{"id":180,"date":"2025-05-04T19:52:23","date_gmt":"2025-05-04T19:52:23","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=180"},"modified":"2025-03-17T19:55:20","modified_gmt":"2025-03-17T19:55:20","slug":"haifischbecken-30-firn-242-mafuristag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2025\/05\/04\/haifischbecken-30-firn-242-mafuristag\/","title":{"rendered":"Haifischbecken &#8211; 30.Firn 242 (Mafuristag)"},"content":{"rendered":"\n<p>Zur Mittagsstunde des Mafuristages, des vorletzten Tages dieses Jahres, brachen Kira und Mitras auf. Sie trug ihre Magierrobe und die Muschelkette, so wie Mitras es empfohlen hatte, aber ihre Haare hatte sie einfach nur zu einem Zopf geflochten, aufwendige B\u00e4nder oder \u00e4hnliches fand sie zu aufdringlich. Mitras war schon seit dem Fr\u00fchst\u00fcck grummelig, sie hatte selbst bei der Meditation gemerkt, dass er schlechte Laune hatte. William hatte ihren Verdacht best\u00e4tigt: Seitdem er sich vor einigen Jahren so zur\u00fcckgezogen hatte, waren gesellschaftliche Ereignisse ihm immer mehr ein Gr\u00e4uel. &#8222;Wobei er vorher auch nicht der Tanzb\u00e4r war!&#8220;, hatte William gesagt, und Kira hatte seitdem dieses komische Bild eines tanzenden Mitras vor Augen. Nein, das passte nicht zu ihm&#8230; Wobei es sicherlich sch\u00f6n w\u00e4re, mit ihm zu tanzen. Wenn sie denn tanzen k\u00f6nnte. Das musste sie Mitras bei Gelegenheit mal sagen, vermutlich geh\u00f6rte Tanzen zu den Dingen, die man als Adelige k\u00f6nnen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie fuhren durch die Stadt zu dem gro\u00dfen Gildengeb\u00e4ude, das sie schon einmal an ihrem ersten Tag gesehen hatte. Nun, da sie den Palast des K\u00f6nigs und auch andere Geb\u00e4ude aus den Adelsvierteln gesehen hatte, kam es ihr nicht mehr ganz wie ein unglaublich pomp\u00f6ser Palast vor, aber die Geb\u00e4ude war immer noch riesig und ausgesprochen prunkvoll, vom Vorplatz bis hin zu den Kerzenst\u00e4ndern in den Fluren. Diesmal gingen sie nicht in das Schulgeb\u00e4ude, sondern betraten direkt das Gildenhaus, wo sie von Bediensteten empfangen wurden und Mitras sich in eine Besucherliste eintrug.&nbsp;Die Eingangshalle war festlich geschm\u00fcckt und auf einer Tafel in der Mitte war ein Zeitplan abgebildet. Ringsherum um die Halle gab es Sitzecken, Tische&nbsp;und verschiedene Aufbauten, die offenbar magisch geformte Skulpturen und \u00e4hnliches darstellten, die zu diesem Anlass von ihren Kreatoren pr\u00e4sentiert wurden. Emsig liefen Magier hin und her, \u00fcber ihren K\u00f6pfen sausten kleine, teilweise leuchtende Kugeln durch eine Art Rohrsystem. Am Ende der Halle war ein gro\u00dfer, runder Tisch aufgebaut, an der eines der Rohre endete, und so konnte Kira beobachten, dass die Kugeln offenbar kleine Beh\u00e4ltnisse waren, mit denen man Nachrichten schicken konnte &#8211; vermutlich mit Telekinse durch die Rohre geschickt. An der hohen Wand dahinter war eine Uhr und so erkannte Kira, dass die meisten Vortr\u00e4ge bereits vorbei waren. Als sie die Tafel \u00fcberflog, stellte sie fest, dass die meisten Titel&nbsp;sich schon irgendwie spannend anh\u00f6rten. Im letzten Drittel kurz vor Ende stie\u00df sie dann auf das Wort Elektrum in einem der Vortr\u00e4ge. Das musste der Grund sein warum Mitras nun doch hergekommen war. Als sie sich nach ihm umblickte, stellte sie fest, dass er im Gespr\u00e4ch mit einem anderen Magier war, der ihn wohl angesprochen hatte. Sie hatten gerade ein paar H\u00f6flichkeiten ausgetauscht, als Mitras sich zu ihr umdrehte und sie dem anderen Magier vorstellte: &#8222;Und das hier ist meine erste Sch\u00fclerin Kira Silva aus Burnias. Kira, dies hier ist di Parro, ein ehemaliger Schulkamerad von mir, jetzt ganz frisch gebackener Magister di Parro.&#8220; Kira verbeugte sich h\u00f6flich und sagte: &#8222;Gratulation, Magister di Parro.&#8220; Er betrachtete sie neugierig und nickte, dann wandte er sich an Mitras: &#8222;Und wie ist es, Mentor zu sein?&#8220; &#8222;Interessant, es ist sicher eine neue Erfahrung. Und durchaus anstrengend, zeitweilig.&#8220; Kira gelang es, nicht zu grinsen. Anstrengend? Das war eigentlich ein ziemlich harmloses Wort, wenn man bedachte, dass Mitras sich in der Kutsche noch wortreich f\u00fcr jede Beleidigung entschuldigt hatte, die er in den n\u00e4chsten Stunden \u00fcber sie sagen w\u00fcrde. Und wenn man bedachte, wie sie den Lehm im Labor verteilt hatte, war es ja noch nicht mal eine L\u00fcge. Ihr Herz klopfte ein wenig. Selbst, wenn er sie angeblich nicht mochte, schaffte er es, netter zu sein als ihre eigene Mutter. Neugierig folgte sie ihm weiter in das Geb\u00e4ude hinein. Immer wieder wurde er angesprochen, nach dem Elektrum oder dem Generator befragt, einmal sogar ziemlich angefaucht ob eines Flammenschwertes der Generalit\u00e4t. Manchmal stellte er sie vor, manchmal tat er es nicht. Kira betrachtete die Ausstellungsst\u00fccke an der Seite und lie\u00df sich auch einige Male zur\u00fcckfallen, um etwas n\u00e4her zu betrachten. Besonders die Farben auf einigen Gem\u00e4lden interessierten sie &#8211; teilweise sah es aus, als w\u00fcrde man durch ein Fenster schauen, so realistisch waren die Zeichnungen. Aber sie achtete darauf, Mitras nie ganz aus den Augen zu verlieren, und so erreichten sie nach eine Weile einen kleinen H\u00f6rssaal, indem schon einige Magier sa\u00dfen