{"id":37,"date":"2024-04-15T00:16:24","date_gmt":"2024-04-15T00:16:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=37"},"modified":"2024-11-15T15:09:25","modified_gmt":"2024-11-15T15:09:25","slug":"plaene-7-lunet-uldumstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/04\/15\/plaene-7-lunet-uldumstag\/","title":{"rendered":"Pl\u00e4ne &#8211; 7. Lunet (Uldumstag)"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Nachdem Abigail mit Kira aufgebrochen war, legte sich Mitras noch einmal f\u00fcr drei Stunden hin, wie er es nach jeder Generatorladung tat. Etwas erholter wechselte er in seine Laborkleidung. Gestern Vormittag hatte er eine ihm unbekannte Variante eines alten Rammbockzaubers gefunden. Es ging um eine simple Vor- und Zur\u00fcck-Bewegung, mit der ein gro\u00dfer Holzklotz, der zus\u00e4tzlich in Schwebe gehalten wurde, gegen ein Tor geschmettert werden sollte. Die Frequenz der Bewegung war perfekt und der Anleitung nach ben\u00f6tigte der Zauber nur wenig Energie, um aufrecht gehalten zu werden. Selbst wenn die Zauberdauer nicht verl\u00e4ngert werden konnte, so hoffte er mit dieser Formel die n\u00f6tige Energiemenge zu reduzieren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er ging in den Keller hinunter und wandte sich dem Regal am Fu\u00df der Treppe zu. Die Geheimt\u00fcr war sowohl magisch als auch antimagisch durch ein Eisenschloss gesichert. F\u00fcr die magische Sicherung musste ein bestimmter Stein exakt durch einen wohldosierten magischen Sto\u00df bewegt werden, w\u00e4hrend das Eisenschloss erst durch den Tritt auf eine bestimmte Fliese am Boden unter dem Schrank entsichert werden musste.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nachdem er den magischen Teil des Schlosses gel\u00f6st hatte, trat er auf die Fliese, woraufhin ein falscher Stein aufsprang und das eigentliche Schloss enttarnte. Mitras liebte dieses kleine, komplizierte St\u00fcck Mechanik. Es war eines von mehreren Trickschl\u00f6ssern und Mechaniken, die ein versierter Schlosser eingebaut hatte. Der Mann war ihm von Titus vermittelt worden. Dieser schien f\u00fcr alles einen Experten aus dem Hut zaubern zu k\u00f6nnen. Er nahm den Schl\u00fcssel aus der Robentasche, \u00f6ffnete die T\u00fcr und trat in sein zweites, geheimes Labor. Er schloss die T\u00fcr hinter sich und sah sich zur Sicherheit noch einmal um, eine Bewegung, die ihm schon zur Gewohnheit geworden war, seitdem sein Erfolg die ersten Neider auf den Plan gerufen hatte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Vom Schnitt her war das Labor eine Kopie des Labors im ersten Stock. In der kurzen Seite des Raumes standen zwei Versuchsgeneratoren. Beide waren Attrappen. Es ging nur darum die L\u00e4nge des Zaubers zu bestimmen. Dieser Testbereich wurde durch ein magisch verst\u00e4rktes Netz vom Rest des Raumes getrennt. Das Netz sollte den Testzylinder auffangen, sollte dieser au\u00dfer Kontrolle geraten. Um beide Versuchsaufbauten waren wieder eine Reihe von magischen Messger\u00e4ten aufgebaut. Da es sich um Langzeitversuche handelte, sollten sie lediglich Anomalien aufzeichnen und im schlimmsten Fall Alarm schlagen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Gegen\u00fcber der Versuchsaufbauten stand sein Schreibtisch. Entlang der Wand zwischen Netz und Schreibtisch hatte er einen weiteren Schrank mit Utensilien und Proben. In einen Teil des Schranks war eine T\u00fcr in den weiteren Kellerbereich eingebaut. Auch diese T\u00fcr war nicht offensichtlich, sondern durch ein kompliziertes nichtmagisches Schloss verborgen. Hinter ihr lag sein wichtigster Besitz, der Zugang zu einer Leylinie. Sie erm\u00f6glichte ihm \u00fcberhaupt mehr als nur eine Handvoll Elektrum herzustellen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Tats\u00e4chlich war der Keller deutlich gr\u00f6\u00dfer. Unter dem Wintergarten ging ein Tunnel zum Ger\u00e4tehaus. Dieses und auch das Haus seiner Bediensteten waren vollunterkellert. Ein Gro\u00dfteil des Kellers unter den Geb\u00e4uden wurde von der Elektrumschmiede und dem Materiallager eingenommen. Dort stellte er neue Zylinder her, wann immer er einen zum Verkauf oder f\u00fcr die Generatoren ben\u00f6tigte. Der Prozess war aufwendig und dauerte mehrere Wochen, aber der Gewinn aus einem einzelnen Zylinder finanzierte seinen Lebenswandel, seine Bediensteten und seine Experimente, der teuerste Teil seiner Ausgaben, f\u00fcr eine ganze Weile.