{"id":39,"date":"2024-04-15T00:17:18","date_gmt":"2024-04-15T00:17:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=39"},"modified":"2024-04-15T00:23:02","modified_gmt":"2024-04-15T00:23:02","slug":"fortschritt-8-lunet-242-ingastag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/04\/15\/fortschritt-8-lunet-242-ingastag\/","title":{"rendered":"Fortschritt &#8211; 8. Lunet 242 (Ingastag)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Am n\u00e4chsten Morgen schlief Mitras fast bis halb neun. Als er zum Fr\u00fchst\u00fcck runterkam, stellte er fest, dass er auch Kira verpasst hatte. Laut Abigail war sie schon vor einer Stunde unten gewesen, hatte trotz ihrer Einw\u00e4nde beim Fr\u00fchst\u00fcck geholfen und war nach dem Essen gleich wieder nach oben verschwunden, um zu lernen. William leistete ihm beim Essen Gesellschaft, w\u00e4hrend Abigail nach dr\u00fcben ging, um mit dem N\u00e4hen anzufangen. &#8222;Die Kleine macht einen eifrigen Eindruck, w\u00fcrde mich nicht wundern, wenn Abby ihre Nase gewaltsam aus den B\u00fcchern ziehen m\u00fcsste, um sie zum Essen und Trinken zu bewegen.&#8220; witzelte er. &#8222;Der Eifer wird schon fr\u00fch genug verfliegen, es ist jetzt alles neu f\u00fcr sie und \u00e4u\u00dferst aufregend noch dazu. Aber sie wird schon bald merken, dass es noch mindestens einen Monat dauert, bis sie ihren ersten Zauber wirkt und auch danach wird es viel Theorie zu lernen geben. Ich hab an der Akademie einige erlebt, die total ern\u00fcchtert aus ihrem ersten Jahr gekommen waren. Ach, verdammt, ich war ja selbst nicht besser. Thadeus hat mir die erste Aufregung jedenfalls schnell ausgetrieben.&#8220;, entgegnete Mitras. &#8222;Ja, aber du bist nicht Thadeus. Du hast immerhin eine Seele. Wann hatte der dich \u00fcberhaupt das erste Mal zaubern lassen?&#8220; &#8222;Nach einem halben Jahr.&#8220;, antwortete Mitras frustriert. &#8222;Erst als ich alle Formeln des Grundlagenwerks auswendig rezitieren konnte, hat er mir das Kanalisieren beigebracht und bis ich dann wirklich gezaubert habe, hat es nochmal fast ein Vierteljahr gedauert. Und nein, keine Sorge, ich habe nicht vor so lange zu warten. Kira soll sich jetzt einen \u00dcberblick \u00fcber den Stoff verschaffen&nbsp;und dann werde ich Praxis und Theorie ineinander flie\u00dfen lassen. Ich wei\u00df aber eben noch nicht, wie ihr Wissensstand ist, den muss ich jetzt erst einmal ausloten.&#8220; William betrachtete ihn eine Weile und sagte dann: &#8222;Du schaffst das schon. Immerhin wei\u00dft du ja schon, wie man es nicht macht!&#8220; Er lachte und stand auf, um in die K\u00fcche zu gehen. &#8222;Und im Zweifelsfall werden Abby und ich dir wohl schon zur richtigen Zeit einen Tritt verpassen, damit du die arme Kira nicht zu sehr kaputt machst.&#8220; Mit diesen Worten verschwand er in die K\u00fcche. Mitras war Thadeus letzter Sch\u00fcler gewesen, bevor dieser in den Rang eines Erzmagiers aufstieg. Zwei Jahre war er bei ihm gewesen, nachdem sein Talent mit vierzehn offiziell entdeckt wurde. Kira w\u00fcrde nur ein Jahr haben, darauf hatte Thadeus ausdr\u00fccklich bestanden, sie sei ja schon jetzt deutlich zu alt f\u00fcr das erste Semester. In Mitras Sicht war das auch wieder nur ein Man\u00f6ver, um gleichzeitig ihm zu schaden und eine weitere Magierin auszubremsen, die nicht den Familien entsprang. Thadeus geh\u00f6rte zu der Fraktion unter den Gildenmagiern, die stark auf die Abstammung Wert legten, er selbst war einer langen Linie von Magiern entsprungen und in seiner Weltanschauung sollten nur diese zu wahren Magiern herangezogen werden, die auf eine lange Erblinie zur\u00fcckblicken konnten. Magier, wie Mitras oder jetzt auch Kira, die die ersten ihrer Linie mit Magiebegabung waren, sollten nicht in den Rang eines Magisters aufsteigen k\u00f6nnen. Bestenfalls sollten sie als M\u00e4tressen f\u00fcr die magischen H\u00e4user dienen, um ihre magische Begabung in Form von Kindern in diese einflie\u00dfen zu lassen. Bis er Mitras aufnehmen musste, hatte er auch nur Sch\u00fcler aus alten H\u00e4usern akzeptiert, aber der alte Magus Bartolomeus di Nostradus, damals Vorsitzender der Akademie, hatte Druck ausge\u00fcbt. Der gute Bartolomeus war trotz seines hohen Alters ein sehr progressiver Mann gewesen und konnte Thadeus und sein elit\u00e4res Gehabe nicht ausstehen. H\u00e4tte Thadeus Mitras nicht erfolgreich ausgebildet, h\u00e4tte Bartolomeus seinen Aufstieg wahrscheinlich noch weit \u00fcber seinen Tod hinaus verhindert. Mitras Abschluss war nicht \u00fcberragend, aber gut genug. Aber dass er anschlie\u00dfend dann so schnell zum Magister aufgestiegen war, war Thadeus ein steter Dorn im Auge. Seitdem er selber Leiter der Akademie war, versuchte er seine Fraktion der Traditionalisten, wie sie sich selbst nannten, zu st\u00e4rken, indem er Magister mit gleichen Ansichten gezielt f\u00f6rderte. Aber noch waren die Progressiven, wie zum Beispiel Nathanael di Blanca, in der \u00dcberzahl und gerade Nathanael tat alles daf\u00fcr, dass das auch so blieb. Er war ein \u00fcberaus potenter Magier, der schon seit vielen Jahren an der Akademie gelehrt hatte, dann zum Leiter der Bibliothek und seit zwei Jahren nun auch zum Magus der Gilde gew\u00e4hlt worden war. Mitras verdankte&nbsp;ihm enorm viel, nach den Jahren bei Thadeus hatte Nathanael in seiner Zeit an der Akademie daf\u00fcr gesorgt, dass er voran kam und hatte ihn auch gesellschaftlich gef\u00f6rdert. Thadeus hatte seine Ausbildung ab dem Moment torpediert, als sein Versagen nicht mehr direkt auf ihn zur\u00fcck fallen konnte und Nathanael wiederum hatte ihn vor diesen Attacken besch\u00fctzt. Mitras zog gro\u00dfe Genugtuung daraus, dass er das Werk&nbsp;Transmutatis ausgerechnet aus dem Haushalt der&nbsp;di Marantus hatte.&nbsp;Lucrecius Vater war einer der engsten Freunde von Thadeus gewesen &#8211;&nbsp; nun war Mitras durch den Fall dieser verbohrten alten Familie aufgestiegen, welch hervorragende F\u00fcgung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras beendete sein Fr\u00fchst\u00fcck und ging William mit dem Tablett hinterher. Dieser war gerade dabei, eine Tasse Tee f\u00fcr ihn aufzusetzen. &#8222;Na, geht es erst ins Labor oder gleich nach unten?&#8220; fragte er, w\u00e4hrend er mit den Kr\u00e4utern f\u00fcr den Tee hantierte. &#8222;Erst nach oben. Ich muss mir die neue Formel noch einmal ansehen. Die andere Versuchsserie ist so sehr schief gelaufen, dass ich da nicht wie gehofft aufsetzen kann.&#8220; entgegnete Mitras. William blickte auf und sagte zu ihm: &#8222;Ha, h\u00f6rt sich frustrierend an. Vielleicht solltest du dich wohl erstmal eine Weile auf etwas anderes konzentrieren?&#8220; Mitras seufzte. &#8222;W\u00fcrde ich gerne, aber das Laden des Generators alle zwei Tage ist auf Dauer ziemlich auszehrend. Wenn ich nicht bald eine L\u00f6sung daf\u00fcr finde, ist es aus mit unserem Luxusstrom und wir m\u00fcssen wieder auf Gas oder schlimmer noch Kohle umr\u00fcsten.&#8220; &#8222;Nun, das w\u00e4re wohl schlimm. Gut. \u00dcbertreib es aber nicht.&#8220; William wandte sich wieder dem Tee zu und erst jetzt fiel Mitras auf, dass er zwei Tassen vorbereitet hatte. &#8222;Na, dein Tee ist fertig, willst du die andere Tasse wohl selbst zu deiner Sch\u00fclerin bringen oder soll ich das erledigen?&#8220; fragte William. &#8222;Nein, schon gut, ich gehe eh nach oben, da kann ich die Tasse auch gleich mitnehmen und sehen, ob sie gut gestartet ist.&#8220; Er nahm die beiden Tassen und verlie\u00df die K\u00fcche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u200bEr brachte schnell seine Tasse weg und klopfte dann bei Kira an.\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b Als sie nicht reagierte, klopfte er ein zweites Mal, diesmal energischer. Ein erschrockenes &#8222;Ja-a, herein.