{"id":44,"date":"2024-04-15T00:24:38","date_gmt":"2024-04-15T00:24:38","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=44"},"modified":"2024-04-15T00:24:39","modified_gmt":"2024-04-15T00:24:39","slug":"familienbande-10-lunet-242-silenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/04\/15\/familienbande-10-lunet-242-silenz\/","title":{"rendered":"Familienbande &#8211; 10. Lunet 242 (Silenz)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u200b<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira wachte um halb sieben auf, wie sie feststellen konnte, sobald die Lampe hell genug leuchtete. Drau\u00dfen war es stockfinster und es trommelte Schneeregen gegen das Fenster. Im Gegensatz zu gestern f\u00fchlte sie sich gar nicht erholt, ihre Stimmung passte zum Wetter. Ihr Kopf tat immer noch leicht weh, und sie erinnerte sich an wirre Tr\u00e4ume, in denen sie ihren Vater gesehen hatte, der seinen Stock holte, um sie mal wieder f\u00fcr etwas zu betrafen, Johanns H\u00e4nde, die nach ihr griffen und dazwischen immer wieder Mitras blaue Augen, die sie anblitzten und seine Stimme, die sagte: &#8222;Sie werden packen.&#8220; Sie rieb sich den Schlaf aus den Augen und seufzte. Die Angst der Traumfetzen hing noch in ihr, und sie brauchte einen Moment, um Mut zu sammeln, sich diesem Tag zu stellen, ehe sie die Decke beiseite schob und sich Wasser holte, um sich zu waschen. Dass es regnete, bedeutete, dass es wohl wieder w\u00e4rmer geworden war, aber hier drinnen war es dank der Heizsteine wohlig warm wie immer. Sie wusch sich, zog eines ihrer guten alten Kleider ohne bauschigen Rock an und angelte sich das Mathebuch. Von nichts kommt nichts. Und wenn man einen Fehler macht, muss man ihn beheben. Sie seufzte noch einmal. Schade, dass sie viel mehr schlaue Spr\u00fcche als Matheformeln kannte. Sie schlug das erste Kapitel auf und begann, die Erkl\u00e4rungen Satz f\u00fcr Satz zu lesen. Was sie verstand, \u00fcbertrug sie sich ins Heft, was sie nicht verstand (und das waren etliche S\u00e4tze), markierte sie mit Bleistift und notierte sich auf einem losen Blatt, was genau sie Abby dazu fragen wollte. Nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit hatte sie so den ersten Abschnitt des Buches zum Thema &#8222;Regula Detri&#8220;, also in neuerer Sprache Dreisatz, durchgearbeitet. Das Buch war anscheinend nicht mehr ganz das neueste. Oder es wurde immer erweitert. Sie bl\u00e4tterte kurz um und sah ihre zweite These best\u00e4tigt: Auch die Schriftart wechselte hinten im Buch, ebenso wohl der Sprachgebrauch und die Art, Formeln zu notieren. Sie schaute auf die Uhr. Erst viertel nach acht. Nachdenklich betrachtete sie ihre Notizen und dachte an Adrian, der ihr beigebracht hatte, wie man alleine mit B\u00fcchern arbeiten kann, um den Fernunterricht zu schaffen. Er hatte sich auch daf\u00fcr eingesetzt, dass sie ihn \u00fcberhaupt besuchen konnte statt den erstbesten Bauern zu heiraten. Ob er manchmal an sie dachte? Sie sp\u00fcrte, wie die Traurigkeit und die Sehnsucht nach seinem Lachen, seinen besch\u00fctzenden Armen in ihr aufstieg, und einige Tr\u00e4nen kullerten \u00fcber ihre Wangen. Ob er die L\u00fcgen glaubte, die Johann und wohl auch ihre Mutter nun \u00fcber sie erz\u00e4hlten? Sie w\u00fcrde ihm schreiben m\u00fcssen&#8230; und da sie auf das Fr\u00fchst\u00fcck ja noch warten musste, konnte sie ja auch gleich damit beginnen. Immerhin hatte sie sich ja jetzt nicht vor Mathematik gedr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie fischte sich ein leeres, sauberes Blatt aus dem Schreibtisch und begann zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lieber Adrian,<br>ich vermisse dich sehr. Nie war ich so weit von dir, selbst dann nicht, als du die ganze K\u00fcste herunter gereist bist, um Vaters Gesch\u00e4fte zu lernen. Denn damals habe ich immer gewusst, dass wir uns wieder sehen werden, und dass du mich hochnehmen und herumwirbeln wirst, sobald du den Raum betrittst. Jetzt bin ich mir so unsicher&#8230;<br>Egal was die anderen sagen, bitte glaube mir, ich habe Johann nicht angegriffen oder ihm schaden wollen. Er hat versucht, mich zu bedr\u00e4ngen, und ich bin einfach so w\u00fctend geworden, und dann war alles komisch um mich&#8230; ich kann es noch gar nicht beschreiben. Auf jeden Fall hat Mutter seitdem nicht mehr mit mir gesprochen, seitdem sie wei\u00df, dass ihr kleines Trollbalg magisch begabt ist. Ich glaube, sie hat jetzt Angst vor mir. Hatte sie das nicht vorher auch schon? Hast du Angst? Ich w\u00fcrde euch nie etwas tun, wirklich nicht!<br>Man hat mich hier in Uldum einem jungen Magister zugewiesen, der wirklich sehr nett &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira hielt inne. War Mitras nett? Bis gestern hatte sie das zumindest gedacht. Und wenn sie ehrlich war, hatte er sie noch nicht mal besonders schlimm beschimpft. Er hatte nur gesagt, dass sie ohne Mathematik an der Akademie nicht w\u00fcrde bestehen k\u00f6nnen, und das war ja vermutlich nicht mal eine Beschimpfung, sondern die Wahrheit. Und dass sie sich &#8211; wie auch in all den Jahren zuhause &#8211; vor Mathematik gedr\u00fcckt hatte, war ja nun eindeutig ihr Fehler gewesen. Als Mentor musste Mitras sie daf\u00fcr r\u00fcgen. Er hatte sie nicht mal geschlagen, stellte sie verbl\u00fcfft fest. Entschlossen schrieb sie weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8230; ist. Und er wohnt in einem total luxuri\u00f6sen Haus, es gibt sogar ein Bad mit einer riesigen, kreisrunden Wanne hier, und ich darf es jederzeit benutzen! Stell dir vor, deine kleine Schwester wird vornehm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie hielt wieder inne und kicherte in sich hinein. Vornehm und Kira Silva, das passte wirklich nicht. Drau\u00dfen auf dem Flur klackte eine T\u00fcr. Sie schaute auf die Uhr. Schon f\u00fcnf vor neun. Mitras ging wohl zum Fr\u00fchst\u00fcck, also sollte sie auch gehen. Ihre Laune hatte sich deutlich gebessert. Sie hauchte einen Kuss auf das Papier und versteckte den Brief, nachdem die Tinte trocken genug war, in der untersten Schublade des Schreibtisches. Dann ging sie nach unten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitras sa\u00df tats\u00e4chlich am Esstisch. Sie gr\u00fc\u00dfte ihn: &#8222;Guten Morgen, Magister.&#8220; Er blickte kurz auf und nickte, sagte aber nichts. Seine Haare sahen ein wenig zerstrubbelt aus, und er hatte Ringe unter den Augen. Kira erinnerte sich, dass er wohl Schwierigkeiten mit dem Generator hatte, dass hatte Abby ja gestern gesagt. Wo er wohl gestern gewesen war? Sie \u00f6ffnete die K\u00fcchent\u00fcr und schaute in die K\u00fcche, wo William gerade leise summend Kartoffeln sch\u00e4lte. &#8222;Guten Morgen, William!&#8220; &#8222;Mylady, wie sch\u00f6n, du bist wach!&#8220; William winkte ihr freundlich zu. &#8222;Dein Fr\u00fchst\u00fcck steht da schon.&#8220; Kira bedankte sich und nahm das Tablett. Sie versuchte, die T\u00fcr hinter sich mit dem Fu\u00df zu schlie\u00dfen, schaffte es aber nicht, und William rief: &#8222;Lass, die kann auch offen bleiben.