{"id":41,"date":"2024-04-15T00:18:11","date_gmt":"2024-04-15T00:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=41"},"modified":"2024-10-26T09:07:23","modified_gmt":"2024-10-26T09:07:23","slug":"rueckschlaege-9-lunet-242-schengstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/04\/15\/rueckschlaege-9-lunet-242-schengstag\/","title":{"rendered":"R\u00fcckschl\u00e4ge &#8211; 9. Lunet 242, Schengstag"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Als Mitras am n\u00e4chsten Tag erwachte, sp\u00fcrte er sofort, dass etwas nicht stimmte. Das Laden war reibungslos verlaufen, er hatte sich auch direkt danach hingelegt, war aber trotzdem um halb acht aufgewacht und deswegen fr\u00fchst\u00fccken gegangen. Dann hatte er sich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck aber wieder hingelegt, um noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Kira hatte sich nicht zum Fr\u00fchst\u00fccken zu ihm gesellt, aber er war zu m\u00fcde gewesen, um sich dar\u00fcber zu wundern, au\u00dferdem war er ja auch zu fr\u00fch beim Fr\u00fchst\u00fcck gewesen. Der Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass es erst kurz vor zehn Uhr war. Gerade mal vier einhalb Stunden Schlaf in der ganzen Nacht waren nicht eben viel. Er blickte sich weiter um und sah dann die Alarmglyphe am Spiegel. Entweder im Labor oder am Generator&nbsp;war irgendetwas schief gelaufen. Er sprang vom Bett und sammelte bereits die n\u00f6tige Magie, um den Spiegel zu aktivieren. Eine kurze Formel, gefolgt von einer Geste und sein Bild verschwamm. Neben der roten Glyphe erschienen weitere mit Symbolen f\u00fcr die anderen Spiegel, durch die er von hier blicken konnte und er w\u00e4hlte schnell den kleinen Spiegel, der dem Generator&nbsp;gegen\u00fcber an der Wand hing. Beruhigt stellte er fest, dass alles in Ordnung war, also das Labor. Er ber\u00fchrte die entsprechende&nbsp; Rune und sah die beiden Testgeneratoren. Der bereits aktivierte wies eine gro\u00dfe Beule an der Oberseite auf und eines der Probeger\u00e4te war umgeworfen worden. Auf dem Ampermeter war kein Stromfluss mehr abzulesen. Er deaktivierte den Spiegel und schnappte sich schnell ein paar Sachen zum anziehen. Sobald er fertig war, hastete er zum Keller. Was war nur schief gegangen? Er hatte den Zauber doch genau analysiert. Wieso war es jetzt zu dieser Panne gekommen?&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Im Keller angekommen \u00f6ffnete er schnell die Geheimt\u00fcr und eilte ins Labor. Hastig wirkte er magische Sicht, um zu \u00fcberpr\u00fcfen ob der Zauber noch wirkte, aber au\u00dfer von den Messger\u00e4ten nahm er keinerlei magische Energie wahr. Das F\u00fchrungsrohr f\u00fcr das Elektrum war zu den Seiten hin offen&nbsp;und er blickte hinein. Der Zylinder war anscheinend leicht nach oben gekippt, hatte das hintere Lager zerst\u00f6rt und war dann in den oberen Rumpf gekracht. Die am Geh\u00e4use angebrachten Eisenschienen hatten den Zauber dann anscheinend geerdet, so dass nicht noch mehr Schaden angerichtet wurde. Mitras fluchte: &#8222;Verdammt! Was bei allen Geistern der Erde&#8230;!&#8220; Das umgefallene Ger\u00e4t war zum Gl\u00fcck aus Silber und enthielt keine empfindlichen Glasteile. Es war weder verbogen, noch h\u00e4tte etwas daran zerspringen k\u00f6nnen. Nachdem er es wieder aufgerichtet hatte, murmelte er: &#8222;Gut, wenigstens sind die Instrumente alle noch intakt. Der Generator l\u00e4sst sich ersetzen, aber die Ger\u00e4te kosten ein Verm\u00f6gen. Gut zu wissen, dass die Eisenb\u00e4nder geholfen haben. Gut, Mitras, das wird schon. Sammel dich und dann lass uns herausfinden, was hier passiert ist.&#8220; Noch etwas fahrig, sog er tief die Luft ein und sammelte sich. Die n\u00e4chste Stunde verbrachte er damit, die magischen Sensoren zu analysieren und ihre Ergebnisse auszuwerten. Es war ein m\u00fchsamer Prozess, der immer wieder das Wirken von Hellsichtszaubern und anderen Analysezaubern erforderte, die wirklich nicht seine Spezialit\u00e4t waren. Doch langsam er\u00f6ffnete sich ihm, was passiert war. Anscheinend hatte der Zauber anfangs gut funktioniert, aber dann schien er sich von der Stelle, an der er angeheftet war, zu l\u00f6sen. Die Wirkung verlagerte sich und pl\u00f6tzlich wurde der Zylinder vom Zauber gegen die Oberseite geschmettert. Dabei war die Wucht so gro\u00df, dass die Lagerung, in die der Zylinder eingespannt war, komplett zerrissen wurde. Danach erfolgten noch weitere Schl\u00e4ge, bis der Mantel riss und das Elektrum gegen die magische Erdung stie\u00df.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira erwachte erholt. Sie kuschelte sich noch einen Moment in die Decken, dann blinzelte sie sich wach. Drau\u00dfen war es noch dunkel. Vorsichtig angelte sie nach der Lampe neben ihrem Bett und knipste sie an. Nach einer Weile wurde es so hell im Zimmer, dass sie die Uhr auf dem Schreibtisch lesen konnte. Es war viertel vor sieben. Kein Wunder, dass sie sich so erholt f\u00fchlte. Sie lauschte einen Moment, im Haus war es ziemlich still. Sie l\u00e4chelte in sich hinein. Jetzt gleich mit Mathematik anzufangen, klang gar nicht so verlockend, aber da sie wach war, k\u00f6nnte sie ja in dem Buch von Niggel lesen. Sie knautschte sich das Kissen zurecht, lehnte sich gem\u00fctlich an und begann, das erste Kapitel zu lesen. Neben langatmigen Ausf\u00fchrungen zur richtigen Einstellung, etwa dem richtigen Ma\u00df an Bescheidenheit oder der Grundeinstellung zu Vertrautheit, gab es eine Einf\u00fchrung in St\u00e4nde, R\u00e4nge, Titel und unterschiedliche Anreden. Ab und zu lie\u00df sie das Buch sinken und \u00fcbte die Formulierungen oder Gesten, die sie fand. &#8222;Sehr wohl, Mylord.&#8220; Es war, so ganz allein und im Schlafanzug im Bett sitzend, manchmal ein bisschen albern, also kicherte sie zeitweise leise in sich hinein. Nach und nach h\u00f6rte sie erste Ger\u00e4usche im Haus und nach einer l\u00e4ngeren Weile, drau\u00dfen war es schon hell geworden, h\u00f6rte sie Schritte auf dem Flur n\u00e4herkommen und dann eine T\u00fcr, aber dann wurde es wieder ruhig. Offenbar war Mitras von unten hochgekommen und in sein Zimmer gegangen. Vielleicht war er beim Generator gewesen? Was hatte der dann den Rest der Nacht gemacht? Gestern abend, als sie schlafen ging, war er ja anscheinend in seinem Zimmer gewesen&#8230; Kira gr\u00fcbelte, beschlo\u00df dann aber, ihn einfach beim abendlichen Bericht zu fragen. Sie schaute auf die Uhr und erschrak. Es war schon neun, sie hatte das Fr\u00fchst\u00fcck vergessen! Rasch legte sie sich ein Lesezeichen in das Buch und stand auf. Nach einer kleinen W\u00e4sche zog sie sich an. Ihr Kleid von gestern war noch sauber genug, beschlo\u00df sie, und ging dann rasch nach unten. In der K\u00fcche stand William und knetete einen Teig. Auf der Arbeitsfl\u00e4che stand wieder ein Fr\u00fchst\u00fcckstablett mit einem Zweig, allerdings war es diesmal ein sch\u00f6n gebogener Zweig eines Stechbusches, mit kleinen, roten Fr\u00fcchten daran. &#8222;Na, ausgeschlafen?&#8220;, lachte er sie an. Kira lief feuerrot an. &#8222;Entschuldige, ich habe gelesen und die Zeit vergessen.&#8220; William rollte die Augen, lachte aber weiterhin. &#8222;Nein, Abby l\u00e4sst sich entschuldigen, sie musste heute fr\u00fch weg und konnte dich deshalb nicht wecken. Sie nahm an, dass ausschlafen dir ausnahmweise auch nicht schaden w\u00fcrde. Du musst dich f\u00fcr nichts entschuldigen oder rechtfertigen. Mitras hat heute auch fr\u00fch gegessen, aber der war so fertig, der w\u00e4re eh keine Gesellschaft f\u00fcr dich gewesen. Ich w\u00fcrde dir ja Gesellschaft leisten, aber wie du siehst, sind meine H\u00e4nde gerade anderweitig gebunden.&#8220; Er hob die H\u00e4nde voller Teig hoch. Kira trat neugierig heran und linste in die Sch\u00fcssel. &#8222;Was wird das denn?&#8220; &#8222;Kekse!&#8220;, verk\u00fcndete William. &#8222;Geh\u00f6rst du auch zu den M\u00e4dchen, die ungemein gerne Kekse ausstechen?&#8220; Kira nickte begeistert. &#8222;Na, dann musst du wohl heute nachmittag wieder herkommen und mit mir Kekse ausstechen.&#8220; Kira grinste ihn an und machte einen kleinen Knicks, wie er laut Niggel f\u00fcr gleichrangige Adelige genutzt wurde. &#8222;Mein Herr, es w\u00e4re mir eine Freude, Ihnen behilflich sein zu d\u00fcrfen.&#8220; William zog kurz die Augenbrauen hoch und lachte dann. &#8222;Oh, hat unsere Lady also vor, den alten William noch zu adeln?&#8220; Kira sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Aber hat man das erkannt? Ich habe ein Buch \u00fcber Begr\u00fc\u00dfungen und andere Regeln ausgeliehen und wollte nur \u00fcben&#8230; &#8220; William nickte, nun ernst geworden. &#8222;Ja, das hat Mitras fr\u00fcher auch mit mir gemacht. Ich musste alles m\u00f6gliche sein, ich glaube, ich kannte den Niggel nachher besser als er selber.&#8220; Kira blickte ihn erstaunt an. &#8222;Ist Magister Mitras nicht von Geburt an adelig gewesen?&#8220; &#8222;Nein, seine Familie ist zwar immer schon ganz gut gestellt gewesen, aber die Venaris waren bis zu Mitras eine H\u00e4ndlerfamilie ohne viele magische Spr\u00f6sslinge. Du h\u00e4ttest seine Mutter sehen m\u00fcssen, als Lord Christobal mit ihm im Schlepptau ankam und ihr er\u00f6ffnete, er habe in seinem Garten die Erde magisch verformt.