&#8220; Er \u00f6ffnete die T\u00fcr und fand sie an ihrem Schreibtisch sitzend vor. Das Buch des Tages war bereits im dritten Kapitel aufgeschlagen, daneben lag eines der bereitgestellten Notizb\u00fccher, schon beschrieben. &#8222;Ich sehe, Sie sind schon flei\u00dfig, w\u00e4hrend ich das Fr\u00fchst\u00fcck mal wieder verpasst habe. Nicht dass Sie sich wundern, meine Studien erfordern es, dass ich mir im Moment&nbsp;jede zweite Nacht in Meditation um die Ohren&nbsp;schlagen muss. Deswegen schlafe ich die anderen N\u00e4chte umso l\u00e4nger. Ach ja, mit sch\u00f6nen Gr\u00fc\u00dfen von William, er hat uns Tee f\u00fcr die Arbeit gekocht und da ich eh gerade auf dem Weg nach oben war, dachte ich mir, ich sehe kurz nach Ihnen und bringe Ihnen Ihre Tasse vorbei, damit er nicht extra hochkommen muss.&#8220; Er trat ins Zimmer, um ihr die Tasse zu bringen. &#8222;Oh, und wenn Sie m\u00f6chten k\u00f6nnen Sie gerne etwas l\u00e4nger schlafen und mit mir fr\u00fchst\u00fccken. In der Regel bin ich um halb neun unten. Wenn Sie dann also von neun bis 18 Uhr arbeiten reicht das v\u00f6llig, nein, eigentlich sollten Sie zwischendrin auch noch eine Stunde Pause einplanen. Also \u00fcbertreiben Sie es nicht.&#8220;, sagte er und stellte ihr die Tasse auf einen freien Platz auf dem Schreibtisch. &#8222;Wie Sie w\u00fcnschen, Magister. Soll ich um 18 Uhr wieder ins Labor kommen?&#8220; fragte sie nach einem Moment des Z\u00f6gerns. &#8222;Ja. Und noch etwas, aufgrund meiner Studien stehe ich Ihnen&nbsp;die n\u00e4chsten Nachmittage f\u00fcr Fragen nicht zur Verf\u00fcgung. Ich hoffe, dass unsere abendlichen Sitzungen ausreichen werden.&#8220; &#8222;Selbstverst\u00e4ndlich, Magister, ich werde Sie nicht st\u00f6ren. Und danke f\u00fcr den Tee.&#8220; &#8222;Bedanken Sie sich lieber bei William. Ich bin heute nur der Bote.&#8220; entgegnete er schmunzelnd und verlie\u00df ihr Zimmer wieder. Beim Gang \u00fcber den Flur dachte er kurz \u00fcber die Notizen nach, die er beim Blick \u00fcber ihren Schreibtisch \u00fcberflogen hatte. Sie war anscheinend schon recht weit gekommen, arbeiten konnte sie also und ihr Wissen war deutlich h\u00f6her, als er es bei einer Person aus der tiefsten Provinz erwartet h\u00e4tte, selbst wenn sie schon alt genug war, ein Abitur zu haben. Anscheinend hatte sie doch Zugriff auf weitergehende Schulbildung gehabt, was nur bedeuten konnte, dass sie Fernunterricht bekommen&nbsp;oder in einem Internat gelebt hatte. Demnach waren ihre Eltern doch nicht so arm, sonst w\u00e4re sie in ihrem Alter l\u00e4ngst als Arbeitskraft gebraucht worden oder w\u00e4re verheiratet gewesen. Bei dem Gedanken daran verfinsterte sich seine Miene. Das hie\u00df dann aber auch, dass sie ihr Kind absichtlich ohne Mittel losgeschickt hatten. Es war f\u00fcr ihn kein Problem, sie einzukleiden und ihr ein paar Annehmlichkeiten zukommen zu lassen, aber eigentlich sollten die Eltern ihren Teil leisten. Ern\u00e4hrung und Unterbringung war nun Sache der Akademie, aber f\u00fcr alles weitere waren eigentlich die Verwandten zust\u00e4ndig. Die sieben Silber waren auf dem Land sicher eine Menge Geld, hier in der Hauptstadt war das aber fast nichts, es diente eher als Aufstockung dessen, was die Eltern den Kindern \u00fcblicherweise eh zusteckten. Auch seine Eltern, die ja nicht adelig waren, hatten ihm immer Geld gegeben, sobald er vorbei kam. In seiner Akademiezeit hatte er ja sogar wieder bei ihnen gewohnt, und sie hatten ihm das Geld der Akademie komplett gegeben, auch das, was sie eigentlich f\u00fcr Kost und Logi bekamen. Sollte Kira sich in den n\u00e4chsten acht Tagen bew\u00e4hren, w\u00fcrde er ihr Taschengeld noch einmal \u00fcberdenken. Aber vielleicht tat er ihren Eltern auch unrecht, bevor er sich entg\u00fcltig ein Bild machte, brauchte er mehr Informationen. Die Liste der Dinge, die er mit Titus besprechen musste, wurde immer l\u00e4nger. Er konnte es kaum erwarten, dass der Schengstag endlich kam.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>In seinen Gem\u00e4chern angekommen, setze er sich an seinen Schreibtisch und holte seine Unterlagen aus dem Geheimfach unter der dritten Schublade. Der Rammbockzauber geh\u00f6rte zur Schule der Telekinese und diente fr\u00fcher zum Einrei\u00dfen klassischer Festungsanlagen. Ein an einer Seite mit Eisen beschlagener Holzstamm wurde mit diesem Zauber an der anderen Seite gepackt und f\u00fchrte einen rhythmischen Schwung aus. Einmal gewirkt, musste der Zauber nicht durch einen Magier aufrecht erhalten werden, erforderte daf\u00fcr aber eine ziemlich gro\u00dfe Ladung. So musste der Rammbock nur an die einzurei\u00dfende&nbsp;Mauer oder ein Tor geschoben werden und konnte dann allein gelassen werden. Dies und andere magische Man\u00f6ver waren ma\u00dfgeblich f\u00fcr den Aufstieg Albions und besonders f\u00fcr die Siege im Norden und Osten mit verantwortlich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Sein Ziel war es nun den Zauber so umzugestalten, dass er damit den Elektrumkern in eine&nbsp;gerade Vor- und Zur\u00fcckbewegung versetzen konnte. Den Vormittag verbrachte er damit, die alten Formeln zu analysieren und den Zauber quasi zu sezieren. Er untersuchte die einzelnen Komponenten der Formel und kam so langsam dahinter, wie der Zauber aufgebaut war. Die schon fast antike Magie war sehr schn\u00f6rkelbehaftet, stammte sie doch noch aus den Anf\u00e4ngen der systematischen Erforschung der Magie. Viele Komponenten waren unn\u00f6tig oder sogar komplett ohne magische Funktion. Alte Zauber nutzten oft schm\u00fcckende Phrasen und ausladende Bewegungen. Reine Wichtigtuerei aus seiner Sicht.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der wirkungsvolle Teil des Zaubers bestand letztendlich aus einem Zugzauber und einem Sto\u00dfzauber, einem Magiespeicher, der das Konstrukt versorgte und einer Formel, die die Wirkung der Komponenten verband. Er ging ins Labor und analysierte jede Komponente einzeln, bis er ihre Wirkung exakt reproduzieren konnte. Der Zauber zog und stie\u00df das verzauberte Objekt, die Schwungbewegung kam durch die Ketten, an denen der Rammbock normalerweise hing. Der Elektrumzylinder war eh schon gelagert, darum musste er sich also nicht mehr k\u00fcmmern. Die einzige Modifikation, die er einbringen musste, war, dass der Zylinder rechtzeitig wieder abgebremst wurde. Die Verbindungskomponente \u00e4hnelte einer ihm bereits bekannten, so dass er sie erfolgreich anpassen konnte. Eine weitere Probe im Labor zeigte, dass er erfolgreich war. Die n\u00f6tige Energiemenge war immer noch gewaltig, aber seiner Berechnung zufolge sollte eine Ladung von einer Stunde reichen. Er sah auf seine Taschenuhr. Es war gerade 15 Uhr, er hatte also noch Zeit.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Er ging ins geheime Testlabor im Keller. Die Generatorattrappe stand schon bereit. Er w\u00e4hlte den rechten aus und w\u00fcrde den linken Morgen starten. Er bereitete die magischen Dedektoren vor, errichtete die Schutzfelder und aktivierte die nichtmagischen Schutzvorkehrungen. Dann setzte er sich im Schneidersitz vor den Generator und begann die Energie zu sammeln. Nach einer Stunde war er soweit. Langsam erhob er die Arme und begann den Zauber zu weben. F\u00fcnfzehn Verse und diverse, den Magieflu\u00df leitende Bewegungen waren notwendig, um ihn zu formen. Dann wirkte er ihn auf den Elektrumzylinder und stie\u00df ihn mit seiner Hand in den Generator. Der Zauber begann und der Generator erwachte zum Leben. Der Zylinder schwang hin und her und das elektrische Feld baute sich auf. Die Attrappe hatte, im Gegensatz zu einem richtigen Generator, nur eine kleine Kupferspule. Sie reichte gerade aus, einen messbaren Stromfluss \u00fcber ein paar Gl\u00fchlampen und einem Ampermeter zu leiten. Ohmnas Amperitus war der Ingenieur, der den elektrischen Strom entdeckt hatte. Ihm zu Ehren wurde die Ma\u00dfeinheit f\u00fcr die Stromst\u00e4rke Amper genannt. Mitras konnte auf dem Ger\u00e4t den erwarteten Ausschlag sehen, der Zylinder bewegte sich also wie vorgesehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Zufrieden verlie\u00df er das Labor und ging in die K\u00fcche. Er hatte noch eine knappe Stunde, bis Kira kommen w\u00fcrde und er merkte, wie hungrig er nun war. William bereitete gerade das Abendessen vor. Mitras belegte sich eine Scheibe Brot und unterhielt sich mit seinem Freund \u00fcber den neuen Zauber und seine Hoffnung, nun endlich eine L\u00f6sung gefunden zu haben. Selbst wenn der Zauber nur genauso lang halten sollte, wie die aktuelle Variante, brauchte er nun deutlich weniger Zeit zum Laden. Er nahm f\u00fcr sich und Kira noch etwas zu trinken mit und ging nach oben. Als er gerade an der Labort\u00fcr ankam, ging Kiras T\u00fcr auf und sie trat auf den Flur. &#8222;Guten Abend, ich scheine gerade noch rechtzeitig zu sein, um meine eigenen Vorgaben einzuhalten.