&#8220; Mitras runzelte die Stirn und blickte mit leicht zusammengekniffenen Augen an ihr vorbei in die K\u00fcche, aber da er nichts sagte, lie\u00df Kira die T\u00fcr einfach halb offen stehen und setze sich auf Tobeys Platz, gegen\u00fcber von Mitras. Dieser stocherte mehr in seinem Essen herum, als das er ass. Kira hingegen hatte Hunger, also gab sie sich M\u00fche, ruhig und anst\u00e4ndig zu essen, um Mitras nicht weiter zu ver\u00e4rgern, ass aber mit Appetit das belegte Brot und die Schale mit Obst leer, die William f\u00fcr sie vorbereitet hatte. Zwischendurch linste sie ab und zu zu Mitras, doch dieser schwieg und schien eine dunkle Wolke um sich zu sammeln, die eindeutig sagte, dass man ihn besser nicht ansprach. Verlegen senkte Kira den Kopf wieder zu ihrem Essen. Vermutlich war er immer noch ziemlich entt\u00e4uscht von ihr. Zu Recht, piepste eine kleine Stimme in ihrem Kopf. Du hast dich wirklich zu sehr gehen lassen gestern! Heute nicht, brachte Kira die Stimme zum Schweigen. Heute nicht. Sie r\u00e4usperte sich. &#8222;Magister? Gibt es heute Termine, zu denen Sie mich brauchen?&#8220; Mitras blickte sie einen Moment abwesend an, als n\u00e4hme er erst jetzt war, nicht allein im Raum zu sein. Dann verdunkelte sich seine Miene noch etwas weiter, sofern das m\u00f6glich war. &#8222;Nein.&#8220; Kira hatte fast das Gef\u00fchl, das Wort w\u00e4re eine kleine Ohrfeige. Sie schluckte und stand auf, nahm das Tablett und stellte es zur\u00fcck in die K\u00fcche. Dann verbeugte sie sich kurz und h\u00f6flich vor Mitras und ging zur\u00fcck in den Flur. Drau\u00dfen lehnte sie sich einen Moment gegen die Wand und beruhigte ihren Atem wieder. Heute nicht. Heute nicht, sagte sie sich. Er ist nicht nur deinetwegen so w\u00fctend, erg\u00e4nzte sie. Trotzdem verletzte sein abweisendes Verhalten. Nach einer Weile sch\u00fcttelte sie sich und ging nach oben, um ihre Mathesachen zu holen. Wie sollte sie an Mitras vorbei kommen, um zu Abby ins Gesindehaus zu gehen? Eine Weile gr\u00fcbelte sie, auf der Galerie stehend, \u00fcber diese Frage nach, als sich die T\u00fcr des Esszimmers \u00f6ffnete und Mitras wortlos an ihr vorbei ins Labor rauschte. Sie seufzte. Ok. Wenigstens l\u00f6ste sich so das Problem, wie sie her\u00fcber gehen konnte, ohne von ihm bemerkt zu werden, von alleine. Sie holte ihre Materialien und ihren Mantel und stapfte durch den Schneematsch her\u00fcber zum Gesindehaus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras hatte schlecht geschlafen und seine Laune war auf dem Tiefpunkt. Es entsetze ihn immer noch, dass er letzte Nacht kurz davor gewesen war sich mit dem besoffenen Trottel zu pr\u00fcgeln. Er war noch nicht einmal betrunken gewesen. Es war einfach nur die Wut, die ihn geleitet hatte. Er hatte sich&nbsp;pr\u00fcgeln wollen&nbsp;und wahrscheinlich h\u00e4tte er die gesamte Kneipe zerlegt, wenn Titus die Lage nicht entsch\u00e4rft h\u00e4tte. Die Scham dar\u00fcber hatte ihn nun voll im Griff. Selbst wenn Kira bei der Pr\u00fcfung n\u00e4chstes Jahr ein Totalausfall gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ihm das nicht so sehr geschadet wie die Entgleisung, in die er da beinahe hineingeschliddert w\u00e4re. Den ganzen Morgen br\u00fctete er nun schon dar\u00fcber und konnte sich einfach nicht auf seine Arbeit konzentrieren, obwohl die doch gerade jetzt so wichtig war, dass er sogar das Treffen mit Rieke daf\u00fcr abgesagt hatte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Es klopfte an der T\u00fcr, doch er ignorierte es. Egal was es war, er wollte sich jetzt nicht damit auseinander setzen, doch da schob sich die Klinke nach unten. Mitras setzte zu Protest an, doch dann stand William bereits vor ihm und unterbrach ihn vor der ersten Silbe mit einer Handbewegung. &#8222;Nein, du verkriechst dich jetzt nicht, du h\u00f6rst jetzt zu. Und dann sagst mir, was das eben sollte! Erst stauchst du Kira \u00fcber alle Str\u00e4nge zusammen, dann zerhaust du fast die Kneipe und dann watschst du sie mit deinem kalten Verhalten heute Morgen noch einmal ab! Ich dachte eigentlich, du wolltest es besser machen als Thadeus und jetzt bist du keinen Deut besser &#8211; du l\u00e4sst deine Wut an anderen aus und bist \u00fcber Tage ungenie\u00dfbar!&#8220; Williams Triade traf ihn noch h\u00e4rter als die Selbstvorw\u00fcrfe, die er sich eh schon gemacht hatte. Und da war es wieder, das schlechte Gewissen. In all seinen Problemen hatte er Kira beinahe ausgeblendet. Ihre Leistung hatte ihn ge\u00e4rgert, aber durch Williams Vorwurf wurde ihm erst richtig bewusst, wie sehr er sie angefahren hatte &#8211; ja, selbst heute morgen hatte er sie noch ignoriert, obwohl sie sich nichts weiter zu Schulden hatte kommen&nbsp;lassen, als schlecht in Mathematik zu sein. Ja, ihre Aufgabe hatte klar gezeigt, dass sie selbst mit den Grundlagen Probleme hatte, aber war er nicht vorher schon besorgt gewesen, ob es in ihrer Familie nicht doch irgendwelche Probleme gab?&nbsp;Hatte sie nicht in allen anderen Bereichen gezeigt, dass sie \u00fcberragend gut war? Er selbst hatte ihr ja sogar gesagt, sie solle mal Pausen machen, und dann warf er ihr genau das vor. An dieser Stelle f\u00fchlte sich die Reue fast wie k\u00f6rperlicher Schmerz an der Stelle an, an der er am R\u00fccken die Narbe von Thadeus schlimmster Pr\u00fcgelattacke \u00fcbrig behalten hatte, und er rieb sich mit leicht verzogenem Gesicht den R\u00fccken. &#8222;He, willst du mich jetzt auch wohl mit Schweigen strafen, oder was?&#8220; blaffte William und riss ihn so aus seinen Gedanken. &#8222;Nein, entschuldige, die letzten zwei Tage haben mir enorm zugesetzt und mich ausgelaugt. Du hast recht, ich war zu hart zu ihr.&#8220; gestand er resignierend ein. &#8222;Ha, zu hart ist gut und was war das da gestern abend? Ich habe doch genau gesehen, dass du einen Zauber vorbereitet hast. Ich kenne die Gesten, du warst auf Streit aus!&#8220;, fuhr William etwas weniger hitzig fort. &#8222;Ja, auch da hast du recht und glaube mir, das nagt nun nur noch st\u00e4rker an mir. Ich war kurz davor die Beherrschung zu verlieren.&#8220; &#8222;Kurz davor? Du warst schon Meilenweit dran vorbei und selbst Titus hat das gemerkt!&#8220;, fiel William ihm ins Wort. &#8222;W\u00e4re er nicht so geistesgegenw\u00e4rtig gewesen und h\u00e4tte die Situation an sich gerissen, h\u00e4ttest du eine Katastrophe vom Zaun gebrochen. Das sind doch nicht nur die Frustrationen von ein paar Tagen? Was ist los mit dir?&#8220; Williams Triade lie\u00df mit jedem Wort mehr Sorge um seinen Freund durchklingen. &#8222;Was los ist?