<\/em> <em>Zur Tarnung hatte er einen Teil des Kellers des Bedienstetenhauses von seinem Labor abgetrennt. Abigail nutze diesen Raum als Vorratskeller und ohne schweres Ger\u00e4t war es nicht m\u00f6glich,<\/em><em>von dort ins Labor zu kommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Schmiede war am tiefsten Punkt des Kellers untergebracht, um so dicht an der Linie zu sein wie nur m\u00f6glich. Leylinien waren keine Seltenheit, aber es war schon Gl\u00fcck, dass hier eine entlang lief, die relativ weit nach oben reichte. Normalerweise verliefen die Linien tief in der Erde und nur an Punkten an denen sich zwei oder gleich mehrere kreutzen, erzeugten sie eine Art Wirbel, der die magischen Str\u00f6me an der Oberfl\u00e4che verst\u00e4rkte. An einfachen Kreuzungen f\u00fchrte das in der Regel zu einer H\u00e4ufung magischer Flora und vermehrten Aufkommen von Naturgeistern. Waren es mehr als zwei Linien, waren die Effekte schon deutlicher. An den seltenen Sternen, Orten an denen sich vier Linien deckend kreutzen, war die Magie so stark, dass sogar nichtmagische sie deutlich wahrnehmen konnten. In ganz Albion gab es aber nur einen&nbsp;solchen Ort, das Heiligtum Savora. Der Gipfel war so von Magie durchdrungen, dass die Naturgesetze dort anders zu funktionieren schienen. Direkt im&nbsp;obersten Bereich gab es sogar Felsbrocken, die st\u00e4ndig \u00fcber dem Boden schwebten, au\u00dferdem wuchsen dort zahlreiche magische Pflanzen. Die Pr\u00e4senz der Geister war allgegenw\u00e4rtig. Selbst einem erfahrenen Magier kam dieser Ort absolut surreal vor und selbst ein erfahrener Priester betrat diese Region nur selten. Der Tempel, indem man den Geistern und dem Berg huldigte, lag ein ganzes St\u00fcck tiefer, und auch dort konnte man ein verst\u00e4rktes Magiewirken, besonders f\u00fcr Elementarzauber des Windes, bemerken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine Linie zur Verst\u00e4rkung zu nutzen lohnte sich normalerweise nicht. Der Magiefluss wurde nur im direkten Umfeld der Bahn verst\u00e4rkt und da die Linien tief in der Erde lagen, war der Aufwand meist zu gro\u00df. F\u00fcr Mitras aber war er notwendig, da er selbst nur begrenzt zum wirken von Elementarzaubern f\u00e4hig war. Erst die St\u00e4rke der Linie erm\u00f6glichte es ihm, die Zauber zu wirken, die n\u00f6tig waren, um das Venarium, einen Grundbestandteil des Elektrums, zu erzeugen, zumindest mehr als einige Gramm. Auch das Legieren erforderte Magie. Keine Kohle brannte hei\u00df genug und auch sonst wusste er keine andere Quelle. Er war schon kurz davor gewesen die Di Ferrus um Hilfe zu bitten, aber auch wenn er ihnen vertraute, wollte er dieses Risiko nur ungern eingehen. Zu wichtig war die Freundschaft, als dass er sie durch eine solche Abh\u00e4ngigkeit belasten wollte. Er vertraute sich selbst einfach nicht genug. Aber dann fand er dieses Grundst\u00fcck und sp\u00fcrte eine leichte Schwankung im magischen Flu\u00df. Die Leylinie war auf Karten eingezeichnet, aber anscheinend hatte bisher niemand bemerkt, dass sie hier der Oberfl\u00e4che sehr nah kam. Mitras verbrauchte damals fast alle seine finanziellen Reserven um das Grundst\u00fcck zu erwerben und das Anwesen zu bauen, aber nun hatte er einen Ort, wo er das Elektrum allein erzeugen konnte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Bevor er sich an die neue Variante machen konnte, musste er sich erst einmal um den noch laufenden Versuch k\u00fcmmern. Bevor Kira eingetroffen war, hatte er ihn bereits gestartet. Dieser nahm die Idee mit dem Rammbockzauber noch nicht auf &#8211; vielmehr handelte es sich um den letzten Versuch einer anderen Idee, die er nun seit Wochen erfolglos verfolgte. Er hatte vor zwei Monaten entdeckt, dass das Elektrum Magie auf unterschiedliche Weisen und vor allem in unterschiedlichen Dichten aufnehmen konnte. Normalerweise wurde die kanalisierte Magie im Zuge einer Formel systematisch \u00fcbertragen, aber vor zwei Monaten war er f\u00fcr einen Moment unkonzentriert gewesen und brachte eine St\u00f6rung in den Fluss der Magie. Dies f\u00fchrte zu einer Ver\u00e4nderung der Dichte der Magie im Zylinder. In der Folge untersuchte er das Ph\u00e4nomen ausf\u00fchrlich und entdeckte diverse neue Eigenschaften des Elektrums. W\u00e4hrend die meisten magischen Artefakte die Energie einfach aufnahmen und dann von ihr gleichm\u00e4\u00dfig erf\u00fcllt waren, konnte die Energie im Elektrum in einen Fluss versetzt werden, was sich positiv auf Telekinesezauber auswirkte. Auch konnte mehr Energie im Zylinder untergebracht werden, solange sie in Bewegung war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Doch der Strom der Magie f\u00fchrte auch dazu, dass sie ungleichm\u00e4\u00dfig verbraucht wurde, was dazu f\u00fchrte, dass die Bewegung des Zylinders durch den Telekinesezauber verzerrt wurde. Theoretisch h\u00e4tte das mehr an Energie die Wirkdauer auf bis zu eine Woche verl\u00e4ngern sollen, aber bisher endeten alle Konfigurationen nach sp\u00e4testens drei Tagen fatal. Immerhin hatte er