{"id":182,"date":"2025-05-11T19:55:44","date_gmt":"2025-05-11T19:55:44","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=182"},"modified":"2025-03-17T19:55:59","modified_gmt":"2025-03-17T19:55:59","slug":"wie-ein-baum-30-firn-242-mafuristag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2025\/05\/11\/wie-ein-baum-30-firn-242-mafuristag\/","title":{"rendered":"Wie ein Baum &#8211; 30. Firn 242 (Mafuristag)"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Kurz bevor sie zu Hause ankamen, wurde Mitras etwas bewusst. Er hatte damals gar nicht die Zeit gehabt eine neue Charge f\u00fcr die Schule zu fertigen. Tats\u00e4chlich hatte er das immer noch nicht geschafft, lediglich das Venarium war fertig. Aber die zwei Chargen f\u00fcr die Schule kamen aus der gleichen Fertigung. Wenn di Camino also recht hatte und sich die unterschiedlichen Muster auf den Herstellungsprozess zur\u00fcckf\u00fchren lie\u00dfen, dann konnte er diesen Unterschied unm\u00f6glich selbst entdeckt haben. Der Zylinder im Labor, an dem Mitras die anderen Muster beobachtet hatte, war aber wiederum deutlich \u00e4lter als das gelieferte Material &#8211; der Unterschied zwischen dem Lichtwurf dieses Zylinders und denen von di Camino k\u00f6nnte durchaus durch den Herstellungsprozess enstanden sein. Entweder hatte di Camino also andere Lichter bei seinen Zylindern gesehen oder er hatte den anderen Lichtwurf nur aus Mitras Notizen gekannt. Ersteres h\u00e4tte aber bedeutet, dass die Theorie mit dem Herstellungsprozess falsch war. Di Camino war allerhand, aber er war auf jeden Fall ein hervorragender Forscher, er w\u00fcrde also nicht v\u00f6llig haltlose Theorien aufstellen. Was bedeutete, dass er seine Erkenntnisse nicht nur von Mitras Unterlagen inspiriert waren, sondern darauf fu\u00dften. Das war es, was ihn die ganze Zeit unterbewusst besch\u00e4ftigt hatte, da stammte also sein seltsamen Gef\u00fchl seit dem Vortrag her! Und er hatte ihm erst vor wenigen Tagen sogar das Venarium geschickt! Wut ballte sich in seinem Bauch und die gerade wieder gestiegene Stimmung brach ein, nur um schnell der Resignation zu weichen. Er hatte gerade nicht die Kraft und vor allem nicht die Zeit, das nun auszufechten. Man br\u00e4uchte mindestens eine Gedankensuche eines Magie-Juristen, um nachzuweisen, dass di Camino seine Unterlagen bekommen hatte, auf Zeugenaussagen konnte man da nicht bauen. Und allein was f\u00fcr ein Wirbel es geben w\u00fcrde, wenn er, der vermeintlich erfolglose Magister mit dem Einmal-Wurf, einen angesehenen Professor der Akademie anklagen w\u00fcrde. Selbst seine ehemaligen Klassenkameraden und Freunde sahen ihn ja so. Nein, es w\u00fcrde seinem Ruf, und damit auch Kira, mehr schaden, wenn er diesen kleinen Diebstahl nun thematisierte, so sehr es ihn auch \u00e4rgerte. Und mehr als Thadeus scharfen Blick auf ihre Haare hatte es nicht gebraucht, gerade, weil der junge Nirand sich so verplappert hatte, um ihm ein geh\u00f6rig mulmiges Gef\u00fchl zu vermitteln. Er zog sie vorsichtig ein wenig n\u00e4her zu sich, versunken in die dunklen Wolken aus \u00c4rger und Sorge. Seinem Eichh\u00f6rnchen durfte nichts geschehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als sie zu Hause ankamen, lie\u00df Mitras sie los. Sie blickte zu