&#8220; antwortete Mitras ersch\u00f6pft. &#8222;Meine Erfindung droht mir zu entgleiten. Die di Porrums gehen mich nun schon in aller \u00d6ffentlichkeit an, meine Experimente mit dem Generator scheitern schneller, als ich mir neue L\u00f6sungen ausdenken kann und di <\/em><em>Accipiteris<\/em><em> von der Generalit\u00e4t versucht den K\u00f6nig dazu zu bewegen, mehr Elektrum von mir zu fordern. Ich habe neulich ihr neuestes Spielzeug gesehen. Ein Schwert aus Elektrum mit einem Feuerzauber versehen. Das Ding schnitt durch Stahl, als w\u00e4re es ein warmes Brotmessser, das durch Butter f\u00e4hrt. Das hebt den Schutz, den Eisen oder Stahlr\u00fcstungen gegen Magie im Nahkampf geben, komplett auf. Ich will mir gar nicht ausmalen, was das in der Schlacht bedeutet. Noch k\u00f6nnen sie es nicht so machen, dass ein Nichtmagischer das Schwert f\u00fchren kann und au\u00dferdem entl\u00e4dt sich die Magie beim ersten Schlag auf die Eisenr\u00fcstung, aber die Hitze bleibt ja da. Verstehst du, sie sammeln Ideen f\u00fcr Waffen, um in den Krieg ziehen zu k\u00f6nnen. Klar, das mag im ersten Moment die absolute \u00dcberlegenheit unserer Truppen garantieren, aber was halten diese Wilden aus dem S\u00fcden f\u00fcr geheime Schrecken bereit, die sie sich bisher nicht getraut haben einzusetzen? Und wissen wir, welche zendrischen Schrecken die Angshire mit \u00fcber das Meer gebracht haben oder noch holen k\u00f6nnen? Zu viele Stimmen im Rat raunen vom Krieg, der Frieden sei zu lang gewesen. Und ich, geblendet vom Reichtum, habe ihnen nun ein Mittel daf\u00fcr gegeben. Und wer wei\u00df, was sie sich noch alles ausdenken, wenn ich den Blick auf das Elektrum nicht bald auf eine zivile Nutzung lenke.&#8220; Erst jetzt merkte er wie sehr ihn diese Sorgen auffra\u00dfen, aber es tat auch ein wenig gut, es nun endlich alles gesagt zu haben. &#8222;Ha, ja, das sind in der Tat kolossale Sorgen, aber was hat das mit Kira zu tun? Ich sag&#8217;s dir, vor lauter Frust hast du sie als Blitzableiter benutzt. Hat sie es wirklich verdient als dein Pr\u00fcgelknabe herzuhalten, nur weil sie in Mathe hinterher hinkt?&#8220;, entgegnete William. &#8222;Nein, das hat sie nicht, ich habe \u00fcber die Str\u00e4nge geschlagen&#8220;, gab Mitras niedergeschlagen zu. &#8222;Hm, gut, und was gedenkst du deswegen zu tun?&#8220; fragte William nun deutlich ruhiger. Sie hatte durchaus eine Entschuldigung f\u00fcr den angeschlagenen Ton und auch f\u00fcr sein Verhalten heute Morgen verdient. Er musste nur an sich halten, dass er sie trotzdem wegen der Mathematik weiter ermahnte. Sie musste ihre Leistung verbessern, sonst w\u00fcrde sie nicht weit kommen. Aber es gab sicher bessere Wege als die alte Thadeusschule aus anschreien, dem\u00fctigen und Schl\u00e4gen. &#8222;Ich werde mich in unserer Stunde Morgen wegen des Tons bei ihr entschuldigen und dann sehen, wie wir das Matheproblem zusammen l\u00f6sen k\u00f6nnen.&#8220;, antwortete er. &#8222;Und was ist wohl mit heute Abend?&#8220;, gab William zur\u00fcck.&nbsp;Mitras seufzte. &#8222;Meine Schwester wird mich wahrscheinlich schneller durchschauen als du gerade. Und sie wird Kira verteidigen wie eine Bergl\u00f6win, immerhin fand sie Mathematik auch immer f\u00fcrchterlich.&#8220; William nickte grinsend. &#8222;Oh, bei den Geistern.&#8220; Frustriert vergrub Mitras den Kopf in seinen H\u00e4nden. &#8222;In Ordnung. Ich entschuldige mich beim Mittag bei Kira und lobe ihre Kekse. Dann braucht Rieke nichts von dem \u00c4rger hier mitzubekommen und wird mich nicht auch noch zusammenfalten.&#8220; William nickte, diesmal sichtlich zufrieden mit den Folgen seiner Erziehung. &#8222;Das mit den Keksen wird aber schwierig, es sind nur noch wenige da, Tobey hat sich einen ganzen Beutel heute morgen mitgenommen, weil er heute bei gleich drei der Stromkunden irgendwas flicken wollte und erst zum Abendessen wieder da ist.&#8220; Mitras st\u00f6hnte. &#8222;W\u00fcrdest du mir dann BITTE, liebster William, ein paar Kekse zur\u00fccklegen, damit ich sie wenigsten probieren kann, ehe ich sie lobe?&#8220; William knickste h\u00f6flich und grinste ihn unversch\u00e4mt an. &#8222;Nat\u00fcrlich, mein Herr.&#8220; Dann wurde er schlagartig wieder ernst und erg\u00e4nzte: &#8222;Wegen der anderen Sorgen, nimm es dir nicht zu sehr zu&nbsp;Herzen. Wenn die Herrschaften Krieg wollen, gibt es Krieg, das wei\u00dft du doch. Und unser Elos &#8211; die Geister m\u00f6gen dem K\u00f6nig gn\u00e4dig sein &#8211; hat sich bisher nicht als gro\u00dfer Schlachtenfreund hervorgetan, daf\u00fcr besch\u00e4ftigt er sich zu oft mit den sch\u00f6nen K\u00fcnsten und den sch\u00f6nen Frauen.&#8220; Mitras nickte. Sein Kopf tat weh und er erinnerte sich noch zu gut an sein Entsetzen bei der Vorf\u00fchrung des neuen Schwertes, um sich von Williams beschwichtigenden Worten&nbsp;beruhigen zu lassen. &#8222;Und selbst wenn es Krieg geben sollte, &#8222;, fuhr William fort, &#8222;ist das nicht deine Schuld. Du hast ja keine Waffe gesucht, das haben andere daraus gemacht.&#8220; Mitras seufzte noch einmal. William hatte gut reden, er war ja nicht derjenige, der einmal im Monat in der Schmiede stand und die Zauber wob, die dem alchimistischen Prozess als Katalysator dienten. Manchmal verfluchte er sich selbst daf\u00fcr, das alte Rezept versehentlich genau in diese Richtung abgewandelt zu haben. H\u00e4tte ihm das Schicksal nicht einen etwas weniger gef\u00e4hrlichen Stoff zuspielen k\u00f6nnen? William nickte ihm nochmal zu und ging dann aus dem Labor, einen nicht mehr ganz so unklaren, aber daf\u00fcr deutlich besorgteren und reum\u00fctigeren Mitras zur\u00fccklassend. Er sann noch eine Weile \u00fcber Williams letzte Worte nach und betrachtete dabei das Elektrum in seiner Hand. Dann legte er es in den Kreis, der auf dem Boden angebracht war, um den magisch abgeschirmten Bereich zu kennzeichnen. &#8222;Das haben andere aus dir gemacht&#8230;.&#8220;, murmelte er. &#8222;Was kann man denn wohl noch aus dir machen?&#8220; Er hatte sich bisher bei seinen Untersuchungen auf die Leitf\u00e4higkeit konzentriert, weil Elektrizit\u00e4t ihm als der beste Anwendungsbereich erschienen war. Die Generalit\u00e4t hingegen hatte sofort eine Waffe gesehen. Was konnte das Elektrum noch sein? Er beschlo\u00df, die \u00fcblichen Zauberbereiche der Reihe nach systematisch durchzugehen und zu beobachten, wie das Elektrum jeweils reagierte. Und da Elementarzauber nicht wirklich seine St\u00e4rke waren, w\u00fcrde er mit denen anfangen. Er holte sich ein Buch mit passenden Spr\u00fcchen und begann mit der Forschung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abby begr\u00fc\u00dfte Kira im Wohnzimmer, wo sie anscheinend an dem neuen Kleid gearbeitet hatte. Sie r\u00e4umte den Stoff beiseite und Kira zeigte ihr, was sie vorbereitet hatte. Abby las einen Moment und l\u00e4chelte sie dann freundlich an: &#8222;Da warst du aber schon flei\u00dfig.&#8220; Kira schaute verlegen zu Boden. &#8222;Ich versuch ja, meine Fehler nicht zu oft zu wiederholen.&#8220; Abby nickte. &#8222;Gute Einstellung. Aber gr\u00e4m dich nicht zu sehr,&nbsp; wenn du Fehler doch wiederholst. Laufen lernt man auch nicht beim ersten Sturz.&#8220; Kira fand, dass man das nicht so Recht vergleichen konnte, doch sie nickte zustimmend. Abby fuhr fort: &#8222;Und denk ja nicht, die Tatsache, dass du dich gestern Mal mit Keksen statt lernen besch\u00e4ftigt hast, w\u00e4re ein Fehler. Mitras hat einfach schlechte Laune. Du musst nicht jeden Tag perfekt sein und st\u00e4ndig lernen. Du bist jung, dein Leben sollte auch Spa\u00df machen.