herausgefunden, dass sich schon deutlich fr\u00fcher eine Ver\u00e4nderung in der Aura des Zylinders abzeichnete, so dass er nun viel fr\u00fcher, und vor allem vor einem au\u00dfer Kontrolle Geraten, feststellen konnte, ob alles stimmte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und auch dieses Mal gab es wieder Anomalien. Tats\u00e4chlich w\u00fcrden sie nun sogar deutlich schneller zum Kontrollverlust f\u00fchren. W\u00e4re er zwei Stunden sp\u00e4ter gekommen, h\u00e4tte es bereits zu sp\u00e4t sein k\u00f6nnen. Frustriert beendete er den Versuch. Eine weitere Eigenschaft war es, dass sich Elektrum unglaublich leicht erden lie\u00df. Ein einfacher Magie Aufheben Spruch reichte aus, um jede beliebige Ladung zu entfernen, ohne dabei die Eigenschaften des Materials zu beeinflussen. Der einzige Haken an der Sache war, dass der Zauber dazu durch physischen Kontakt \u00fcbertragen werden musste. Mitras hatte dazu eine einfache Vorrichtung aus Eisen eingebaut, die auf Knopfdruck gegen den Zylinder stie\u00df. Der Kontakt mit dem Eisen sorgte daf\u00fcr, dass der Zauber neutralisiert wurde, was zur Folge hatte, dass die magische Bewegung sofort mit einem Knall beendet wurde.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er \u00fcberpr\u00fcfte die magischen Detektoren und wertete sie aus. Tief versunken in die n\u00f6tigen Hellsichtszauber der Ger\u00e4te sah er wie sich der Zauber entfaltete und wirkte. Die verr\u00e4terischen Schwankungen setzten relativ schnell ein. Erst schwach wurden sie schnell deutlicher. Damit war die gesamte Versuchsreihe gescheitert. Es war ihm nicht gelungen, den Fluss der Magie irgendwie auszunutzen. Frustriert l\u00f6ste sich Mitras aus der Magie und setzte sich an seinen Schreibtisch. Er notierte kurz alles n\u00f6tige und begann dann den n\u00e4chsten Versuchsaufbau zu planen. Er merkte jedoch schnell, dass er zu unkonzentriert war. Die n\u00e4chtliche Meditation und der R\u00fcckschlag hatten ihn zu sehr ausgezehrt und so lie\u00df er die Arbeit bald sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er verlie\u00df das Labor und begab sich ins Bad, um sich kurz frisch zu machen. Auf dem Weg dorthin machte er einen kurzen Zwischenstopp, um bei William ein Mittagessen zu ordern. Nur ein paar Brote, die er dann in seinem Labor essen konnte. William deutete seine Miene richtig und fragte gar nicht erst nach den neuesten Ergebnissen. Aber nachdem Mitras sich im Bad etwas Zeit gelassen hatte und auch noch einmal die Toilette nutzte, hatte William ihm ein Tablett voller K\u00f6stlichkeiten gezaubert. Auf einem Teller waren drei dicke Scheiben stark mit K\u00f6rnern durchsetztes Vollkornbrot, dass er so gerne a\u00df, mit Butter bestrichen und mit einer kr\u00e4ftigen Fleischwurst belegt. Dazu gab es eine Tasse mit seinem Lieblingstee, dampfend hei\u00df. Abgerundet wurde die Mahlzeit von einer Schale mit Quark und Fr\u00fcchten. Mitras dankte seinen Freund und begab sich mit dem Tablett nach oben in sein Gemach. Er stellte es auf den kleinen Beistelltisch ab und nippte vorsichtig am Tee. Dieser war gerade so weit abgek\u00fchlt, dass er die richtige Temperatur hatte. Im Geiste dankte er wieder einmal dem Alchemisten Gregorius Grey, der auf die Idee gekommen war, seinen schwarzen Tee mit dieser Frucht zu behandeln. Schwarzer Tee war schon ein Genuss, aber die allgemein nur noch Gregorius Grey Tee genannte Mischung aus Tee und dem \u00d6l der Bergamotte war f\u00fcr ihn die&nbsp;vollkommene Gaumenfreude.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras ordnete seine Gedanken wieder. Es war fast 15 Uhr und er musste sich noch Gedanken um Kiras Lehrplan machen. Sie hatte eine gewisse Bildung genossen, aber er konnte nicht einsch\u00e4tzen, wie weit sie schon war. Am besten w\u00e4re es, sich erst einmal einen \u00dcberblick zu verschaffen. Er hatte ihr f\u00fcr den Anfang acht B\u00fccher ins Zimmer gestellt, die alle relevanten Bereiche wie Philosophie, Mathematik, Geografie, Geschichte, Politik, Biologie, Physik und die wichtigsten Grundlagenwerke der Magie abdeckten. Eine umfassende Pr\u00fcfung \u00fcber alle diese Bereiche zu erstellen, w\u00e4re vermutlich sinnvoll gewesen, aber das war doch ziemlich aufwendig. Er \u00fcberlegte sich, dass sie sich die n\u00e4chsten acht Tage in jedes der Werke einlesen solle, erst mal nur das erste Kapitel, um dann Abends einen kurzen Bericht wiederzugeben. Dann k\u00f6nnte er sie in einem Lehrgespr\u00e4ch mit weiteren Fragen konfrontieren und schauen, was sie von sich aus erg\u00e4nzte. So w\u00fcrde er bald absch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wie schnell sie das Wissen aufnahm und wie viel sie schon von dem jeweiligen Thema wusste. Danach w\u00fcrde es Zeit