und am Pult ein gro\u00dfer, schlaksiger Mann stand. Die blonden Haare hatte er kurz geschnitten und in der Mitte gescheitelt, was seine graublauen Augen hervorhob. Die kleine Brille auf seiner Nase, durch die er gerade seine Notizen begutachtete, lenkte den Fokus beim Blick in sein Gesicht noch mehr auf diese. Mitras setzte sich in eine der hinteren Reihen und wies Kira an, sich neben sie zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Di Camino begann seinen Vortrag. Nach einigen einf\u00fchrenden Worten zum Elektrum sagte er: &#8222;Wie unser werter Kollege Mitras di Venaris schon bemerkt hat, besitzt die von ihm gefundene Legierung erstaunliche Eigenschaften. Sie kann Magie aufnehmen, verliert diese aber auch wieder und teilt trotzdem einige Eigenschaften mit Eisen, nur dass es noch viel h\u00e4rter ist. Aus den mir vorliegenden Daten ist zu entnehmen, dass die Dauer der Zauber meistens konstant ist, aber es gibt vereinzelt Schwankungen. Diese zu untersuchen habe ich mir zur neusten Aufgabe erkoren. Spannend ist es, Lichtzauber auf das Material hier zu wirken, ich f\u00fchre es Ihnen vor.&#8220; Er hob eine Hand und wedelte mit ihr kurz in Richtung der pr\u00e4sentierten Probe, kurz darauf erschien ein Lichtpunkt auf der Oberfl\u00e4che. &#8222;Wie Sie sehen werden, springt der Zauber scheinbar zuf\u00e4llig innerhalb des Materials. Dies gilt nur f\u00fcr punktuell wirkende Zauber, wie schon mein Kollege bemerkte. Und diese Eigenschaft kann sehr gef\u00e4hrlich sein, er warnte die Generalit\u00e4t zu Recht. Allerdings habe ich mich hier vertieft und weise sie darauf hin, einmal die Form des Leuchtens zu betrachten: Hier bei meinem Beispielst\u00fcck sehen sie einen in etwa viereckigen Strahl.&#8220; Eine kurze Handbewegung sorgte daf\u00fcr, dass sich Schirme vor die Lampen schoben und der Raum deutlich dunkler wurde. Unn\u00f6tige Trickserei, dachte Mitras, er h\u00e4tte auch einfach mit dem Schalter am Pult das Licht dimmen k\u00f6nnen. Aber das war etwas, was alle Vortragenden gemein hatten und warum Mitras diese Veranstaltung nicht mochte. Die Wissenschaft stand nur in zweiter Reihe, haupts\u00e4chlich ging es darum, sich selbst ins beste Licht zu r\u00fccken und wenn man mit ein paar billigen Zirkustricks Aufmerksamkeit erreichen konnte, dann gab es Tricks im \u00dcberfluss. Nun hielt di Camino ein gr\u00f6\u00dferes Blatt Papier so, dass der Lichtpunkt es anstrahlte. Tats\u00e4chlich sah man ein viereckiges Muster. &#8222;Nun aber das erstaunliche, meine werten Kollegen &#8211; ich habe keine spezielle Form des Lichtzaubers vorgegeben. Ja, man kann sogar eine vorgeben und es wird dennoch viereckig werden &#8211; bei diesem St\u00fcck Elektrum. Andere St\u00fccke Elektrum aber k\u00f6nnen andere Formen des Lichts produzieren, sechseckig etwa.&#8220; Mitras wurde pl\u00f6tzlich hellh\u00f6rig. Als er einen \u00e4hnlichen Versuch durchgef\u00fchrt hatte, ergab sich eine sechseckige Form. Mitras hatte dies zwar aufgezeichnet, war der Form aber nicht weiter nachgegangen. Zu sehr hatte er sich auf die Bewegung des Punktes konzentriert. Ob die Form wohl wirklich von der Probe abh\u00e4ngig war? Mitras nahm sich vor das noch einmal zu untersuchen. Er hatte ja eindeutig mehr Probenmaterial als di Camino, dem maximal zwei unterschiedliche Chargen der Produktion zur Verf\u00fcgung standen. Dieser fuhr fort:&nbsp;&#8222;Und diese besondere Eigenschaft zeigt uns, dass das Material, das \u00e4u\u00dferlich v\u00f6llig gleich wirkt, und auch sonst gleiche Eigenschaften hat, in sich anders, wie soll ich es sagen, anders strukturiert sein muss. Wir kennen das von anderen Mineralien, sie haben ein geometrisches Muster, wenn sie in Reinstformen wachsen. Dieses Elektrum gibt uns also einen Hinweis darauf, dass auch k\u00fcnstlich erzeugtes Metall m\u00f6glicherweise in ganz feinen Bereichen solch eine Art von Kristallstruktur hat, und sie kann unterschiedlich ausfallen.&#8220; Das war eine interessante Erkenntnis. Mitras hatte sich noch nie weiter mit der Feinstruktur von Metallen besch\u00e4ftigt. Aber die Bezirke deuteten schon an, dass es wohl geordnete Strukturen innerhalb der K\u00f6rper gab. Di Camino war da anscheinend doch schon etwas weiter als er. Das wiederum \u00e4rgerte ihn. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte er da auch selbst drauf kommen k\u00f6nnen, h\u00e4tte er sich weiter auf den Lichtpunkt konzentriert, so aber w\u00fcrde di Camino den Ruhm f\u00fcr diese Entdeckung zufallen. Hatten sie nicht eigentlich vereinbart, Ergebnisse untereinander auszutauschen? Ja, di Camino hatte ihn erw\u00e4hnt, aber dass die Struktur bei seiner Probe sechseckig gewesen war, h\u00e4tte er durchaus ebenfalls erw\u00e4hnen k\u00f6nnen, fand Mitras. Es ging dabei ja nicht nur um das Elektrum, was wenn allen Metallen eine solche Feinstruktur zu eigen war? Es war nun auf jeden Fall klar, dass Metalle in ihrem Inneren noch Strukturen aufwiesen, die auch mit einem Mikroskop nicht sichtbar waren. Aber was sollte schon so klein sein? Die Entdeckung war auf jeden Fall im Bereich der unbelebten Materie auch au\u00dferhalb der magischen Studien ein Durchbruch, und Mitras \u00e4rgerte sich, dass seine Rolle an dieser Erkenntnis nun so gering ausfiel. Di Camino stellte verschiedene Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze vor, die Mitras interessiert verfolgte. &#8222;Ich nehme an, dass f\u00fcr diese Unterschiede der Herstellungsprozess zust\u00e4ndig ist, dies werde ich in den n\u00e4chsten Versuchsreihen erproben, falls es mir m\u00f6glich ist. Leider wird zu viel des Materials f\u00fcr die Waffenforschung verbraucht.