&#8220; sagte er l\u00e4chelnd. Er hielt ihr die T\u00fcr auf und trat hinter ihr ein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira sa\u00df schon eine Weile \u00fcber der &#8222;Einf\u00fchrung in Geografie und Geschichte Albions&#8220;. Es war anl\u00e4sslich des Friedensvertrages von Silias im Jahr 169 erschienen, und, da seitdem keine weiteren Grenzverschiebungen nach Kiras Wissen sattgefunden hatten, ziemlich aktuell, was die Kriege und Grenzen anbelangte. Sie hatte die ersten beiden Kapitel, die haupts\u00e4chlich den Gr\u00fcnder Albions, Miras di Tridita, lobten und die Gro\u00dfartigkeit des Reiches hervorhoben, gestern abend bereits \u00fcberflogen, das meiste davon kannte sie schon. Nun las sie interessiert seit dem Fr\u00fchst\u00fcck \u00fcber das Rasenna-Reich, das gro\u00dfe Teile des Kontinents urspr\u00fcnglich bedeckt hatte, und in der Zeit um 400 a.A. (ante Albion) von der Ost- bis zur Westk\u00fcste und von den gro\u00dfen Seen bis in die Dschungel des S\u00fcdens herein reichte. Nat\u00fcrlich gab es damals wesentlich weniger Fortschritt, auch die Magie war eher eine naturverbundene gewesen, die heute noch teilweise von magisch begabten Priestern weiter gepflegt wurde, aber dennoch waren die Errungenschaften der Rasenna bis heute pr\u00e4gend: Sie bauten zahlreiche Stra\u00dfen, gr\u00fcndeten St\u00e4dte wie Uldum, dass immer schon als Hauptstadt des Reiches vom gro\u00dfen Hochplateu aus regierte, begr\u00fcndeten eine effektive Verwaltung und schufen Struktur und Ordnung in der Kultur. Auch Theater, Musik und Literatur waren durch sie gepr\u00e4gt. Der Pfad zu Savora, der stets als ein besonderes Kunstwerk bezeichnet wurde, stammte aus der Rasennazeit, erfuhr sie aus einem kleinen Exkurs, und sie las interessiert, wie dort Magie und das Behauen der nat\u00fcrlichen Steine zusammen genutzt worden waren. Die Ausf\u00fchrungen sagten nichts \u00fcber konkrete Spr\u00fcche, f\u00fchrten aber aus, dass die kleinen T\u00fcrme, die man in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden an den Treppen des Weges fand, durch Magie gesichert seien und deswegen Wind und Wetter seit Jahrhunderten trotzten. Auch die Gleichm\u00e4\u00dfigkeit der Stufen sei durch Magie geformt worden, in Zwiesprache mit den Geistern der Berge, denen in Savora traditionell noch heute gehuldigt wurde. Kira fand einige Zeichnungen der Treppe und des Tempels von Savora und begann, nachdem sie einige Grunddaten zum Rasennareich in ihr Notizheft \u00fcbertragen hatte, eine kleine Zeichnung, zu der sie anschlie\u00dfend eine Zusammenfassung zu den Errungenschaften im Rasennareich schreiben wollte. Das erste Klopfen an ihrer T\u00fcr \u00fcberh\u00f6rte sie fast, doch dann klopfte es nochmal deutlicher, und sie schlug erschrocken die Seite mit der Skizze zu und setzte sich gerade hin. Auf ihre Aufforderung trat Magister Mitras in die T\u00fcr. Er hielt einen Tee in der Hand und wirkte beinahe verlegen, als er sich entschuldigte, oft beim Fr\u00fchst\u00fcck nicht da zu sein, weil er sich um seine Studien k\u00fcmmern m\u00fcsse. Kira, die ihn bisher als dominant, geordnet und m\u00e4chtig erlebt hatte, \u00fcberlegte, dass er beinahe niedlich wirkte. Als ob er, der gro\u00dfe Magister, sich bei ihr daf\u00fcr entschuldigen m\u00fcsste, dass er wichtigen Dingen nachging und lebte, wie er zu leben gedachte. &#8222;Eigentlich sollten Sie zwischendrin auch noch eine Stunde Pause einplanen. Also, \u00fcbertreiben Sie es nicht.&#8220;, sagte er und stellte ihr die Tasse auf einen freien Platz auf dem Schreibtisch. Sie schaute auf seine H\u00e4nde, die ihr gro\u00df und dennoch so feingliedrig und edel vorkamen. Wenn er mit ihr fr\u00fchst\u00fccken wollte, w\u00fcrde sie das nat\u00fcrlich machen, obwohl sie innerlich beweifelte, dass sie so lange w\u00fcrde schlafen k\u00f6nnen. \u00dcblicherweise stand sie gegen 6 Uhr auf und f\u00fctterte die Schweine und H\u00fchner. Hier bis sieben schlafen zu k\u00f6nnen, war ja eigentlich schon ziemlich viel Luxus. Aber wenn er selbst sp\u00e4t aufstand, war es sch\u00f6n ruhig im Haus, das hatte sie bereits heute morgen gemerkt. Sie w\u00fcrde einfach sp\u00e4ter fr\u00fchst\u00fccken und schon gleich morgens nach dem Aufstehen und Waschen mit dem Lernen anfangen, dann k\u00f6nnte sie vielleicht abends etwas Zeit mit William, Abey oder Tobey verbringen, um mehr \u00fcber das Leben in Uldum lernen zu k\u00f6nnen. &#8222;Wie Sie w\u00fcnschen, Magister.&#8220;, sagte sie und erg\u00e4nzte: &#8222;Soll ich um 18 Uhr wieder ins Labor kommen?&#8220; Mitras best\u00e4tigte ihr die Verabredung und wies darauf hin, dass sie ihn in den n\u00e4chsten Nachmittagen nicht st\u00f6ren sollte, da seine Studien ihn in Anspruch nehmen w\u00fcrden. Kira gr\u00fcbelte, was das wohl f\u00fcr Studien waren. Das Leben als Magister war wohl keine so leichte Angelegenheit. Sie merkte, dass sie das erstaunte, und scholt sich selbst f\u00fcr ihre Naivit\u00e4t. Hatte sie wirklich gelaubt, mit Magie w\u00fcrde alles ganz leicht laufen und es g\u00e4be keine Probleme mehr? Selbst in den Berichten und Mythen zu Savora, die sie gerade gelesen hatte, wurde erw\u00e4hnt, wie viele Opfer der Bergpfad gefordert hatte, weil \u00fcberraschende Winde Priester erfassten und von Klippen wehten, die nicht genug Inbrunst in ihre Gebete legten. Magie, das wurde ihr deutlich bewusst, kostet Energie und M\u00fche, wie alles im Leben. Manchmal war es sogar leichter, Dinge nicht mit Magie zu betreiben, ganz abgesehen von der Tatsache, dass es viel zu wenig magisch begabte Personen gab, um alles mit Magie zu betreiben. Dass das kleine Dorf Bispar einen magisch begabten Priester gehabt hatte, war eigentlich auch schon ungew\u00f6hnlich. In Sibira und Feuersmoor, den Nachbarsorten, hatte es niemanden gegeben, der auch nur im Ansatz magisch begabt war, erinnerte sie sich. Wie in aller Welt hatte sie eigentlich magische Gene bekommen? Der Gedanke faszinierte sie, also bedankte sie sich ein wenig geistesabwesend bei Mitras, der noch etwas kurzes sagte und dann ging. Ihre Mutter und ihr Vater waren nicht magisch, auch ihr Gro\u00dfvater v\u00e4terlicherseits nicht. Ihre Gro\u00dfmutter v\u00e4terlicherseits hatte Kira nicht gekannt. Sie war vor ihrer Geburt gestorben, und Kira fiel auf, dass in der Familie auch kaum \u00fcber sie gesprochen worden war. Der Gro\u00dfvater hatte sie in der Gegend von Bispar kennen gelernt, und sich deswegen dort niedergelassen, soviel wusste sie. Kiras Mutter stammte aus Flate, und deswegen kannte Kira auch die K\u00fcste: Sie war einmal mit Adrian dorthin gereist, um ihre Gro\u00dfeltern zu treffen, die eine kleine Fischerei dort betrieben. Sie erinnerte sich, wie sie aufs Meer gefahren waren und ihr f\u00fcrchterlich schlecht geworden war, ehe Adrian ihr beigebracht hatte, sich auf den Horizont zu konzentrieren. Das hatte sie getan, und dann hatte sie dort den Sturm kommen sehen. Doch die Fischer hatten sie erst ausgelacht, sie w\u00fcrde sich das einbilden. Kira l\u00e4chelte grimmig. Nichts hatte sie sich eingebildet, und sie waren