&#8220; Kira blickte sie zweifelnd an. Bisher hat mein Leben eigentlich nie Spa\u00df gemacht, wenn ich gerade in einem Haus sein musste, dachte sie. Und jung war sie ja auch nicht mehr so wirklich, etliche andere M\u00e4dchen in ihrem Alter hatten bereits das erste, vielleicht sogar das zweite Kind. Aber sie verkniff sich die Aussage. Wenn man ehrlich war, war es vielleicht auch etwas \u00fcbertrieben, denn Lesen und Lernen machte man ja auch drinnen, und das machte ihr Spa\u00df. Wenn es nicht gerade Mathematik sein musste. Abby hatte ihren Gesichtsausdruck entweder nicht bemerkt oder irgnorierte ihn, denn sie zog sich einen Stuhl heran und deutete auf den Platz neben sich. &#8222;Dann setz dich mal hin. Wollen doch sehen, ob die alte Abby dir nicht ein wenig helfen kann.&#8220; Kira setzte sich zu ihr, und sie gingen der Reihe nach die Fragen durch. Das Buch stellte die Rechnungen anders dar, als Kira es gelernt hatte, sie nutzen eine Art Tabelle, und Abby erkl\u00e4rte ihr, dass viele Dinge in der Welt gleichm\u00e4\u00dfig zusammenhingen. Wenn man also eine Gr\u00f6\u00dfe etwa verdopple, dann verdopple sich die zweite Gr\u00f6\u00dfe auch. Kira beobachtete, wie sie verschiedene Beispiele vorrechnete. Das ergab gleich vielmehr Sinn. Warum stand das nicht einfach so im Buch drin? Und warum hatte ihr alter Lehrer ihr diese seltsame Kreuzschreibweise erkl\u00e4rt, wenn man auch einfach multiplizieren und divideren konnte? &#8222;Hier, jetzt rechne nochmal dein Beispiel von gestern!&#8220;, forderte Abby sie auf. &#8222;Denk daran: Erst die Tabelle hinschreiben und sortieren, welche Gr\u00f6\u00dfe auf welche Seite kommen soll. Und in der Mitte Schritte frei lassen.&#8220; Kira rechnete: &#8222;Zu 24 Ellen links geh\u00f6ren 2 Silber rechts. Und ich suche den Preis f\u00fcr 14 Ellen, die schreibe ich links hin. Und weil jetzt links eine L\u00fccke ist, schreibe ich da eine eins rein und dann rechne ich durch 24 und mal 14.&#8220; Sie schrieb alles hin und schaute dann Abby fragend an. &#8222;Aber wie kann man denn 2 durch 24 rechnen?&#8220; Abby schmunzelte. &#8222;Du kannst es in Schilling umrechnen. Oder du schreibst es als Bruch. Sowas wie ein Halbes oder ein Viertel, das kennst du, oder?&#8220; Kira runzelte die Stirn und nickte. Einfache Br\u00fcche kannte sie, und dunkel erinnerte sie sich, dass man eigentlich alles in Br\u00fcchen schreiben konnte. Aber sie hatte es meistens dann einfach so &#8222;in etwa&#8220; ausgerechnet. Sie schrieb an die Kante des Blattes &#8222;200 durch 24&#8220; und dachte kurz nach. &#8222;Das m\u00fcssen ungef\u00e4hr 8 Schilling sein.&#8220; Abby erhob gespielt emp\u00f6rt den Finger: &#8222;Willst du dich selbst etwa reinlegen? Wenn du 8 Schilling f\u00fcr eine Elle nimmst, dann kaufe ich 24 Ellen f\u00fcr 1 Silber und 92 Schilling, da fehlen dir dann ja 8 Schilling!&#8220; Kira seufzte. &#8222;Siehst du, deswegen mag ich Mathe nicht!&#8220; &#8222;Ach, Kindchen. Nicht so schnell aufgeben!&#8220; Abby erkl\u00e4rte ihr, dass man den Preis f\u00fcr eine Elle auch kleiner als Schilling sehen k\u00f6nne, und versuchte ihr eine Weile, das Rechnen mit Br\u00fcchen schmackhaft zu machen, wobei sie aber eher nicht so viel Erfolg hatte. Sie einigten sich auf 8,33 Schilling f\u00fcr eine Elle und 117 Schilling f\u00fcr 14 Ellen und Kira verstand pl\u00f6tzlich, wieso das exakte Rechnen hilfreich sein konnte: Der H\u00e4ndler w\u00fcrde ja nun f\u00fcr die 14 Ellen ein kleines bisschen mehr bekommen, als der faire Preis gewesen w\u00e4re. Wenn man das jedes Mal so machte, konnte man bestimmt gute Preistafeln und \u00e4hnliches machen, die die Kunden in den Laden lockten, und dann konnte man immer ein bisschen draufschlagen, weniger als ein Schilling eben&#8230; und man w\u00fcrde quasi nebenbei reich werden. War es das, was ihren Bruder an Mathematik fasziniert hatte? Torge bestimmt, der mochte alle Arten von Betr\u00fcgereien. Sie stellte Abby ihre Beobachtung vor, und diese lachte herzlich, best\u00e4tigte ihr aber, dass man so nat\u00fcrlich Geld dazu verdiene. &#8222;Nur um damit reich zu werden, musst du sehr, sehr viele Gesch\u00e4fte machen.&#8220;, setzte sie augenzwinkernd hinzu. Kira lachte. Dann wurde sie ernst. &#8222;Danke, Abby. Ich habe das Gef\u00fchl, wirklich etwas verstanden zu haben. Und ich hatte noch nie so viel Spa\u00df mit Mathematik&#8230; Bei uns zuhause gab es eigentlich immer nur Streit, wenn es um Zahlen ging. Egal was.&#8220; Abby schaute sie pr\u00fcfend an: &#8222;Deine Eltern und Geschwister sind doch H\u00e4ndler, oder? War Mathematik da nicht ein h\u00e4ufiges Thema?&#8220; Kira lachte bitter. &#8222;Geld. Es ging immer alles um Geld. Das wir zuwenig davon haben, dass jemand anderes zu viel will, dass irgendwas zu viel kostet&#8230; besonders, wenn es darum ging, dass ich etwas von diesem Geld brauchte. Weil ich kein Geld verdiene. Weil ich ja nur lese und unn\u00fctz bin. Weil ich &#8230; naja, aussehe wie eine Skir statt eine von ihnen. Meine Mutter hat, glaube ich, Buch gef\u00fchrt \u00fcber alle Ausgaben wie Kleider und Schulgeld und so, damit sie sp\u00e4ter &#8222;die richtige Mitgift&#8220; fordern k\u00f6nnte.&#8220; Sie schwieg einen Moment und sah zu Boden, und f\u00fcr diesen langen Moment hing die Stille schwer im Raum, erdr\u00fcckt von ihren Erinnerungen. &#8222;Deswegen hab ich, wenn wir in der Schule Kaufmannsrechnen gemacht haben, eigentlich kaum versucht, mich damit zu besch\u00e4ftigen. Ich hatte Fernunterricht, wei\u00dft du? Da kann man sich ja schon ein bisschen aussuchen, was man wie intensiv lernt. Ich durfte zwei Stunden am Tag bei unserem Priester lernen, damit ich an den halbj\u00e4hrlichen Pr\u00fcfungen in L\u00fchrenburg teilnehmen kann, und n\u00e4chstes Fr\u00fchjahr h\u00e4tte ich meine Matura machen k\u00f6nnen. Aber Bruder Harras hat nicht geschaut, was ich zu tun habe, das ist ja auch nicht seine Aufgabe gewesen. Adrian, mein Bruder, hat ab und zu versucht, mit mir Mathe zu machen, deswegen hab ich wenigstens vor den Pr\u00fcfungen immer ein bisschen was gekonnt, aber gemerkt hab ich es mir halt nicht, weil ich immer nur gedacht habe, dass sich alles um Geld dreht&#8230; und ich hasse diese Rechnerei.&#8220; Nachdenklich blickte Kira auf das Blatt vor ihr. Bei Mitras spielte Geld irgendwie gar keine Rolle, dachte sie. Seine gro\u00dfz\u00fcgigen Geschenke&#8230; sie blickte zum halb fertigen Kleid, dass Abby beiseite ger\u00e4umt hatte. Zeit und Geld, sie wurde hier wirklich reich beschenkt. Das war definitiv ein guter Grund, ihre Abneigung gegen\u00fcber der Rechenkunst zu \u00fcberdenken. Abby hatte noch einen Moment geschwiegen. Jetzt sagte sie mit etwas belegter Stimme: &#8222;Ich kann verstehen, dass man unter solchen Umst\u00e4nden die Kaufmannsrechnungen nicht mag, aber Mathematik ist ja viel mehr als Kaufmannsrechnungen. Sieh mal hier zum Beispiel&#8230;&#8220; Sie zog ein Blatt heran und nahm sich den Holzstab, mit dem sie beim Schneidern L\u00e4ngen abma\u00df. Dann zeichnete sie mit raschen Strichen ein Muster aus Dreiecken auf das Blatt. &#8222;Das sieht h\u00fcbsch aus, oder?