.&#8220; Nathanael runzelte die Stirn, zuckte dann aber mit den Schultern. &#8222;Das ist deine Entscheidung. Lass auf jeden Fall einen guten Juristen \u00fcber den Text lesen, ehe du ihn einreichst.&#8220; Dem konnte Mitras nur zustimmen, und so beschlossen sie diesen Kriegsrat einvernehmlich, wenn auch noch etwas unbestimmt \u00fcber die konkreten n\u00e4chsten Schritte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kira hatte sich diesmal am Silenz mit Sebastian verabredet. Er hatte ihr schon am Miras einen Boten geschickt, der ihn f\u00fcr den Uldumstag entschuldigte, und so hatte sie die ganze Woche hindurch ungeduldig gewartet. Frederiekes Worte wollten einfach nicht mehr aus ihrem Kopf. Sie musste mit Sebastian dar\u00fcber reden! Wollte sie Mitras&#8230; nun ja, verf\u00fchren? Wollte sie seine Partnerin sein, ihn heiraten? Auch wenn Teile von ihr die Antwort darauf freudig bejahten, k\u00e4mpfte sie doch sehr mit sich selber. Kaum hatten sie und Sebastian sich am Silenz also im Caf\u00e9 in ein kleines Separ\u00e9 hingesetzt, formte sie rasch den Stille-Zauber, den sie die Woche \u00fcber ge\u00fcbt hatte, und \u00fcberfiel ihn dann quasi mit einem nur so heraussprudelnden Bericht \u00fcber die vergangenen Tage. Als sie zum zweiten Kuss kam, hob er grinsend die Hand zu einem Zeichen der Begeisterung und des Lobes, aber ansonsten h\u00f6rte er aufmerksam und still zu, wie es seine Art war, wenn sie wieder einmal mit ihren Sorgen zu ihm kam. Am Ende sa\u00df sie atemlos und mit roten Wangen vor ihm und fragte: &#8222;Was soll ich jetzt nur machen?&#8220; Sebastian schaute sie einen Moment lang und sagte dann: &#8222;Feiern? Meine G\u00fcte, Kira, du hast mir gerade erz\u00e4hlt, dass ihr einen funktionierenden Generator gefunden habt. Das ist Wahnsinn!&#8220; Kira zog eine Schnute. &#8222;Das meinte ich nicht. Ich meine, wegen Mitras. Und dem Kuss. Und Frederieke.&#8220; Sebastian grinste. &#8222;Na, ich hab dir doch gesagt, du bist nicht so chancenlos wie andere Personen hier im Raum.&#8220; Er schaute sich vorsichtig um. Kira l\u00e4chelte. &#8222;Du kannst schon reden, ich habe einen Stille-Zauber gewirkt. Du glaubst doch nicht, dass ich dir sonst das alles in einem \u00f6ffentlichen Caf\u00e9 erz\u00e4hlen w\u00fcrde.&#8220; Sebastian hob eine Augenbraue hoch und meinte: &#8222;Du warst so aufgeregt&#8230; aber gut, Mylady, Hut ab, ich kenne keine Discipula, von der ich diesen Satz schonmal geh\u00f6rt h\u00e4tte und ihn auch geglaubt h\u00e4tte. Meine Schwester hat ihn gerade erst dieses Jahr auf dem Stundenplan, und sie plagt sich sehr damit, hat sie neulich gesagt.&#8220; Kira zuckte mit den Schultern und sagte verlegen: &#8222;Ich hab ihn auch ziemlich \u00fcben m\u00fcssen, aber ich dachte mir, dass er hilfreich sein w\u00fcrde. Mitras hat ihn f\u00fcr den Generator benutzt, weil der so einen H\u00f6llenl\u00e4rm gemacht hat. Und ja, du hast Recht, das mit dem Generator ist auch aufregend, aber seitdem Mitras am Mafuristag weg war, hat er sich einigerma\u00dfen wieder beruhigt. Nur ich wei\u00df einfach nicht, was ich jetzt denken soll. Und machen. Wegen Heiraten. Das ist eine so&#8230; endg\u00fcltige Sache.&#8220; Sebastian brach in schallendes Gel\u00e4chter aus. &#8222;Endg\u00fcltig ist das h\u00f6chstens bei politischen Hochzeiten, da kommt man schlecht wieder raus. Und auf dem Land ist es vielleicht auch noch Bis-der-Tod-euch-scheidet, aber hier in Uldum&#8230; ich kenne M\u00e4nner, die schon viermal geheiratet haben, und nicht alle ihre Frauen sind gestorben.&#8220; Er hielt inne. &#8222;Frederieke ist eine ganz sch\u00f6ne Kupplerin. Ihre Ehe muss gut laufen, wenn sie andere gleich unter die Haube bringen will.