ihm hoch. Sein Griff war ein wenig fester geworden gegen Ende der Fahrt und sein K\u00f6rper hatte sich angespannt. Seine Miene war d\u00fcster. Er zahlte den Kutscher und stapfte wortlos ins Haus, wo er Abby den Mantel eher hinwarf und begann, die Treppe hinauf zu gehen. Kira war ihm ein wenig unsicher gefolgt. War er sauer auf sie? Nein, dazu passte der Kuss nicht. Wahrscheinlich war er sauer wegen des Schulleiters. Und irgendwas war ja auch mit dem Vortrag gewesen. Als er die Treppe hoch ging, realisierte sie, dass sie eigentlich jetzt laden m\u00fcssten &#8211; noch war das Modell, das die ganze Gegend mit Strom versorgte, kein &#8222;Kirmesmodell&#8220;, wie er es wegen des Reflektorzaubers einmal spa\u00dfhaft genannt hatte. &#8222;Mitras?&#8220;, fragte sie z\u00f6gerlich. Er blieb stehen und drehte sich noch halb in Gedanken versunken um, z\u00f6gerte kurz und antwortete knapp: &#8222;Ja?&#8220; &#8222;M\u00fcssen wir nicht laden?&#8220; Genervt st\u00f6hnte er auf: &#8222;Ja, verdammt. Danke, Kira.&#8220;, und kam wieder herunter. Abby reichte ihm wortlos den Mantel wieder hin und er schl\u00fcpfte mit so viel Schwung in seine Schuhe, dass Kira ihre Einsch\u00e4tzung etwas korrigierte. Er war nicht angespannt, zumindest nicht nur, sondern offenbar auf irgendwas oder irgendwen f\u00fcrchterlich sauer. Sie folgte ihm ins Generatorhaus. Das gl\u00fcckliche Gef\u00fchl aus der Kutsche hing noch in ihren Gedanken nach. Wenn sie ihn nur auch etwas gl\u00fccklicher machen k\u00f6nnte. Sie \u00fcberlegte. Wenn sie w\u00fctend oder traurig gewesen war, was durchaus oft vorkam, war sie meistens bei der n\u00e4chstbesten Gelegenheit in den Wald gelaufen, zu ihrem Baum. Sie hatte dort unter den Wurzeln eine&nbsp;kleine H\u00f6hle gefunden, in die sie immer gut hineingepasst hatte, fast, als sei sie mit ihr gewachsen. Und alles, was ihr auf der Seele lag, hatte sie diesem Baum erz\u00e4hlt. Mitras br\u00e4uchte auch so einen Baum.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gedanke lie\u00df sie nicht mehr los, w\u00e4hrend sie begann, die Magie zu sich zu ziehen. Sie wollte sein Baum sein. Die Magie bildete ihre Wurzeln. Sie schlo\u00df die Augen, dachte an ihre Eiche und gab sich M\u00fche, ganz ruhig und leicht zu werden &#8211; diese Wirkung hatte das Kanalisieren ja sowieso auf sie. Das Rauschen von Bl\u00e4ttern lag in ihren Ohren. Mitras w\u00fcrde ihre Emotionen sp\u00fcren k\u00f6nnen, nicht wahr. Sie dachte an ihn. Ich liebe dich. Du kannst deine Sorgen mit mir teilen. Ich bin f\u00fcr dich da wie du f\u00fcr mich. Sanft griff sie seine H\u00e4nde und begann den Transfer.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras nahm die Magie wie immer auf und wapnete sich gegen die Emotionen. Gerade heute sollte es st\u00fcrmisch werden, vermutete er und er wollte nicht zu tief in Kiras Gef\u00fchlen w\u00fchlen. Doch es kam anders. Statt der \u00fcblichen Welle kam ein warmer Hauch seeliger Ruhe, die seine tief niedergeschlagene Laune sofort anhob. Fast w\u00e4re ihm der Zauber entglitten, aber von der Magie eingeh\u00fcllt, wurde pl\u00f6tzlich alles klar in seinem Geist und er gewann die Kontrolle wieder zur\u00fcck. Es war, als w\u00e4re er gerade aus einer tiefen Meditation erwacht. Doch es ging noch