&#8220; William gluckste bei der Erinnerung. &#8222;Sie brach mitten in ihrer Entschuldigungsflut ab und fragte ihn: Verzeiht, Mylord, aber was haben Sie gesagt? Magisch? Unser Mitras ist magisch? Und als er ihr es best\u00e4tigte, ist sie beinahe vor Aufregung in Ohnmacht gefallen!&#8220; Kira musste unwillk\u00fcrlich bei seiner Erz\u00e4hlung mitlachen, doch schon rasch obsiegte ihre Neugierde. &#8222;Ihr kennt euch schon so lange?&#8220; &#8222;Seitdem wir Pferde\u00e4pfel auf Kutschen werfen konnten.&#8220;, sagte William sichtlich stolz. &#8222;Aber, Lady Kira, ihr solltet nun wirklich essen. Ewig bleibt der Tee auch auf dem St\u00f6fchen im Esszimmer nicht warm.&#8220; Kira z\u00f6gerte, eigentlich interessierte sie die Vergangenheit ihrer neuen Mitbewohner sehr. Aber William hatte sich schon wieder seinem Teig zugewandt, also ging sie ins Esszimmer und fr\u00fchst\u00fcckte. Was Magister Mitras wohl f\u00fcr ein Junge gewesen war? Pferde\u00e4pfel klang irgendwie wild, gar nicht so beherrscht und beherrschend, wie er ihr jetzt vorkam. Es klang fast wie sie selber&#8230; Sie grinste bei den Erinnerungen an die zahllosen Streiche, die sie den anderen Dorfbewohnern gespielt hatte, ohne dass diese je wussten, wer es gewesen war. So wie sie den Sturm hatte kommen sehen, konnte sie oft an guten Tagen auch daf\u00fcr sorgen, dass andere sie gar nicht so gut sahen, indem sie sich dunkle Kleidung aus dem Schrank ihres j\u00fcngeren Bruders holte und sich hinter Str\u00e4uchern, B\u00e4umen oder Ecken verbarg. Und dann hatte der Schlachter, ein grober Mann, der Kira oft genug anfauchte, schonmal pl\u00f6tzlich einige Pferde\u00e4pfel auf dem Kutschensitz gehabt, gerade, als er wieder mal besonders gut aussehen wollte, um eine Durchreisende zu beeindrucken&#8230; oder Bauer Bohnsack, der nie rausgefunden hatte, wer ihm die wei\u00dfen Puderbomben auf den schwarzen Anzug geworfen hatte und warum&#8230; Kira kicherte. Sie hatte gewusst, warum: Immerhin hatte er zuvor Bruder Harras als Nichtsnutz bezeichnet. Ja, das war lustig gewesen. Und verdient dazu. Sie fragte sich bis heute, wie sie aus der Entfernung vom Dach des Hauses ihrer Eltern aus eigentlich genau ihn und nicht seine neben ihm laufende Frau getroffen hatte, aber der Effekt war auf jeden Fall hervorragend. Wie der geschimpft hatte! Gut gelaunt beendete Kira ihr Fr\u00fchst\u00fcck und ging nach oben. Mathematik w\u00fcrde sie ja auch nachher machen k\u00f6nnen, erstmal stand ihr zweites Lieblingsgebiet, Flora und Fauna, an. Sie angelte sich ein neues Heft f\u00fcr Notizen, schlug das erste Kapitel auf und begann zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl Pflanzen als auch Tiere Albions unterschieden sich in verschiedene Gattungen und Arten. Einige Arten wiederum entwickelten, \u00e4hnlich wie bei den Menschen, Unterarten, die mit der Magie von G\u00e4a auf unterschiedliche Art interagierten. Sie konnten sie aufnehmen und speichern, beeinflussen oder sogar f\u00fcr bewusste Zauber nutzen. Kira studierte kurz das Inhaltsverzeichnis und entschied sich dann, f\u00fcr den heutigen Abend einen Vortrag zu den Pflanzen vorzubereiten, die magische Energie speichern konnten und somit gerade in der Alchemie von Interesse waren. Das w\u00fcrde Magister Mitras vermutlich auch interessieren, und sie wusste bisher sehr wenig dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sie nach etwas mehr als einer Stunde gerade dabei war, eine \u00dcbersicht \u00fcber die verschiedenen Speicherungsvarianten anzulegen, h\u00f6rte sie pl\u00f6tzlich, wie es drau\u00dfen heftig rumpelte. Neugierig stand sie auf und \u00f6ffnete ihre T\u00fcr. Auf dem Flur war niemand. Doch dann wurde die T\u00fcr von Mitras Schlafgemach aufgesto\u00dfen, und Mitras eilte ohne sich umzusehen die Galerie entlang. Er trug eine Hose, war aber barfu\u00df, und sein Hemd steckte er im Laufen in den Hosenbund. Kira folgte ihm. Was war los? Mitras hastete die Treppe herunter und dann in den Keller. Nun war Kira ernsthaft neugierig, auch wenn sie diese Neugierde zumeist nur in schwierige Situationen brachte. Was war im Keller, das so eine Eile ausl\u00f6sen konnte? Sie z\u00f6gerte kurz. Sie war erst kurz hier, sie sollte nicht spionieren. Doch die Neugierde siegte auch dieses Mal, und so folgte sie ihm vorsichtig. Im Keller war es dunkel, so dass sie eine Weile warten musste, ehe sich ihre Augen daran gew\u00f6hnt hatten. Dann stellte sie fest, dass sie quasi vor einer Mauer stand. Oder, genauer gesagt, die Mauer stand vor ihr, n\u00e4mlich am Ende der Treppe. \u00dcber das Holzgel\u00e4nder hinweg konnte Kira sehen, dass rechts von ihr ein kleiner, ziemlicher leerer Raum lag, von dem wieder ein Flur abging, wie er auch in den beiden oberen Geschossen lag. Die Mauer vor ihr war, wie sich bei n\u00e4herer Betrachtung ergab, eigentlich wohl eine T\u00fcr, die gerade offen stand. Eine Geheimt\u00fcr, scho\u00df es ihr durch den Kopf, und sie blieb z\u00f6gernd auf der Treppe stehen. Sie sollte nicht hier sein. Egal, rief die Stimme in ihrem Kopf. Du solltest auch keine Farbbomben werfen, und das hast du trotzdem gemacht, und auch zu Recht. Sie holte Luft. In Ordnung, dann aber ganz vorsichtig, sagte sie zu sich selber, und begann tief und ruhig durch die Nase zu atmen, wie sie es als Kind so oft getan hatte, wenn sie unentdeckt bleiben wollte. Dann dr\u00fcckte sie sich vorsichtig an der T\u00fcr vorbei und lugte in den Raum dahinter.&nbsp;Er glich ein wenig dem Labor oben, nur dass die Mauern hier nicht verputzt waren. Rechts von ihr stand ein einfaches Regal voller Schubladen mit metallenen Teilen und Werkzeugen. Vor ihr war eine Art Ritualkreis in den Boden gemei\u00dfelt und weiter links stand ein Schreibtisch an der Wand. Es war der gleiche Tisch, der auch oben im Labor ihrem Magister als Arbeitsplatz diente. An der Wand daneben war ein weiteres gro\u00dfes Regal. Dieses war voller Schubladen, sie konnte in dem schummrigen Licht erkennen, dass aus einigen B\u00fcschel von Kr\u00e4utern herauslugten. Ganz langsam schob sie ihren Kopf weiter in den Raum hinein und lugte vorsichtig um die Ecke. Sie konnte Mitras nach wie vor nirgends entdecken, sah nun aber, dass der Raum noch eine Nebenkammer hatte, die mit einem schweren Netz abgetrennt war. Der Bereich schien besser erleuchtet, zumindest glitzerte das Licht durch den Vorhang, und Kira sah eine Bewegung dahinter. Rasch zog sie den Kopf zur\u00fcck, auch wenn Mitras sie sicher nicht hatte sehen k\u00f6nnen. Ihr Herz klopfte.&nbsp;&#8222;Verdammt! Was bei allen Geistern der Erde&#8230;!&#8220;&nbsp; schallte es aus dem Raum, was sie heftig zusammenzucken lie\u00df. Dann h\u00f6rte sie etwas rumpeln und klirren. Ob dort etwas kaputt gegangen war? Stand dort der Generator? Vorsichtig schaute Kira noch einmal in den Raum. Das Licht war ja noch an, also war der Strom noch da. Vielleicht ein anderes Experiment? Aber warum gab es hier ein zweites Labor? Ein geheimes? Was f\u00fcr Praktiken studierte ihr Magister hier? Kira sp\u00fcrte, wie ihr Schauer den R\u00fccken herunter liefen. Mitras war so nett und warmherzig zu ihr gewesen. War das nur Schauspiel? Selbst in Bispar gab es st\u00e4ndig K\u00e4mpfe darum, wer als n\u00e4chstes dieses elendige Kaff regieren durfte, wie musste das erst in der Hauptstadt sein? War Mitras an geheimen Komplotten beteiligt, die er magisch unterst\u00fctzte? Sie h\u00f6rte ihn etwas murmeln. Vorsichtig ging sie r\u00fcckw\u00e4rts aus der T\u00fcr hinaus. Blo\u00df nicht erwischen lassen. Blo\u00df nicht erwischen lassen. Sie hielt den Atem beinahe an, w\u00e4hrend sie vorsichtig die Treppe wieder nach oben schlich. An der Kellert\u00fcr schaute sie sich ebenso vorsichtig um, doch weder Abigail noch William waren zu sehen. Ob sie \u00fcberhaupt eingeweiht waren? Ob all die Freundlichkeit nur dazu diente, sie einzulullen? Kira floh geradezu die Treppe hinauf und schlo\u00df sogar ihre Zimmert\u00fcr hinter sich ab, ehe sie sich mit einem Seufzer auf den Schreibtischstuhl plumpsen lie\u00df. Was sollte sie jetzt nur tun?