&#8220; Kira staunte. &#8222;Ja, alle sind ganz gleich. Wie macht man das?&#8220; Verschw\u00f6rerisch zwinkerte Abigail ihr zu. &#8222;Das, meine Liebe, ist auch Mathematik. Geometrie, um genau zu sein. Sobald du die \u00dcbungen zur Regula Detri sicher beherrschst, k\u00f6nnen wir uns gerne die Geometrie der Dreiecke und Strahlen anschauen. Man braucht sie f\u00fcr Muster und zum \u00dcbertragen und Anpassen von Mustern auf Stoff, aber soweit ich wei\u00df auch beim Bauen von H\u00e4usern oder St\u00e4dten.&#8220; &#8222;Geometrie und Dreiecke hatten wir auch mal&#8220;, erinnerte Kira sich. &#8222;Da war ich sogar gar nicht so schlecht in der Pr\u00fcfung, obwohl Adrian mir vorher nicht geholfen hat.&#8220; Abby sah sie kurz an, als ob sie etwas fragen wollte, doch sch\u00fcttelte dann kaum merklich den Kopf und forderte sie stattdessen auf, die \u00dcbungen bis morgen alleine zu rechnen. &#8222;Kann ich daf\u00fcr hier sitzen bleiben? Es ist gem\u00fctlich hier.&#8220; Freundlich schmunzelte die \u00e4ltere Frau sie an. &#8222;Nat\u00fcrlich. Ich n\u00e4he derweil weiter.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chsten zwei Stunden sa\u00dfen die beiden friedlich zusammen und arbeiteten. Ab und zu fragte Kira etwas zu den Aufgaben, meistens, weil sie die Aufgabenstellung nicht verstand, und Abby stimmte ihr zu, dass die Formulierungen wirklich teilweise sehr umst\u00e4ndlich waren. In anderen Momenten unterbrach die Schneiderin daf\u00fcr Kira, um ihr das Kleid \u00fcberzulegen und abzustecken, weil es so ja viel praktischer sei als an der N\u00e4hpuppe. Sie lachten dar\u00fcber sehr, als Abby Kira einmal mit der Nadel stach, denn die lebende N\u00e4hpuppe entpuppte sich dabei doch nicht als so praktisch und riss beinahe eine Naht wieder auf. Schlie\u00dflich erinnerte Abigails grummelnder Magen die beiden daran, dass es ja schon Mittagszeit war, und Kira packte ihre Sachen zusammen und sie gingen gemeinsam zur\u00fcck zum Haus. Auf dem Weg blieb Kira pl\u00f6tzlich stehen. &#8222;Was sagen wir Mitras eigentlich, wenn er sieht, dass ich bei euch war? Er soll ja nicht wissen, dass du mir geholfen hast.&#8220; Abby grinste. &#8222;Du hast Kleider anprobiert. Ist ja auch nicht gelogen, meine kleine N\u00e4hpuppe.&#8220; Kira kicherte. Am Haus angekommen hielt die Haush\u00e4lterin ihr die T\u00fcr zum Esszimmer auf. &#8222;Mylady, treten Sie bitte ein.&#8220; Kira guckte verbl\u00fcfft, sah dann aber Mitras, der bereits am Esstisch sa\u00df und zu ihnen her\u00fcber blickte.&nbsp;Sie schob die Hand mit den Matheheften etwas tiefer unter den Mantel und nickte Abby h\u00f6flich zu, ehe sie einen kleinen Knicks vor Mitras machte und an ihm vorbei aus dem Raum gehen wollte. Mitras blickte sie an. &#8222;Wollen Sie sich nicht zu uns setzen? William hat bereits f\u00fcr alle gedeckt.&#8220; Kira, die schon fast aus der T\u00fcr war, zuckte zusammen und drehte sich so, dass er die Hefte nicht sehen konnte. &#8222;\u00c4h, ja, ich komme gleich, ich wollte nur den Mantel wegbringen&#8220;, sagte sie und huschte in den Flur, ehe er sagen konnte, dass das ja die Aufgabe der Bediensteten sei. Rasch brachte sie den Mantel weg und ihre Unterlagen zur\u00fcck in ihr Zimmer. Er redete wieder mit ihr, stellte sie dabei erleichtert fest. Hoffentlich hat er nichts bemerkt. Abby soll keinen \u00c4rger bekommen. Und au\u00dferdem geschieht es ihm ja recht. Er hat ja auch Geheimlabore, da hab ich dann halt eine Geheimlehrerin. Ihr Schalk, der seit der Abreise aus Bispar, eigentlich sogar seit dem Vorfall mit Johann, v\u00f6llig verstummt war, regte sich leicht. Irgendwann w\u00fcrde sie rausfinden, wie man diese Geheimt\u00fcr \u00f6ffnete. Und dann w\u00fcrde sie ihm einen Streich spielen k\u00f6nnen, besser als alles, was sie in Bispar zustande gebracht hatte, und das w\u00fcrde lustig sein. An dieser Stelle schalteten sich \u00dcberlebenswille und Vernunft in ihr inneres Gespr\u00e4ch und erinnerten sie dann, dass er erstens ihr Mentor, zweitens ein ziemlich m\u00e4chtiger Magier und drittens ein sehr gro\u00dfz\u00fcgiger Mann war, der es nicht verdient hatte, ge\u00e4rgert zu werden. Und wie seine bisherigen Schimpftiraden gezeigt hatten, war er zudem ein sehr beeindruckender Mann, der sie geh\u00f6rig zusammenstauchen w\u00fcrde, wenn sie es \u00fcbertrieb. Sie legte die Streichpl\u00e4ne also lieber erstmal beiseite und betrat stattdessen nur innerlich schmunzelnd das Esszimmer, in dem William bereits einen Eintopf mit Gem\u00fcse und Kartoffeln auf den Tisch gestellt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitras sa\u00df auf seinem \u00fcblichen Platz, und William hatte links neben ihm f\u00fcr Kira gedeckt. Da sie aber von Abby wusste, dass Tobey heute unterwegs war, und sie ihre neue Geheimlehrerin nicht allein an ihrer Tischseite sitzen lassen wollte, nahm sie sich ihr Gedeck, schob es \u00fcber den Tisch und setzte sich ohne ihn anzusehen Mitras gegen\u00fcber neben Abby, die ihr den Teller abnahm und vom Eintopf auff\u00fcllte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dass sie sich von ihm wegsetzte,<\/em> <em>stach Mitras ein wenig ins Herz, zeigte es doch, wie sehr er sie heute Morgen noch zus\u00e4tzlich gekr\u00e4nkt hatte. Sich entschuldigen zu m\u00fcssen, kratzte an seinem Stolz, aber sein Verhalten war wirklich unangebracht gewesen. Die H\u00e4rte gestern Abend und sein ablehnendes Verhalten, das hatte sie nicht verdient, das war nicht er, und diesen Fehler musste er korrigieren, auch wenn es ihm schwer fiel. Er r\u00e4usperte sich und blickte sie direkt an: &#8222;Ich denke, ich muss mich bei Ihnen f\u00fcr die H\u00e4rte der gestrigen Zurechtweisung und mein Benehmen heute Morgen entschuldigen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira schaute von ihrem Teller auf. Er musste was? Sie sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Sie waren nicht hart, Magister. Ich habe nicht gelernt.&#8220; Ihre Gedanken purzelten ein wenig durcheinander, da sie innerlich noch irgendwo zwischen den \u00dcberlegungen, wie man hier im Haus ein wenig chaotische Verwirrung wie zuhause stiften konnte und dem Gef\u00fchl von Dankbarkeit, sich so sicher zu f\u00fchlen, dass sie sich solche Gedanken \u00fcberhaupt machen konnte, gefangen gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras fuhr unbeirrt fort:<\/em> &#8222;<em>Ich stehe dank einer ganzen Serie von Fehlschl\u00e4gen mit meinen neuesten Experimenten sehr unter Druck und habe diesen an Ihnen ausgelassen und das haben Sie nicht verdient. Insbesondere habe ich Sie ja selbst dazu ermutigt Pausen zu machen und dass Sie diese dann so produktiv genutzt haben, ich denke, daf\u00fcr stehen wir alle in Ihrer Schuld. Die Kekse waren au\u00dferordentlich gut.