weiter. Mit dem Anstieg magischer Energie in seinem Geist breitete sich nicht nur Ruhe aus, auch seine Gef\u00fchle gl\u00e4tteten sich. Er sp\u00fcrte Kiras Zuneigung zu ihm, wie auch schon die letzten Male, aber da war noch mehr. Er sp\u00fcrte nicht nur ihre Emotionen, er merkte wie seine eigene Stimmung aufgehellt wurde. Selbst der ewig wachsame Teil von ihm, der sofort mit Misstrauen, gepr\u00e4gt von seiner Ausbildung in der Abwehr von Geistes\u00fcbergriffen, auf alle \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcsse reagierte, wurde beschwichtigt. Rein rational wusste Mitras, dass Kira irgendwie einen Zauber in die sonst reine Magie eingeflochten hatte. Doch er konnte sich nicht vorstellen, wie ihr das gelungen sein konnte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Als genug Magie geflossen war, f\u00fchrte er den Zauber aus und beendete schnell alle weiteren notwendigen Prozeduren, um dann neben Kira, die ersch\u00f6pfter wirkte als sonst, regelrecht zusammen zu brechen. Er brauchte einen Moment, um sich wieder zu sammeln und merkte dann, wie gut es ihm eigentlich ging. Dank Kira&nbsp;war das Laden schon lange nicht mehr so beschwerlich wie fr\u00fcher, aber auch die Anspannung und der Zorn des Tages war verflogen. Er war ruhig, ausgeglichen, hatte schon fast gute Laune. Er wusste, was sie getan hatte, aber nicht wie. Er selbst kannte ja keine konkreten Zauber und selbst wenn, bei seinen schwachen F\u00e4higkeiten im Bereich Hellsicht h\u00e4tte er sie nicht wirken k\u00f6nnen. Und er wusste, dass diese Zauber auch nicht frei zug\u00e4nglich waren und in seiner Sammlung befanden sich nur Grundlagenwerke. Aber Kira hatte auch nicht direkt einen Zauber gewirkt, das h\u00e4tte er gemerkt. Ganz ruhig, vom Zauber von seiner \u00fcblichen Vorsicht befreit, fragte er: &#8222;Kira, wie hast du das gerade gemacht? Ist dir \u00fcberhaupt bewusst, was du da getan hast?&#8220;&nbsp; &#8222;Ich habe mir gew\u00fcnscht, dass du dich besser f\u00fchlst. Ich denke, ich habe es der Magie mitgegeben, zumindest wollte ich es. Beim Laden kann ich doch Emotionen auf dich \u00fcbertragen, das hast du ganz am Anfang schon gesagt.&#8220; &#8222;Ja, unsere Emotionen k\u00f6nnen sich vermischen und wir sp\u00fcren was im anderen vor geht, wenn es nicht durch geistige \u00dcbungen unterdr\u00fcckt wird.&#8220; Er versp\u00fcrte pl\u00f6tzlich den Drang sie zu loben: &#8222;Und die letzten Male musste ich deutlich weniger abblocken, die Meditations\u00fcbungen tragen Fr\u00fcchte, du wirst besser. Aber das eben, dass war kein bewusstes \u00d6ffnen, also doch war es, aber nicht nur.&#8220; Mitras merkte, wie er trotz der Bedeutung der n\u00e4chsten S\u00e4tze immer noch ruhig war, der Einfluss der Magie wirkte immer noch nach, lie\u00df ihm aber trotzdem v\u00f6llige&nbsp;geistige Klarheit. &#8222;Kira, du hast einen Zauber in den Magiestrom eingewoben, und zwar einen m\u00e4chtigen. Du hast meinen Geist manipuliert, mir die Niedergeschlagenheit und den Zorn \u00fcber die heutigen Ereignisse genommen. Und nein, ich bin dir nicht b\u00f6se, ich erkenne deine guten Absichten nur zu gut. Aber das war der bisher m\u00e4chtigste Zauber, den du aus blo\u00dfer Intuition heraus gewirkt hast. Also danke f\u00fcr das, was du getan hast. Aber von solchen gesch\u00fctzten Gelegenheiten wie hier abgesehen, sei bitte absolut vorsichtig mit deinen W\u00fcnschen. Egal was sie beinhalten, sie k\u00f6nnten sehr wahrscheinlich wahr werden und unabh\u00e4ngig von der Wirkung zu viel Aufmerksamkeit auf dich lenken.