&#8220;, schloss der Magier mit einem Blick auf Mitras, was etliche Personen im Raum dazu brachte, sich stirnrunzelnd nach ihm umzudrehen. &#8222;Da haben Sie leider recht, werter Herr Kollege. Aber vielleicht gelingt es Ihnen ja, der Generalit\u00e4t einige Proben wieder abzujagen, wenn Sie ihren Einfluss geltend machen.&#8220; Mitras w\u00e4re es nur recht, wenn es di Camino gel\u00e4nge, die Generalit\u00e4t zu seinen Gunsten auszubremsen, au\u00dferdem war es Frechheit, zu behaupten, er w\u00fcrde das Material freiwillig zur Waffenforschung hergeben. Das Gemurmel im Saal stieg an, was di Camino durch ein Klopfen auf das Pult unterbrach und zur \u00fcblichen Fragerunde \u00fcberleitete, bei dem die Kollegen nun die Gelegenheit hatten, seine Erkenntnisse und Theorien zu diskutieren. Mitras lauschte aufmerksam, immer noch dar\u00fcber gr\u00fcbelnd, was er falsch gemacht hatte, dass es di Camino nun so leicht fiel, ihn vom Ruhm der Forschung auszuschlie\u00dfen, bis ihm auffiel, wie unruhig Kira neben ihm wurde. F\u00fcr sie war die Diskussion \u00fcber Kristallstrukturen und m\u00f6gliche Gitter vermutlich nicht besonders interessant, also stand er auf und winkte ihr, mit ihm den Saal zu verlassen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kira hatte sich bem\u00fcht, dem Vortrag zu folgen, aber eigentlich war sie neugierig, was es sonst noch zu sehen gab. Mitras schien mit den Inhalten des Vortrages nicht ganz zufrieden zu sein, sie hatte gesehen, dass er mehrfach seine Brauen kritisch zusammenzog und einmal sogar richtig ver\u00e4rgert aussah. Warum, konnte sie allerdings nicht verstehen. Sie w\u00fcrde ihn vielleicht sp\u00e4ter danach fragen k\u00f6nnen, beschloss sie. Als sie den Saal verlie\u00dfen, war es schon leerer in den G\u00e4ngen geworden. In einigen Sitzecken und auch in den R\u00e4umen, deren T\u00fcren offen standen, gab es aber immer noch Gr\u00fcppchen von Magiern, die ins Gespr\u00e4ch vertieft waren. Kira sah einige Discipuli neben ihren Magistern stehen, die meisten waren j\u00fcnger als sie. Sogar ein M\u00e4dchen von vielleicht zehn Jahren sa\u00df auf einem der Sessel und beobachtete gespannt, wie ein \u00e4lterer Sch\u00fcler vor ihr Karten durch die Luft fliegen lie\u00df. Eingedenk&nbsp;der Warnungen von Mitras realisierte sie, dass dabei keine Magie im Spiel war, und kam nicht umhin, die Fingerfertigkeit des jungen Mannes zu bewundern. Auch andere Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen standen um ihn herum. Mitras folgte ihrem Blick. &#8222;Ach, sei nicht zu beeindruckt. Seine Mutter ist entfernt mit der K\u00f6nigin verwandt, er hat in seinem ganzen Leben bisher nichts anderes getan als sich und andere auf B\u00e4llen zu am\u00fcsieren. Mit genug Training ist Gaukelei nicht schwierig.&#8220; Kira schaute zu ihm her\u00fcber. &#8222;Das ist aber mehr als ein bisschen, Magister Mitras.&#8220; Mitras zuckte mit den Schultern. Offenbar war es ihm herzlich egal, was andere au\u00dferhalb der Magie konnten &#8211; zumindest jetzt gerade. Ein wenig traurig, der Vorf\u00fchrung nicht weiter zusehen zu k\u00f6nnen, folgte Kira ihm. Herrjeh, war er grummelig!<\/p>\n\n\n\n<p>Dann verga\u00df sie allerdings seine Stimmung. Vor ihnen schwangen zwei gro\u00dfe Fl\u00fcgelt\u00fcren auf und sie kamen in einen Saal, der \u00fcber mehrere Stockwerke hinauf ragte. Statt einer Decke schlo\u00df er oben mit einer riesigen Kuppel aus Glas, durch die sie schon die Sterne in der letzten Abendd\u00e4mmerung funkeln sah. Im Gegensatz zu den G\u00e4ngen war es hier noch voll, viele verschiedene Magister und Erzmagier sa\u00dfen in Tischgruppen \u00fcber den ganzen Saal verteilt zusammen und nach einem Moment des Staunes realisierte sie auch, warum. Entlang der einen Seite des Saals gab es ein Buffet, an dem man sich etwas zu essen holen konnte. Bedienstete liefen zwischen den Tischen umher und servierten Getr\u00e4nke. Mitras f\u00fchrte sie durch die Tische zum Buffet, als er pl\u00f6tzlich von der Seite aus angerufen wurde: &#8222;Mitras!&#8220; Er drehte sich um. Einige Tische weiter sa\u00df eine Gruppe Magier, ein Magister, ein Assistent und eine Assistentin und ein deutlich j\u00fcngerer&nbsp;Sch\u00fcler, wie Kira an den Verzierungen ihrer Robe erkannte. Der Magister winkte Mitras fr\u00f6hlich zu. Dieser winkte zur\u00fcck, ging aber zun\u00e4chst weiter zum Buffet. Dort nahm er sich einen Teller, also folgte Kira seinem Beispiel und staunte \u00fcber die Formen, die das Essen hat. Dort gab es kleine H\u00e4schen aus M\u00f6hren, Schmetterlinge aus verschiedenen Bl\u00fcten, Brote in Form von kuschelig aussehenden Schafen und Ziguras und noch so vieles mehr. Die ganze Tafel sah aus, als h\u00e4tte man einen essbaren Bauernhof aus einem idyllischen Paradies auf die Teller und Platten verfrachtet. Mitras bemerkte ihre Blicke und schmunzelte das erste Mal, seitdem sie das Geb\u00e4ude betreten hatten. Er beugte sich vor und sagte leise: &#8222;Magie ist auch auf Essen anwendbar. Aber schmeckt trotzdem.