&#8220; Er hielt inne und schaute sie an. Sie sah verwirrt aus, gar nicht niedergeschlagen. Langsam verarbeitete sein Gehirn ihre Erwiderung. &#8222;Aber das stimmt doch gar nicht! Kira, Sie haben mit dem Vortrag \u00fcber die magischen Pflanzen ein gro\u00dfes Interesse und eine schnelle Auffassungsgabe gezeigt. In diesen Vortrag ist deutlich mehr Arbeit geflossen, als ich es bei so manchen Sch\u00fcler in meiner Zeit an der Akademie beobachten konnte.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Und hart war er bestimmt auch&#8220;, kommentierte William von der Seite. &#8222;Er ist immer ungenie\u00dfbar, wenn irgendwas mit dem Elektrum oder dem Generator ist.&#8220; Kira blickte von einem zum anderen. Ja, sie hatte gestern geweint, und f\u00fcr eine Weile hatte sie Mitras auch verflucht. Und heute morgen war auch unangenehm gewesen, aber so ungenie\u00dfbar, wie William ihn gerade darstellte, war er ja gar nicht gewesen. Er hatte nicht gebr\u00fcllt, sie nicht geschlagen, sie nicht als v\u00f6llig unn\u00fctz, nicht als Trollgez\u00fccht, Hexenbiest oder \u00e4hnliches bezeichnet. Er hatte nur festgestellt, dass sie in Mathe f\u00fcrchterlich schlecht war und dass das f\u00fcr eine Kaufmannstochter ziemlich ungew\u00f6hnlich und, nunja, peinlich war. Aber nachdem sie heute gesehen hatte, wie leicht einige der Aufgaben eigentlich waren, waren Mitras Worte von gestern eigentlich wirklich keine Beleidigung gewesen, sondern eine etwas deutlich vorgebrachte Tatsachenfeststellung. Und eben gerade hatte er sie gelobt, trotz seines Stresses hatte er ihrem Vortrag also doch richtig zugeh\u00f6rt. Sie sch\u00fcttelte wieder den Kopf. &#8222;William, deine freundschaftliche Beziehung zu deinem Herrn in Ehren, aber ich denke, was er im privaten zu mir gesagt hat, kann ich selbst am besten beurteilen. Er war zurecht \u00fcber meine Leistung in Mathematik unzufrieden, und mir wird so ein Fehler nicht wieder unterlaufen.&#8220; Sie schaute Mitras direkt an. &#8222;Magister Mitras, vielen Dank f\u00fcr das Lob. Ich m\u00f6chte wirklich gern die Akademie bestehen, und ich habe bereits begonnen, mich um das Aufarbeiten des Stoffes zu k\u00fcmmern.&#8220; An dieser Stelle grinste sie ein bisschen und schielte zu Abby hin\u00fcber, die ihr Grinsen erwiderte. &#8222;Ich bin nicht aus Zucker, und berechtigte Kritik ist zum Lernen notwendig&#8220; zitierte Kira einen alten Spruch von Bruder Harras und realisierte in diesem Moment, wie wahr er eigentlich war. &#8222;Alle Mitglieder dieses Hauses geben mir wertvolle Unterst\u00fctzung und ich werde mich bem\u00fchen, daf\u00fcr ebenfalls beste Leistungen zu zeigen.&#8220; William pfiff anerkennend durch die Z\u00e4hne. &#8222;Ha, verzeiht, Mylady. Aber eine Frage: Sind wir uns wohl eigentlich einig, dass du 18 und nicht 28 bist?&#8220; Kira blickte ihn verwirrt an. Was hatte das mit ihren Leistungen zu tun? &#8222;William!&#8220;, schalt Abby und strich \u00fcber Kiras Arm. &#8222;Er meint, dass du zu erwachsen sprichst und zu wenig auf Spa\u00df aus bist. Aber mit 18 sind andere M\u00e4dchen schon 3 Jahre verheiratet, also finde ich es schon richtig, dass du Kritik ernst nehmen willst. Nur denk daran, was ich dir vorhin gesagt habe: Spa\u00df muss auch sein. Und du musst dich auch nicht unh\u00f6flich anranzen lassen, von niemandem&#8220;, f\u00fcgte sie mit einem scharfen Blick zu Mitras hinzu, der bereits mehrfach angesetzt hatte, etwas zu sagen, aber nicht zu Wort gekommen war. Kira nickte und schmunzelte in sich hinein. Sie w\u00fcrde lernen und gut sein, aber ja, sie w\u00fcrde auch Spa\u00df haben. Gerade hatte sie ja auch Spa\u00df an ihrem kleinen Geheimnis vor Mitras. Jemanden \u00e4rgern zu k\u00f6nnen oder etwas zu verbergen war eben lustig, auch wenn das Gegen\u00fcber das nicht immer verstand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras blickte sie ein wenig \u00fcberrascht an und l\u00e4chelte dann. Seine vorbereitete Predigt zur Mathematik konnte er sich wohl sparen. Und auch Williams und Abbys Kritik stach nicht mehr so, stellte er verbl\u00fcfft fest, seitdem sie ihn so energisch in Schutz genommen hatte. Manchmal verga\u00df er \u00fcber all die Freundschaft, dass er eigentlich ja der Herr in diesem Haushalt war, und meistens war es ja auch ganz gut, dass er es verga\u00df. Aber von einer strebsamen und \u00fcberaus wortgewandten Sch\u00fclerin verteidigt zu werden, war wirklich auch nicht \u00fcbel. &#8222;Nun, die beiden haben jedenfalls recht, Sie sind deutlich reifer als die meisten Sch\u00fclerinnen in Ihrem Alter.&#8220; Warum schmunzelte sie eigentlich so, fragte er sich. Und was war da zwischen Abby und ihr? Die beiden hatten doch eindeutig einander zugezwinkert. Wahrscheinlich hatte seine schlaue Haush\u00e4lterin Kira mit Mathe geholfen, kam ihm in den Sinn, und er kam nicht umhin, sie f\u00fcr ihr verborgenes Eingreifen zu bewundern. Deswegen war Kira den ganzen Morgen im Gesindehaus gewesen! Er notierte sich innerlich, Abigail einen kleinen Zuschlag zum Gehalt in diesem Monat zu geben, immerhin arbeitete sie nicht nur an den Kleidern, sondern gab wohl auch noch Nachhilfe, und das am Silenz. Er schaute Kira an und sagte: &#8222;Aber ich muss Sie trotzdem nochmal ermahnen, die Mathematik wird nicht leichter werden und wir sollten zusammen \u00fcberlegen wie wir Sie darauf vorbereiten. Lineare Verh\u00e4ltnisse sind nur der Anfang und wenn ich richtig vermute, wird Abigail Ihnen nur auf den ersten Metern des Weges helfen k\u00f6nnen. Ich werde Sie wahrscheinlich nicht im vollen Umfang selbst unterweisen k\u00f6nnen, deswegen habe ich mir bereits \u00fcberlegt, einen Lehrer f\u00fcr Sie einzustellen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira wusste nicht, ob sie schuldbewusst, w\u00fctend oder entt\u00e4uscht sein sollte. Woher wusste Mitras, dass Abigail ihr geholfen hatte? Sie blickte zu ihr hin\u00fcber, doch Abby zuckte nur mit den Schultern und sch\u00fcttelte den Kopf. M\u00fchsam rang Kira mit ihrer Beherrschung. Einerseits war die Tatsache, dass er ihr kleines Geheimnis so schnell durchschaut hatte, sicherlich ein Zeichen, wie schlau ihr Mentor war. Sie w\u00fcrde viel von ihm lernen k\u00f6nnen. Andererseits war es wirklich \u00e4rgerlich. Wie sollte sie ihn \u00e4rgern k\u00f6nnen, wenn er alles durchschaute? Wo blieb da der Spa\u00df? Eine kleine Stimme in ihr s\u00e4uselte leise, dass es ihr recht geschehe, einmal an einen Meister zu geraten, den sie nicht gleich austricksen konnte, denn andere \u00e4rgern sei sowieso nicht gut und kein tugendhafter Spa\u00df. Sie nahm einen gro\u00dfen L\u00f6ffel voll Eintopf und kaute daran herum, um die Stimme zum Schweigen zu bringen und Mitras nicht antworten zu m\u00fcssen. Daf\u00fcr wasch ich aber die W\u00e4sche, ohne dass er es merkt, beschloss sie bockig. Das muss ich nur besser planen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Sie wirkte nun doch etwas eingeschnappt, Mathematik schien ihr wirklich keinen Spa\u00df zu machen, dachte er. Aber gut, ihre restlichen Leistungen lagen weit \u00fcber dem Durchschnitt.