&#8220; Er war die ganze Zeit \u00fcber ruhig und sachlich geblieben und hatte keine Spur von Vorwurf in der Stimme gehabt, h\u00f6chstens Sorge. Dennoch sah Kira nun aus, als h\u00e4tte er sie strafend geschlagen, ihm wurde auch sofort klar, wieso. Selbst auf seine Emphatie wirkte sich die Magie scheinbar aus, beinahe konnte er ihre Gedanken h\u00f6ren, obwohl der Transfer der Magie l\u00e4ngst gestoppt war. &#8222;Ja, du hast es wieder getan, wie bei Johann. Aber Kira, das ist nicht schlimm. Es war kein spontaner Impuls, sondern dein Wunsch mir zu helfen. Ich verstehe nicht was dir da in die Wiege gelegt wurde, aber es ist kein Fluch, sondern eine Gabe. Eine Gabe die du mit Vorsicht nutzen solltest, aber eben auch eine, die du in Notf\u00e4llen nutzen kannst. Bei den Geistern, ich hoffe sogar, dass du in Notf\u00e4llen geistesgegenw\u00e4rtig genug bist, es zu versuchen. Sei es um dich zu sch\u00fctzen oder jemand anderem zu helfen.&#8220; Er konnte ihr f\u00f6rmlich ansehen, wie das Gesagte in ihren Verstand einsickerte und Fr\u00fcchte trug. &#8222;Du denkst jetzt also nicht, dass ich ein verfluchtes Hexenbalg bin, wie alle anderen sagen?&#8220;, fragte sie sch\u00fcchtern wie schon lange nicht mehr. &#8222;Nein, also Hexe vielleicht. Hier in Albion gibt es solche Magie nicht, zumindest kenne ich niemanden, der aufgrund von W\u00fcnschen Magie wirkt. Aber verflucht definitiv nicht. Dir wurde eine Gabe mitgegeben, die du nun mindestens zum zweiten Mal eingesetzt hast. Und ich denke, dass du sie in beiden F\u00e4llen zu recht genutzt hast. Du hast dich gesch\u00fctzt und du wolltest helfen. An beiden Handlungen ist nichts verwerfliches. Also Danke f\u00fcr deine Hilfe. Kann ich als Gegenleistung irgendwas f\u00fcr dich tun?&#8220; Bei seinen Worten entspannte sich Kira wieder. Sie schwieg einen Moment, w\u00e4hrend dessen er merkte, wie auch die Verbindung zwischen ihnen schw\u00e4cher wurde, ebenso der Einfluss der Ruhe aus dem Zauber. Es blieb eher ein angenehmes, heiteres Gef\u00fchl zur\u00fcck, aber er war nicht mehr ganz so entspannt, nicht mehr ganz so ohne Argwohn. Und so \u00fcberraschte ihn ihre Frage doch sehr: &#8222;Erst eine Frage, warum hast du mich vorhin gek\u00fcsst?&#8220; Ihr Blick war starr auf den Boden gerichtet und ihre Wangen waren so rot, dass sie schon fast leuchteten. &#8222;Weil wir es beide gebrauchen konnten, weil du meine wichtigste Freundin bist, weil ich schon viel zu lange keine Frau mehr gek\u00fcsst habe und merke, dass es mir fehlt.&#8220; , platzte es aus ihm heraus und z\u00f6gernd f\u00fcgte er hinzu: &#8222;Und ich hoffe, es hat dir auch gefallen. Ich kann aber auch verstehen, wenn du mich bittest, dir nie wieder so nahe zu kommen. Du hilfst mir immer wieder und dann erinnere ich dich als Folge jetzt eben so schmerzhaft an dein Erbe.