knapp wieder heil in den Hafen eingelaufen, ehe ein heftiger Sturm die Stadt erwischt hatte. Gro\u00dfmutter Livia hatte geschimpft, doch die Fischer hatten beschworen, der Sturm sei nicht fr\u00fcher zu erahnen gewesen. Letztendlich endete es damit, dass sie wieder die &#8222;Komische&#8220; war und den Rest des Aufenthaltes sie keiner mehr mit auf ein Boot nehmen wollte &#8211; was Kira nicht st\u00f6rte, dieses Geschaukel war definitiv nicht ihres gewesen. Sie ass den Fisch lieber, wenn er schon aus dem Wasser war, als ihn da heraus zu holen. Aber magisch war in der Familie ihrer Mutter auf jeden Fall auch niemand gewesen. Kira sch\u00fcttelte den Gedanken an ihre Familie mit einem kleinen Schauder ab. Es konnte ja auch sein, dass sie die Magie gar nicht geerbt hatte, sondern einfach eine wilde Laune der Natur darstellte. Passte ja, sie war ja sowieso komisch, viel zu wild und mit roten Haaren und seltsamen Wahrnehmungen. Ein Trollkind, hatten die anderen sie manchmal getauft, nach einem alten Aberglauben der Skir an magische Wesen tief oben in den W\u00e4ldern am Nordkreis, die angeblich kleine Kinder stahlen und zu magischen Mischwesen erzogen, um ihre seltsamen Gel\u00fcste nach Sex mit ihnen befriedigen zu k\u00f6nnen. Kira sch\u00fcttelte sich ein zweites Mal. Die Skir waren defintiv barbarisch, ihren Kindern so etwas zu erz\u00e4hlen. Es gab bestimmt keine Trolle. Und sie war auch keiner. Und selbst wenn sie einer w\u00e4re, dann definitiv einer ohne irgendwelche&nbsp;sexuellen Gel\u00fcste. Mit Ausnahme von Adrian fand sie n\u00e4mlich die Vorstellung, von irgendeinem Mann auch nur angefasst zu werden, einfach nur be\u00e4ngstigend und absto\u00dfend. Kurz blitzte die Erinnerung an Johanns H\u00e4nde in ihr auf, doch sie sch\u00fcttelte den Gedanken ab. Sie war Kira Silva und bald w\u00fcrde sie eine Magierin sein, und dann w\u00fcrde sich niemand mehr trauen, sie wegen roter Haare oder heraufziehenden St\u00fcrmen auszulachen oder sie gar anzufassen. Sie schaute auf die Locken, die sich \u00fcber ihre Schultern ringelten. Je \u00e4lter sie wurde, desto mehr wechselte das Braun-Rot, mit dem sie geboren war, in einen helleren, r\u00f6tlichen Ton. Auf Verlangen ihrer Mutter hatte sie sie stets brauner gef\u00e4rbt, aber eigentlich fand sie die Farbe von Herbstlaub, die sich am Ansatz zeigte, ziemlich h\u00fcbsch. Sie streckte sich einmal und schlug dann wieder die richtige Seite in ihrem Notizbuch auf, um ihre Zeichnung fortzusetzen. Sie konnte zwar nicht so gut zeichnen wie die Macher des Buches, aber sie hatte mit Bruder Harras schon manchmal ge\u00fcbt, Pflanzen genau zu zeichnen, um sie sp\u00e4ter bestimmen zu k\u00f6nnen, also war sie mit dem Ergebnis nach einer kleinen Weile ganz zufrieden. Schade, dass ich keine Buntstifte mitgebracht habe, bedauerte sie. Allerdings war ihre Abreise aus Bispar auch reichlich \u00fcberhastet gewesen, und sie hatte mehr \u00fcber Kleidung als \u00fcber alles andere nachgedacht. Sie las noch etwas und begann dann an der Zusammenfassung zu schreiben. Mittendrin klopfte es ein zweites Mal und Abigail guckte in den Raum. &#8222;Kindchen, willst du nicht vielleicht auch was zu Mittag essen?&#8220; Kira blickte verbl\u00fcfft hoch. &#8222;\u00c4h&#8230;&#8220; Abigail lachte und holte hinter ihrem R\u00fccken ein Tablett mit Broten hervor. &#8222;Ja, das habe ich mir gedacht. \u00dcbernimm dich nicht und denk daran, Pausen zu machen.&#8220; Sie stellte das Tablett auf den Schreibtisch und bewunderte Kiras Zeichnung ausf\u00fchrlich, was diese vor Stolz rot ergl\u00fchen&nbsp;lie\u00df. &#8222;Vielen Dank, Abigail.&#8220; Die Haush\u00e4lterin l\u00e4chelte sie gutm\u00fctig an. &#8222;Alle sagen Abby zu mir, magst du das auch machen?&#8220; Kira verschluckte sich fast am Brot ob des freundlichen Angebots, aber sie hustete kurz und nickte dann eifrig. &#8222;Gerne, Abby.&#8220; &#8222;Fein.&#8220; Abby ging wieder zur T\u00fcr und winkte noch einmal. &#8222;Wenn du nachher nach dem Abendessen Zeit hast, kommst du dann einmal mit r\u00fcber in unser Haus? Ich will ein wenig abstecken f\u00fcr deine Kleider.&#8220; &#8222;Ja, nat\u00fcrlich.&#8220; Kira nickte, und Abigail verschwand wieder. Der Rest des Nachmittags verging ungest\u00f6rt, und Kira schaffte es, alle Kapitel zum Rasenna-Reich zu beenden, was etwa ein Viertel des Buches bedeutete. Sie nahm sich vor, beim n\u00e4chsten Ingastag den Bereich zur Geografie durchzuarbeiten und legte sich ein Lesezeichen ins Buch, ehe sie ihre Notizen zusammensammelte, sich die Haare richtete und dann gerade noch kurz vor 18 Uhr auf den Flur trat, um zu Mitras ins Labor zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Sie setzten sich wieder auf ihre Pl\u00e4tze und er drehte sich zu ihr herum. Sie wirkte weniger nerv\u00f6s, als er erwartet hatte. Sie hatte schon eher einen regelrecht selbstsicheren Zug an sich, den er so an ihr noch nicht erlebt hatte, seit sie bei ihm war. Er warf einen Blick auf ihre Notizen, als sie diese gerade ordnete. Sie waren gut strukturiert. Er konnte zwar keine Einzelheiten lesen, daf\u00fcr war der Blick zu fl\u00fcchtig, aber der Ersteindruck war gut. Auf einer Seite, die sie hastig wieder verdeckte, war eine Zeichnung zu sehen. Wenn er richtig hingeschaut hatte, war diese wohl schnell, aber dennoch \u00e4u\u00dferst detailliert angefertigt worden und er fragte sich, wieso sie nicht wollte, dass er sie sah. Aber das konnte er sp\u00e4ter noch ergr\u00fcnden. Erstmal sollte er anfangen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Also gut. Welche Abschnitte des Buches haben Sie sich angesehen?&#8220; fragte er an sie gewandt und lehnte sich in seinem Stuhl zur\u00fcck. &#8222;Ich habe die ersten Kapitel \u00fcber die Gr\u00fcndung Albions \u00fcberflogen, aber ich wusste schon, dass Miras di Tritida im Jahre Null Albion wieder begr\u00fcndet hat, hier in Uldum. Zuvor wurde die Hochebene und weite Teile des Kontinents vom Rasenna-Reich beherrscht, das mit milit\u00e4rischen Erfolgen die Grundlage f\u00fcr unsere Kultur legte, die uns heutzutage ebenso den technischen wie auch den magischen und kulturellen Fortschritt gew\u00e4hrt.&#8220; Sie schaute kurz auf ihre Notizen. &#8222;\u00dcber das Rasennareich wusste ich noch nicht so viel, deswegen habe ich die Kapitel dazu weiter gelesen. Das Reich wurde wohl im Jahre 1337 ante Albion begr\u00fcndet, denn in diesem Jahr wurde der Legende nach Uldum gegr\u00fcndet. Angeblich haben drei Magier die Hochebene durchschritten auf der Suche nach einem besonderen Ort, an dem sie sich niederlassen konnten, und hier, am Zusammenfluss von Avens und Corvio, trafen sie auf einen Bergl\u00f6wen, der sich ihnen offenbarte und ihnen Fleisch brachte, als sie hungrig waren. Daher trug das Rasennareich ebenso wie die Stadt Uldum den Bergl\u00f6wen im Wappen, und Miras hatte dies f\u00fcr Albion \u00fcbernommen. Die Magier w\u00e4hlten unter sich auch den ersten Kaiser aus und begr\u00fcndeten nach einer Weile die vier Gilden, die wir heute noch haben. Sie kannten etliche Rituale, die der Art, wie wir heute Magie durchdringen, aber noch fern lagen, aber dennoch ebenso wichtige gedankliche Grundlagen f\u00fcr unsere heutigen Kenntnisse sind. Im Buch wurde ein weiteres Werk, &#8222;Fr\u00fchgeschichte der Magie&#8220;, dazu empfohlen.&#8220; Sie linste kurz auf ihre Notizen, um den Namen des genannten Buches zu pr\u00fcfen. Mitras nickte stumm, hob eine seiner Brauen anerkennend und wartete darauf, dass sie fort fuhr. Bis hierher war ihr Vortrag f\u00fcr eine blo\u00dfe Zusammenfassung schon sehr detailliert gewesen. Ob sie sich zu sehr in einem einzelnen Aspekt festgebissen hatte?