&#8220; Kira liefen angesichts seiner leisen Stimme an ihrem Ohr leichte Schauer den R\u00fccken herunter und sie bem\u00fchte sich, ihn nicht anzusehen, sondern sich darauf zu konzentrieren, einen Teil des Bauernhofes heil auf ihren Teller zu bringen. Als sie fertig war, stand er bereits mit einem Glas voller gold-gelber Fl\u00fcssigkeit, die ein Kellner ihm einschenkte, hinter ihr. Er kippte es mit einem raschen Schwung herunter und lie\u00df es sich sofort wieder auf\u00fcllen. Der Kellner bemerkte sie und sah ihn fragend an, woraufhin Mitras leicht den Kopf sch\u00fcttelte. &#8222;F\u00fcr meine&nbsp;Discipula bitte nur einen Saft.&#8220; Der Kellner nickte, nahm ein Glas und eine Flasche von dem Tischchen hinter sich und reichte Kira schlie\u00dflich mit einer eleganten Verbeugung ein Glas mit Apfelsaft, wie sie an dem Geruch erkannte. Vorsichtig balancierte sie Teller und Glas hinter Mitras hinterher, der dem Winken des anderen Magiers nun folgte und zum Tisch ging.&nbsp;Bei der Tafel handelte es sich um einen runden Tisch f\u00fcr insgesamt acht Personen, es sa\u00dfen aber nur vier dort. Mitras stellte seinen Teller ab und verbeugte sich kurz, galant aber auch mit einer leicht sp\u00f6tischen Unternote vor dem Magister, der ihm auch zugewunken hatte. &#8222;Herzlichen Gl\u00fcckwunsch, Imanuel&nbsp;Malvon. Wobei, dann hei\u00dft es jetzt ja auch di Malvon. Ich habe deinen Aufstieg gar nicht mitbekommen, tut mir leid.&#8220; &#8222;Danke, danke. Keine Sorge, Mitras. Wir haben dein Wirken ein bisschen verfolgt, die Forschung scheint ja nicht gut zu laufen. Sei mir nicht b\u00f6se, aber ich hoffe, dass meine weitere Forschung nicht ansatzweise so schleppend verl\u00e4uft wie deine. Wobei mir mein Durchbruch auch nicht ansatzweise soviel eingebracht hat.&#8220; erwiderte der Magister lachend. Kira sah Mitras ganz kurz grinsen, unauff\u00e4llig knuffte sie ihn in die Seite, ahnend, dass er sich verplappern k\u00f6nnte. Er blickte zu ihr hin, was den Blick der anderen am Tisch auf sie lenkte. &#8222;Mitras, hast du eine Discipula?&#8220;, fragte der Assistent. &#8222;Ja, entschuldigt. Ich stelle euch vor.&nbsp; Dies hier ist Kira Silva, meine erste Discipula. Kira, das sind der frisch gebackene Magister Imanuel di Malvon. Der werte Herr hier hei\u00dft Claudio di Sirom, ein entfernter Verwandter der di Ferrus Familie und diese wunderh\u00fcbsche Dame hier ist Lisa Nirand. Und den jungen Mann hier kenne ich leider nicht.&#8220; Die Assistentin grinste und antwortete: &#8222;Das ist Fenno, mein Bruder. Die Jahre im Labor haben dir die Kunst des Schmeichelns nicht genommen, ja? Setz dich.&#8220; Sie klopfte mit der Hand leicht auf den leeren Stuhl neben sich. Mitras l\u00e4chelte sie ebenfalls an und ging um den Tisch herum, um sich neben sie zu setzen. Zu Kiras Erstaunen beugte er sich dabei vor und k\u00fcsste sie leicht auf die Stirn. &#8222;Nat\u00fcrlich nicht, meine Sch\u00f6ne, wieso sollte sie?&#8220; Kira f\u00fchlte sich pl\u00f6tzlich ausgeschlossen. Was tat sie hier eigentlich? Neid brannte in ihr wie eine heftige Flamme, und sie konzentrierte sich darauf, ihn nicht nach au\u00dfen zu zeigen. Wie sehr w\u00fcrde sie an der Stelle der etwas f\u00fclligeren, aber durchaus h\u00fcbschen Frau sitzen, aber es war ganz offensichtlich, dass diese beiden etwas verband, was Kira niemals w\u00fcrde erreichen k\u00f6nnen &#8211; eine gemeinsame Vergangenheit. Imanuel di Malvon stand auf und verbeugte sich galant vor ihr. &#8222;Lady Silva, darf ich bitten?&#8220; Er r\u00fcckte den Stuhl zurecht, auf dem er eben noch gesessen hatte. Etwas verloren mit einem Blick zu Mitras setzte sich Kira und fand sich im Nu in ein Gespr\u00e4ch verstrickt, in dem Imanuel und Claudio sie \u00fcber ihre Herkunft und ihre Eindr\u00fccke zu Uldum befragten. Auch Fenno h\u00f6rte ihr aufmerksam zu, nur die Assistentin und Mitras sprachen eine Weile leise miteinander, ehe sie sich ebenfalls dem Gespr\u00e4ch zuwandten. Kira musste sich konzentrieren, nichts falsches zu sagen, immerhin sollte sie ja eher die st\u00f6rende Ablenkung mimen, und gleichzeitig sp\u00fcrte sie, wie Unsicherheit und Neid in ihr rangen. Was hatte Mitras mit ihr gesprochen? Im Zentrum der Aufmerksamkeit der anderen drei stehend, konnte sie ihn das aber nichtmal mit einem Blick fragen. Ihre Wangen gl\u00fchten schon nach einigen S\u00e4tzen feuerrot, zumindest f\u00fchlten sie sich so hei\u00df an, und zur Steigerung der Peinlichkeit stotterte sie sogar einmal. Doch Imanuel und Claudio schien das nicht zu st\u00f6ren, sie waren herzlich und freundlich, und so legte sich ihre Aufregung nach einer Weile. Imanuel fischte ihr auch ein Glas vom Tablet eines vorbei laufenden Kellners, was, wie sie nach einem kleinen Schluck feststellte, einen s\u00fc\u00dflichen Wein beinhaltete. Sie trank einen weiteren gro\u00dfen Schluck, was ihren Neid und ihre Wut darauf, dass Mitras die andere Frau gek\u00fcsst hatte, etwas milderte. Wenn sie nicht neben ihm sitzen konnte, konnte sie ja auch Alkohol trinken. Was war das \u00fcberhaupt f\u00fcr eine Aussage gewesen mit dem Saft, sie war ja schon 18 und keine 12 mehr, sie konnte doch Wein trinken! Scheu l\u00e4chelte sie Imanuel zum Dank an, was dieser mit einem begeisterten Toast quittierte: &#8222;Also dann, auf die rothaarigste, h\u00fcbscheste neue Discipula, die Uldum dieses Jahr wahrscheinlich zu sehen bekommt!