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chste Stunde verbrachte sie gr\u00fcbelnd. Alles, was sie bisher im Haus erlebt hatte, war freundlich gewesen. Sie erinnerte sich, wie liebevoll Abby gewesen, wie offen und angenehm das Abendessen war. Sie erinnerte sich an das entspannte Lachen. Sie dachte an die Geschenke und Mitras ruhige, fast liebevolle Art. Sie dachte an seine bedrohliche Pr\u00e4senz am Anfang. Hatte er Angst um seine Geheimnisse gehabt? Hatte er sie deswegen nicht da haben wollen? W\u00fcrde der Erzmagier sie irgendwann beordern und ihr er\u00f6ffnen, dass er sie trotz ihres geringen Talentes nur deswegen zugelassen hatte, damit sie Mitras beobachten konnte? Sie kannte soetwas, in Bispar pflegte man sich stets selbst zum Essen &#8222;einzuladen&#8220;, wenn man etwas wissen wollte. Aber Mitras war ihr Mentor, also war sie ihm Loyalit\u00e4t schuldig. Sie sch\u00fcttelte sich bei dem Gedanken, dem Erzmagier, der sie so abf\u00e4llig betrachtet hatte, irgendetwas zu schulden, ihm irgendetwas zutragen zu m\u00fcssen, was Mitras, Abby oder William schaden k\u00f6nnte. Oder Tobey, erg\u00e4nzte sie noch. Auch wenn sie ihn selten sah, mochte sie ihn dennoch. Langsam ordnete sich ihre Panik. Ich mag alle hier, realisierte sie. Es ist viel besser als zuhause, wo ich st\u00e4ndig bef\u00fcrchtete, im n\u00e4chsten Moment von Mama oder einer der anderen Dorfweiber angekeift zu werden, oder von Papa wieder den Stock zu sp\u00fcren zu bekommen, weil ich wieder etwas anders gemacht habe, als er es wollte. Kira atmete tief aus. Es war besser als zuhause, wiederholte sie sich, und erinnerte sich an Abby, die ihr gestern abend erst so warmherzig und wundervoll erschienen war. Jemand wie Abby wird nicht einem schlechten Herrn dienen, sie widerspricht ihm ja sogar, sagte sie sich. Was auch immer Mitras verbarg, es w\u00fcrde nichts allzu b\u00f6ses sein. Sie dachte an Williams Kommentar zum Werfen von Pferde\u00e4pfeln und wie nah sie sich den beiden gef\u00fchlt hatte. &#8222;Und selbst wenn, ich geh\u00f6re jetzt zum Haus, und ich will lieber hier leben als in der Marsch!&#8220;, fl\u00fcsterte sie fast grimmig in sich hinein. Entschlossen zog sie das Notizheft zu sich heran und begann, ihre \u00dcbersicht zu den Speicherformen und Pflanzenmagie zu vervollst\u00e4ndigen. Da sie beinahe fertig gewesen war, dauerte das nicht allzu lange. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass es erst ein Uhr war. Ein bisschen Kekse backen passt noch, entschied sie. Mathematik kann ich sp\u00e4ter auch machen, und dann schaue ich nochmal in den Niggel. Auch wenn Mitras vielleicht nicht b\u00f6se ist, ich sollte mich ihm gegen\u00fcber standesgem\u00e4\u00df verhalten und nicht zu sehr vereinnahmen lassen. Zum Haus zu geh\u00f6ren, hei\u00dft ja nicht, dass man alles mitmachen muss, beschloss sie ihre Gedanken so selbstbewusst wie m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">William war nicht in der K\u00fcche, aber Kira fand ihn im Esszimmer, wo er gerade einige Brote a\u00df. &#8222;Na, auch Hunger?&#8220; Kira sch\u00fcttelte den Kopf. Das Fr\u00fchst\u00fcck war noch nicht so lange her, und der Schreck von vorhin hatte sich zwar gelegt, aber richtig Appetit hatte sie auch noch nicht. &#8222;Nein, ich wollte fragen, wann du denn Kekse machen willst.&#8220; &#8222;Ha, eigentlich gleich, du kommst genau richtig. Der Teig ist noch in der K\u00fchltruhe, du kannst ihn aber schon rausholen und ausrollen, wenn du magst. Mehl und Werkzeug habe ich schon auf die Arbeitsfl\u00e4che gelegt.&#8220; Kira nickte. &#8222;Wo ist denn die K\u00fchltruhe?&#8220; &#8222;Du gehst in der K\u00fcche nach unten in den Keller, dann ist gleich links an der Wand die Truhe.&#8220; Tats\u00e4chlich war es einfach, die gro\u00dfe Box zu finden, die mit einem K\u00e4ltezauber belegt war. Kira \u00f6ffnete die T\u00fcr und fand den Teigklumpen in Wachspapier eingewickelt. Sie holte ihn heraus, schloss die Truhe wieder sorgf\u00e4ltig und ging nach oben. Eine Weile k\u00e4mpfte sie schon mit dem noch harten Teig, als William hereinkam. Er sagte etwas zu jemandem, der hinter ihm im Essraum stand, aber Kira, die gerade versuchte, eine gleichm\u00e4\u00dfige Dicke der Teigschicht zu produzieren, achtete nicht darauf. William r\u00e4umte das Geschirr weg und betrachtete dann das Ergegnis ihrer M\u00fche. &#8222;Ha, das ist wohl nicht das erste Mal, hmm? Sehr gut. Wenn du als Magierin nicht taugst, kann ich dich ja auch Kochgehilfin anstellen.&#8220; Kira wusste nicht, ob sie dar\u00fcber lachen wollte, also sagte sie einfach gar nichts. William holte Keksausstecher aus einer Schublade und sie stachen und rollten eine Weile friedlich schweigend gemeinsam Kekse aus, die William dann in den Ofen schob. Schon nach einer halben Stunde begann die ganze K\u00fcche verf\u00fchrerisch zu duften. William zeigte ihr, wie sie die fertigen Kekse mit Zuckergu\u00df verzieren konnte, den er aus Wasser und fein gemahlenem Zucker fertigte. Kira sp\u00fcrte, wie sie sich weiter entspannte. Vielleicht hat William gar nicht so unrecht, beschlo\u00df sie. Wenn ich wirklich zu schlecht als Magierin bin, kann ich K\u00f6chin oder doch G\u00e4rtnerin werden. Ich k\u00f6nnte sogar hier ausgebildet werden, wenn Mitras es erlaubt. Eigentlich sind beides auch ganz sch\u00f6ne Arbeiten. Und William ist auch nett. Sie nahm einen der Kekse und probierte ihn. Er schmeckte gut, und sie dachte: &#8222;Ich glaube wirklich nicht, dass Mitras etwas b\u00f6ses im Keller versteckt. K\u00f6che von b\u00f6sen Menschen k\u00f6nnen doch unm\u00f6glich so gute Kekse backen.&#8220; Rasch stahl sie sich noch einen vom Blech, was William mit einem strafenden Blick und einem Zwinkern quittierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ersch\u00f6pft lie\u00df Mitras sich in den Stuhl an seinem Arbeitstisch sinken. Der Zauber war gewandert. Anstatt, dass er an der Stelle blieb, an der er angeheftet wurde, war er regelrecht durch das Material geflossen. Das deckte sich mit der Eigenschaft, dass magische Energie innerhalb des Elektrumk\u00f6rpers nicht still stand. Alle Zauber, die er bisher gewirkt hatte, legten sich um den gesamten Zylinder und drangen nicht in das Material ein. Der Rammbockzauber aber legte sich wie eine zupackende Hand um einen Punkt des Materials und drang auch in das Material ein. Er war wie eine Kugel, die teilweise im Zylinder lag, geformt. Das war ein v\u00f6llig neues Problem, das er so gar nicht erwartet hatte. Ein weiteres R\u00e4tsel des Elektrums. Er fertigte schnell einige Notizen an. Es war dringend notwendig, dass er diese neue Erkenntnis niederschrieb und weiter erforschte. Er musste schnellstm\u00f6glich eine Abhandlung \u00fcber diese Entdeckung verfassen und sie der Generalit\u00e4t zukommen lassen, damit sie gewarnt waren und sich auf diesen neuen Umstand einstellen konnten. Andererseits, dachte er, vielleicht lie\u00df sich dieses Verhalten auch noch anders nutzen. Aber beides musste warten. Er war komplett ersch\u00f6pft und beschloss bis 17 Uhr zu schlafen. Auf dem Weg nach oben ging er noch kurz in die K\u00fcche, um mit William \u00fcber den Fehlschlag zu reden. Dort war er jedoch nicht. Die T\u00fcren zum Keller und zum Esszimmer standen beide offen. Schon halb auf dem Weg zum Keller, sah er ihn im Esszimmer sitzen, wie er gerade sein Brot zuende a\u00df. &#8222;Ha, ich scheine heute sehr anziehend auf euch Magier zu wirken, gerade, wenn ich wohl mal Pause mache.&#8220; rief William ihm zu. Mitras gesellte sich zu ihm: &#8222;Wieso, war Kira auch gerade hier, sich ein Mittagessen abholen?&#8220; fragte er. &#8222;Ja und nein. Deine Sch\u00fclerin ist jetzt erstmal meine Sch\u00fclerin. Ich hatte sie heute Morgen gefragt, ob sie mir beim Kekse machen helfen will. Sie hat ja auch mal eine Pause n\u00f6tig. Jedenfalls ist sie gerade im Keller und holt den Teig. Und was ist mit dir? M\u00f6chtest du noch ein Mittagessen?&#8220;, fragte er und war schon aufgesprungen und halb in die K\u00fcche gelaufen. Ersch\u00f6pft streckte Mitras den R\u00fccken durch und antwortete: &#8222;Nein, ich will mich gleich wieder hinlegen. Ich war bis eben im Keller. Das Experiment mit dem neuen Zauber ist katastrophal fehlgeschlagen. Der eine Testgenerator ist hin und ich werde ihn ersetzen m\u00fcssen. Schlimmer noch, das Elektrum reagiert schlecht auf Zauber, die nur auf einen Teil des Materials wirken. Ich muss die Ergebnisse sehr bald auswerten und eine Abhandlung dazu anfertigen und insbesondere die Generalit\u00e4t warnen. Ich werde heute Abend vor Kiras Stunde noch eine Nachricht aufsetzen und auch eine an meine Schwester. Ich f\u00fcrchte, ich muss den Ausflug morgen absagen. Wir m\u00fcssen uns jedenfalls auf dem Weg heute Abend noch einen vertrauensvollen Boten suchen, bevor wir zu Titus gehen.&#8220; Mitras war ernsthaft niedergeschlagen und frustriert. Das dem Fehlschlag nun auch noch das Treffen mit seiner Schwester zum Opfer fiel, st\u00f6rte ihn am meisten. Er hatte sie schon zu lange nicht mehr gesehen und sich schon sehr auf den morgigen Tag gefreut. &#8222;Ha, der Ausflug wird dann wohl nichts, aber du kannst sie ja trotzdem zum Abendessen einladen oder etwa nicht?&#8220;, entgegnete William. &#8222;Ja, da hast du wohl recht. Ich setze die Schreiben nachher auf, aber jetzt muss ich dringstens noch ein paar Stunden Schlaf nachholen.&#8220; Mitras verlie\u00df das Esszimmer, ging in seine Gem\u00e4cher und legte sich wieder schlafen. Frustriert w\u00e4lzte er sich noch eine Weile hin und her, da ihm die Sorgen um die Zukunft seines Projekts nicht los lie\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als aller Teig verarbeitet war und etwa die H\u00e4lfte der Kekse auch verziert war, fiel ihr Mathematik wieder ein. Sie schaute sich suchend um und entdeckte eine Uhr \u00fcber der K\u00fcchent\u00fcr. Eigentlich war es ein wei\u00dfer, verzierter Teller mit blauen Zahlen, an dem die Zeiger einer Uhr angebracht waren, und sie musste einen Moment lang \u00fcberlegen, ehe sie realisierte, dass es schon kurz vor f\u00fcnf war. &#8222;Du meine G\u00fcte! Schon fast f\u00fcnf! Ich muss noch Mathe machen!&#8220; &#8222;Na, dann wohl hopp! Du kannst die Pinsel da einfach liegen lassen, ich mache sie sp\u00e4ter sauber!