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Uldum wurde rasch ein wichtiges Zentrum, von dem aus das mit Magie gesegnete K\u00f6nigshaus Handelbeziehungen zu den umliegenden St\u00e4dten aufbaute. Sie waren f\u00fcr die damalige Zeit ungew\u00f6hnlich gut organisiert, und so gelang es ihnen, mit pr\u00e4zisen Angriffen, guten Verhandlungen und einer effizienten Verwaltung, das ganze Hochland zu ihrem Land zu machen. Auch die K\u00fcstengebiete zwischen Olfiat und dem Dschungel im S\u00fcden gewannen sie rasch dazu. Etwa im Jahre 600 ante Albion begann dann der gro\u00dfe Kriegszug, in dem \u00edn vielen Generationen die Ausdehnung des Reiches nach Westen vergr\u00f6\u00dfert wurde, bis es im Zeitraum von 450 bis 300 ante Albion seine gr\u00f6\u00dfte Ausdehnung erreichte: Im Norden gr\u00fcndeten sie Agrippina am kleinen Fluss Lines und konnten dort \u00fcber viele Jahrhunderte die Grenze zum Reich der wilden Skir halten, die sie zuvor aus den s\u00fcdwestlichen Gebieten vertrieben hatten, auch ihre damalige Hauptstadt Hrafjor an der M\u00fcndung des Haugar fiel dem Reiche nach zwei gro\u00dfen Feldz\u00fcgen zu. Ebenso reichte es im Norden bis zum Olfiat und zum Fluss Granha, der heutzutage fest in der Hand der Skir ist. Die gro\u00dfen Seen bildeten die restliche Nordgrenze. Im S\u00fcden reichte das gro\u00dfe Rasenna-Reich \u00fcber die ganze W\u00fcste bis zum heutigen Ort Sadones an der Westk\u00fcste unseres Kontinents, den wir Anotal nennen. Die Alzadia aus den dampfenden Dschungeln verhinderten eine weitere Ausdehnung, da sie im Krieg auch D\u00e4monen beschworen, aber im Osten gelang es den Kriegern und Magiern, auch Dschungelgebiete zu erobern, und das, was heute das K\u00f6nigreich Rigar ist, geh\u00f6rte vollst\u00e4ndig zu Rasenna. Ein derart gro\u00dfes Land erforderte eine effektive Verwaltung, und ebenso wie beim Kriegswerk gingen unsere Vorfahren auch hier systematisch, logisch und sinnvoll vor. Sie bauten Stra\u00dfen, erfanden das Postsystem und \u00f6ffentliche Kutschen, so dass jeder reisen konnte. Sie gr\u00fcndeten Schulen und brachten auch in entlegende Landstriche die M\u00f6glichkeit, Lesen und Schreiben zu lernen. Doch der Wohlstand und der Reichtum machten auch unzufrieden, und so begannen politische R\u00e4nke und Machtspiele das Reich von innen heraus zu bedrohen. 242 ante Albion spaltete sich Rigar von Rasenna ab, es besteht seitdem als eigenes Reich.&#8220; Kira holte Luft und trank einen Schluck aus der bereitstehenden Teetasse.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras ging die Fakten, die sie gerade pr\u00e4sentiert hatte, im Geiste durch und fand keine Ungenauigkeiten oder gar Fehler. Es wirkte so, als wenn sie die Kapitel \u00fcber die Geschichte Rasennas schon fast vollst\u00e4ndig durchgearbeitet hatte. Das konnte sie unm\u00f6glich innerhalb eines Tages geschafft haben. Entweder wusste sie vorher schon deutlich mehr, als sie Eingangs eingestanden hatte, was auf ein vermindertes Selbstwertgef\u00fchl schlie\u00dfen lie\u00df. Oder sie hatte deutlich mehr Zeit in die Recherche gesteckt, als nur die Zeit vom Fr\u00fchst\u00fcck bis jetzt. Doch ehe er diesen Gedanken konkretisieren konnte, legte sie schon wieder los.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Im Jahre 198 begann dann die Katastrophe, die das Ende des Rasennareiches einl\u00e4utete: Der Exodus. Aus Dytica, dem Kontinent im Westen, von dessen Existenz die Menschen hier bisher nur wenig wussten, flohen die Angshire vor den schrecklichen Kriegen und Praktiken der Nangai\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b auf ihren schnellen Schiffen. Sie landeten zun\u00e4chst im Skirgebiet n\u00f6rdlich von Agrippina, doch ihre Schiffe waren bald zu zahlreich und landeten \u00fcberall an der n\u00f6rdlichen Westk\u00fcste, und die Truppen des Reiches konnten sie bald nicht mehr aufhalten, sie eroberten ein Gebiet nach dem anderen. Gleichzeitig stritten sich die Herrscher in Uldum mit denen in Silias und Berg und mangels Thronfolger auch untereinander, und statt sich zusammenzuschlie\u00dfen, traten immer mehr Provinzen aus dem Reich aus, bis es schlie\u00dflich etwa 100 Jahre vor der Gr\u00fcndung von Albion kein Rasenna mehr gab. In diesen hundert Jahren regierten die F\u00fcrsten in den kleinen Provinzen eigenm\u00e4chtig, es einte sie h\u00f6chstens einmal eine gelungende Hochzeit. Doch Miras di Tritida sah, dass die Kultur, die so viele Jahrhunderte den Kontinent gepr\u00e4gt hatte, in den Herzen vieler Menschen noch stark war. Er sammelte Erzmagier aller Schulen um sich, f\u00fchrte Gespr\u00e4che mit den Adeligen und F\u00fcrsten in und um Uldum und gr\u00fcndete letztendlich Albion, das nun wieder w\u00e4chst und gedeiht.&#8220; Kira verstummte, pr\u00fcfte noch einmal ihre Notizen und blickte ihn dann erwartungsvoll an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8220; Das war sehr ausf\u00fchrlich. Wie lange haben Sie f\u00fcr die Recherche gebraucht und wie sehr konnten Sie dabei auf Vorwissen aufbauen?&#8220; fragte er sie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Kira \u00fcberlegte einen Moment. &#8222;Also, ich glaube, ich bin um halb sieben aufgestanden und habe dann angefangen, aber ich wusste halt schon ein bisschen was \u00fcber den Zerfall Rasennas und die Gr\u00fcndung von Albion. Ich wusste gar nicht, wie viel unserer modernen Errungenschaften auf Erfindungen aus den Tagen vor Albion fussten, unser Geschichtslehrer hat das immer als Vorz\u00fcge Albions hervorgehoben. Ein bisschen Zeit habe ich verloren, weil ich mich mit der Geschichte um Savora genauer besch\u00e4ftigt habe. Es wurde ja schon w\u00e4hrend der Fr\u00fchzeit von Rasenna angefangen zu bauen, und die gro\u00dfe Treppe fand ich faszinierend, von einer Verschmelzung von Magie und Handwerk zu so fr\u00fcher Zeit hatte ich vorher noch nichts geh\u00f6rt. Ich, hmm&#8230;&#8220; Sie schaute verlegen auf ihre Notizen, bl\u00e4tterte dann darin und deckte die Zeichnung auf, die er vorhin schon kurz gesehen hatte. &#8222;Ich fand, es sieht wirklich sch\u00f6n aus, deswegen habe ich mir die Skizzen im Buch angesehen und eine eigene gemacht, wie ich es mir vorstelle&#8230; Naja, also, ich bin jetzt keine gro\u00dfe K\u00fcnstlerin, aber ich mag es, wenn meine Notizen auch in Bildern zeigen, was wichtig und sch\u00f6n ist.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Kann ich Ihre Skizze einmal sehen?&#8220; fragte er neugierig. Kira reichte ihm das Heft, die Seite mit dem Bild aufgeschlagen.&nbsp;Es war handwerklich ordentlich. Sie hatte Schattierungen eingesetzt, einzelne Details herausgearbeitet und die Linienf\u00fchrung war auch genau. Man sah ihm allerdings auch an, dass sie keine gelernte K\u00fcnstlerin war, einige Perspektivlinien waren verschoben, die B\u00e4ume ein wenig zu gleichm\u00e4\u00dfig, um realistisch zu wirken. Mitras musste sich aber eingestehen, dass er eine solche Zeichnung vermutlich nicht besser hinbekommen h\u00e4tte. Kira rutschte ein wenig unruhig, nun doch nerv\u00f6s geworden, auf ihrem Stuhl hin und her. &#8222;Das ist eine wirklich gute Skizze geworden. Ich nehme an, Sie haben schon h\u00e4ufiger Szenen und dergleichen auf Papier festgehalten?&#8220;&nbsp;&#8222;Hmm, danke. Ein bisschen, meistens eher Pflanzen. Ich wollte Pflanzenkundige werden, so wie Bruder Harras. Ein bisschen habe ich auch getr\u00e4umt, die Geister w\u00fcrden mir ihre Gunst schenken, und mir ein bisschen Magie geben, wie bei ihm&#8230;&#8220; Sie lachte verlegen. &#8222;Ist wohl ein bisschen mehr geworden, nur reichlich sp\u00e4t&#8230;&#8220;&nbsp;&#8222;Das kann man wohl so sagen.&#8220; antwortete Mitras lachend. &#8222;Sie k\u00f6nnen also Pflanzen malen und auch einige bestimmen? Darauf w\u00fcrde ich gerne ein anderes Mal zur\u00fcck kommen. Neben der Verwandlungsmagie habe ich auch die Alchemie studiert, bin aber eher mit Mineralien und Erzen bewandert. Bei Pflanzen kann ich noch Unterst\u00fctzung gebrauchen. Wer wei\u00df, vielleicht ergibt sich da was. Aber das ist jetzt noch Zukunftsmusik. Gut. Sie haben die Geschichte des Reiches Rasenna in kurzer Zeit sehr detailiert herausgearbeitet und kennen sich auch mit der j\u00fcngeren Geschichte Albions aus. Wie steht es um die Geografie?