&#8220; Kira lief nun wirklich rot an. Das Kompliment war ihr peinlich, au\u00dferdem wusste sie nicht, wie sie damit umgehen sollte. Mitras sah auf und lachte. Er sprach leise, so dass gerade die am Tisch sitzenden ihn verstehen konnte. &#8222;Alter Chameur, aber ja, Thadeus wollte mir mit ihr einen reinw\u00fcrgen, hat sich dabei aber vergriffen. Die gute Kira hier sieht nicht nur gut aus, sie hat auch eine sehr hohe Auffassungsgabe. Thadeus wollte mir ein Dummchen vom Dorf andrehen, hat mir aber einen ungeschliffenen Diamanten \u00fcberreicht. Sie ist beim Lernen mindestens so schnell wie du, Lisa und auch sonst stellt sie sich sehr gut an.&#8220; Alle Anwesenden schmunzelten. &#8222;So lange sie nicht auch so zaubert wie Lisa, hast du alter Angeber also mal wieder mit vollen H\u00e4nden in den Goldtopf gegriffen, ja?&#8220;, fragte Imanuel mit einem sp\u00f6ttischen Unterton, was Lisa dazu brachte, eine schlagende Handbewegung in seine Richtung zu machen. Kira wusste nicht, was sie sagen sollte. Mit einem derartigen Lob von Mitras hatte sie nicht gerechnet. Hatte er nicht selbst gesagt, sie sollte als unliebsame Sch\u00fclerin auftreten? Verwirrt sah sie ihn an, doch erntete sie nur einen stolzen Blick zur\u00fcck, der ihr Herz schneller schlagen lie\u00df und ihre Wut \u00fcber den Kuss vorhin wegschmolz. Sebastian hatte sie ja vorgewarnt, dass es in Uldum lockerer zuging als in Bispar. Sie w\u00fcrde sich wohl daran gew\u00f6hnen m\u00fcssen. Und wenn man ganz ehrlich war, mit dem Kuss, den er ihr unten im Labor gegeben hatte, konnte dieser Kuss vorhin auch nicht mithalten. Vers\u00f6hnt l\u00e4chelte sie zur\u00fcck. Claudio erg\u00e4nzte: &#8222;Imanuel, nicht nur in den Goldtopf, er greift sich schon wieder die schlauen Frauen ab, merkst du?&#8220;&nbsp;Imanuel antwortete prompt: &#8222;Na na. So viel Gl\u00fcck hatte er mit den Frauen auch nicht. Also, Mitras, erhebst du hier Anspr\u00fcche?&#8220; Mitras lachte kurz, wurde dann aber ernst und sagte eindringlich: &#8222;W\u00fcrdest du bitte meine Discipula mit solch vorschnellen Ann\u00e4herungen verschonen? Lass sie erstmal in Uldum ankommen!&#8220; Imanuel grinste ihn an, sagte aber nichts weiter. Stattdessen wandte er sich an Lisa und sagte: &#8222;Hast du ihm schon gesagt, dass du heiraten wirst?&#8220; Sie sch\u00fcttelte den Kopf und zu Kiras Erleichterung wandte sich das Gespr\u00e4ch damit von ihr zur geplanten Hochzeit und dem adeligen Mann, den Lisa wohl erobert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Imanuel, Lisa und er waren fr\u00fcher einmal sehr gute Freunde gewesen und Claudio hatte stets versucht dazu zu geh\u00f6ren, Mitras war aber nie wirklich warm mit ihm geworden. Die gute Lisa hatte den anderen beiden&nbsp;das K\u00fcssen beigebracht, als sie zusammen im dritten Semester waren. Dank Clementia war Mitras da schon einige Schritte weiter, aber auch er wurde von Lisa reichlich mit k\u00f6rperlicher Aufmerksamkeit bedacht. Das war damals eine angenehme, unbeschwerte Zeit f\u00fcr Mitras, die ihn langsam die Schrecknisse von Thadeus Lehre vergessen lie\u00df. Dass er wieder bei seinen Eltern wohnte, die gegen den Besuch seiner &#8218;Lerngruppe&#8216; nichts hatten, hatte auch sehr geholfen. Im Hause Venaris war so manche Studentenfeier eingeschlagen. Im Gespr\u00e4ch stellte er fest, dass Claudio nun ein deutlich angenehmerer Zeitgenosse war als fr\u00fcher. Er war bodenst\u00e4ndiger geworden, oder war Mitras mittlerweile abgehobener, nun da er selbst adelig war? Er konnte es nicht sagen. Lisa erz\u00e4hlte, wie sie ihren Verlobten kennen gelernt hatte und dass sie beide beim gleichen Erzmagier als Assistenten angestellt waren. Dieser f\u00f6rderte sie beide gleichm\u00e4\u00dfig und versorgte sie mit Forschungsarbeiten, so dass sie wohl beide gleichzeitig in den Rang eines Magisters aufsteigen w\u00fcrden. Mitras kannte den Erzmagier nicht, aber bei der Einstellung und so wie Lisa ihn beschrieb, konnte es nur einer von Nathanaels Verb\u00fcndeten sein. Mitras g\u00f6nnte ihr das Ganze von Herzen, er wusste aber auch, dass sie ohne zuk\u00fcnftigen Ehemann und gro\u00dfz\u00fcgigen Mentor wohl nie soweit gekommen w\u00e4re. Sie war schlau und talentiert, aber ihr fehlte es am magischen Potential. Kiras war jetzt schon gr\u00f6\u00dfer als ihres wohl jemals werden w\u00fcrde.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach einer Weile blickte ihn Imanuel streng an. &#8222;So Mitras, nun sag doch mal ganz klar, welche Laus dir \u00fcber die Leber gelaufen ist. Egal wohin das Gespr\u00e4ch l\u00e4uft, immer kommst du an einen Punkt, wo du dich \u00fcber Professor di Camino aufregst.&#8220; Mitras st\u00f6hnte. &#8222;Wenn du meinst, sage ich es euch gern. Anscheinend benutzt di Hederea ihn um mich zu diskreditieren. Ich musste aufgrund j\u00fcngster R\u00fcckschl\u00e4ge in meinen Forschungen der Schule einen entsprechenden Auftrag erteilen, geh\u00f6rt zu meinem Vertrag dazu, leider. Jedenfalls hat er auf Basis meiner Forschungen nun etwas entdeckt und versucht es als Folge von meinen &#8218;Unzul\u00e4nglichkeiten&#8216; darstehen zu lassen. Ich war bei dem Vortrag leider oder zum Gl\u00fcck anwesend. Was von beidem, wei\u00df ich noch nicht. Jedenfalls hat er mich, wenn auch subtil, so doch ordentlich durch den Dreck gezogen.&#8220;&nbsp;Imanuel und Lisa grinsten, wohingegen Claudio nachdenklich den Kopf wiegte. &#8222;Mitras, meinst du nicht, dass deine eigenen fehlenden Fortschritte deine Sache sind?