&#8220;, sagte William. Rasch wusch sie sich die H\u00e4nde und eilte nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Zeit etwas knapp war, bl\u00e4tterte sie rasch zu den \u00dcbungsaufgaben des ersten Kapitels. &#8222;Einfache Exempel&#8220; Na, super. Das Wort &#8222;einfach&#8220; sollte in Matheb\u00fcchern verboten sein, fand sie. &#8222;Ein Tuch Gewand h\u00e4lt 24 Ellen, kostet 2 Silber. Wie kommen 14 Ellen?&#8220; Kira schaute die Aufgabe an. Sie erinnerte sich, das in der Volksschule im Dorf schon gehabt zu haben, und nat\u00fcrlich hatte auch ihre Mutter ihr immer wieder eingebl\u00e4ut, dass sie das kaufm\u00e4nnische Rechnen sicher beherschen m\u00fcsste. Sie zeichnete ein Kreuz in ihr Notizbuch. 24 zu 2. Und 14 zum Unbekannten. Was musste man nochmal rechnen? 24 durch 2 und dann mal 14? Sie rechnete. 168 Silber. Sie schaute irritiert auf ihr Blatt. Das war doch weniger Stoff, warum sollte es so viel mehr kosten? Aber man kann ja nicht 24 durch 14 mal zwei rechnen&#8230;oder zwei durch 24, das geht noch weniger. Das &#8222;einfach&#8220; da oben war definitiv falsch! Sie schaute sich die n\u00e4chste Aufgabe an. &#8222;Item 6 Ellen per 2 Silber 4 Schilling, wie kommen 28 Ellen?&#8220; Hmm, da muss man die Silber erstmal in Schilling umrechnen, also 204 Schilling. Und dann? 6 durch 204 oder 204 durch 6? Musste das Geld nicht immer oben links in die Ecke? Sie schrieb 204 in die obere Ecke des Kreuzes, 6 nach unten und 28 nach rechts oben. Also 204 durch 6 mal 28. Sie rechnete schriftlich 204 durch 6. 34. Hmhm. Und 34 mal 28. Bahh. Ich hasse Mathematik, beschlo\u00df sie innerlich. Deswegen wollte ich doch auch nicht H\u00e4ndlerin werden. 952. Also 9 Silber und 52 Schilling. Das macht mehr Sinn, \u00fcberlegte sie. Siehste, geht doch. Sie schob das Mathematikbuch und das Heft beiseite und schaute auf die Uhr. Noch 20 Minuten, das w\u00fcrde eh nicht f\u00fcr noch eine Aufgabe reichen. Rasch griff sie sich den Niggel und schlug das Kapitel &#8222;Magier unter sich&#8220; auf. Sie war jetzt Discipula. Mitras war Magister. Wie hatte sie ihn offiziell zu begr\u00fc\u00dfen und zu titulieren? Interessiert las sie, dass es sogar eine vertraute Anrede, n\u00e4mlich Meister, gab, die man nutzte, wenn man ein gutes Verh\u00e4ltnis zum Mentor hatte. Naja, davon waren sie ja gerade noch ziemlich weit entfernt. Derzeit waren aber wohl eher &#8222;Magister&#8220; angebracht. Dass Mitras sie mit dem Vornamen anredete, erfuhr sie, war eigentlich un\u00fcblich. Man pflegte &#8222;Discipula&#8220; oder &#8222;Sch\u00fclerin Kira&#8220; zu sagen. Nunja, Mitras redete aber alle im Haus zwanglos an. Sie betrachtete die Anleitungen, wie man durch den Knicks bei der Begr\u00fc\u00dfung den Grad der Vertrautheit und Ehrerbietung abbilden konnte und entschied sich, eine etwas distanzierte, aber sehr ehrenvolle Variante auszuprobieren. Schwungvoll klappte sie das Buch zu, \u00fcbte den Knicks einmal vor dem Spiegel, nahm dann ihre Unterlagen und ging zum Labor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitras \u00f6ffnete auf ihr Klopfen hin. Er sah irgendwie zerknautscht aus, fand Kira. Sie knickste wie ge\u00fcbt. &#8222;Magister Mitras, ich melde mich wie besprochen zum Gespr\u00e4ch.&#8220; Mitras zog ein wenig die Augenbraue hoch, reagierte aber nicht auf ihre h\u00f6fliche Begr\u00fc\u00dfung, sondern \u00f6ffnete einfach die T\u00fcr und bat sie so wortlos herein. Etwas versch\u00fcchtert betrat Kira das Labor und setzte sich auf ihren Stuhl. Sie hatte nicht so viele Notizen wie gestern vorbereitet, aber \u00fcber Pflanzen konnte sie ja auch so reden. Mitras setzte sich auf den Stuhl ihr gegen\u00fcber und betrachtete sie. &#8222;\u00c4h, ja, also ich hab heute was zur Flora gelesen, und zwar Pflanzen, die magische Energien speichern k\u00f6nnen. Das ist Kapitel 3 in &#8222;Flora und Fauna Albions&#8220;. Ich habe einiges \u00fcber die verschiedenen Arten von Pflanzen schon bei Bruder Harras gelernt, aber \u00fcber Magiespeicherung wusste ich noch nicht so viel. Ich dachte mir, das ist vielleicht auch f\u00fcr die Alchemie interessant?&#8220; Sie schaute ihn an, doch sein Gesicht lie\u00df keine Regung erkennen, also fuhr sie fort und stellte ihre \u00dcbersicht vor, erkl\u00e4rte dabei auch, wie man die unterschiedlichen Arten bestimmen konnte und welche grundlegenden M\u00f6glichkeiten zur Bestimmung von Pflanzenarten es gab. &#8222;Die Alchemie ist deutlich \u00e4lter als die wissenschaftliche Erforschung der Magie, aber ja, ihre Beobachtung ist korrekt. Auch wenn viele alchemistische Erzeugnisse komplett nichtmagisch sind, so haben magische Pflanzen schon fr\u00fch eine hohe Bedeutung erlangt, auch wenn erst in der modernen Forschung der Grund daf\u00fcr erkannt wird. Die Alchemie beschr\u00e4nkt sich aber nicht nur auf Pflanzen, sondern auch auf Mineralien und Metalle. Beides wird in der heutigen Forschung in der systematischen Alchemie viel st\u00e4rker erforscht als die Pflanzen unserer Welt. Sie bereiten allerdings auch deutlich gr\u00f6\u00dfere Probleme.&#8220;, dozierte er etwas monoton im Anschluss an ihre Ausf\u00fchrungen und wirkte beim letzten Satz besonders zerknirscht. &#8222;Was haben Sie zur Mathematik vorbereitet?&#8220; Kira seufzte, innerlich entt\u00e4uscht, dass er sich f\u00fcr die Pflanzenwelt so gar nicht zu interessieren schien, obwohl er doch gestern von dieser Perspektive recht angetan war. &#8222;\u00c4hm, nicht so viel. Ich hab das erste Kapitel angefangen, und zwei \u00dcbungsaufgaben probiert, aber die erste ist irgendwie komisch&#8230;&#8220; Sie reichte Mitras das Heft, der ihre Aufzeichnungen einen Moment lang studierte. &#8222;Ihre Kommentare haben ja schon erahnen lassen, dass Mathe Ihre Schw\u00e4che ist, aber das hier ist f\u00fcr eine Kaufmannstochter reichlich schlimm, finden Sie nicht? Sie raten ja blo\u00df!&#8220; Kira sp\u00fcrte, wie sie vor Scham rot anlief. &#8222;Ist das alles falsch?&#8220;, fragte sie leise. &#8222;Falsch? Naja, sie k\u00f6nnen immerhin Silber in Schilling umrechnen.&#8220;, spottete Mitras. &#8222;Aber sonst? Offenbar hatten Sie Unterricht zum Rechnen im Dreisatz in der Schule, sonst w\u00fcssten Sie nicht, dass man dieses Kreuz machen kann, obwohl es doch eher f\u00fcr die etwas schlichteren Charaktere gedacht ist, eine Rechnung so zu notieren. Aber hier ist alles vertauscht, und hier, in der zweiten Aufgabe, da rechnen Sie zwar das richtige, aber das ist wohl eher Zufall, weil die Notation auf jeden Fall Pferdemist ist.&#8220; Er stach dabei mit dem Finger beinahe durch das Blatt, als er auf die Rechnung zeigte. &#8222;Sie haben Kekse gebacken, ja? Aber bestimmt nicht das erste Kapitel auch gelesen, sonst w\u00fcssten sie, dass man gleiche Einheiten auch auf die gleiche Ebene schreiben muss. Und das ist nur eine simple Kaufmannsrechnung, wie wollen Sie jemals komplexe magische Strukturen nachvollziehen k\u00f6nnen, wenn Ihnen so etwas simples wie oben und unten schon Probleme bereitet?&#8220; Kira sackte in sich zusammen. Sie sp\u00fcrte, wie ihr die Tr\u00e4nen die Wangen herunter liefen. &#8222;Ich kann Mathe einfach nicht&#8230; in den B\u00fcchern ist das immer so kompliziert erkl\u00e4rt&#8230;&#8220;, versuchte sie sich zu retten. &#8222;Daf\u00fcr m\u00fcssten Sie die B\u00fccher ja erstmal sorgf\u00e4ltig lesen, um das beurteilen zu k\u00f6nnen. Ich glaube, Sie wollen das eher nicht.&#8220; Kira blickte ihn flehend an und sch\u00fcttelte heftig den Kopf. &#8222;Nein, Magister, ich will schon. Aber ich wollte auch machen, was Sie gesagt haben, Pause machen und Pflanzen zur Alchemie anschauen und ich hab ja versucht, es richtig zu machen, aber es ist einfach wie ein Knoten in meinem Kopf!&#8220;, protestierte sie unter Tr\u00e4nen. Mitras schnaubte. &#8222;Das werden wir ja sehen. Morgen der Ausflug ist abgesagt. Sie k\u00f6nnen die Zeit ja nutzen, um \u00fcber ihre Haltung zur Mathematik zu reflektieren. Miras pr\u00fcfe ich es dann nochmal. Sie sind entlassen, Discipula.&#8220; Er nutzte die offizielle Handbewegung, mit der man einen Angestellten oder Nichtadeligen wegschicken w\u00fcrde, erkannte Kira, und so nahm sie ihre Unterlagen und schlich aus dem Raum zur\u00fcck in ihr Zimmer. Diese bl\u00f6de Mathematik. Und Mitras war auch bl\u00f6d. Erst sagte er, sie sei adelig, und dann behandelte er sie doch wie eine Nichtadelige. Sie warf sich aufs Bett und heulte in die Kissen. Tief in sich drin wusste sie, dass es ihr eigener Fehler war, sich vor Mathematik zu dr\u00fccken, wie sie es auch schon im Fernunterricht getan hatte, aber jetzt gerade hasste sie einfach alles, was mit Magie und diesem doofen Magister zu tun hatte, und Mathematik ganz besonders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras sa\u00df noch eine Weile in seinem Zimmer und schaute auf die Briefe, die er vorhin verfasst hatte. Erst der zerst\u00f6rte Generator, dann die Notwendigkeit, den Ausflug abzusagen, und nun kam Kira mit dieser derart schlechten Leistung in Mathematik. Der Tag konnte nicht mehr schlechter werden. Woher kannte sie \u00fcberhaupt dieses h\u00f6fische Gebaren? Ein bisschen stach ihn das schlechte Gewissen, dass er Kira zu sehr runter geputzt haben k\u00f6nnte, aber das Gef\u00fchl hallte nur still hinter seiner Entt\u00e4uschung wegen des Zaubers her. Au\u00dferdem waren die Rechnungen auch wirklich schlecht ausgef\u00fchrt gewesen, und so flei\u00dfig wie gestern war sie ja wirklich nicht gewesen. Er konnte sich jetzt nicht weiter mit ihr befassen, zur Not w\u00fcrde er halt einen Mathematiklehrer einstellen m\u00fcssen. Nun musste er zusehen, dass Titus ihn wegen seiner anderen Probleme auf Stand brachte. Der Magister Secus di Porrum wurde zusehends aufdringlicher. Und er war nicht der einzige, wenn auch der bisher hartn\u00e4ckigste. H\u00e4tte Mitras einen funktionierenden, leicht zu bedienenden magischen Generator pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, dann h\u00e4tte ihm dieser Durchbruch gen\u00fcgend Macht, Geld und Einfluss beschert, um sich all diese Neider endlich vom Hals zu halten. Aufzuzeigen, wie gro\u00df der zivile Nutzen des Elektrums war, w\u00e4re der schnellste Weg, die milit\u00e4rische Nutzung uninteressant werden zu lassen, glaubte er jedenfalls.