werden, mit dem praktischen Teil ihrer Ausbildung zu beginnen. In den &#8222;Grundlagen der Erstlingszauber&#8220; waren alle n\u00f6tigen Anleitungen, um das Kanalisieren zu erlernen. Bei ihrem Potential sollte es ihr nicht schwer fallen, Magie zu sch\u00f6pfen und zu halten. Nach dem \u00dcberblick w\u00fcrde ihre erste Aufgabe dann also sein, die n\u00f6tigen Kapitel zu lesen und dann unter Anleitung das Gelesene umzusetzen. Nach den Fehlschl\u00e4gen der letzten Wochen war eine Ablenkung auch f\u00fcr ihn nicht verkehrt. Er merkte langsam, wie sich der Frust \u00fcber die wiederholten Fehlschl\u00e4ge in sein Gem\u00fct eingruben, und das war nicht gut. Er brauchte Erfolgserlebnisse oder zumindest eine Ablenkung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Zeit w\u00e4hrend ihrer ersten Unterweisung im Kanalisieren w\u00fcrde er dann nutzen, um anhand der Auswertung der n\u00e4chsten acht Tage den weiteren Lehrplan zu erarbeiten. Bei diesem Gedanken kam ihm in den Sinn, dass er sie ja nicht die ganze Zeit durcharbeiten lassen k\u00f6nne. Mindestens einen Tag Ruhe in der Woche musste er ihr schon einr\u00e4umen, sonst w\u00fcrde sie ihm irgendwann einfach umkippen. Er beschloss, dass sie einen komplett freien Tag haben sollte, sinnvollerweise Silenz, und einen Tag an dem sie nach Wahl nur drei Stunden lernen sollte. Welcher Tag das sein w\u00fcrde, wollte er nachher mit ihr diskutieren. Ihm war es relativ egal, er w\u00fcrde Uldumstag vorschlagen, aber sie konnte sich ja die Woche so einteilen, wie es ihr am besten passte.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u200bIm Hausflur wurde es unruhig und er blickte zur Uhr auf. Es war kurz nach 17 Uhr, was hie\u00df, dass Abigail und Kira zur\u00fcck sein mussten. Er stand auf und ging runter, um die beiden zu begr\u00fc\u00dfen. Auf der vorletzten Treppenstufe blieb er stehen und betrachtete die beiden. Sie hatten diverse Taschen in den H\u00e4nden, die ihnen gerade von Tobey abgenommen wurden, damit sie ihre M\u00e4ntel ablegen konnten. Kira trug nun ein gr\u00fcnes Kleid, dass eng am Oberk\u00f6rper anlag und so modisch ihre Oberweite ebenso wie ihre schlanke Taille betonte. Es hatte Kn\u00f6pfe aus Horn und einen bauschigen Rock, der ihr Ges\u00e4\u00df hervor hob und Mitras kurz dar\u00fcber nachdenken lie\u00df, dass sie ja auch ohne Rock dort sch\u00f6ne Rundungen hatte, ehe er diesen Gedanken rasch beiseite schob. Diese aufgebauschten R\u00f6cke waren bestimmt genau deshalb in Mode gekommen, um solche Gedanken zu befeuern. Sie sah m\u00fcde aus, einige ihrer Haare hatten sich aus der Frisur gel\u00f6st und hingen ihr ins Gesicht. &#8222;Wie ich sehe, habe ich meine Sch\u00fclerin zu ihrem Einstand mit Geschenken \u00fcberh\u00e4uft!&#8220; witzelte er, was Kira sofort err\u00f6ten lie\u00df. &#8222;Ach, nun h\u00f6r schon auf, du machst das arme Kindchen ja ganz verlegen.&#8220; scholt ihn Abigail. &#8222;Und im \u00dcbrigen, dass sind nur die Sachen, die wir direkt mitgenommen haben. Den Rest habe ich liefern lassen. Morgen werden ein paar Ballen Stoffe und noch weiteres N\u00e4hzubeh\u00f6r eintreffen.&#8220; Mitras lachte und erwiderte schmunzelnd: &#8222;In Ordnung, f\u00fcr meine erste Sch\u00fclerin nur das Beste, schlie\u00dflich haben wir ja einen Ruf zu wahren.&#8220; Er wandte sich an Kira: &#8222;Sie haben bis 18 Uhr, um ihre neuen Sch\u00e4tze zu verstauen und sich kurz von der Stadt zu erholen, dann besprechen wir im Labor ihre weitere Ausbildung, bevor es dann um 19 Uhr Essen gibt.&#8220; Noch immer tiefrot, nickte sie. &#8222;Ja, Magister.&#8220; &#8222;Gut, dann bis sp\u00e4ter, ich bin in meinem Zimmer, sollte etwas sein, und sammle Sie dann ein.&#8220; Er machte kehrt, zog sich wieder in sein Zimmer zur\u00fcck und lie\u00df den Trubel unten hinter sich. Es lohnte sich nicht, nun noch etwas Neues anzufangen und \u00fcber die Ausbildung hatte er sich erst einmal gen\u00fcgend Gedanken gemacht. Er griff sich also das Buch, das er derzeit las und geno\u00df es sich noch eine Weile darin zu verlieren. Das Werk der Schriftstellerin&nbsp;Maria Godwin faszinierte ihn. Darin beschrieb sie, wie ein Magier versuchte, einen unbelebten K\u00f6rper mithilfe von Magie&nbsp;zu erwecken und so neues Leben zu erschaffen. Ein entsetzlicher, aber auch faszinierender Gedanke. \u00dcber das Lesen verga\u00df er beinahe die Zeit und stellte fest, dass es schon kurz vor 18 Uhr war, als er aufblickte. Er steckte ein Lesezeichen in das Buch und legte es auf den Nachttisch, um es sp\u00e4ter weiterzulesen. Dann schritt er aus seinen Gem\u00e4chern hinaus und klopfte an Kiras T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie schien schon gewartet zu haben, da sie fast augenblicklich \u00f6ffnete. &#8222;Gut, kommen Sie mit.