&#8220;&nbsp;Langsam fing er an zu denken, dass ihr Zauber doch nicht nur gute Auswirkungen hatte, er machte ihn etwas zu ehrlich, so direkt hatte er eigentlich noch nie \u00fcber das gesprochen, was ihn bewegte &#8211; vermutlich tat er ihr aber mit der Wahrheit weh, auch wenn es nicht seine Absicht war. &#8222;Zu meiner Verteidigung, das ist wohl Teil deines Zaubers, dass ich grad so direkt bin&#8230; Tut mir leid!&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Kira blickte erschrocken auf: &#8222;Nat\u00fcrlich hat es mir gefallen! \u00c4hhm&#8230;&#8220; Sie verstummte und wurde tats\u00e4chlich noch eine Spur r\u00f6ter. &#8222;Ich finde es auch gar nicht schlimm, dass du ehrlich bist. Es tut mir leid, dich manipuliert zu haben, das wollte ich nicht&#8230; Ich habe nur keine Ahnung, wie ich das wieder aufhebe.&#8220; Er l\u00e4chelte. &#8222;Keine Sorge, das hebt sich von alleine auf. Und vor allem hast du mir geholfen meine Laune zu heben, mit den Nebenwirkungen kann ich leben.&#8220; Sie schwieg wieder einen langen Moment. &#8222;Warum hast du nicht geheiratet, wenn du doch eine Frau zu k\u00fcssen vermisst?&#8220;&nbsp;Jetzt fing sie an seine Gef\u00fchlslage auszunutzen, aber da konnte er dr\u00fcber hinweg sehen, er w\u00e4re kein Deut besser, eher schlimmer. &#8222;Ich war bis vor drei Jahren mit einer anderen Zauberin liiert und wollte sie eigentlich auch heiraten. Aber meine Vertieftheit in die Arbeit muss sie wohl abgeschreckt haben, sie lehnte meinen Antrag ab und das f\u00fchrte letztendlich dazu, dass ich mich noch st\u00e4rker in die Arbeit vergrub. Seitdem bin ich nicht mehr viel rausgekommen.&#8220; Sie setzte sich auf. &#8222;Sie hie\u00df Claudia, richtig?&#8220; &#8222;Ja.&#8220; &#8222;Vermisst du sie?&#8220; &#8222;Letztendlich, nein.&#8220; Sie sa\u00df neben ihm und schaute ihn an, ihre roten Haare umringelten ihr Gesicht wie ein Rahmen. Der Raum war nicht gut genug genug ausgeleuchtet und die Lampe stand direkt hinter ihr, so dass er ihre Augen oder ihre genaue Mimik nicht sehen konnte, aber dennoch f\u00fchlte er sich von ihr angezogen. &#8222;Ich vermisse m\u00f6glicherweise K\u00fcssen und, nunja, auch Sexualit\u00e4t, aber das ist eher ein Bed\u00fcrfnis des K\u00f6rpers, nicht der Seele. Gute Freundinnen wie dich zu k\u00fcssen stillt diesen Hunger genauso gut wie eine Partnerin das k\u00f6nnte.&#8220; Sie schaute zur Seite auf den Boden, vom ihm weg. Hatte er sie damit verletzt? &#8222;Ich, ehm, ich wollte dich damit aber nicht bedr\u00e4ngen. Auch wenn dir der Kuss gefallen hat, ich, also ich w\u00fcrde nie etwas tun, was du nicht willst.&#8220; Er kam sich fast wieder wie ein Teenager vor, wie er hier herumstammelte. Was war nur los mit ihm? Was hatte dieser Zauber noch alles f\u00fcr Wirkungen? Sie drehte sich zu ihm, beugte sich aus ihrem Schneidersitz vor, bis sie auf allen Vieren krabbeln konnte und kroch so auf ihn zu, was ihm schlagartig bewusst machte, dass sie einen wundervollen K\u00f6rperbau hatte, auf den er gerade einen guten Blick bekam. Vor ihm stoppte sie allerdings nicht, sondern krabbelte weiter, als er zur\u00fcckwich, was darin endete, dass er nach hinten umkippte und sie \u00fcber ihm kniete. Sie schaute ihn einen Moment lang an, und ihr Blick lag irgendwo zwischen Scheu und Begierde. Er schlo\u00df die Augen, sp\u00fcrte seine eigene Erregung zu stark, die Erinnerung an seinen Traum vermischte sich mit dem Bild, dass sie eben