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Aber mit jedem Tag hatten die Magier der Generalit\u00e4t und ihre Vertragspartner mehr Zeit neue Wege des Blutvergie\u00dfens zu finden. Mitras hatte nie gewollt, dass seine Entdeckung zum Motor eines neuen Krieges wurde, aber er wusste auch, dass er Mittel brauchte, um seine Forschung voran zu treiben und der Handel, den er mit dem K\u00f6nigshaus eingegangen war, stellte nun einmal die beste M\u00f6glichkeit dar, sowohl die n\u00f6tigen Mittel zu erhalten als auch seine Unabh\u00e4ngigkeit zu sichern. Zweimal schon war bei ihm eingebrochen worden. Wahrscheinlich beide Male mit dem Ziel seine Unterlagen zur Erzeugung des Elektrums zu stehlen. Aber beide Male konnte er die T\u00e4ter stellen und nun patroullierte eine k\u00f6nigliche Wachmannschaft durch das Viertel. Offiziell, um den Adeligen allgemein mehr Schutz zu bieten, da die Kriminalit\u00e4t generell gestiegen war. Seit das Hafenviertel und die Slums dahinter immer schneller wuchsen, verschlimmerte sich die Lage, die \u00dcbergriffe reichten l\u00e4ngst auch \u00fcber die Fl\u00fcsse hin\u00fcber und bis hinauf in die Viertel um die Akademien.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>All dem hoffte Mitras mit seiner Erfindung entgegen wirken zu k\u00f6nnen. Aber nun gingen ihm die Ideen aus und er merkte, wie sehr ihn das frustrierte. Er griff nach der Glocke und rief mit ihr Abby herbei. &#8222;Abby, die Ereignisse des Tages haben mir den Appetit verdorben, ich werde nicht zum Essen kommen und jetzt eine Runde gehen. Ich brauche frische Luft, um den Kopf klar zu bekommen. Sag William bitte, dass ich mich mit ihm wegen unserer Verabredung heute Abend an der Ecke beim Emporium treffe, er wei\u00df wo genau.&#8220; &#8222;Ich werde es ihm ausrichten. Geht es dir denn soweit gut? William hatte schon erz\u00e4hlt, dass wieder etwas schief gelaufen ist.&#8220; fragte sie ihn. &#8222;Von gut kann keine Rede sein. Erst scheitert der Versuch und nun muss ich auch f\u00fcr die Generalit\u00e4t eine Warnung ausgeben und dann hat sich auch noch herausgestellt, dass Kira nicht einmal einen einfachen Dreisatz hinbekommt. Das M\u00e4dchen ist gut darin sich Wissen anzueignen, aber nur mit Reden und Lesen k\u00f6nnen wird sie es an der Akademie nicht schaffen.&#8220;<\/em> <em>Abby schaute ihn sorgenvoll an. &#8222;Ah, deswegen weint sie, ja?&#8220;&nbsp;Bei dieser Aussage stach das schlechte Gewissen nun doch ein bisschen mehr, aber es half doch nichts, das, was sie ihm gezeigt hatte, reichte nicht aus. Thadeus hatte ihn in solchen Situationen noch viel st\u00e4rker heruntergeputzt, manchmal sogar den Stock genutzt, und hatte es ihm nicht auch geholfen? Sicher, er hasste den alten Sack f\u00fcr seinen Umgang mit ihm, aber so hatte er sich nur umso mehr angestrengt und Leistungen erreicht, die er sonst vielleicht nicht erbracht h\u00e4tte.<\/em> <em>Mitras sch\u00fcttelte sich kurz, als er merkte, wie er den verhassten Magier nun pl\u00f6tzlich selbst verteidigte. Es gab sicher noch bessere Wege, um einen Sch\u00fcler zu motivieren, und er musste aufpassen nicht genauso zu werden wie sein erster Lehrmeister. Aber das war kein Problem, mit dem er sich jetzt befassen konnte. Seine anderen Sorgen waren jetzt wichtiger. &#8222;Das mag sein. Schau ruhig nach ihr. Ich habe gerade wichtigere Probleme.&#8220; antwortete er und ging an ihr vorbei zur Treppe.&nbsp;Tats\u00e4chlich klang aus Kiras Zimmer ged\u00e4mpftes Schluchzen, was ihm erneut einen Stich versetzte. Mitras beschleunigte seine Schritte und floh hinaus in den kalten Winterabend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An Kiras T\u00fcr klopfte es leicht. &#8222;Kindchen?&#8220; Abby \u00f6ffnete die T\u00fcr, ehe sie antworten konnte. &#8222;Ach, Kindchen&#8230;&#8220; Abby setzte sich an die Bettkante und strich ihr \u00fcber den Kopf, was Kira zu einem erneuten Ausbruch von Tr\u00e4nen veranlasste. &#8222;I&#8230;Ich&#8230;ich&#8230;k&#8230;k&#8230;kann das&#8230;e..ei&#8230;einfach nicht.&#8220;, presste sie hervor. &#8222;Was, die Mathematik oder Mitras ertragen?&#8220;, fragte Abigail mit einem leicht spitzen Unterton. Kira blickte sie einen Moment erstaunt an, und die Verbl\u00fcffung vertrieb den Heulkrampf. &#8222;Mathe.&#8220;, sagte sie dann leise. &#8222;Ahja. Aber Mitras ertragen ist auch manchmal schwierig, besonders, wenn mal wieder irgendwas am Generator ist, so wie heute. Irgendeins seiner neusten Experimente ist schief gegangen. Nimms ihm nicht \u00fcbel.&#8220; Kira schwieg und schaute auf ihr Kopfkissen. Ein Experiment, um den Generator anzutreiben? Warum machte Mitras solche Experimente in einem geheimen Labor? Sie schniefte. &#8222;Aber&#8230; er hat ja auch Recht. Ich kann nicht mal einfache Kaufmannsrechnungen. Und statt mich da richtig ranzusetzen, habe ich Kekse gebacken&#8230;&#8220; &#8222;Ja, und die schmecken sehr gut.&#8220;, best\u00e4tigte Abby. &#8222;Kira-Sch\u00e4tzchen, du bist kein doofes M\u00e4dchen. Und die gute alte Abby ist auch nicht ganz dumm. Morgen haben wir beide frei. Was h\u00e4ltst du davon, wenn wir uns dr\u00fcben ins Haus setzen und ich dir ein bisschen erkl\u00e4re?&#8220; &#8222;Und was bekommst du daf\u00fcr?&#8220; Abigail lachte. &#8222;Nichts. Vielleicht einen weniger schimpfenden Magister und eine h\u00fcbschere Lady? Tr\u00e4nen stehen dir nicht.&#8220; Kira sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Du kannst doch nicht an deinem freien Tag f\u00fcr mich arbeiten, ohne daf\u00fcr was zu bekommen. Ich&#8230; hmm&#8230; ich helfe dir daf\u00fcr bei der W\u00e4sche?&#8220; Abby grinste. &#8222;Aber dann m\u00fcssen wir aufpassen, dass Mitras das nicht bemerkt.&#8220; Jetzt musste auch Kira l\u00e4cheln. Der Gedanke, ein Geheimnis vor Mitras zu haben, gefiel ihr. &#8222;In Ordnung. Ich kann gut schleichen!&#8220; &#8222;Fein.&#8220; Abigail hievte sich vom Bett hoch und reichte ihr die Hand. &#8222;Und jetzt schleichen wir beide mal zum Abendessen.&#8220; Kira z\u00f6gerte. &#8222;Keine Sorge, der Kuchen ist rausgegangen. Die M\u00e4use k\u00f6nnen auf dem Tisch tanzen.&#8220;, passte Abby das Sprichwort an. Der Gedanke, Mitras k\u00f6nnte ein Kuchen sein, lie\u00df Kira innerlich grinsen. Sie runzelte die Stirn. &#8222;Der Kuchen ist eine Flater Orangentorte, oder?&#8220; Abby blickte sie neugierig an. &#8222;Warum? Was ist das f\u00fcr ein Kuchen?&#8220; Kira verzog demonstrativ das Gesicht, w\u00e4hrend sie vom Bett aufstand. &#8222;Ein Kuchen mit Orangenschalen, sieht au\u00dfen total gut aus, schmeckt aber irre bitter, wenn man nicht genug Zuckersahne drauftut.&#8220; Abigail lachte schallend. &#8222;Oh, nein, ich glaube, da ist unser guter Magister mehr eine Ingwertorte&#8230; Manchmal scharf auf der Zunge, aber mit s\u00fc\u00dfer F\u00fcllung.&#8220; Kira schaute sie gedankenverloren an, dann ging sie zur Wasserschale, die sie am Morgen noch nicht geleert hatte, und wusch sich ihre verheulten Augen aus. &#8222;Ist Magister Mitras ein guter Mann?&#8220; Abigail nickte. &#8222;Lass dich von seiner Schale nicht t\u00e4uschen. Er hat ein Herz aus Gold.