&#8220; Kira zuckte mit den Schultern. &#8222;Naja, ich wei\u00df, dass wir ein Hochland und ein gro\u00dfes Gebirge haben, und dass es die flache Marsch gibt, wei\u00df ich ja leider aus eigener Erfahrung.&#8220; Mitras stutze kurz bei der so negativen Erw\u00e4hnung ihrer Heimat, wollte da jetzt aber auch nicht nachbohren. Daf\u00fcr w\u00e4re sp\u00e4ter noch Zeit, wenn er mehr wusste. Dass man die Provinz nicht mochte, konnte er aber durchaus verstehen. Sie hatte schlie\u00dflich wenig zu bieten au\u00dfer, naja, Land. &#8222;Einiges konnte man ja auch schon auf den politischen Karten zu den Schlachtz\u00fcgen sehen. Aber so viel wie in Geschichte wei\u00df ich da nicht, Geschichte war immer mein Lieblingsfach, neben Biologie. Ich wollte diese Kapitel am n\u00e4chsten Ingastag lesen, nachdem ich die anderen B\u00fccher angelesen habe, wie Sie es angeordnet haben.&#8220;, erg\u00e4nzte Kira. &#8222;Sie k\u00f6nnen nat\u00fcrlich aus Eigeninteresse jederzeit weitere Nachforschungen betreiben, aber sobald ich eine komplette \u00dcbersicht \u00fcber ihren Wissensstand habe, werde ich einen weiteren Lehrplan ausarbeiten. Ich denke mal, dass Sie \u00fcber Geschichte schon genug wissen, um selbst\u00e4ndig zu entscheiden, wo und was Sie vertiefen wollen. Ich werde den Fokus dann verst\u00e4rkt auf die anderen Gebiete legen.&#8220; Folgsam senkte die junge Frau den Kopf. &#8222;Ja, Magister. Sind Sie denn f\u00fcr&#8217;s Erste zufrieden mit meiner Arbeit?&#8220;&nbsp;Mitras lachte: &#8222;Nat\u00fcrlich bin ich das. Sie sollten sich einen groben \u00dcberblick verschaffen und was Sie geliefert haben, war ein detaillierter Aufsatz \u00fcber die letzten 2000 Jahre Geschichte unserer Region. Das ist deutlich mehr, als ich erwartet habe.&#8220;&nbsp; Kira atmete h\u00f6rbar aus und lief auf ihm bereits bekannte Weise rot an. &#8222;Danke.&#8220;, hauchte sie. &#8222;Machen Sie weiter so, und wir werden hervorragend zusammen arbeiten k\u00f6nnen. Eine Mahnung habe ich aber noch. Sie sagten, dass sie bereits um halb sieben angefangen haben. Wenn ich das richtig verstehe, haben Sie, vom Fr\u00fchst\u00fcck mal abgesehen, bis eben durchgearbeitet. Ich finde Ihren Enthusiasmus erfrischend, aber Sie stehen erst am Anfang Ihrer Ausbildung und es warten noch etliche harte Abschnitte auf Sie. \u00dcbertreiben Sie es nicht mit der L\u00e4nge Ihrer Arbeit. Mit acht Stunden h\u00e4tten Sie auch schon eine sehr gute Leistung erreicht und mich beeindruckt. Arbeiten Sie aber jeden Tag so hart, werden Sie irgendwann keine Kraft mehr haben, um weiter zu machen. Ich habe das in der Vergangenheit schon oft genug bei Kommilitonen erlebt. Aber jetzt sollten Sie sich kurz etwas frisch machen, es gibt gleich Abendessen.&#8220; Kira nickte. &#8222;Ja, Magister. Bis sp\u00e4ter.&#8220; Sie knickste leicht und verlie\u00df das Labor. Mitras sa\u00df noch einen Moment sinnierend am Schreibtisch. Das hatte sich Thadeus bestimmt nicht so gedacht, als er ihm Kira zuwiesen hatte. Eine starke Sch\u00fclerin, flei\u00dfig, folgsam. Von den &#8222;charakterlichen Fehlern und angriffslustigem Verhalten&#8220;, die im ersten Brief erw\u00e4hnt worden waren und die die Zuweisung an die Akademie in Uldum rechtfertigten, war keine Spur zu sehen. Stattdessen schien sie ihn immer wieder \u00fcberraschen zu k\u00f6nnen. Innerlich triumphierte Mitras ein wenig. Sollte der alte Sack doch sehen, um wie viel besser eine Magierin sein konnte, die &#8222;von niederer Geburt war&#8220;, wie Tadeus es ausdr\u00fcckte, und von einem &#8222;halbgaren Alchemisten&#8220; ausgebildetet werden w\u00fcrde. Kira bot auf jeden Fall das n\u00f6tige Potential, um schon bei ihrer Aufnahme in die Akademie zu beeindrucken. Er w\u00fcrde sie unterst\u00fctzen und st\u00e4rken, dann w\u00fcrde auch er weiter an Ansehen und Macht gewinnen. Wieder sehnte er sich den morgigen Abend herbei, um mit Titus reden zu k\u00f6nnen. Seine Dienste w\u00fcrden sicher ein wenig Licht in die Mysterien um ihre Familie bringen k\u00f6nnen. Mitras g\u00e4hnte kurz und beschlo\u00df dann, sich noch einige Minuten hinzulegen, ehe er zum Essen ging. Heute Nacht musste er wieder den Generator laden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Mitras sie entlassen hatte, brachte Kira ihre Unterlagen zur\u00fcck in ihr Zimmer. Sie wusste, dass Geschichte eine ihrer St\u00e4rken war, aber dennoch war seine Anerkennung wirklich wichtig f\u00fcr sie. Das Wort &#8222;Zukunftsmusik&#8220; schwirrte in ihrem Kopf, und kurz gab sie sich der Vorstellung hin, ihm tats\u00e4chlich von Nutzen sein zu k\u00f6nnen. Er war ein wundervoller Lehrmeister. F\u00fcr einen Moment lang lie\u00df sie sich aufs Bett sinken und betete zu allen Geistern der Stadt und zu denen, die ihr noch einfielen, dass sie ihn nie w\u00fcrde entt\u00e4uschen m\u00fcssen. Er war so g\u00fctig zu ihr und liebevoll. Kira war \u00fcberzeugt, dass sie vermutlich den besten Magister der Stadt erwischt hatte. Die anderen, denen sie in der Akademie begegnet war, waren zwar nicht unh\u00f6flich gewesen, aber ihnen hatte jedes Gef\u00fchl von W\u00e4rme gefehlt, dass sie bei Mitras nun so deutlich sp\u00fcrte. Sie dachte an den ersten Tag, an ihre Angst und das Gef\u00fchl, er h\u00e4tte sie nicht im Haus haben wollen. Selbst da, so schien es ihr, war er nie ihr direkt gegen\u00fcber abweisend gewesen. Vielleicht war er auch einfach nerv\u00f6s, weil sie seine erste Sch\u00fclerin war? Der Gedanke lie\u00df Kira kichern. Aber obwohl ihr Mitras nahezu unfehlbar vorkam, war der Gedanke angesichts dessen, wie er heute ihr den Tee gebracht hatte, gar nicht so unrealistisch. Sie grinste in sich hinein. Ein Magister, der statt seines Dienstboten den Tee brachte. Das war so unrealistisch, dass irgendwie alles andere realistisch wurde. Niemand, wirklich niemand, kicherte sie, w\u00fcrde ihr das glauben. Sie sp\u00fcrte, wie mit dem Kichern die Anspannung von ihr abfiel, die sich vor dem Gespr\u00e4ch aufgebaut hatte. Nach einer Weile fing sie sich, r\u00fcckte ihr Kleid zurecht, ging zum Spiegel und flocht ihre Haare noch einmal sorgf\u00e4ltig neu, um zum Abendessen einigerma\u00dfen gut auszusehen. Sie trug ihre eigenen Kleider, w\u00e4hrend sie lernte, und da sie ja schon einen Moment auf dem Bett gelegen hatte, fehlte ihr die Zeit, nun noch das rote anzuziehen. Aber auf der anderen Seite gab es ja keinen Besuch, und Mitras hatte nichts zu ihrem Kleid gesagt, also ging das wohl auch so. Es ist ja eh ein Familienessen, scho\u00df es ihr durch den Kopf, und die neuen Kleider sind ja doch sehr edel, die w\u00fcrde sie besser tragen, wenn es wirklich Besuch gab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie ging nach unten. William und Tobey sa\u00dfen bereits am Tisch, Abigail kam gerade durch die Gartent\u00fcr herein. In ihren Haaren funkelten Wassertropfen, also schneite es wohl schon wieder. Kira gr\u00fc\u00dfte die Anwesenden und setzte sich an ihren Platz. Auch Mitras trat hinter Kira durch die T\u00fcr und setzte sich. Seine Haare waren ein wenig zerstrubbelt, was Kira erleichterte &#8211; ein Familienessen, auch er war nicht besonders hergerichtet, also passte ihr Kleid. Auf dem Tisch standen heute nur zwei gro\u00dfe Schalen, es gab eine Art Eintopf und dazu kleine, aus Teig ausgestochene Sterne, die wohl gekocht waren. Kira betrachtete sie neugierig. &#8222;Ha, das hast du wohl noch nie gesehen, was?&#8220;, freute sich William. &#8222;Nein, tats\u00e4chlich nicht.&#8220; Kira drehte das Teigst\u00fcck auf ihrer Gabel. &#8222;Es kommt aus Rigar und hei\u00dft Nudel. Man kann den Teig in ganz vielen verschiedenen Formen ausstechen. Er wird dann kurz in Salzwasser gekocht. Praktischerweise kann man es auch nach dem Ausstechen trocknen und dann erst viel sp\u00e4ter kochen.