&#8220; Kira sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Das mit dem Heiraten hat sie nicht so direkt gesagt, nur was von einer engeren Verbindung und dass sie Trauzeugin sein will. Aber ich habe ja schon dich als Trauzeugen.&#8220; Sebastian kicherte und gluckste, w\u00e4hrend er versuchte, nicht ganz laut zu lachen und stattdessen zu reden. &#8222;Kira, du bist &#8230; einfach &#8230; einfach&#8230; hihi, unglaublich. Da kriegst du einen Kuss und planst schon die Hochzeit. Samt Trauzeugen. Hihi. Aber danke, ich nehme an.&#8220; Kira lief rot an und deutete einen kleinen Schlag auf seine Schulter an. &#8222;Lach nicht. Das ist wichtig! Immerhin geht es um meine Zukunft.&#8220; &#8222;Jaja, aber willst du nicht erstmal einen zweiten Kuss planen und vielleicht ein bisschen, uhmm, Intimit\u00e4t? Damit f\u00e4ngt man normalerweise an.&#8220; Er geno\u00df es sichtlich, wie Kira sich wand. Darin war er Adrian ebenfalls \u00e4hnlich. &#8222;Einen dritten Kuss.&#8220;, korrigierte sie. &#8222;Der erste z\u00e4hlt auch. \u00c4h, ja&#8230; also. Ich wei\u00df halt nur nicht, wie.&#8220; Sebastian grinste sie fr\u00f6hlich an. &#8222;Aber ich. Mylady, ich werde mir erlauben, dir ein versp\u00e4tetes Geburtstaggeschenk zu machen, in Ordnung? Erstmal sind die Feiern zum Jahresende, aber n\u00e4chste Woche gehst du am Shengstag doch sowieso mit der alten Frau Engel ins Theater. Wir treffen uns ein paar Stunden fr\u00fcher in meiner Wohnung und ich werde ein paar Dinge zum Aussuchen f\u00fcr dich bereithalten, f\u00fcr das Theater und auch f\u00fcr, nun, danach. Ich setze dich dann hinterher direkt vorm Theater ab, dann wirst du auch angemessen begleitet und musst nicht allein auf dem Hof stehen.&#8220; Kira strich sich eine Locke aus dem Gesicht. &#8222;In Ordnung. Aber nichts zu gro\u00dfes schenken, ja? Wann hast du Geburtag?&#8220; &#8222;Betriebsgeheimnis. Aber ist nicht mehr so lange hin. Du erf\u00e4hrst davon, falls meine Schwester wieder einen \u00dcberraschungsball organisiert. Also, du l\u00e4sst dich von mir anleiten, was das Verf\u00fchren von deinem Mentor anbelangt?&#8220; Kira nickte z\u00f6gerlich, und Sebastian rieb sich begeistert die H\u00e4nde. &#8222;Das wird lustig. Haha, schade, dass ich da nicht hinterher ein Buch dr\u00fcber schreiben kann. Aber egal, es wird auch so lustig.&#8220; Kira blickte ihn ein wenig von der Seite an. Das war schon ein sehr komisches Gespr\u00e4ch gerade, ging ihr auf. Und der Plan war noch absurder. &#8222;Hast du eigentlich wirklich nichts anderes zu tun? Irgendwie was sinnvolles, mit Adelspolitik oder so? Ich meine, es ist ja sch\u00f6n, dass du mir helfen willst, aber ich komme mir jetzt eher wie ein Versuchskaninchen vor!&#8220;, sagte sie mit einem neckenden Grinsen. Tats\u00e4chlich interessierte sie seine Antwort aber schon &#8211; sie hatte sich schon l\u00e4nger gefragt, ob Sebastian nicht doch auch tiefer in die Familiengesch\u00e4fte einsteigen wollte. Er verstand ihre versteckte Frage, denn er antwortete: &#8222;Naja, ich w\u00fcrde manchmal schon wollen, aber wir sind einfach zu viele Kinder und ich bin halt nicht magisch. Alles, was ich kann, ist mit vielen reden und Klatsch erz\u00e4hlen und Karten spielen. Und reiten und feiern. Beim Schie\u00dfen bin ich nur so Mittelma\u00df, aber im Sommer gehe ich trotzdem \u00f6fter als Vertretung meiner Mutter oder meines Vaters mit auf Jagden, das ist das einzige politische, was ich so mache. Und dann bleibt es mir halt nur \u00fcbrig, meiner rothaarigen Freundin zu helfen, willst du dich etwa beschweren?&#8220; Kira sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Nein, ich werde mich nicht beschweren. Es ist nur&#8230; naja, seltsam.&#8220; Sebastian zuckte mit den Schultern. &#8222;Ich wei\u00df ja nicht, wie es in Bispar ist, aber \u00fcber Sex zu reden oder ihn zu planen ist in Uldum gar nicht so ungew\u00f6hnlich. Die meisten Personen in unserem Alter machen ihre ersten Erfahrungen im Freundeskreis &#8211; wenn man adelig ist, dann meistens auf einem Ball.