&#8220; Kira schluckte und nickte dann. Die \u00e4ltere Frau best\u00e4tigte eigentlich das, was sie vorhin schon selbst gedacht hatte, aber es reduzierte ihre Sorgen schon etwas, es nun nochmal zu h\u00f6ren. Wenn sie nur besser in Mathematik mitgemacht h\u00e4tte&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie a\u00dfen gemeinsam zu Abend, von dem William sich rasch verabschiedete, weil er wohl mit Mitras verabredet war und ihm Briefe bringen sollte, die Abby ihm gab. Da weder er noch Mitras sie davon abhalten konnte, half Kira beim Abwasch, ging dann aber auch nach oben. Ihr Kopf tat weh, und sie f\u00fchlte sich leer und ausgelaugt. Einen Moment versuchte sie noch, im Niggel zu lesen, doch schon bald legte sie das Buch beseite, machte sich bettfertig und ging schlafen. Morgen w\u00fcrde sie mit Abby Mathematik angehen, und diesmal w\u00fcrde sie sich nicht herausreden, nahm sie sich vor. Dennoch dauerte es eine Weile, ehe sie in einen unruhigen Schlaf glitt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u200bMitras ging zie\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200bllos durchs Viertel. Die K\u00e4lte, die ihm dabei ins Gesicht schlug, half ihm, wieder etwas ruhiger zu werden. Er ordnete seine Gedanken und lie\u00df den Tag revue passieren. Der Fehlschlag war katastrophal, ja. Nicht weil er den Generator ersetzen musste, das&nbsp;war zwar \u00e4rgerlich, aber kein Beinbruch. Aber der Rammbock war sein letzter Strohhalm gewesen. Er hatte nun alle Ideen ausgesch\u00f6pft. Alle seine Recherchen waren entweder ins Leere gelaufen oder f\u00fchrten zu mehr oder minder spektakul\u00e4ren Fehlschl\u00e4gen. Die Eigenschaften des Elektrums waren zu komplex, um klassische Telekinesezauber darauf zu wirken, zumindest nicht ohne dass irgendetwas Unvorhergesehenes dabei passierte. Allein das Ausbrechen des Zylinders heute Vormittag war schon au\u00dfergew\u00f6hnlich. Zauber \u00e4nderten nicht einfach ihre Richtung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u200bOder hatte er vielleicht von Beginn an etwas \u00fcbersehen? Er hatte das Material anf\u00e4nglich sehr genau studiert, dabei aber noch lange nicht so viele Daten wie jetzt gehabt. Sollte er vielleicht einen Schritt zur\u00fcck gehen und anhand der neuen Ergebnisse noch einmal mit der elementaren Untersuchung des Elektrums weiter machen? Den einzigartigen Energiefl\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200buss innerhalb des Materials hatte er ja auch nur durch Zufall entdeckt. Welche Geheimnisse k\u00f6nnten sonst noch in der Legierung stecken? Hatte er aus dem Transmutatis wirklich schon alles erfahren oder war seine \u00dcbersetzung des antiken Textes vielleicht auch fehlerhaft? Er konnte sich das zwar nicht vorstellen, da alte Schriften&nbsp;immerhin sein st\u00e4rkstes nichtmagisches Feld waren, gleich neben der Mathematik, aber vielleicht verbargen sich noch Informationen im Subtext, die bei der \u00dcbersetzung verzerrt worden waren. Langsam d\u00e4mmerte ihm, dass er die n\u00e4chsten Wochen noch einmal sehr viel Zeit mit Grundlagenforschung w\u00fcrde verbringen m\u00fcssen. Die Warnung konnte ihm Zeit verschaffen. Richtig formuliert konnte sie die Forschung der Generalit\u00e4t vielleicht verlangsamen und im besten Fall bekam er Einsicht in deren Forschung und konnte die Ergebnisse so f\u00fcr sich benutzen. Vielleicht sollte er den Brief an di Acciperitis schicken statt an di Scuti? Dann w\u00fcrde sich der General erst an seinen Forscher wenden m\u00fcssen und sich absprechen, das k\u00f6nnte ihm etwas mehr Zeit verschaffen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Seine Laune begann sich gerade wieder zu heben, als hinter ihm eine Stimme ert\u00f6nte: &#8222;Mitras di Venaris, welch eine \u00dcberraschung, Ihnen hier zu begegnen.&#8220; Mitras\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b drehte sich zu der Stimme um und sein Gesicht verfinsterte sich. &#8222;Di Porrum, was wollt Ihr?&#8220; Secus di Porrum und sein nichtmagischer Bruder Cepus standen vor ihm. Secus war ein sehr erfolgreicher Waffeningenieur und H\u00e4ndler. Als Magier taugte er allerdings nicht viel. Nur mit Thadeus Hilfe war es ihm gelungen, so munkelte man, in den Rang eines Magisters aufzusteigen und seit die Differenzen zwischen den beiden immer gr\u00f6\u00dfer wurden, hatte Thadeus ihn immer weniger in Schutz genommen. Letztendlich wurde di Porrums Forschung nochmal eingehend durchleuchtet und man entdeckte, dass er etliche seiner vermeintlichen Erkenntnisse wohl eher von anderen kopiert hatte. Thadeus konnte man keine Fehler nachweisen, da er mit der Bewertung nicht direkt betraut war, aber einige Erzmagier wurden daf\u00fcr ger\u00fcgt, dass sie anscheinend zu schlampig gepr\u00fcft hatten. Ein einmal anerkannter Titel konnte nicht mehr aberkannt werden, aber Secus wurde von allen Forschungen der Gilde ausgeschlossen, erhielt also auch keine Unterst\u00fctzung mehr f\u00fcr eigene Projekte. Des Weiteren wurde ihm der Aufstieg in alle weiteren \u00c4mter und insbesondere der Aufstieg zum Erzmagier auf Lebenszeit verwehrt. Aber trotz all dieser R\u00fcckschl\u00e4ge hatte er nach wie vor sein Waffenimperium. Anderen Magiern h\u00e4tten solche Ma\u00dfnahmen die Existenz zerschossen, er aber landete relativ weich. Nun versuchte er schon seit einem Jahr einen Anteil der Elektrumproduktion f\u00fcr sein Unternehmen zu bekommen, auch um durch die Entwicklungen, die damit potentiell m\u00f6glich w\u00e4ren, wieder im Ansehen der Gilde zu steigen. Vermutlich aber auch, weil neue Waffen auch neue M\u00f6glichkeiten bedeuteten, einen Krieg vom Zaun zu brechen. Waffenlieferant und eingeschr\u00e4nkter Magister zu sein, war in Friedenszeiten eben eine noch schlechtere Kombination. Sepus war auch der Erste au\u00dferhalb der Generalit\u00e4t gewesen, der von der, eigentlich als geheim eingestufften, Waffenforschung Wind bekam. Zweifelos hatte sein guter Freund di Scuti die Informationen durchgestochen.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Zuerst hatte er versucht, Mitras f\u00fcr sich einzunehmen und hatte ihn umschw\u00e4rmt wie eine Motte das Licht. Doch Mitras erinnerte sich noch zu gut an die abf\u00e4llige Behandlung, die ihm Jahre zuvor noch durch Secus zuteil geworden war, wann immer dieser ihn sah. Er geh\u00f6rte schon damals zu Thadeus Traditionalisten und betrachtete es als Kr\u00e4nkung des gesch\u00e4tzten Meisters, dass dieser nun noch einen &#8218;Empork\u00f6mmling&#8216; ausbilden musste. Kaum waren seine ersten Versuche gescheitert, wurde er zunehmend aggressiver, bis er sich einmal zu viel \u00f6ffentlich im Ton vergriff, was dazu f\u00fchrte, dass die Generalit\u00e4t ihn von einigen wichtigen Auftr\u00e4gen ausschlo\u00df. Sicher hatte Nathanael auch damit zu tun. Er war nie weit weg, wenn einer von Mitras Feinden ein&nbsp;R\u00fcckschlag ereilte. &#8222;Aber bitte, warum so unfreundlich, werter di Venaris. Da wir uns nun schon hier zuf\u00e4llig begegnen, haben Sie noch einmal \u00fcber mein letztes Angebot nachgedacht? Ihr kleines Labor wird Ihren Forschungen doch sicher nicht gerecht. Mit meinen Mitteln w\u00fcrde es Ihnen sicher gelingen schnell mehr Elektrum herzustellen und ich verlange lediglich 30 Prozent Gewinnbeteiligung und biete die wissenschaftlichen und technischen Mittel meines ganzen Imperiums.&#8220; &#8222;Sepus, Sie haben doch schon umfangreich unter Beweis gestellt, was Wissenschaft im Namen di Porrums wert ist. Welcher Wissenschaftler w\u00fcrde freiwillig unter Ihrer Obhut arbeiten wollen?&#8220; Erwiderte Mitras scharf. Cepus machte mit hochrotem Kopf und wutverzehrten Gesicht einen Schritt auf ihn zu und griff an seine H\u00fcfte, wo er ein Breitschwert trug. Eine plumpe Waffe f\u00fcr einen plumpen Geist, dachte Mitras. Die Bewegung enth\u00fcllte das eiserne Kettenhemd, dass Cepus trug und das ihn gegen die meisten magischen Attacken sch\u00fctzen w\u00fcrde.&nbsp;Reflexhaft griff er an seine Seite und wunderte sich schon fast, dass er sein Rapier tats\u00e4chlich dort vorfand. Er konnte sich nicht errinnern ihn angelegt zu haben, \u00e4rgerte sich aber, dass er zus\u00e4tzlich zu seiner normalen Waffe nicht auch die Armb\u00e4nder trug. Das Rapier war die ideale Waffe, um Kettentr\u00e4ger damit unsch\u00e4dlich zu machen, und er konnte damit auch hervorragend umgehen. Aber durch einen Gegner wie Cepus gebunden, konnte selbst ein Diletant wie Sepus ihm gef\u00e4hrlich werden, er musste ja nur einen Zauber von der Seite wirken. &#8222;Meine Herren bitte, kein Grund gleich aus der Haut zu fahren.&#8220; Sepus hielt seinen Bruder mit der Linken zur\u00fcck und hob die rechte Hand beschwichtigend in Mitras Richtung. &#8222;Magister, es geht hier nicht um meinen wissenschaftlichen Ruf, sondern um die unfangreichen <\/em>Ressource\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200bn, die ich Ihnen bieten kann. Und seien Sie mal ehrlich<em>&nbsp;Venaris, ich wei\u00df, dass sie nicht alles Elektrum an die Generalit\u00e4t verkaufen, dass Sie herstellen. Und ich bin mir sicher, dass Ihr durchaus auch noch mehr herstellen k\u00f6nntet, wenn Ihr nur wolltet. Mit der Sicherung des k\u00f6niglichen Patentes m\u00f6gt Ihr zwar das Geheimnis um die Formel gesichert haben, aber im Gegensatz zu den Schafsk\u00f6pfen in der Festung glaube ich nicht, dass die Grenzen bei der Produktion so gro\u00df sind. Zus\u00e4tzlich zu meinem bisherigen Angebot zahle ich euch f\u00fcr jedes Kilogramm, das an mich geht, das Doppelte der k\u00f6niglichen Summe. Das ist mein letztes Angebot, bedenkt es gut.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;F\u00fcr euch immer noch Magister di Venaris, und meine Antwort bleibt nein!&#8220; Mitras stand den beiden immer noch kampfbereit cirka f\u00fcnf Schritt gegen\u00fcber. Cepus hatte sich von seinem Bruder gel\u00f6st und war einen Schritt nach links gewichen, seine linke seltsam verkr\u00fcmmt. Stumm wirkte Mitras einen&nbsp;Verst\u00e4rkungszauber auf seine Augen. Er verbarg einen Dolch in der Hand. Mitras drehte sich unmerklich auf Cepus ein, um schnell auf ihn reagieren zu k\u00f6nnen. Sepus machte jetzt seinerseits einen Schritt nach rechts und hob die Arme gestikulierend an, wohl auch um von seinem Bruder abzulenken. &#8222;Nun gut, Magister di Venaris&#8220; \u00e4tzte er, &#8222;Aber bedenkt, dass keiner meiner Konkurenten Euch ein besseres Angebot machen kann, nur ich habe die Mittel daf\u00fcr.