&#8220; Kira probierte vorsichtig. Das Teigst\u00fcck, die Nudel, schmeckte kaum nach etwas, aber war trotzdem lecker. Sie f\u00fcllte sich einige davon auf den Teller und gab dann einige Kellen vom Eintopf dar\u00fcber, wie sie es bei Mitras und Tobey sah. Gemeinsam mit der Suppe schmeckten die Nudeln sogar ziemlich gut, und sie a\u00df mit Begeisterung. Tobey beendete das Mahl als erster und strich sich wieder \u00fcber den gut gef\u00fcllten Bauch. &#8222;Ich sag es ja oft, aber auch immer wieder gern: Einen Gott hast du da angestellt, Magister.&#8220; William grinste breit. &#8222;Ha, stets zu Diensten, immer gern, Tobey. Gute Leute brauchen gutes Essen.&#8220; Mitras lachte kurz. &#8222;Das geht so aber nicht, William, du machst auch gutes Essen, wenn wir ungute Leute zu Besuch haben.&#8220; Er nahm einen weiteren L\u00f6ffel, kaute kurz und sagte dann: &#8222;Bei guten Leuten und guten Essen: Silenz kommt \u00fcbrigens Rieke wieder. Sie w\u00fcnscht sich diese gef\u00fcllten Nudeltaschen, die du das letzte Mal gemacht hast.&#8220; William dachte einen Moment lang nach und nickte dann. &#8222;Das sollte gehen, aber wir haben keine Tomaten mehr. Ich denke, man kann die F\u00fcllung auch mit Pilzen machen&#8230;&#8220; Er blickte zur Seite an Mitras vorbei zu Kira. &#8222;Hat unsere wundersch\u00f6ne neue Lady etwas gegen Pilze?&#8220; Kira sch\u00fcttelte den Kopf und \u00fcberlegte, wie sie&nbsp;mit seinen Schmeichelein umgehen sollte, beschloss dann aber, sie einfach zu \u00fcbergehen. Mitras nickte zufrieden. &#8222;Dann machen wir das so. Kira, ich vermute, Sie waren noch nie im Hochland, oder?&#8220; Kira sch\u00fcttelte wieder den Kopf. &#8222;Nun, dann werden wir, falls Sie Lust haben und das Wetter sich bessert, am Silenz eine kleine Kutschfahrt mit meiner Schwester unternehmen.&#8220; Kira nickte mit deutlicher Begeisterung. Mehr vom Land zu sehen, w\u00e4re bestimmt interessant. Au\u00dferdem erl\u00f6ste es sie von der Frage, was sie an Silenz machen sollte. &#8222;Das w\u00fcrde ich gerne machen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die anderen waren nun mit Essen fertig. Abigail r\u00e4umte das Geschirr zusammen und bat Tobey, noch eine Weile im Haus zu bleiben, sie wolle mit Kira Kleider anprobieren. Dieser bot daraufhin William seine Hilfe an, und Abigail holte Kiras Schuhe und einen \u00dcberwurfmantel aus dem Flur. &#8222;Komm, es ist ein wenig rutschig durch den neuen Schnee, sollte aber so gehen.&#8220; Gemeinsam traten sie in den Garten hinaus. Im Schein der kleinen Lampe, die Abigail trug, sah Kira einen Pfad unter einigen B\u00e4umen hindurch neben zwei l\u00e4nglichen Beeten, der auf eine niedrige Hecke zuf\u00fchrte. Dahinter lagen zwei Geb\u00e4ude: Ein zweist\u00f6ckiges Gesindehaus und eine niedriges, dunkles Geb\u00e4ude ohne Fenster daneben. Abigail f\u00fchrte sie zum Gesindehaus, \u00f6ffnete die T\u00fcr und winkte sie in den schmalen Flur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Haus roch irgendwie vertraut. Kira brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass es nach Kaminfeuer roch. Abigail f\u00fchrte sie durch den schmalen Flur, von dem einige Fenster abgingen, in ein kleines, gem\u00fctliches Wohnzimmer mit einer Couch und einem Sessel vor einem Kamin, der nun aber aus war, einigen Regalen mit wenigen B\u00fcchern und etlichen K\u00f6rben und Schachteln darin und direkt am Fenster einer N\u00e4hmaschine auf einem gro\u00dfen Tisch. Gerade lagen verschiedene Bahnen eines Stoffes auf dem Tisch, dessen Farbe irgendwie zwischen Pflaume und roter Weintraube lag. &#8222;Schau, ich habe mit der Magierrobe angefangen, wer wei\u00df, wann du zu irgendeinem offziellen Gildentreffen mit Mitras musst.&#8220; Sie hob den Stoff an und Kira sah, dass es tats\u00e4chlich eine recht schlicht geschnittene Robe mit weiten \u00c4rmeln war, wie sie im ganzen Reich von Magiern jeden Geschlechtes getragen wurden. Abigail hatte zwei silberne Bord\u00fcren angesteckt, auch die \u00c4rmel waren noch nicht festgen\u00e4ht, sondern nur gesteckt. Auf ihre Anweisung zog Kira ihr Kleid aus und schl\u00fcpfte in die Robe, um dann eine ganze Weile still zu stehen und sich nur ab und zu zu drehen, w\u00e4hrend Abigail unten den Saum absteckte. Danach pr\u00fcfte sie den Sitz der \u00c4rmel und zum Schluss steckte sie mit einem kleinen Zwinkern am Oberk\u00f6rper einiges ab. &#8222;Das muss ja nicht aussehen, als k\u00e4me es direkt aus der Rasenna-Mode, nicht? Ein bisschen Figur kann man schon reingeben.&#8220; Kira nickte. Sie dachte daran, wie gut das gr\u00fcne, sehr figurbetonte Kleid ausgesehen hatte. Es hatte auch Mitras gefallen und William hatte es ja wirklich ausf\u00fchrlich gelobt. Die Erinnerung lie\u00df sie grinsen, w\u00e4hrend sie Abigails Erkl\u00e4rungen zu den Kleidungsvorschriften lauschte: &#8222;Wenn du das erste Lehrjahr bestanden hast, kann ich die Bord\u00fcren festn\u00e4hen. Bis dahin lege ich sie beiseite und es bleibt nur hier der silberne Saum am Ausschnitt, der dich als Magierin kennzeichnet. Die Robe muss \u00fcbrigens nicht violett sein, aber ich fand, der Stoff passt zu deinen Haaren. Hast du gesehen, wie er im Licht den Farbton ein wenig \u00e4ndert?&#8220; Kira schaute nocheinmal hin. Tats\u00e4chlich schien der Stoff im Schatten violetter zu sein, w\u00e4hrend er im direkten Licht der elektrischen Lampe neben dem Tisch beinahe nur r\u00f6tlich wirkte. &#8222;Ich wette, bei der Herstellung wurde auch Magie eingesetzt.&#8220;, plauderte Abigail. &#8222;Nimm mal die Arme hoch. Ja, so. Matthes wollte auf jeden Fall viel zu viel Geld daf\u00fcr, aber er probiert es jedes Mal wieder.&#8220; Sie lachte kurz. &#8222;Nicht mit mir, nicht mit der alten Abby! Du kannst die Arme wieder runter nehmen.&#8220; Zufrieden betrachtete sie ihr Werk. &#8222;Das sollte reichen. Jetzt zum n\u00e4chsten. Ich fand, das gr\u00fcn steht dir wirklich ganz gut, deswegen habe ich einen gemusterten Stoff in wei\u00df und gr\u00fcn ausgesucht, schau.&#8220; Sie holte einen wiesengr\u00fcnen Stoff hervor, auf dem zahlreiche wei\u00dfe Bl\u00fcten abgebildet waren. &#8222;Ich dachte mir, daraus k\u00f6nnten wir ein Korsett machen, und dann einen Rock mit gr\u00fcnem Stoff und wei\u00dfem T\u00fcll und wei\u00dfen B\u00e4ndern. Und dann setze ich einige kleine Bl\u00fcten aus goldenem Stoff darauf. Dann kannst du dazu auch den Hut tragen, den du gestern schon hattest, mit den gr\u00fcnen und goldenen B\u00e4ndern.&#8220; Kira bestaunte den Stoff. &#8222;Wie bekommt man so ein Muster darauf?&#8220; &#8222;Ich glaube, das wird direkt beim Weben gemacht. Aber es ist sehr aufwendig, deswegen sind solche feinen Muster teurer.&#8220; Kira seufzte. &#8222;Das ist so unwirklich, Abby. Eine Woche f\u00fcttere ich noch in den alten Hosen meines Bruders die Schweine und in der n\u00e4chsten Woche sitze ich hier mit dir und bekomme Kleider ma\u00dfgeschneidert. Ich habe die ganze Zeit das Gef\u00fchl, ich wache gleich auf, und dann war alles nur der beste Traum, den ich je hatte.&#8220; Abigail schmunzelte. &#8222;Siehst du, deswegen Sieze ich dich auch nur, wenn wir nicht im Haus sind. Du wirst dich an deinen neuen Stand gew\u00f6hnen, ich bin mir sicher, das gelingt dir. Du hast das gestern schon ganz gut gemacht.&#8220; Kira blickte sie an, wie sie den Stoff wegr\u00e4umte und ein Ma\u00dfband hervor holte. Eigentlich h\u00e4tte sie mich immer Siezen m\u00fcssen, stimmt, dachte sie. Aber das w\u00e4re so komisch gewesen, und so k\u00fchl. So war alles warm und willkommen, seitdem ich das Haus betreten habe. Einem pl\u00f6tzlichen Impuls folgend trat sie auf Abigail zu und schlo\u00df sie fest in die Arme. &#8222;Danke, dass du mich so lieb aufgenommen hast und danke, dass du mich gleich geduzt hast. Ich f\u00fchle mich viel weniger einsam, seitdem ich hier bei euch bin.