&nbsp;Solange Mathematik ihre einzige Schw\u00e4che war, sollten die zehn Monate locker reichen. Au\u00dferdem kam es ja letztendlich auf ihre Verwandlungszauber in der Pr\u00fcfung an, nicht auf die Mathematik.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Gut, genug von der Ausbildung, ich musste wegen meiner Experimente die geplante Tour absagen, nicht aber das Abendessen. Sie werden meine Schwester also heute Abend doch noch kennenlernen.&#8220;<\/em> <em>Kira blickte auf, deutliches Interesse im Gesicht. &#8222;Dann sollte ich besser eines der neuen Kleider tragen?&#8220;&nbsp; Er dachte kurz nach, Frederieke war eigentlich kein so f\u00f6rmlicher Mensch, aber er war neugierig auf die neuen Kleider. Abbys Stilsicherheit stand au\u00dfer Frage, aber was hatten die beiden ausgesucht&nbsp;und wie sah es an seiner Sch\u00fclerin mit den roten Haaren aus? Au\u00dferdem, erg\u00e4nzte die Stimme der Vernunft, w\u00e4re es auf jeden Fall eine gute \u00dcbung, um Etikette zu lernen. Obwohl Frederieke solche Versuche wahrscheinlich durch ihre Abneigung aller formalen Gegebenheiten schnell zunichte machen w\u00fcrde. &#8222;Ja, warum nicht.&#8220; Kira nickte. &#8222;Ist Ihre Schwester auch magisch?&#8220;, fragte sie. &#8222;Nein, ich bin der einzige und soweit ich wei\u00df auch der erste Magier in der Familie Venaris.&#8220; Kira l\u00e4chelte ihn ein wenig scheu an. &#8222;Dann hatte der Schulleiter ja Recht, als er sagte, wir beide&nbsp;h\u00e4tten etwas gemeinsam.&#8220; Thadeus hatte das wahrscheinlich deutlich abwertender gemeint, als sie es verstanden hatte, aber es stimmte. &#8222;Ja, in der Tat.&#8220; antwortete er ihr, l\u00e4chelnd. Einen Moment lang sahen sie sich in die Augen, dann wurde sie rot im Gesicht und blickte scheu zur Seite. S\u00fc\u00df ist sie auf jeden Fall, dachte er kurz und scholt sich sofort f\u00fcr diesen Gedanken. Sie beendeten das Mittagessen in friedlichem Schweigen, das Abby und William nach einer Weile mit einem eigenen Gespr\u00e4ch f\u00fcllten. Er ging nach einer kurzen Verabschiedung wieder ins Labor zur\u00fcck, um weitere Zauber durchzugehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira ging nach dem Mittagessen nach oben und setzte sich in den Sessel am Fenster. In ihr tobten recht widerspr\u00fcchliche Gef\u00fchle. Mitras hatte sie gelobt, f\u00fcr ihre Leistungen insgesamt und f\u00fcr ihren Vortrag zu den Pflanzen. Er hatte also doch zugeh\u00f6rt, das machte sie gl\u00fccklich. Gleichzeitig \u00e4rgerte sie sich, dass er sie und Abby gleich durchschaut hatte. Sie bewunderte ihn aber auch daf\u00fcr. Und dann war da noch dieser Moment gewesen, als er ihr in die Augen geschaut hatte und sie bemerkt hatte, dass seine Augen ganz blau waren, mit kleinen Tupfern von eisgrau darin, und ziemlich gut aussahen, wenn er dabei l\u00e4chelte, und sie hatte einen Moment lang das Gef\u00fchl gehabt, in diesen Augen zu versinken. Sie vergrub ihren Kopf zwischen ihren H\u00e4nden. Dieses Gef\u00fchl von angezogen werden war ihr v\u00f6llig neu. Er war schlau, und offenbar auch gutherzig und er hatte sich sogar f\u00fcr ein kleines bisschen rauen Tonfall bei ihr entschuldigt, das zeigte auch Gr\u00f6\u00dfe, aber er war ja ihr Mentor. War es nicht ziemlich unanst\u00e4ndig, sich dann von seinen Augen so angezogen zu f\u00fchlen? Warum sollte man sich \u00fcberhaupt von einem Mann angezogen f\u00fchlen? Letztendlich waren M\u00e4nner diejenigen, die die Welt bestimmten, \u00fcber die Frauen bestimmten und taten, was sie wollten, sich nahmen, was sie wollten&#8230; hatte sie nicht geschworen, nie einem Mann gefallen zu wollen? Und jetzt sa\u00df sie hier und fragte sich, wie sie wohl von diesen Augen gesehen w\u00fcrde. Sie st\u00f6hnte leise und rieb sich die Stirn. Was war nur los mit ihr? F\u00fcr einen kleinen Moment erlaubte sie sich, sich vorzustellen, er w\u00e4re nicht ihr Mentor und sie h\u00e4tte die Akademie abgeschlossen. Ob er sie wahrnehmen w\u00fcrde? Dann schob sie diese Gedanken rasch von sich. Sie war magisch begabt, kein Mann w\u00fcrde ihr mehr Befehle geben k\u00f6nnen, sie war frei. Keine Heirat. Keine Familie. Und schon gar nicht angefasst werden. Lernen, Forschen, das war doch das Leben, von dem sie getr\u00e4umt hatte, und sie w\u00fcrde es bekommen, dank Mitras, William und Abigail. Und irgendwie auch dank Johann, realisierte sie, und ein bisschen von ihrem Hass schmolz dahin. Ohne ihn w\u00e4re ich ja auch nicht hier. Und dann m\u00fcsste ich mich jetzt auch nicht fragen, was ich denn jetzt gleich anziehe. Und das ist ja schon eine ziemlich luxuri\u00f6se Frage. Sie stand auf und ging zum Schrank, dabei fiel ihr Blick auf den Niggel, der immer noch auf dem Bett lag. Sie schaute auf die Uhr. Es war ja erst ein Uhr Mittags, und sie hatte noch viel Zeit bis zum Abendessen. In Mitras Haus galten wohl viele Regeln nicht, aber der Niggel enthielt ja auch Kapitel \u00fcber Familienbanden und -umgang. Wenn sie es richtig einsch\u00e4tzte, w\u00fcrde Rieke, Mitras Schwester, sich in diesen komischen, warmherzigen, st\u00e4ndelosen Haushalt gut einf\u00fcgen, und dann w\u00e4ren Tipps zum Umgang mit Menschen, die sich wie entfernte Verwandte erwiesen, wohl ganz gut. Sie zog sich bis auf die Unterw\u00e4sche aus, kuschelte sich ins Bett und nahm das Buch. Die Frage nach der Kleidung war eigentlich ja auch schon durch die Auswahl gekl\u00e4rt: Das Sternenkleid war noch nicht umgen\u00e4ht, also blieben nur das burgunderfarbene und das gr\u00fcne mit den R\u00fcschen. Und da das gr\u00fcne den moderneren Schnitt hatte und ihre Taille sch\u00f6n zeigte, w\u00fcrde sie das nehmen. Zufrieden \u00fcber ihre Entscheidung schlug sie den Niggel auf, suchte sich das Kapitel \u00fcber Familien und begann zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras kam gut voran. Er hatte einen einfachen W\u00e4rmezauber auf einen seiner Elektrumzylinder gewirkt, aber eben so, dass nur eine bestimmte Region um ein paar Grad erw\u00e4rmt wurde. Die W\u00e4rme breitete sich zwar langsam im Material aus, aber durch einen einfachen Magie erkennen Zauber konnte er den verzauberten Bereich genau beobachten. Zun\u00e4chst blieb die Verzauberung an Ort und Stelle, dann aber fing sie an zu wandern. Er ging seine Ger\u00e4te durch und stellte zufrieden fest, dass der Flu\u00df der Magie sowie die Position des Zaubers genau aufgezeichnet wurden. Er verstand die Magie dahinter nicht genau, Hellsicht war nicht seine St\u00e4rke und Ger\u00e4te wie diese oder auch die Spiegel konnte er beim besten Willen nicht selbst herstellen. Das war zwar etwas frustrierend, aber wenigstens konnte ihm in der Verwandlungsmagie kaum jemand etwas vor machen. Immerhin hatte er es geschafft, einen komplett neuen Stoff zu erschaffen. Es war zwar kein Gold, aber ohne dieses neue Element w\u00e4re die Legierung, aus der das Elektrum bestand, nicht m\u00f6glich gewesen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass er fast den ganzen Nachmittag durch gearbeitet hatte. Es war nun 17 Uhr und seine Schwester w\u00fcrde bald ankommen. Er \u00fcberpr\u00fcfte noch