&#8220; Mitras reckte ein Bein unmerklich weiter nach vorn. &#8222;Ihr meint Mittel wie die unf\u00e4higen Kleinkriminellen, die versucht haben, bei mir einzusteigen?&#8220; Cepus knurrte nur noch wutentbrannt ob der Beleidigung gegen seinen Bruder und machte einen schnellen Schritt auf ihn zu, doch noch bevor er den Dolch hervorholen und werfen konnte, erschol ein Ruf: &#8222;Was geht hier vor?&#8220; F\u00fcnf Gardisten waren just in diesem Moment aus einer Seitenstra\u00dfe ins Sichtfeld gebogen, angef\u00fchrt von einer Mitras vertrauten Gestalt. &#8222;Ah, Leutnant Decius, sch\u00f6n, Sie zu sehen. Der werte Secus di Porrum hier war auf dem Weg zu mir, um mir pers\u00f6nlich ein Angebot zu unterbreiten, traf mich dann aber schon hier auf der Stra\u00dfe. Sein Angebot habe ich abgelehnt und die Herren haben nun nichts mehr hier zu tun. Sie w\u00e4ren sicher dankbar, wenn Ihr sie nun sicher nach Hause begleitet, ich f\u00fcr meinen Teil wohne ja nicht weit von hier und ich bin sicher, dass Sie und Ihre M\u00e4nner hier bereits alle auff\u00e4lligen Gestalten vertrieben haben und ich sicher nach Hause weiter gehen kann.&#8220; sagte er an den Anf\u00fchrer der Truppe gewandt. Mitras war erleichtert, dass ausgerechnet Decius den Trupp anf\u00fchrte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Er war es gewesen, der den zweiten Einbruch mit untersucht hatte. Mitras hatte damals schon den Verdacht, dass di Porrum dahinter stecken k\u00f6nnte, aber der Leutnant hatte keine ausreichenden Beweise daf\u00fcr aufbringen k\u00f6nnen. Die Klingen, die bei dem Einbrecher gefunden wurden, waren neu und aus di Porrums Fertigung, aber das sagte gar nichts, da di Porrum auch an Privatleute verkaufte. Leider konnte Mitras sich nur mit einem einfachen, aber effizienten Zauber schnell genug zu Wehr setzen, was zur Folge hatte, dass das Herz des Eindringlings recht pl\u00f6tzlich seine Form \u00e4nderte und damit auch den Dienst einstellte.&nbsp;In der Folge hatte Mitras immer wieder mit dem Wachmann zu tun und fand schnell heraus, dass er eine tiefe Abneigung gegen die di Porrums hegte. Mitras wusste zwar nicht warum, aber das machte Decius zu einem wertvollen Verb\u00fcndeten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Sie haben recht Magister, es w\u00e4re wohl das Beste, wenn wir die Herren hier nach Hause begleiten. Meinen Sie nicht auch, Magister di Porrum?&#8220;, fragte er mit leicht sarkastischer Stimme. &#8222;Das wird sicher nicht n\u00f6tig sein, Leutnant, wir k\u00f6nnen selbst auf uns acht geben, aber ich danke Ihnen f\u00fcr das Angebot.&#8220;, versuchte sich dieser heraus zu reden. &#8222;Entschuldigt Herr, aber ich f\u00fcrchte, ich muss darauf bestehen. Seit vorige Woche ein Adeliger von einem betrunkenen Hafenarbeiter angegriffen worden ist, haben wir Weisung jedem Herren, der einer Eskorte bedarf, diese auch zu stellen. Und da heute am Schengstag die Tavernen voll sind, kann es durchaus zu weiteren Zwischenf\u00e4llen kommen. Ihr werdet also nicht um unsere Gesellschaft herum kommen. Wir wollen ja auch nur euer Bestes, mein Herr.&#8220; Mit diesen Worten nahmen die vier Soldaten die beiden sichtlich nicht begeisterten di Porrums in ihre Mitte, w\u00e4hrend sich Leutnant Decius noch einmal an Mitras wandte: &#8222;Magister di Venaris? Sie sollten jetzt aber auch nach Hause gehen. Ich wei\u00df nicht genau wieso, aber die Stimmung ist in letzter Zeit ziemlich gereizt und dass unsere Generalit\u00e4t den Hafenarbeiter schon nach zwei Tagen aufgekn\u00fcpft hat, hat nicht gerade geholfen.&#8220; Mitras nickte. &#8222;Danke f\u00fcr die Warnung, Leutnant, ich werde sie beherzigen und danke f\u00fcr euren Dienst an der Stadt, M\u00e4nner.&#8220; sagte er an die Soldaten gerichtet, wohl wissend, dass dieser Zuspruch ihre Meinung \u00fcber ihn nur bessern konnte. &#8222;Sie sollten Ihn auch begleiten lassen, Leutnant. Sonst kommen Sie ja Ihren Pflichten nicht nach, das wird ein Nachspiel haben!&#8220;, drohte Cepus, der den Dolch beim Erscheinen der Wache schnell weggesteckt hatte. Decius ignorierte ihn, doch einer seiner Soldaten antwortete: &#8222;Sir, wenn es um Ihre Sicherheit geht, nehmen wir gerne ein Nachspiel auf uns.&#8220; Cepus setzte zu einer Erwiderung an, doch Secus brachte ihn mit einem Sto\u00df und einem Blick zum Schweigen. Mit einem Nicken verabschiedete sich Decius von Mitras und er und seine M\u00e4nner eskortierten den finster dreinblickenden Secus und seinen Bruder in Richtung ihres Hauses auf der anderen Seite des H\u00fcgels, weit weg von hier. Mitras wartete, bis sie au\u00dfer Sicht waren und wandte sich um. William wartete nun sicher schon und w\u00fcrde sich Sorgen machen.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Kurze Zeit sp\u00e4ter erreichte er den Treffpunkt und fand einen sichtlich nerv\u00f6sen William vor. &#8222;Ha, hast dir ja ganz sch\u00f6n Zeit gelassen. Alles in Ordnung?&#8220;, fragte er besorgt. &#8222;Ja, aber auch nur knapp. Ich bin in die di Porrum Br\u00fcder gelaufen, w\u00e4re beinahe h\u00e4sslich geworden. Cepus hat allen ernstes Anstalten gemacht, mich anzugreifen. W\u00e4re Decius nicht genau in dem Augenblick um die Ecke gekommen, w\u00e4re die Lage wohl eskaliert.&#8220; erwiderte Mitras, verschweigend, dass er nicht gerade deeskalierend aufgetreten war. &#8222;Du machst Sachen. Keine zehn Minuten kann man dich allein lassen.&#8220; schimpfte William. &#8222;Sicher, dass du nach der ganzen Aufregung noch los willst? Ich kann sonst auch alleine gehen und Titus eine Botschaft von dir \u00fcberbringen und seine Ergebnisse mitbringen.&#8220; &#8222;Nein, es geht schon, alles gut, William.&#8220; antwortete Mitras und schlug sich dann mit der flachen Hand vor den Kopf. &#8222;Ach, verdammt die Botschaften! Ich muss doch noch das Schreiben an meine&nbsp;Schwester und die Warnungen an die Generalit\u00e4t versenden.&#8220; &#8222;Keine Sorge, schon geschehen. Abby hat gesehen, dass sie noch auf deinem Tisch lagen, und als sie sagte, dass du schon los bist, dachte ich mir schon, dass du sie vergessen haben k\u00f6nntest. Ich habe auf dem Weg hier her einen Botenjungen angetroffen, der gerade auf dem Weg nach Hause war. Ich kenne ihn und wei\u00df, dass er zuverl\u00e4ssig ist. Mach dir also keine Gedanken.&#8220; beruhigte William ihn. Mitras wusste nicht, ob das jetzt gut oder schlecht war &#8211; der Brief war ja an di Scuti gegangen, und der Plan, ihn direkt an den General zu schicken&#8230; Ach, dieser Tag war einfach verhext. &#8222;Gut, dann lass uns aufbrechen, ich will diesen Tag endlich zu Ende bringen.&#8220; Gemeinsam liefen sie durch das Handwerkerviertel zur Kaimauer, an der die kleine F\u00e4hre zum Hafenviertel anlegte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Spelunke, in der sie sich mit Titus treffen wollten, hie\u00df &#8222;zum tanzenden Einhorn&#8220; und war nicht weit vom F\u00e4hranleger entfernt. Eigentlich war es eher eine Taverne, die auf die Kapit\u00e4ne und deren Offiziere als Kundschaft abzielte, aber heute Abend waren auch sehr viele Hafenarbeiter hier. Mitras und William steuerten vom Eingang direkt auf die Nische zu, in der sie sich immer traffen, und fanden Titus dort schon wartend vor. Sie setzten sich und bestellten schnell zwei Bier. &#8222;Guten Abend, Herr di Venaris. William?&#8220;, gr\u00fc\u00dfte Titus die beiden freundlich, aber so distanziert, wie er es in der \u00d6ffentlichkeit oft tat. &#8222;Gr\u00fc\u00dfe von Stefania. Sie l\u00e4sst ausrichten, dass deine Eltern im Fr\u00fchjahr wieder nach Uldum kommen werden, sie haben ihr wohl geschrieben.&#8220; William grinste breit. Stefania war seine Schwester, die ebenso wie er in Uldum sesshaft geworden war, doch seine Eltern zogen immer noch \u00fcbers Land, und so freute er sich, Botschaft von Ihnen zu bekommen. Mitras \u00fcberlegte, ob sie und Titus nicht doch irgendwann w\u00fcrden heiraten wollen, wenn sie ihre Verbindung schon so offen zugaben, dass Titus Familiengr\u00fc\u00dfe \u00fcberbringen konnte. &#8222;L\u00e4uft alles gut bei Ihnen?&#8220;, erkundigte Mitras sich, den distanzierten Ton aufgreifend. W\u00e4ren sie unter sich gewesen, h\u00e4tte er Titus aufgrund der besonderen Beziehung, die beide zu Stefania hatten, auch duzen k\u00f6nnen, aber in der Gegenwart seiner M\u00e4nner mochte Titus wohl die Ehrbezeugung, von einem Adeligen gesiezt zu werden. &#8222;Mal so, mal so, nech?&#8220;, antwortete dieser und lamentierte eine Weile \u00fcber die schwierigen Bedingungen, Gesch\u00e4fte zu machen, wenn alle verf\u00fcgbaren Fachkr\u00e4fte immer unzufriedener wegen der steigenden Lebensmittelkosten wurden. &#8222;Aber was unsere Gesch\u00e4fte anbelangt, ich habe die Informationen, die Sie wollten.&#8220; er\u00f6ffnete Titus den gesch\u00e4ftlichen Teils des Gespr\u00e4chs und schob eine kleine braune Mappe zu Mitras her\u00fcber. &#8222;Gut, danke. Ist irgend etwas Belastendes dabei heraus gekommen? Irgendetwas mit dem ich Secus zumindestens eine Weile in die Enge treiben kann?