&#8220;, fragte Imanuel spitz. &#8222;Du kannst nicht di Camino daf\u00fcr verantwortlich machen, dass ihm etwas eingefallen ist, was du \u00fcbersehen hast.&#8220; Eigentlich hatte er Recht, aber da war irgendwas in Caminos Vortrag gewesen, was Mitras denken lie\u00df, dass mehr dahinter war. Zu seiner Erleichterung und \u00dcberraschung ergriff Claudio f\u00fcr ihn Partei: &#8222;Naja, wenn er aber ihn nicht richtig zitiert oder so, ist es schon nicht so angenehm. Wer es als erster auf dem Convent sagt, hat eben Recht. Aber du h\u00e4ttest ja auch mal selber pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, Mitras. Seit drei Jahren h\u00f6ren wir nichts mehr von dir.&#8220; &#8222;Genau!&#8220;, pflichtete Lisa ihm bei. &#8222;Nicht mal die Einladung zum Sommerball bei Claudio hast du angenommen!&#8220; &#8222;Ja, da habt ihr wohl recht, ich habe mich viel zu sehr eingegraben und dar\u00fcber alles vergessen. Ich wollte einfach, dass es funktioniert. Und ja dar\u00fcber habe ich nicht nur meine Freunde vergessen, sondern mich selbst auch viel zu sehr vernachl\u00e4ssigt. Das ist wohl auch ein Grund, warum die Generalit\u00e4t mich so in die Ecke treiben konnte. Aber ich habe Hilfe bekommen und ich denke, nun wird alles besser. Und ja, wenn ihr m\u00f6chtet, werdet ihr mich nun auch wieder h\u00e4ufiger zu Gesicht bekommen.&#8220;, sagte er, so vorsichtig wie m\u00f6glich seinen Erfolg andeutend. &#8222;Das freut mich zu h\u00f6ren Mitras, ich hatte mir tats\u00e4chlich schon ein bisschen Sorgen um dich gemacht.&#8220; antwortete Lisa ein wenig erleichtert. Imanuel warf einen kurzen anz\u00fcglichen Blick zu Kira und sagte: &#8222;Ja, dich h\u00e4ufiger zu sehen w\u00e4re definitiv, \u00e4h, erfreulich.&#8220; Mitras fiel erst jetzt auf, wie sehr es ihn st\u00f6rte, dass sich Imanuel den ganzen Abend immer st\u00e4rker an Kira heran gemacht hatte und gerade dieses anz\u00fcgliche Grinsen st\u00f6rte ihn noch mehr. Imanuel hatte seinen Ruf recht erfolgreich mit gleich zwei b\u00fcrgerlichen Frauen zerst\u00f6rt. Beide waren von ihm schwanger geworden, und das, obwohl er es eigentlich leicht h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen. Die Zauber daf\u00fcr waren einfach und schnell. Niemand musste sich deswegen seinen Spa\u00df verderben und niemand sollte irgendwelche Folgen von diesem Spa\u00df davon tragen. Mitras hoffte f\u00fcr die Kinder, dass sie das magische Potential ihres Vaters geerbt hatten, denn sonst w\u00fcrde es f\u00fcr sie und die M\u00fctter schwer werden, sobald er aus der F\u00fcrsorgepflicht mit Erreichen ihres vierzehnten Geburtstags entlassen werden w\u00fcrde. Auch wenn Imanuel sonst kein schlechter Kerl war, Mitras w\u00fcrde ihn garantiert nicht in die N\u00e4he irgendeines M\u00e4dchens lassen, dass er kannte und schon gar nicht in die N\u00e4he seiner Sch\u00fclerin. Er sah Kira an. Auch wenn sie nur die einfache Magierrobe trug, sah sie umwerfend aus. Er konnte es weder Imanuel noch Claudio \u00fcbelnehmen, sie zu beachten, musste er eingestehen. Ihre Locken waren im Vergleich zu ihrer Ankunft so deutlich r\u00f6ter geworden, dass es einen spannenden Kontrast zu dem dunklen Rotton der Robe und den silbernen Streifen an ihrem Kragen ergab. Sie blickte auf und sah ihm in die Augen und f\u00fcr einen Moment lang glaubte er wieder ihre Lippen auf seinen zu sp\u00fcren, gefolgt von einem Hauch Karamell. Er schluckte und blickte zur Seite. Diese Gedanken sollte er sich nicht in der \u00d6ffentlichkeit anmerken lassen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im n\u00e4chsten Moment w\u00fcnschte er sich, nicht zur Seite geschaut zu haben. Denn so sah er der Person, die gerade auf ihren Tisch zukam, voll ins Gesicht: Thadeus di Hedera. &#8222;Magister Mitras, welch Ehre, euch auch einmal auf diesem Convent begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.&#8220;, gr\u00fc\u00dfte ihn der Schulleiter. &#8222;Und ich sehe, Ihr habt euer kleines \u00c4rgernis mitgebracht, um es Ihren Freunden vorzustellen?&#8220;&nbsp;Mitras nickte ihm steif zu &#8222;Schulleiter.&#8220; R\u00e4uspernd unterbrach er sich, um Zeit zum sammeln zu bekommen. &#8222;Selbstverst\u00e4ndlich bringe ich meine Sch\u00fclerin mit. Neben allem anderen ist dies hier auch eine Lehrveranstaltung und ich nehme den Auftrag, den mir die Schule gegeben hat, \u00e4u\u00dferst ernst.&#8220; An den wissenden Blicken von Lisa und Claudio, die er im Augenwinkel sah, erkannte er, dass die beiden wie damals keine Freunde seines ehemaligen Mentors waren &#8211; und dass sie seine Absicht, Kira nicht zu sehr hervorzuheben, wohl verstanden. Er bereute, vorhin mit ihren F\u00e4higkeiten geprahlt zu haben. Thadeus blickte ihn sp\u00f6ttisch an: &#8222;Nun, das ist sehr angenehm zu h\u00f6ren, dass Ihr etwas ernst nehmt.&#8220; Er wandte sich Kira zu und kniff die Augen zusammen. Zu Mitras gewandt sagte er: &#8222;Aber nehmt ihr das mit der n\u00f6rdlichen Herkunft nicht etwas zu ernst? Ich erinnere mich nicht, dass sie so sehr nach Skir aussah, wie Ihr sie hier pr\u00e4sentiert. Das ist ein wenig viel rote Farbe in den Haaren f\u00fcr ein Dorfkind Berger Herkunft, meint ihr nicht? Als Schulleiter muss ich Sie erinnern, selbst wenn sie sich nicht gut anstellt, habt Ihr kein Recht, euren \u00c4rger an ihr auszulassen. Oder ist das die neuste Vorliebe im Hause Venaris?