&#8220; Er grinste. &#8222;Es gibt sogar manchmal extra Zimmer daf\u00fcr, und falls du ungest\u00f6rt bleiben willst, h\u00e4ngst du einfach dein Taschentuch an die T\u00fcrklinke, dann macht niemand auf, nicht mal die Dienstm\u00e4dchen. H\u00f6chstens mal der Ballherr, wenn er meint, es sei jetzt nach zwei Tagen genug mit der Liebelei.&#8220; Kira musste verwundert schauen, denn Sebastian gluckste: &#8222;Schau nicht so verbl\u00fcfft, das ist wirklich so! Wie soll man denn auch sonst lernen? Kannst dich ja nicht immer gleich unsterblich verlieben. Meine bisherigen Erfahrungen sind entgegen meines Rufes nicht so gro\u00df, aber ich habe einige gute Freundinnen, mit denen ich lernen konnte. Es ist auch nicht so un\u00fcblich, dass man sich als ersten Partner jemanden sucht, der \u00e4lter und erfahrener ist, meine erste Partnerin war auch schon 27. Deswegen hast du auch ganz gute Chancen, dass dein angehimmelter Magister da mitmacht &#8211; immerhin ist er ja eh f\u00fcr deine Lehre zust\u00e4ndig.&#8220; Kira lief rot an und l\u00f6ste den Stille-Zauber auf. Ihr Kopf begann n\u00e4mlich, weh zu tun, und es war auch nicht mehr viel Magie in ihrer N\u00e4he, die sie noch greifen konnte. Was Sebastian gesagt hatte, war gleichzeitig ungewohnt, aber auch nicht v\u00f6llig neu f\u00fcr sie &#8211; Ger\u00fcchte \u00fcber das lockere Leben der jugendlichen Adeligen hatte sie schon geh\u00f6rt, und Johanns Verhalten, so uns\u00e4glich es war, hatte aus seiner Sicht vermutlich auch gar nicht so viel anr\u00fcchiges an sich gehabt. Sex war eben normal, allerdings kannte sie es bisher eher als etwas, an dem M\u00e4nner Vergn\u00fcgen hatten und Frauen eben nur manchmal, auch hatten Frauen da meistens eher weniger die Wahl. Zu viel Sex stand einer Frau auf dem Dorf nicht gut an, man musste gut heiraten, danach war Treue sowieso das wichtigste moralische Gut der Frau. M\u00e4nner hingegen konnten sich sexuelle Eskapaden ungeschadet ihres Rufes leisten. Sie traute sich aber nicht, Sebastian ohne den Stille-Zauber danach zu fragen, ob es auch in Uldum einen solchen Unterschied zwischen den Geschlechtern gab. Seine Erz\u00e4hlung klang nicht danach, vieles in der Stadt war ja auch offener und freier. Andererseits war er auch ein Mann, die nahmen solche Ungerechtigkeiten oft gar nicht richtig wahr. Sie dachte wieder an Frederieke, bei ihr hatte es auch nicht danach geklungen, als seien die Frauen hier mehr eingeschr\u00e4nkt als die M\u00e4nner. &#8222;Ich werde es dir erstmal glauben m\u00fcssen, aber du hast Recht, das ist in Bispar anders. Glaube ich zumindest&#8230; die Dorffeste k\u00f6nnten so \u00e4hnlich sein wie die B\u00e4lle, von denen du sprachst. Aber da habe ich selten teilgenommen. Vorsichtig, Feind h\u00f6rt wieder mit.&#8220;, sagte sie. Sebastian nickte und wechselte das Thema, indem er ihr einen Vortrag dar\u00fcber hielt, wie man sich im Theater verhalten musste. Auf dem Nachhauseweg \u00fcberlegte Kira, wie sie ihm all seine Hilfe wohl jemals w\u00fcrde danken k\u00f6nnen. Dieser kleine Kriegsrat hatte auf jeden Fall deutlich dazu beigetragen, ihre Gedanken zu kl\u00e4ren und wieder mehr in der Gegenwart anzukommen. Ein Schritt nach dem anderen. Das war richtig. Erstmal ein Schritt nach dem anderen &#8211; und der n\u00e4chste Schritt war defintiv, noch einen Kuss zu bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Laufe des Mafuristags normalisierte sich das Leben im Haus langsam wieder. Oder vielmehr hatte Mitras sich mittlerweile soweit beruhigt, dass er die anderen nicht mehr alle halbe Stunde durcheinander wirbelte. 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