&#8220; Er schnippste einmal, um Abigails Gl\u00f6ckchen anzuschlagen, und wartete kurz an der Galerie, bis sie unten erschien. &#8222;Abby, w\u00e4rst du bitte so gut uns zwei Tassen Tee ins Labor zu bringen? Danke.&#8220; Sie nickte und verschwand sofort wieder Richtung K\u00fcche. Er \u00f6ffnete derweil das Labor und bat Kira hinein. &#8222;Setzen Sie sich.&#8220; Er wartete kurz, bis sie sich auf den Stuhl an ihrem Schreibtisch niedergelassen hatte, und setze sich dann auf seinen Stuhl. Beides waren neue Drehst\u00fchle, wie sie mittlerweile sehr gerne von allen Arten von Kanzleien und sonstigen Verwaltungsinstitutionen verwendet wurden. Mitras empfand diese neumodischen St\u00fchle als sehr praktisch. Man konnte sich auf ihnen vom Tisch wegdrehen, ohne gro\u00df hin und her r\u00fccken zu m\u00fcssen. Es war nur eine weitere mechanische Spielerei, aber er war faziniert von allen Arten von Ger\u00e4ten, vom einfachen Drehstuhl bis hin zum komplizierten elektrischen Generator.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er drehte sich zu ihr hin und wies auf ihren Tisch. &#8222;Auch wenn Sie noch nicht viel Zeit hier verbringen werden, das Schreibmaterial ist f\u00fcr Sie. In ihrem Zimmer werden sie in der Schublade ihres Schreibtisches noch mehr finden. Sie sollten sich nun ein paar Notizen anfertigen, w\u00e4hrend ich Ihnen den Ablauf der n\u00e4chsten Wochen erkl\u00e4re.&#8220;&nbsp;Mit \u00fcberschlagenen Beinen sa\u00df er ihr nun gegen\u00fcber, w\u00e4hrend sie sich dem Schreibtisch zuwandte und sich ein Blatt und einen der Stifte nahm. &#8222;Ich habe Sie mit einigen B\u00fcchern zur allgemeinen Bildung und f\u00fcr die Grundlagen der Magie ausgestattet. Die B\u00fccher geh\u00f6ren von nun an Ihnen.&#8220;, fing er an und machte eine kurze Pause, damit sie dieses erneute, eigentlich doch kleine, Geschenk verdauen konnte. Ihre Emotionen &#8211; Scham, Freude, Unbehagen &#8211; waren erfrischend einfach an ihrer Miene ablesbar. Ihr Unbehagen Geschenken gegen\u00fcber lie\u00df seinen Entschluss, ihre famili\u00e4ren Umst\u00e4nde bei Gelegenheit genauer zu beleuchten, festigen. F\u00fcrs Erste belie\u00df er es nun aber dabei, freundlich zu sein und sie zu beobachten. Was auch immer f\u00fcr eine Geschichte dahinter stand, sie selbst schien ohne b\u00f6se Absichten zu sein, und er w\u00fcrde sich von Angriffen von au\u00dfen auch nicht treffen lassen. Da hatte er ja schon ganz andere Versuche gesehen, ihm zu schaden. &#8222;Ihre erste Aufgabe wird es sein, sich je Tag in eines der B\u00fccher einzulesen. Ich erwarte nicht, dass Sie die B\u00fccher komplett lesen. Erfassen Sie wovon das Buch handelt, lesen Sie erste Abs\u00e4tze der Ihnen am interessantesten erscheinenden Kapitel und fassen sie bis zum Abend kurz zusammen, worum es geht und erg\u00e4nzen Sie, wo Sie k\u00f6nnen, das Behandelte mit ihrem eigenen Wissen. Das wird kein Test, es geht mir vielmehr darum herauszufinden, wo Sie stehen, damit ich wei\u00df, was noch weiter geschult werden muss und wo sie bereits eine gewisse Wissensbasis besitzen.&#8220; endete er und wartete ihre Antwort ab. &#8222;Ja, Magister. Mit welchem der B\u00fccher soll ich anfangen?&#8220; entgegnete sie. Er gab ihr die Reihenfolge vor und erg\u00e4nzte: &#8222;Ich erwarte nicht, dass Sie die vollen sechs Wochentage durcharbeiten. Silenz tr\u00e4gt seinen Namen nicht nur so. An diesem Tag steht es Ihnen frei, Ihre Zeit zu nutzen, wie es Ihnen passt. Sollten Sie Schach oder Dame spielen, wird sich William sicher zu einer Partie \u00fcberreden lassen, er liebt beide Spiele \u00fcber alles. Sobald Sie ihre erste Aufgabe erledigt haben, werden wir mit magischen \u00dcbungen beginnen. Diese werden au\u00dfer am Silenz jeden Tag stattfinden und circa drei Stunden dauern. An vier Nachmittagen werden sie genauso viele Stunden jeweils mit lernen verbringen. Sie k\u00f6nnen sich aussuchen, an welchen der f\u00fcnf Tage Sie mit dem lernen pausieren m\u00f6chten. Sie werden mit Hilfe der B\u00fccher im Selbststudium lernen und ich werde Sie dann jeden Abend zwischen 18 und 19 Uhr abfragen. Wenn Sie es w\u00fcnschen, k\u00f6nnen wir dieses Treffen auch an Ihrem kurzen Tag durchf\u00fchren, damit Sie einen festen Termin haben, an dem Sie mit mir alle weiteren Fragen er\u00f6rtern k\u00f6nnen. Heute ist Uldumstag, Sie haben also mit Ingasttag und Schengstag in dieser Woche noch zwei Tage, an denen Sie arbeiten werden.&#8220; er pausierte kurz und sah sie aufmerksam an. Sie hatte sich w\u00e4hrend seines ganzen Vortrages flei\u00dfig Notizen gemacht. Nun klopfte es an der T\u00fcr und er bat Abigail mit dem Tee herein. &#8222;Entschuldigt ihr zwei, es hat ein Weilchen gedauert, da William gerade kein hei\u00dfes Wasser aufgesetzt hatte. Ich habe euch eine Fr\u00fcchtemischung aufgekocht, genau richtig bei dem Wetter drau\u00dfen.