geboten hatte. Nach einem Moment der Stille h\u00f6rte er sie seufzen und wollte gerade die Augen wieder \u00f6ffnen, als ihre Lippen sanft seine ber\u00fchrten. \u00dcberrascht erwiderte er den Kuss. Was ging in ihr vor? Diese Wechsel zwischen Verletzlichkeit und N\u00e4herkommen verstand er nicht. Seine H\u00e4nde glitten \u00fcber ihre Taille und es kostete ihn M\u00fche, sie nicht weiter gleiten zu lassen. Seine Hose spannte so sehr, dass er bef\u00fcrchtete, sie w\u00fcrde es bemerken, wenn sie sich nur ein ganz wenig bewegte. Begierde stritt sich mit dem Wunsch, sie nicht zu verletzen, und letzendlich war es die Tatsache, dass sie den Kuss beendete und sich neben ihn fallen lie\u00df, die ihn davor bewahrte, der Begierde zu sehr nachzugeben. Oh, verdammt, er wollte dieses kleine wilde Eichh\u00f6rnchen wirklich mehr, als er sich bei irgendeiner anderen Frau erinnern konnte. Diese Mischung aus Scheu und Begierde, diese Unerreichbarkeit und Nahbarkeit, diese Fremdheit, die sich doch so vertraut anf\u00fchlte&nbsp;&#8211; er w\u00fcnschte sich wirklich, er k\u00f6nnte derjenige sein, mit dem sie mehr Erfahrungen machen wollte. Sie w\u00fcrde sicher noch Zeit brauchen, vom K\u00fcssen zu mehr zu wollen, besonders nach ihren Vorerfahrungen, aber dennoch&#8230; Wer auch immer dieses Gl\u00fcck in ein paar Jahren haben mochte, von ihr ins Bett gebeten zu werden, Mitras beneidete ihn jetzt schon.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kira hatte das Gef\u00fchl, unglaublich m\u00fcde zu sein. Dieser Tag jagte sie durch die H\u00f6hen und Tiefen der Emotionen als s\u00e4\u00dfe sie auf einem buckelnden Hengst. Die Freude, zum Convent zu d\u00fcrfen, der Neid, dass Mitras die andere Frau gek\u00fcsst hatte, das nette Gespr\u00e4ch mit seinen Freunden, der Schock \u00fcber das, was der Schulleiter gesagt hatte, dann der Kuss im Wagen und anschlie\u00dfend die Reue \u00fcber ihren Zauber. Und nun sagte er ihr, dass er keine Partnerin brauchte, nur eine, wie sollte man das nennen, eine Bettgespielin. Offenbar war die Verwandtschaft zu seiner so rasch von Heirat sprechenden Schwester nicht besonders merkbar. Auf der anderen Seite sorgte er sich, sie zu verletzten, und er hatte ja auch angedeutet, dass gerade ihre K\u00fcsse etwas waren, was er brauchte. Alles in ihr stritt zwischen Freude und Verzweiflung, und als sie ihn ansah, war da noch etwas anderes, der Wunsch, ihn zu k\u00fcssen, in diesem Kuss zu versinken und alle die anderen Gedanken beiseite schieben zu k\u00f6nnen wie in der Kutsche. Sie wusste nicht recht, warum und wie, aber als sie ihn umwarf, f\u00fchlte es sich richtig an, als w\u00fcrde sie einem Sog nachgeben, aufh\u00f6ren, dagegen anzuk\u00e4mpfen. Sie sah ihn an, wie er mit geschlossenen Augen unter ihr lag, k\u00e4mpfte einen Moment mit sich. Wenn sie ihn jetzt k\u00fcsste, w\u00e4re sie dann nicht soetwas wie seine Gespielin? Wollte sie das sein? War es nicht genau das, was sie nie sein wollte &#8211; ein Mittel, mit dem ein Mann seine Gel\u00fcste befriedigen konnte? Sie sp\u00fcrte, wie er unter ihr zitterte, sich beherrschte, sah das Zucken in seiner Hand, mit der er sie fassen wollte, und es doch nicht tat. Nein, dieser Mann meinte, was er gesagt hatte, er w\u00fcrde nie etwas tun, was