&#8220; Erschrocken sah Mitras zu Kira, die steif dasa\u00df, als habe der Schulleiter sie statt mit Worten mit einem Zauber paralysiert.&nbsp;&#8222;Es tut mir leid euch das sagen zu m\u00fcssen, werter Erzmagier di Hedera, aber in Kiras Haaren findet sich keine Spur von k\u00fcnstlicher Farbe, vielleicht lassen Eure Augen langsam nach oder ist es vielleicht so, dass ihr die Wahrnehmung von Farben verliert? Ihr solltet das vielleicht einmal untersuchen lassen.&#8220;, knirschte er so h\u00f6flich wie m\u00f6glich. Fenno, der bisher still war, platzte zu Mitras Erschrecken dazwischen: &#8222;Au\u00dferdem ist sie eine nette Gesellschafterin und auch schlau.&#8220; Alle drehten sich zu Fenno um, der angesichts der vielen Blicke rot anlief und zu Boden schaute. &#8222;E.. Entschuldigt, Schulleiter, ich wollte nicht dazwischen sprechen&#8230;&#8220;, stotterte er. Mitras unterdr\u00fcckte ein St\u00f6hnen. Genau das hatte Thadeus defintiv nicht h\u00f6ren sollen. Dieser zog auch eine Augenbraue hoch und blickte zu Mitras. &#8222;Sooo, schlau, ja? Naja, da habe ich anderes geh\u00f6rt&#8230;&#8220; Kira sa\u00df kreidebleich da. &#8222;Ich bin mir sicher, der junge Nirand kennt noch nicht viel von den F\u00e4higkeiten meiner Sch\u00fclerin, auch wenn die jungen Leute nat\u00fcrlich gerne reden.&#8220;, beeilte sich Mitras zu sagen. Hoffentlich kaufte Thadeus es ihm ab, Kira noch mehr in seinem Fokus zu wissen, war das letzte, was er wollte. &#8222;Falls der Schulleiter eine Probe sehen will, kann er sie gern zu einer Pr\u00fcfung im kaufm\u00e4nnischen Rechnen einladen, nur um einen Anfang zu nennen.&#8220; Thadeus lachte kurz auf. &#8222;Nein, Mitras, das Vergn\u00fcgen \u00fcberlasse ich ganz dir. Di Ries wird mir schon sagen, wie ihre Klausur war, wenn wir im Samhain \u00fcber ihre Zulassung zu den praktischen Pr\u00fcfungen entscheiden.&#8220; Innerlich war Mitras erleichtert, noch mehr, als Thadeus sich mit einen angedeuteten Handbewegung nun wieder vom Tisch entfernte. Kaum war er au\u00dfer H\u00f6rweite, zischte Lisa ihren Bruder an: &#8222;Du Trottel! Mann, Fenno!&#8220; Dieser guckte sie verwirrt und verzweifelt an. &#8222;Was?&#8220; Claudio legte seine Hand auf Lisas Arm. &#8222;Nimm es ihm nicht \u00fcbel, er hat es gut gemeint. Fenno, Mitras und der Herzog di Hedera kommen nicht besonders gut miteinander aus. Der Schulleiter wollte nicht Kira treffen, sondern Mitras. Sie zu verteidigen ist also nutzlos und handelt dir nur \u00c4rger ein.&#8220;&nbsp;Mitras blickte sich kurz um und vergewisserte sich, dass keine weitere Person in H\u00f6rweite war. &#8222;Thadeus will sie scheitern sehen, weil er dann mich scheitern sieht. Er hat sie zu mir geschickt, weil er mich f\u00fcr einen schlechten Lehrer und einen schlechten Magier h\u00e4lt und sie f\u00fcr eine schwierige Sch\u00fclerin. Fenno, das denkt er von allen nicht adelig geborenen Magiern. Wenn er glaubt, dass Kira schlecht ist, wird er nicht weiter nachhelfen und den Dingen ihren Lauf lassen. Kira ist aber deutlich talentierter, als er glaubt.&#8220; Und noch viel talentierter als ich selbst vor meinen Freunden zuzugeben bereit bin, dachte er bei sich. &#8222;Und sollte er das erfahren, wird er ihr nur unn\u00f6tig das Leben schwer machen. Also behalte das bitte in Zukunft f\u00fcr dich.&#8220; Fenno blickte ihn und seine Schwester an, doch diese nickte nur leicht best\u00e4tigend. &#8222;Aber zu mir ist er nie schlecht gewesen, und meine Noten sind auch ganz gut&#8230;&#8220; &#8222;Du warst auch nicht sein&nbsp;verhasster letzter Sch\u00fcler&nbsp;und vor allem hast du keinen so gro\u00dfen Durchbruch hingelegt wie unser Wunderknabe hier. Sonst w\u00fcrde er mit dir auch ganz anders umgehen.&#8220;, warf ihm Lisa an den Kopf. Fenno schien noch nicht ganz \u00fcberzeugt. &#8222;Aber&#8230; aber das darf er doch gar nicht, Leute benachteiligen wegen ihrer Herkunft&#8230;&#8220; &#8222;Machen Menschen aber.&#8220;, schnappte Kira pl\u00f6tzlich scharf. Ihre Stimme schwankte noch etwas, aber die Farbe war in ihre Wangen zur\u00fcckgekehrt. &#8222;Und wenn du nicht adelig bist, bist du nichts dagegen. Verstehst du, wie viel Gl\u00fcck du und deine Schwester haben? Wenn ich nicht magisch w\u00e4re, w\u00e4re ich jetzt wahrscheinlich tot &#8211; weil Adel eben machen kann, was er will.&#8220; Mitras sah sie sorgenvoll an. Ja, das Trauma sa\u00df eindeutig noch tief. Imanuel zischte ein wenig zwischen den Z\u00e4hnen. &#8222;Naja, t\u00f6ten kann dich jemand von Adel nun auch nicht einfach so. Wir m\u00fcssen uns auch an Regeln halten. Und ein paar Intrigen an der Schule und am Hof sind ja nun nicht gleich der Grund, den gesamten Adel abzulehnen.&#8220; Mitras unterbrach ihn. &#8222;Das mag in Uldum so sein, Imanuel. Auf dem Land k\u00f6nnen sich die Adeligen aber deutlich mehr herausnehmen. Wenn im Umkreis von Hundert Kilometern kaum 2000 Menschen leben, dann ist der Richter, der \u00fcber den Fall entscheidet, mindestens auch mit einem etwaig angeklagten Adeligen verwandt. Die Landbev\u00f6lkerung hat nicht ansatzweise so viele M\u00f6glichkeiten sich vor Willk\u00fcr und Korruption zu sch\u00fctzen, wie in den St\u00e4dten. Kira musste das schon am eigenen Leib erfahren.