&#8220; Abigail strich ihr \u00fcber den R\u00fccken und sagte mit ein wenig belegter Stimme. &#8222;Kindchen. Kindchen. Alles gut. Nat\u00fcrlich bist du hier willkommen. Glaubst du, ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie es war, als ich zuhause ausgezogen bin? Und dabei haben meine Eltern nur drei Stra\u00dfen weiter gewohnt.&#8220; Interessiert sah Kira sie an, w\u00e4hrend Abby nun mit einem Ma\u00dfband ihren Oberk\u00f6rper verma\u00df. &#8222;Wo kommst du her?&#8220; &#8222;Ich bin in Durnum geboren, an der Grenze zu Rigar. Dort habe ich auch meine Ausbildung zur Schneiderin gemacht, und ich kann dir sagen, ich war ziemlich erfolgreich.&#8220;, erz\u00e4hlte Abigail stolz. &#8222;Meine Eltern stammen aus New-Jos, n\u00f6rdlich von Hjarfor, und als ich meine Gro\u00dfeltern dort nach dem Bau der Eisenbahn einmal besuchte, traf ich Tobey auf einem Dorffest. Es war sofort um uns geschehen!&#8220; Einen Moment lang hielt Abigail sowohl in der Arbeit als auch in der Erz\u00e4hlung inne und l\u00e4chelte in sich hinein. &#8222;Naja, und da er sowieso davon tr\u00e4umte, nach Albion zu kommen, habe ich ihn mitgenommen, und bin mit ihm hierher nach Uldum gezogen.&nbsp; Erst lief es auch ganz gut, der Ruhm meiner Kleider war mir voraus geeilt&#8230;&#8220; Abigail verstummte und notierte sich die Daten, die sie gerade gemessen hatte. &#8222;Na, als es dann nicht mehr so gut lief, trafen wir zum Gl\u00fcck Mitras. Er sch\u00fctzt uns, und ich bin wirklich gl\u00fccklich, hier dienen zu k\u00f6nnen. Kein anderer Adeliger, egal ob durch Magie geadelt oder von Geburt an, behandelt Bedienstete so wie Mitras. Manchmal denke ich, ihm sind St\u00e4nde eigentlich ganz egal, er spielt nur mit, weil er es muss&#8230;&#8220; Kira schaute sie zweifelnd an. &#8222;Er war gestern morgen aber wirklich ziemlich sauer, als ich waschen wollte.&#8220; Abigail grinste sie an. &#8222;Das h\u00e4tte ich dich sowieso nicht machen lassen. Du wirst schnell genug merken, dass dein Leben auch ohne selber waschen zu m\u00fcssen anstrengend wird. Schau dir unseren Magister an: Alle zwei Tage muss er im Moment den Generator aufladen mit seiner magischen Energie, und ich glaube, er schl\u00e4ft die ganze Nacht davor und danach nicht, oder zumindest nur wenige Stunden. Deswegen war er auch so m\u00fcde, als wir ihn heute morgen gesehen haben.&#8220; &#8222;Alle zwei Tage eine ganze Nacht wach? Wie schafft er es, den Rest der Zeit noch so gut auszusehen?&#8220;, fragte Kira verbl\u00fcfft, erinnerte sich aber dann auch daran, dass Mitras ja etwas \u00e4hnliches erw\u00e4hnt hatte. &#8222;Das, Kindchen, ist sein Berufsgeheimnis!&#8220;, lachte Abigail. &#8222;Aber wenn du es schaffst, das aus ihm rauszukriegen, verrate es mir &#8211; ich wette, damit l\u00e4sst sich auch Geld machen beim jungen Partyvolk.&#8220; Sie lachten gemeinsam. Dann nickte Abigail zum Tisch hin und sagte: &#8222;Das gen\u00fcgt mir erstmal. Nun sollte ich ein paar Tage n\u00e4hen k\u00f6nnen, und dann bitte ich dich wieder hierher. Magst du Tobey Bescheid geben, dass er wieder nach Hause kommen kann, wenn du r\u00fcber gehst?&#8220; Kira nickte. &#8222;Danke, Abby. Ich freue mich so sehr auf die Kleider, die werden auf jeden Fall toll sein.&#8220; Abigail winkte ab. &#8222;Das freut mich, aber die Freude ist ganz meinerseits. Ich f\u00fchle mich gleich 10 Jahre j\u00fcnger, mich wieder durch die ganzen aktuellen Modezeitschriften zu w\u00fchlen und Kleider zu planen. Achja, bei j\u00fcnger f\u00fchlen: Mitras wird heute abend wieder besch\u00e4ftigt sein. Wenn du das Bad nutzen m\u00f6chtest, w\u00e4re heute abend also eine gute Idee.&#8220; &#8222;Oh, hmm&#8230; danke f\u00fcr den Hinweis. Muss ich da noch irgendwas beachten?&#8220; Ein warmes Bad w\u00e4re bestimmt gut, und ein Luxus, den sie definitiv genie\u00dfen wollte. &#8222;Nein, du kannst einfach warmes Wasser einlaufen lassen. Handt\u00fccher liegen im kleinen Regal, und oben steht eine Schale mit Badekugeln, die machen das Wasser sch\u00f6n schaumig. Gute Nacht und viel Spa\u00df!&#8220; Kira zog sich wieder an, verabschiedete sich und ging nach drau\u00dfen. Der Schein von Lunet und Lunar, den Mondschwestern, lie\u00df den Schnee im Garten glitzern, die Wolken hatten sich endlich verzogen. Einen Moment lang betrachtete sie das Geb\u00e4ude, das gegen\u00fcber des Gesindehauses stand. Der Backsteinbau hatte nur ein etwas h\u00f6heres Gescho\u00df, vermutete sie anhand des gro\u00dfen Tores. An einer Ecke gab es einen langen Mast, von dem aus mehrere elektrische Leitungen zum Nachbarhaus und zur Stra\u00dfe f\u00fchrten. Ob Mitras dort den von Abby erw\u00e4hnten magischen Generator betrieb und den Strom an die Nachbarschaft verkaufte? Sie sp\u00fcrte, wie die kalte Luft sie zum Fr\u00f6steln brachte, also beendete sie ihre Beobachtungen und eilte aufs Haus zu, dem gerade nur mit dem neuesten Schnee bedeckten Pfad folgend. In Mitras Fenster leuchtete schwaches Licht, und im Esszimmer sa\u00dfen William und Tobey bei einer Partie Dame. Kira richtete Abigails Botschaft aus und ging dann in ihr Zimmer, um den Schlafanzug und ihre Seife zu holen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unten im Bad studierte sie einen Moment die Amaturen, ehe sie verstand, welchen Hahn man f\u00fcr hei\u00dfes Wasser drehen musste. Dann lie\u00df sie die runde Wanne in der Mitte des Raumes mit warmen Wasser vollaufen. Auf der runden Kante standen verschiedene kleine Karaffen mit \u00d6len. Kira \u00fcberlegte, ob sie davon etwas nehmen sollte,&nbsp;entschied sich aber dagegen. Die \u00d6le waren bestimmt teuer gewesen und geh\u00f6rten Mitras, sie hatte schon genug von ihm bekommen. Allein die Tatsache, dass sie baden durfte, war ja schon ein ziemlicher Luxus. Sie zog sich aus, legte ihr Kleid sogf\u00e4ltig auf einen bereitstehenden&nbsp; Stuhl und lie\u00df sich mit einem wohligen Seufzer ins Wasser gleiten. Das warme Wasser tat unglaublich gut, stellte sie fest. Es war schon lange her, dass sie in einem Badezuber gesessen hatte. Und diese gemauerte Wanne war nochmal deutlich interessanter, da sie so gro\u00df war, dass man sich beinahe lang darin ausstrecken und im Wasser schweben konnte. Sie legte den Kopf auf den Rand und lie\u00df sich treiben. Die Ersch\u00f6pfung breitete sich langsam in ihr aus, und sie sackte St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck nach unten ins Wasser. Als das Wasser \u00fcber ihr Gesicht schwappte, wurde sie wieder wach. Sie sch\u00fcttelte sich, angelte sich die Seife und wusch sich. Dann zog sie den St\u00f6psel am Boden der Wanne und stieg aus dem k\u00fchl gewordenen Wasser. Rasch trocknete sie sich ab, zog den Schlafanzug an, reinigte das Bad ein wenig und ging nach oben in ihr Zimmer. Sie hatte eigentlich noch in dem Buch mit den Gesellschaftsregeln lesen wollen, doch kaum war sie in ihrem Bett, fielen ihr bereits die Augen zu. Also kuschelte sie sich in die Decke, dachte kurz dar\u00fcber nach, dass Magister Mitras wohl in seinem Zimmer das Laden des Generators vorbereitete, denn sie hatte einen Lichtstreif unter der T\u00fcr hindurchscheinen gesehen. Und dann war sie schon eingeschlafen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am n\u00e4chsten Morgen schlief Mitras fast bis halb neun. Als er zum Fr\u00fchst\u00fcck runterkam, stellte er fest, dass er auch Kira verpasst hatte. Laut Abigail war sie schon vor einer Stunde unten gewesen, hatte trotz ihrer Einw\u00e4nde beim Fr\u00fchst\u00fcck geholfen und war nach dem Essen gleich wieder nach oben verschwunden, um zu lernen. William leistete [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-39","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch-1"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=39"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39\/revisions\/40"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=39"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=39"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=39"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}