sie nicht wollte. Und gerade wollte sie diesen Kuss, um sich selbst besser zu f\u00fchlen. Sie seufzte und k\u00fcsste ihn. Half eh nichts, gegen die eigenen Begierden anzuk\u00e4mpfen, insbesondere nun, da sie wusste, dass es ihn nicht st\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zufriedener lie\u00df sie sich danach zur Seite gleiten. Sinnend lag sie neben ihm, sp\u00fcrte die Hitze seinen K\u00f6rpers. War es dass, was eine selbstbewusste Frau ausmachte? Nicht die sexuelle Ber\u00fchrung abzulehnen, sondern sie gezielt und nach eigenen W\u00fcnschen auszuw\u00e4hlen? Nicht die eigene Herkunft, das eigene Aussehen zu leugnen, sondern sie zu ergr\u00fcnden, zu nutzen und zu verstehen &#8211; als eine Gabe? Sanft zog sie sich etwas Magie aus dem Boden, um der M\u00fcdigkeit entgegen zu wirken. &#8222;Du bedr\u00e4ngst mich nicht. Ich hatte eher Sorge, dass ich dich bedr\u00e4nge, wenn ich dich um einen Kuss bitte.&#8220; Mitras sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Tust du nicht.&#8220; Seine Stimme klang etwas rau. Die Magie half nicht wirklich, ihr Kopf f\u00fchlte sich unglaublich m\u00fcde an. Sie rappelte sich auf. &#8222;Das ist gut. Und es tut mir wirklich leid, versehentlich ein wenig zu viel gezaubert zu haben. Gehen wir jetzt schlafen?&#8220; Mitras richtete sich mit einen St\u00f6hnen ebenfalls auf. &#8222;Ja, das ist vermutlich die beste Idee. Mach dir keine Vorw\u00fcrfe. Alles ist gut zwischen uns, nicht wahr?&#8220; Sie nickte ernst, sp\u00fcrte aber auch, wie es ihr leicht ums Herz wurde. &#8222;Ja, alles gut.&#8220; N\u00e4chste Woche w\u00fcrde Sebastian ihr Tipps geben, wie sie Mitras verf\u00fchren konnte. Und dann w\u00fcrde sie wissen, wie es war, selbstbestimmt auf einen Mann zuzugehen. Als sie eine kleine Weile sp\u00e4ter im Bett lag, stellte sie erstaunt fest, dass sie dieser Gedanke sogar mit Vorfreude erf\u00fcllte. Johann hatte sie nicht anfassen d\u00fcrfen und sie hatte sich gewehrt. Mitras durfte sie anfassen und sie hatte sich den Kuss eben geholt. Sie bestimmte, was geschah, sie war m\u00e4chtig genug daf\u00fcr &#8211; und das war die Gabe, die ihr niemand, auch ein Schulleiter nicht, nehmen konnte. Etwas in ihr zog ein wenig, f\u00fchlte sich an, als w\u00fcrde eine Blockade sich l\u00f6sen, Dinge an die richtige Stelle r\u00fccken. Doch ehe sie weiter dar\u00fcber nachdenken konnte, schlief sie bereits.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz bevor sie zu Hause ankamen, wurde Mitras etwas bewusst. Er hatte damals gar nicht die Zeit gehabt eine neue Charge f\u00fcr die Schule zu fertigen. Tats\u00e4chlich hatte er das immer noch nicht geschafft, lediglich das Venarium war fertig. Aber die zwei Chargen f\u00fcr die Schule kamen aus der gleichen Fertigung. Wenn di Camino also [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-182","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch-3"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=182"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/182\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":183,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/182\/revisions\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=182"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}