&#8220; Mitras blickte bei diesen Worten um die Ecke zum Fenster hinaus und sah, dass es wieder zu schneien angefangen hatte. Es sah so aus, als wenn es drau\u00dfen richtig ungem\u00fctlich geworden war. &#8222;Ja, das sieht in der Tat richtig unbequem aus. Habt ihr es auch dr\u00fcben warm genug?&#8220; fragte er etwas besorgt. Er hatte zwar auch dort W\u00e4rmesteine verteilt, aber da das Haus im Gegensatz zum Hauptgeb\u00e4ude schon stand, als er das Grundst\u00fcck erwarb, war es nicht ann\u00e4hernd so gut ged\u00e4mmt. Die alte Villa war abgebrannt, was f\u00fcr seine Pl\u00e4ne sehr vorteilhaft war und es ihm erm\u00f6glichte ein sehr modernes und voll unterkellertes Geb\u00e4ude zu errichten. &#8222;Da mach dir mal keine Sorgen drum, wir haben es mit den Steinen schon warm genug und wenn nicht schmei\u00dfen wir den Kamin an.&#8220; entgegnete Abigail. &#8222;Gut.&#8220; erwiderte er, nicht ganz sicher, ob sie ihn nicht einfach nur beruhigen wollte. Er nahm sich vor, sie bei ihren Schneiderarbeiten die n\u00e4chsten Tage &#8218;zuf\u00e4llig&#8216; einmal zu besuchen, um sich die St\u00fccke anzusehen, und um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob es auch wirklich warm genug war. Abigail hatte derweil einen kleinen Beistelltisch mit R\u00e4dern aus der Ecke gezogen und das Tablett mit den Tassen darauf abgestellt. Nachdem sie den Tisch zwischen die beiden geschoben hatte, verabschiedete sie sich. Mitras nahm seine Tasse, trank einen tiefen Schluck und f\u00fchlte die angenehme W\u00e4rme durch seinen K\u00f6rper fahren. Es war zwar nicht k\u00fchl im Haus, aber nach dem Blick nach drau\u00dfen tat es doch besonders gut. Kira tat es ihm gleich und er setzte wieder an. &#8222;Gut, also es ist Ihnen \u00fcberlassen, welchen Tag Sie verk\u00fcrzen. Da wir mit den praktischen \u00dcbungen erst nach dem ersten Einlesen anfangen, hei\u00dft das, dass Sie n\u00e4chste Woche einen zus\u00e4tzlichen Tag frei haben. Sie k\u00f6nnten ja mit Abigail eine weitere Tour durch die Stadt machen. Es w\u00e4re nicht schlecht, wenn Sie lernen sich hier in Uldum zurecht zu finden, Abby wird Ihnen sicher gern behilflich sein. F\u00fcr n\u00e4chste und \u00fcbern\u00e4chste Woche m\u00f6chte ich, dass Sie Ihren freien, beziehungsweise Ihren kurzen Tag, auf den Uldumstag legen. Dann k\u00f6nnen wir direkt mit der ersten praktischen \u00dcbung beginnen und Sie haben danach Zeit sich davon zu erholen. Die erste \u00dcbung kann sehr aufw\u00fchlend sein.&#8220; warnte er sie. &#8222;Gut, fassen wir noch einmal zusammen. Morgen am Ingasttag beginnen Sie mit Geografie und Geschichte, am Schengstag folgt die Biologie magischer Wesen, dann am Silenz haben Sie frei. Am Mirastag n\u00e4chste Woche folgt dann die Politik und am Mafuristag Physik. Danach wird auch ein Tag Pause n\u00f6tig sein.&#8220; sagte er leise lachend. &#8222;N\u00e4chsten Ingastag folgt die Mathematik und darauf am Schengstag dann die Philosophie. Nach ihrem zweiten Silenz beginnen wir dann richtig mit der Magie, erst mit dem Grundlagenwerk und dann mit der \u00dcbersicht \u00fcber die wichtigsten Zauber. Am Uldumstag, Ihrem ersten kurzen Tag, werden wir dann abends den weiteren Lehrplan besprechen.&#8220; Er blickte wieder zu ihr und sah, dass sie ihr Notizblatt um eine passende Tabelle erg\u00e4nzt hatte. Er lie\u00df sie zu Ende schreiben und trank seinen Tee aus. &#8222;Haben Sie zu den n\u00e4chsten zehn Tagen noch irgendwelche Fragen?&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kira sa\u00df einen Moment lang still da und \u00fcberlegte. Sie hatte eigentlich eine Menge Fragen, etwa: Was mache ich an den restlichen Stunden des Tages? Wo und wie verbringt man denn als Magiesch\u00fclerin seine Freizeit in Uldum? Kann ich einfach rausgehen oder muss mich Abigail immer begleiten? Sie fragte: &#8222;Muss ich in Mathematik auch Aufgaben rechnen k\u00f6nnen?&#8220; Mitras schaute sie ein wenig kritisch an. &#8222;Selbstverst\u00e4ndlich. Was w\u00fcrde das sonst bringen? Rechnen und Konstruieren sind wesentliche Bestandteile.&#8220; Kira seufzte innerlich. Man musste ihr ihre mangelnde Begeisterung wohl angesehen haben, denn Mitras setzte an: &#8222;Mathematik ist eine Grundfeste der Magie. Durch sie k\u00f6nnen wir beobachten, manchmal sogar vorhersagen, wie sich die magischen Str\u00f6me verhalten werden und dieses Wissen hilft uns, Zauber akurat zu planen, zu optimieren und weiter zu entwickeln. Ohne ausreichende Planung kann ein neuer Zauber die innere Energie des Zaubernden zu schnell oder zu tief entladen, so dass entweder er sich oder der Umgebung schadet. Ohne Mathematik k\u00f6nnen wir Fehlschl\u00e4ge bei der Planung von Zaubern weniger gut nachvollziehen und erkl\u00e4ren.