&#8220; Die Stimmung war sichtlich abgek\u00fchlt. Insbesondere Imanuel blickte betreten drein. &#8222;Tut mir leid Freunde, unsere Anwesenheit zieht leider einige unliebsame Personen an. Es hat mich gefreut euch wieder zu sehen und ich hoffe wir k\u00f6nnen das bald in einer deutlich angenehmeren und privateren Umgebung wiederholen, wo uns nichts die Stimmung verdirbt. Aber ich glaube f\u00fcr heute reicht es. Wir werden jetzt aufbrechen. Ich w\u00fcnsche euch noch einen sch\u00f6nen Abend.&#8220; Mitras stand auf und Kira tat es ihm gleich. Imanuel sprang aber auch gleich auf und verbeugte sich kurz vor ihr. &#8222;Kira, ich m\u00f6chte mich f\u00fcr meine unbedachten Worte entschuldigen. Aber sei dir versichert, wir sind hier wirklich besser, hoffe ich.&#8220; Kira blickte ihn kurz an. Ihre Hand ber\u00fchrte Mitras Hand, als sie einen Schritt r\u00fcckw\u00e4rts ging, und er griff danach. Sie schluckte und blickte ihn an, dann sah sie wieder zu Imanuel und den anderen, verbeugte sich h\u00f6flich und sagte: &#8222;Ja, das wei\u00df ich schon. Ich bin hier in Uldum sehr gut aufgenommen worden. Und, uhm, danke, Fenno, dass du mich verteidigen wolltest.&#8220; Mitras dr\u00fcckte ihre Hand, nicht umhin kommend, sie f\u00fcr ihre St\u00e4rke zu bewundern. Trotz des Traumas, trotz der Beleidigungen des Schulleiters fand sie noch warme Worte f\u00fcr den Jungen, der von der Triade seiner Schwester und Mitras Erl\u00e4uterungen sichtlich mitgenommen war. Sie verfehlte ihre Wirkung auch nicht, \u00fcber Fennos Gesicht ging ein Strahlen der Erleichterung, und auch Imanuel, Lisa und Claudio nickten ihr&nbsp;freundlich zu, ehe er sie aus dem Saal f\u00fchrte. So sehr Mitras sich \u00fcber die Ereignisse \u00e4rgerte, er war auch stolz auf Kira. Solch eine angemessene Reaktion w\u00e4re vor einigen Wochen sicher noch nicht denkbar gewesen. Es war keine Fehlentscheidung gewesen, sie ins Haifischbecken mitzunehmen, sagte er sich. Sie w\u00fcrde gut darin schwimmen lernen, wenn sie das Trauma erstmal ganz \u00fcberwand.<\/em><br>Kira schaffte es, bis zur Kutsche aufrecht zu gehen und sich nichts von ihrem Gef\u00fchlssturm anmerken zu lassen. Doch sobald sich die Kutscht\u00fcr schlo\u00df, fingen die ersten Tr\u00e4nen an, haltlos \u00fcber ihre Wangen zu rinnen. Wie durch einen Nebel hindurch nahm sie wahr, dass Mitras sie in den Arm nahm, und sie krallte sich an ihm fest, schluchzte leise und schmiegte sich in seinen Geruch.&nbsp;&#8222;Es tut mir leid, dass es so heftig wurde, aber du hast dich sehr gut geschlagen. Ich bin stolz auf dich.&#8220; Er verstr\u00f6mte eine beruhigend wirkende, magische W\u00e4rme und hielt sie einfach fest. Sie holte tief Luft. &#8222;Tut mir leid, ich wollte nicht heulen&#8230;&#8220; Sie blickte auf seine Beine, um ihm nicht ins Gesicht sehen zu m\u00fcssen. &#8222;Es ist nur, immer die Haarfarbe&#8230; ich bin eine Skir, nicht wahr? Eine Skirhexe oder sowas&#8230; ich w\u00fcnschte, ich w\u00fcsste, wo das herkommt&#8230; und wie ich diese verdammte rote Farbe aus den Haaren kriege&#8230;&#8220; Sie musste unbedingt wieder Wallnussfarbe besorgen, beschlo\u00df sie. &#8222;Ich hoffe, gar nicht. Thadeus hat recht, deine Haare sind deutlich heller geworden, seit du hier bist. Aber sie sehen jetzt auch bedeutend besser aus und passen viel besser zu dir kleinem Eichh\u00f6rnchen.&#8220; &#8222;Findest du?&#8220;, fragte sie scheu. Ihr Herz klopfte pl\u00f6tzlich wieder so schnell. Er mochte die roten Haare? Vorsichtig drehte sie sich, um ihn anzusehen. Seine eisblauen Augen waren dicht vor ihr, und er umfasste sanft mit der einen Hand ihr Kinn, mit der anderen wickelte er sich eine Locke um den Finger. &#8222;Ja, sie sind wundersch\u00f6n.&#8220;, sagte er und jeder Gedanke an Wallnussfarbe war gestorben. Sie hatte pl\u00f6tzlich den dringenden Wunsch, ihn zu k\u00fcssen daf\u00fcr, dass er so wundersch\u00f6n war und so wundersch\u00f6ne Dinge zu ihr sagte. Sie sp\u00fcrte, wie ihr das Blut ins Gesicht scho\u00df bei diesem Gedanken. Vorsichtig legte sie die H\u00e4nde um seinen Nacken, \u00e4ngstlich, er k\u00f6nnte sie wegschieben. Doch er lie\u00df nur die Hand sinken, mit der er die Locke umfasst hatte, und so nahm sie allen Mut zusammen, schob sich ein St\u00fcck nach oben, legte sanft ihre Lippen auf seine und war schon fast \u00fcberrascht, dass er den Kuss zaghaft erwiderte. Es jagte tausend kleine Schmetterlinge durch sie hindurch, die all die negativen Gef\u00fchlen mit kleinen Schockwellen vertrieben und ihr innerhalb von Sekunden das Gef\u00fchl gaben, fast zu schweben. Mutig geworden k\u00fcsste sie etwas intensiver, leckte sanft mit der Zungenspitze \u00fcber seine geschlossenen Lippen.&nbsp;Nach einem kurzen Z\u00f6gern \u00f6ffneten sich seine Lippen und sein Griff wurde fester, fordernder, blieb aber trotzdem sanft und geborgen. Es nahm ihr den Atem, und so holte sie keuchend Luft, als er den Kuss nach einer scheinbar kleinen gl\u00fccklichen Ewigkeit beendete. Aneinander geschmiegt sa\u00dfen sie in der Kutsche, schweigend, und Kira traute sich nicht, auch nur einen Finger zu bewegen, aus Angst, dieses wundervolle Gef\u00fchl zu zerst\u00f6ren. Der dritte Kuss hatte schneller geklappt, als sie es sich ertr\u00e4umt hatte. Wie sehr sie diesen Mann liebte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Mittagsstunde des Mafuristages, des vorletzten Tages dieses Jahres, brachen Kira und Mitras auf. 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