&#8220; &#8222;Leider nein. Ich konnte Gesch\u00e4ftszahlen und einige zwielichtige Kontakte erbeuten und aufdecken, aber nichts, was sich effektiv gegen ihn einsetzen l\u00e4sst. Der Mann ist sehr gut, wenn es um Schattenaktionen geht. Zu den zwei Einbr\u00fcchen l\u00e4sst sich gar nichts finden, nicht einmal, wo die M\u00e4nner jeweils herkamen. Die polizeilichen Ermittlungen sind komplett ins Leere gelaufen.&#8220; berichtete Titus. Mitras holte einen kleinen Beutel voller M\u00fcnzen hervor und schob ihn zu Titus her\u00fcber. &#8222;Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre M\u00fchen, auch wenn mich die Ergebnisse alles andere als zufrieden stellen, aber ich bin sicher, Sie haben Ihr Bestes gegeben. Fahren Sie bitte weiter fort. Und noch etwas. Ich h\u00e4tte gerne, dass Secus und Cepus beide einen Schatten bekommen. Ich bin heute zuf\u00e4llig in die beiden gelaufen und sie haben, f\u00fcr meinen Geschmack, viel zu schnell auf Aggressivit\u00e4t gesetzt und versucht mich offen unter Druck zu setzen. F\u00fcr solche F\u00e4lle einen zuf\u00e4lligen Zeugen zu haben, w\u00e4re schon nicht schlecht.&#8220; Titus nahm den Beutel an sich und wog ihn kurz mit der Hand ab. &#8222;Ich denke, das wird sich machen lassen. M\u00f6chten Sie auch noch einen Schatten f\u00fcr das Haus? Wird zwar nicht ganz einfach bei der Wohngegend, aber ich finde da schon eine M\u00f6glichkeit.&#8220; Mitras dachte kurz nach und entgegnete: &#8222;Ja, das w\u00e4re wahrscheinlich nicht schlecht.&#8220; Titus l\u00e4chelte ihn kurz verschmitzt an. &#8222;Einige offene Augen haben mir schon erz\u00e4hlt, dass Ihr auch eine neue Sch\u00fclerin habt, die bei euch wohnt.&#8220; Mitras nickte best\u00e4tigend. &#8222;Kira Silva, ja. Sie kommt aus dem Flachland, bei L\u00fchrenburg, aus Bispar. Haben Sie Kontakte so weit in den Norden?&#8220; Titus machte eine wegwerfende Handbewegung. &#8222;Ich habe \u00fcberall Kontakte, wenn ich es will. Sind Sie besorgt, die Kleine k\u00f6nnte eine Spionin sein?&#8220; Mitras wiegte den Kopf, doch William protestierte. &#8222;Titus, sieh doch nicht \u00fcberall gleich dunkle Schatten! Kira ist niedlich und sicher kein Spion, sie ist ein ganz herzensgutes M\u00e4del.&#8220; &#8222;Da stimme ich William zu. Nein, ich hege keine tieferen Sorgen, dass sie mir zur Spionage untergeschoben wurde. Aber ein paar Bemerkungen, die sie hat fallen lassen, haben mich ein bisschen beunruhigt. Mich w\u00fcrde der Zustand ihres Elternhauses interessieren, Einkommen, Ruf und so weiter. Vielleicht auch andere Meinungen aus dem Dorf \u00fcber die Familie und auch \u00fcber das M\u00e4dchen.&#8220; William blickte ihn nachdenklich an. Mitras fuhr fort: &#8222;Sie selber ist im Wesen harmlos, und, wie William sagt, vielleicht ganz niedlich, aber sie k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise unter Druck gesetzt werden. Thadeus versucht jetzt schon, sie scheitern zu lassen, indem er ihr nur ein Jahr Vorbereitungszeit gew\u00e4hrt hat. Wer wei\u00df, was er sonst noch aus dem \u00c4rmel zaubert, um mich \u00fcber sie zu treffen. Je mehr ich vorher wei\u00df, desto besser.&#8220; Titus nickte. &#8222;Wird aber dauern. Reist sich nicht so schnell per Pferdekutsche.&#8220; Mitras stimmte ihm zu. &#8222;Wo wir allerdings bei Informationen sind, die nicht so schnell passieren&#8230; Ich w\u00fcrde gern meine Suche nach alten Werken zur Telekinese etwas erweitern.&#8220; Er griff in seinen Geldbeutel und holte einige zus\u00e4tzliche Goldst\u00fccke heraus, die er Titus hinschob. &#8222;Setzen Sie das doch bitte als Bonus mit aus, falls mir jemand ein Buch zu Bewegungszaubern liefern kann, das unsere Stadtbibliothek nicht vorr\u00e4tig hat. Es ist mir auch nicht mehr so wichtig, dass es unbedingt in Rasenna geschrieben ist, ich nehme auch andere Sprachen.&#8220; Titus schaute ihn neugierig an und strich das Geld unauff\u00e4llig vom Tisch. &#8222;Laufen die Forschungen nicht so gut?&#8220; Mitras schaute ihn mit unbewegtem Gesicht an. &#8222;Wenn ich Ihnen \u00fcber meine Forschungen Auskunft gebe, will ich aber was von dem Geld zur\u00fcck.&#8220; Titus lachte. &#8222;Versuch war&#8217;s wert, nech?&#8220; Mit einem Kopfneigen zollte Mitras ihm Anerkennung. Sie tranken noch eine Weile an ihren Bieren und William fragte Titus zum Familienklatsch aus, der definitiv nicht eines Meisterspiones w\u00fcrdig, aber dennoch recht unterhaltsam war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Nun denn, es wird sp\u00e4t und der morgige Tag h\u00e4lt&nbsp;leider noch unerwartete Arbeit f\u00fcr mich parat.&#8220; beendete Mitras das Gespr\u00e4ch und stand auf. &#8222;Oha, arbeiten am Silenz. Und ich dachte, ihr Magier habt euch die Titel extra daf\u00fcr geben lassen, um an dem Tag nicht mehr arbeiten zu m\u00fcssen.&#8220; witzelte Titus herum. &#8222;Aber gut, bei dem ganzen \u00c4rger, den Sie im Moment haben, kann ich das gut verstehen.&#8220; f\u00fcgte er deutlich ernster hinzu. &#8222;Ich w\u00fcnsche euch beiden einen sch\u00f6nen Abend. Wenn ich wieder etwas habe, lasse ich es Sie wissen.&#8220; Titus verbeugte sich knapp und setzte sich wieder. Mitras nickte ihm zu, w\u00fcnschte ebenfalls einen sch\u00f6nen Abend und verlie\u00df die Nische wieder. Kaum war er ein paar Schritte Richtung T\u00fcr gegangen, versperrte ein sichtlich angetrunkener Hafenarbeiter ihm den Weg. &#8222;Na, wen hab&#8217;n wa denn hia. Erscht lassn se uns f\u00fcr nen Dreckslohn in ihrn Fabrikn schuften und nu saufn se uns auch noch den Fusel wech.&#8220;&nbsp; Er hickste und hauchte Mitras ein Schwall \u00fcbelriechender Luft ins Gesicht, der ihn einen Schritt zur\u00fcckweichen lie\u00df. Erst die di Porrums und nun das.&nbsp;Die gerade erst zur\u00fcck gewonnene gute Laune verfl\u00fcchtigte sich sofort. Innerlich vor aufsteigender Wut kochend, blieb er \u00e4u\u00dferlich komplett ruhig, w\u00e4hrend er Magie sammelte. Ein Kraftzauber, nicht zu stark. Nur so weit, dass er diesen Kerl f\u00fcr ein paar Wochen von der Stra\u00dfe pr\u00fcgeln konnte. Leise murmelnd begann er den Zauber zu weben, als sich Titus an ihm vorbeischob und William ihn wieder in den Eingang der Nische zur\u00fcck zog. &#8222;Sag einmal, was denkst du, wer du bist, dass du einen meiner Freunde so anherrschst, Bursche!&#8220;, br\u00fcllte Titus den Hafenarbeiter an. Dieser holte zu einer Gegenanwort aus, wobei er wohl gedachte, die Faust mit zu nutzen. Einer seiner Kumpels hinter ihm rief allerdings: &#8222;Tarens! &#8222;Als der Angreifer durch den Suff hindurch wahrnahm, wen er da vor sich hatte, schien er schlagartig komplett n\u00fcchtern zu werden. &#8222;Herr Tarens, isch wusste ja nisch, dass der Schn\u00f6- \u00e4h der H&#8230;Herr Ihr Gascht is.&#8220; stammelte er. &#8222;Schafft den Trunkenbold hier raus!&#8220;, rief Titus den anderen zu, &#8222;Und wenn er wieder n\u00fcchtern ist, macht ihm klar, dass er in meinem Bezirk keine Arbeit mehr finden wird, sollte so etwas noch einmal passieren.&#8220; Schnell brachten die anderen ihn raus. Mitras lie\u00df die Magie wieder abflie\u00dfen und bedankte sich mit finsterer Miene bei Titus. &#8222;Danke, ich h\u00e4tte vielleicht etwas dummes getan ohne Ihr Eingreifen.&#8220; &#8222;Nicht der Rede wert, aber vielleicht w\u00e4re es besser, wenn wir uns in Zukunft an ruhigeren Orten oder zumindest nicht am Hafen treffen. Hier baut sich in letzter Zeit eine ziemlich unangenehme Spannung auf.&#8220; erwiderte Titus. Mitras nickte. Es gab auch in den Zeitungen vermehrt Berichte \u00fcber Unruhen in den Slums, und Decius hatte \u00fcber die Geleitanweisung vorhin sicherlich auch nicht gelogen, er hatte nur Mitras davon ausgenommen. Mitras und William verabschiedeten sich entg\u00fcltig von Titus, verlie\u00dfen das tanzende Einhorn und machten sich schnell auf den Weg zum F\u00e4hranleger. Sie hatten Gl\u00fcck und erwischten die F\u00e4hre, kurz bevor diese ablegen wollte. Damit war die Gefahr weiterer \u00dcbergriffe erstmal vor\u00fcber, hoffte Mitras. Auf der anderen Flussseite angekommen, kamen sie tats\u00e4chlich ohne weitere Zwischenf\u00e4lle nach Hause. Mitras wollte nur noch ins Bett und diesen verfluchten Tag endlich hinter sich lassen. Er w\u00fcnschte William eine gute Nacht und ging in seine Gem\u00e4cher, wo er rasch in einen festen Schlaf sank.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Mitras am n\u00e4chsten Tag erwachte, sp\u00fcrte er sofort, dass etwas nicht stimmte. Das Laden war reibungslos verlaufen, er hatte sich auch direkt danach hingelegt, war aber trotzdem um halb acht aufgewacht und deswegen fr\u00fchst\u00fccken gegangen. Dann hatte er sich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck aber wieder hingelegt, um noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Kira hatte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-41","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch-1"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":93,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41\/revisions\/93"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}