&#8220; Er hielt inne und schaute sie streng an. Kira senkte ein wenig zerknirscht den Kopf. &#8222;Mathe ist wichtig, habe ich verstanden. Ich bin nur leider nicht so gut darin.&#8220; &#8222;Das wird schon werden. Wir \u00e4ndern dann den Plan auch gleich etwas: Sie beginnen morgen mit Geschichte und Geografie, aber \u00fcbermorgen, am Schengstag, teilen Sie den Tag: Ein bisschen Mathematik, ein bisschen Biologie. Und das dann einfach an jedem Arbeitstag, immer ein bisschen Mathematik dazu, dann wird es schon nicht so schlimm. Daf\u00fcr k\u00f6nnen sie dann am n\u00e4chsten Ingas schon Philosophie lesen und am Schengstag bereits mit dem Buch zur Magiekunde anfangen, dann haben Sie mehr Zeit daf\u00fcr.&#8220;, beruhigte Mitras sie. &#8222;Magie ist ja vermutlich das, was sie eh am meisten interessiert, oder?&#8220; Kira nickte.&#8220; Haben Sie noch andere Fragen, zum Ablauf oder zur Planung etwa?&#8220; Kira sch\u00fcttelte den Kopf. Jeden Tag Mathematik klang gar nicht erfreulich, aber vielleicht hatte Mitras Recht, und es war einfacher, als sich einen ganzen Tag qu\u00e4len zu m\u00fcssen. Sie beschloss, ihre freie Zeit einfach mit Lesen und dem Wintergarten zu verbringen. Das konnte man wahrscheinlich sogar kombinieren. Und den halben freien Tag k\u00f6nnte sie ja in die Bibliothek gehen. &#8222;Mein kurzer Tag ist dann erstmal der Uldumstag. Und Silenz habe ich frei. Kann ich jederzeit rausgehen, oder muss ich eine Begleitung mitnehmen?&#8220; &#8222;Sie sind keine Gefangene!&#8220;, lachte Mitras. &#8222;Aber nehmen Sie dieses hier mit.&#8220; Er drehte sich mitsamt Stuhl&nbsp;zum Schreibtisch hinter sich, w\u00fchlte kurz in einer der Schubladen und holte ein Siegel wie das hervor, das auch Abigail in der Bibliothek genutzt hatte. &#8222;Damit k\u00f6nnen Sie sich ausweisen, dass Sie zu meinem Haushalt geh\u00f6ren. Sonst k\u00f6nnte das ja jeder Arbeiter aus den Docks mal eben schnell behaupten. Und ich empfehle, f\u00fcr den Anfang Abigail, Tobey oder William zu bitten, Sie zu begleiten. Ich w\u00fcrde ungern nach Ihnen suchen m\u00fcssen, ach ja, und seien Sie zum Abendessen zu Hause.&#8220; &#8222;Ja, Magister.&#8220; Kira nahm das Siegel. Mitras stand auf. &#8222;Dann wollen wir mal sehen, was William so f\u00fcr uns an Leckereien hat.&#8220; Kira sammelte ihre Bl\u00e4tter und das Siegel zusammen, legte die leeren Bl\u00e4tter und das Schreibzeug auf den Schreibtisch und folgte ihm auf die Galerie. &#8222;Ich bringe eben noch die Sachen in meinen Raum.&#8220; Mitras nickte. &#8222;Und wenn sie m\u00f6gen, ziehen Sie sich etwas schlichteres zum Essen an. Mit diesem Rock sitzt es sich doch vermutlich nicht so angenehm.&#8220; Kira lachte. Die neue Kleidung gab ihr schon seit dem Anziehen ein Hochgef\u00fchl, sie wollte sie auf keinen Fall mehr ausziehen. Alles hier gab ihr ein Hochgef\u00fchl, dieses Haus, die vielen Geschenke &#8211; sie war vermutlich die gl\u00fccklichste Discipula in Uldum, dachte sie, und strahlte Mitras an: &#8222;Aber es sieht so sch\u00f6n aus, Magister. Ich f\u00fchle mich so edel darin und so h\u00fcbsch!&#8220; Mitras nickte freundlich. &#8222;Es freut mich, dass Ihnen die Sachen gefallen. Es sieht in der Tat sehr viel eleganter aus. Wenn wir Besuch haben, k\u00f6nnen sie darin sicher das Haus gut repr\u00e4sentieren.&#8220; Kira f\u00fchlte, wie gut ihr die Best\u00e4tigung tat. Sie gluckste gl\u00fccklich in sich hinein, drehte sich um und stolzierte den Gang herunter, um ihre Materialien in ihren Raum zu bringen. Tobey hatte auch die Tasche mit dem Buch, den F\u00e4chern, Handschuhen und H\u00fcten und das rote Kleid in ihr Zimmer gebracht. Kira \u00fcberlegte kurz, ob sie das rote Kleid zum Abendessen anziehen sollte, aber dann merkte sie, dass sie ja bisher den gr\u00f6\u00dften Teil des Tages nur Kekse gegessen hatte, also steckte sie nur ihre Haare wieder richtig hoch und ging runter, um sich schneller dem Essen anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitras sa\u00df bereits am Tisch und unterhielt sich mit Tobey, der ihn wohl \u00fcber einige geplante Renovierungen am hinteren Haus informierte. Abigail deckte den Tisch und setzte sich dann an ihren Platz. William, der in der K\u00fcche gewesen war, kam gerade in den Raum, als Kira sich setzte. Er betrachtete sie von oben bis unten, pfiff dann anerkennend durch die Z\u00e4hne und sagte: &#8222;Naa, Mitras, du bist aber schon ein Gl\u00fcckspilz, eine so h\u00fcbsche junge Dame ausbilden zu d\u00fcrfen.&#8220; Kira grinste gl\u00fccklich und wurde rot, aber diesmal st\u00f6rte es sie gar nicht. Mitras lachte und mahnte dann: &#8222;Das kann sein, aber kannst du dich dann bitte auch daran erinnern, dass sie eine Dame ist? Iss sie nicht gleich mit den Augen auf.&#8220; William lachte schallend und legte den Arm um Kira, als er an ihr vorbei zu seinem Platz ging. &#8222;Ha, aber sie ist doch jetzt MEINE Lady, Mylord. Ich darf meine Herrschaften wohl loben und preisen, wie es mir gef\u00e4llt, nicht wahr, edler Herr?&#8220; Kira kicherte und auch Tobey und Abigail glucksten leise in sich hinein. Mitras verdrehte die Augen. &#8222;Lass die Finger von ihr und setz dich hin!&#8220; Er wandte sich an Kira. &#8222;Lassen Sie sich nicht alles von ihm gefallen. Er vergisst manchmal wirklich, welchen Stand er hat.&#8220; Kira verbiss sich das weitere Kichern und sagte schalkhaft: &#8222;Magister Mitras, seid unbesorgt. Ich werde mit meinen Angestellten g\u00fctig umgehen.&#8220; Abigail, William und Tobey prusteten nun vor Lachen, und William hob den rechten Daumen als Anerkennung f\u00fcr ihre Antwort. Kira strahlte. Dieser Haushalt war so lustig, und so warm und sie hatte so viele tolle Geschenke bekommen. Es schien ihr, als ob all das Gl\u00fcck, dass sie in den letzten Jahren vermisst hatte, mit einem Schlag auf sie einstr\u00f6mte, und sie hatte das Gef\u00fchl, beinahe \u00fcber dem Stuhl zu schweben. Mitras zog ein wenig belustigt die Augenbrauen hoch und schmunzelte. &#8222;Na, dann bin ich ja beruhigt.&#8220; Er wandte sich dem Tisch zu, auf dem auf einer Platte verschiedene kalte Brote und Pasteten standen und ein gro\u00dfer Topf mit einer klaren Suppe. &#8222;Dann w\u00fcnsche ich allen einen guten Appetit.&#8220; William brauchte noch eine Weile, sich vom Lachen zu erholen, und jedes Mal, wenn er noch etwas kicherte, gluckste auch Kira in sich hinein. Sein Lachen war einfach ansteckend, fand sie. Sie lie\u00df sich von Abigail Suppe geben und a\u00df mit gro\u00dfem Appetit, w\u00e4hrend Abigail neben dem Essen einigen Klatsch aus der Stadt erz\u00e4hlte, den sie wohl von Matthes, dem H\u00e4ndler, erfahren hatte, insbesondere wohl von der jungen Eismagierin mit den starken Verbrennungen. Mitras meinte abf\u00e4llig, dass sie vermutlich nur deshalb so entstellt geblieben war, weil man sich nicht zur Heilung an die Verwandlungsakademie gewandt h\u00e4tte. &#8222;Die Elementarmagier sind im Kampf und auf dem Feld bestimmt sehr praktisch, aber sie k\u00f6nnen nichts anst\u00e4ndig reparieren, weder einen Gegenstand noch ein Lebewesen.&#8220; Kira h\u00f6rte interessiert zu, merkte aber schon nach einer Weile, dass ihre Gedanken zu den B\u00fcchern abschweiften, die oben in ihrem Zimmer auf sie warteten. Sie beendete also das Essen recht z\u00fcgig und bat darum, sich zur\u00fcckziehen zu d\u00fcrfen. Mit einem Seitenblick auf Mitras lie\u00df sie den Teller stehen, den sie eigentlich schon wegr\u00e4umen wollte, und ging nach oben in ihr Zimmer, wo sie das neue Kleid auszog, sorgf\u00e4ltig auf einen B\u00fcgel hing und glatt strich und dann in ihrem bequemen Schlafanzug wechselte, den sie von ihrem Bruder Adrian vor einem Jahr geschenkt bekommen hatte. Er bestand aus einer weichen Schafswolle, die zu einem unglaublich flauschigem Stoff gewebt worden war. Eigentlich war das wohl eher f\u00fcr M\u00e4nner, aber Kira fand es nicht unpraktisch, beim Schlafen eine Hose zu tragen, ein Kleid rutschte ihr immer zu schnell hoch. Adrian hatte ihn auf einer Handelsfahrt, die er mit ihrem Vater gemacht hatte, erworben, und Kira hatte nie herausgefunden, wie es ihm gelungen war, ein so wundervolles und seltenes Kleidungsst\u00fcck zu bekommen. Er hatte auch allen anderen Geschenke von dieser Reise mitgebracht, teilweise sogar noch deutlich kostspieligere als diesen Anzug, aber sie sch\u00e4tzte gerade den Schlafanzug sehr. Sie knipste die Lampe am Bett an, nahm sich das Geschichtsbuch und begann zu lesen. Notizen w\u00fcrde sie hierbei vermutlich nicht brauchen, schlie\u00dflich waren Geografie und Geschichte ihre Lieblingsthemen in der Schule gewesen. Tats\u00e4chlich stellte sie schon auf den ersten Seiten fest, dass ihr Lehrer dieses Werk wohl benutzt hatte, um ihnen Ausschnitte daraus zum Lernen zu senden, denn einige Textpassagen kamen ihr sehr vertraut vor. Dennoch geno\u00df sie es, eine Weile zu lesen, ehe sie das Buch beseite legte, das Licht l\u00f6schte und sich wohlig seufzend ins Bett kuschelte, um zu schlafen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem Abigail mit Kira aufgebrochen war, legte sich Mitras noch einmal f\u00fcr drei Stunden hin, wie er es nach jeder Generatorladung tat. Etwas erholter wechselte er in seine Laborkleidung. Gestern Vormittag hatte er eine ihm unbekannte Variante eines alten Rammbockzaubers gefunden. 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