einmal alles, aber so wie es jetzt aussah, konnte er den Zauber sich selbst \u00fcberlassen und sich auf die Ger\u00e4te verlassen. Er ging in seine Gem\u00e4cher und begann sich umzuziehen. Auch wenn seine Schwester die F\u00f6rmlichkeiten in Adelskreisen nicht ausstehen konnte, so hatte sie doch eine Schw\u00e4che f\u00fcr Mode und sch\u00f6ne Kleider im speziellen. Er w\u00fcrde ihr also den Gefallen tun und sich ein wenig herausputzen. Er legte sich die Einzelteile auf dem Bett zurecht: Beginnend mit einfachen, blank polierten, schwarzen Lederschuhen mit&nbsp;wei\u00dfen Str\u00fcmpfen, dazu eine schlichte schwarze Hose aus weichem Seidenstoff. Es kam nicht viel gutes aus den Dschungeln im S\u00fcden, aber Seide wollte er nicht wieder missen, auch wenn sie sehr teuer war. Das t\u00fcrkisfarbende Hemd, dass er dazu legte, hatte eine um eine Handbreit nach rechts versetzte Knopfzeile und passte so irgendwie nicht zu Krawatten. So war es aber Mode und Krawatten konnte er eh nicht ausstehen. Der Kragen des Hemdes war steif \u00fcbergeklappt und ragte nur schmal hoch, mit einem einzelnen Knopf an der Seite. Die Weste, die er dazu tragen wollte, war schwarz mit einem leichten silbrigen Schimmer. Auf der Knopfseite war der Ausschnitt ein wenig verschoben, so dass die Knopfzeile teilweise frei lag. Er hatte schon Leute gesehen, die dazu eine ebenfalls versetzte Fliege trugen, aber das gefiel ihn so gar nicht. \u00dcber Hemd und Weste w\u00fcrde er ein leichtes Seidengehrock, ebenfalls T\u00fcrkis, tragen. Er h\u00e4tte ja lieber etwas schlichteres gew\u00e4hlt als diesen doch schon sehr grellen Rock, aber so trug man es gerade nun einmal. Kira hatte, soweit er wusste, bereits drei angepasste Kleider, aber auch wenn er auf die anderen neugierig war, hoffte er, dass sie sich f\u00fcr das gr\u00fcne entscheiden w\u00fcrde. Er mochte das Kleid und fand, dass es ihr besonders gut stand. Das L\u00e4uten der T\u00fcr schreckte ihn aus seinen Gedanken heraus. Er war mit dem Ankleiden genau rechtzeitig fertig geworden und ging nun, um seine Schwester zu begr\u00fc\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Er \u00f6ffnete seine Zimmert\u00fcr und fand Kira im T\u00fcrrahmen ihres Zimmers vor. Sie musste gerade erst herausgetreten sein, wirkte aber sehr unsicher. Er blickte sie an und lie\u00df seine Augen einmal von oben nach unten wandern. Sie hatte ihre Haare teilweise nach hinten geflochten, wodurch ihr schmales Gesicht und die, wie ihm jetzt auffiel, hellgr\u00fcnen Augen, die von leichten Sommersprossen umgeben waren und die sie dezent geschminkt hatte, besonders zur Geltung kamen. Dazu trug sie Ohrringe, die \u00e4hnlich der ihm schon bekannten Kette aus Muscheln geschliffen waren und eines der zwei anderen Kleider. Zu seiner Freude sah es aber&nbsp;dem gr\u00fcnen Kleid, das er schon kannte und mochte, sehr \u00e4hnlich. Das Oberteil lag eng an, war aber an der Brust mit R\u00fcschen verziert, die sich auch in den leicht aufgebauschten \u00c4rmeln wiederfanden. Es betonte ihre Oberweite, ohne vulg\u00e4r zu wirken, fand er. Der Rock folgte der neusten Mode und hob die Taille hervor, indem er nach hinten hin ausladend wurde. &#8222;Sie sehen au\u00dferordentlich h\u00fcbsch in dem Kleid aus, kein Grund sch\u00fcchtern zu sein, kommen Sie. Wir gehen zusammen runter.&#8220; sagte er und l\u00e4chelte sie aufmunternd an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira sp\u00fcrte, wie ihr die R\u00f6te leicht ins Gesicht stieg. Sie versuchte, m\u00f6glichst freundlich zur\u00fcck zu l\u00e4cheln und sp\u00fcrte, wie ihr Herz klopfte. Ihr Magister sah umwerfend gut aus, fand sie, elegant und lebendig, aber auch ein wenig geheimnisvoll. Und sein L\u00e4cheln&#8230; Dass er ihr Kleid und ihre gesamte Aufmachung gut hie\u00df, flo\u00df ihre Kehle herunter wie warme Milch und l\u00f6ste im Bauch ein leichtes Kribbeln aus. Gleichzeitig versp\u00fcrte sie Erleichterung, immerhin hie\u00df das, dass sie auch diesen ersten Test in Gesellschaftsdingen bestanden hatte. Mitras hielt ihr den Arm hin, und sie hakte sich ein und lie\u00df sich von ihm die Galerie entlang f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unten im Hausflur stand eine hochgewachsene Frau in einem blauen Kleid mit roten Stickereien. Sie hatte braune, glatte Haare, die sie zu einem Zopf geflochten hatte. Als sie den Blick nach oben zur Galerie wandte, konnte Kira zwei Dinge feststellen. Erstens sah ihr Gesicht dem von Mitras erstaunlich \u00e4hnlich, wie eine weibliche Version von ihm, und zweitens hatte sie ein strahlendes, ungemein einnehmendes L\u00e4cheln. Sie war etwas schmaler als der Magister, aber wenn Kira sich nicht t\u00e4uschte war sie gr\u00f6\u00dfer als er, das lie\u00df sich aus der Perspektive von der Treppe herab&nbsp;aber nicht so genau sagen. Das &nbsp;Kleid, das sie trug, war aus einem feinen, glatten Stoff gewebt, fast so wie die Sachen, die Mitras anhatte, und war \u00e4hnlich dem geschnitten, das Kira selbst trug. Auff\u00e4llig war allerdings der Schmuck, den sie im Haar und an den Ohren trug: Die Ohrringe waren kleine, goldene B\u00e4ume, die mit roten, glitzernden Steinen besetzt waren, und im Haar trug sie goldene Klammern, an denen kleine Bl\u00fcten aus Gold sa\u00dfen, in deren Mitte ebensolche Steine in gr\u00f6\u00dferer Ausf\u00fchrung funkelten. Kira war sich sicher, dass dieser Schmuck mehr wert war, als ihre Eltern in einem ganzen Jahr, vermutlich sogar in mehreren Jahren, verdienen konnten. Und Mitras Schwester trug ihn nicht zu einem Ball, sondern zu einem zwanglosen Familienabendessen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitras strahlte nun richtig, wie Kira mit einem raschen Seitenblick feststellte, und wurde die letzten Treppenstufen schneller, so dass Kira nicht mehr hinterher kam und sich von ihm l\u00f6ste. Er umschlang Frederiekes Taille mit den Armen, wirbelte sie eine halbe Drehung herum und rief: &#8222;Rieke!&#8220; &#8222;Hallo, lieber Bruder, ich freue mich auch, dich zu sehen.&#8220; sagte sie lachend und etwas atemlos, als er sie wieder absetzte. &#8222;Es ist sch\u00f6n dich zu sehen und es tut mir Leid, dass ich den Ausflug absagen musste.&#8220;, entschuldigte Mitras sich, und seine Miene wurde rasch wieder ernst. &#8222;Meine Experimente liefen schlecht und nun muss ich die Ursache herausfinden und einen Bericht an die Generalit\u00e4t verfassen, bevor sich einer von deren st\u00fcmperhaften Blitzewerfern noch selbst in die Luft sprengt.&#8220;&nbsp;Kira blieb z\u00f6gernd auf der Treppe stehen. Mitras drehte sich nun wieder zu ihr herum und sagte: &#8222;Und das hier, Frederieke, ist meine neue Sch\u00fclerin Kira Silva aus Bispar. Zuk\u00fcnftige Magierin der Gilde der&nbsp;Heil-, Verwandlungs- und Ver\u00e4nderungsmagie.&#8220;&nbsp;Kira knickste h\u00f6flich wie vor einer Gleichrangigen. Sie war sich eigentlich gar nicht sicher, wie sie und Frederieke zueinander standen. Bis vor ihrer Entdeckung als Magierin war Kira zwar vom gleichen Stand wie sie gewesen, n\u00e4mlich nicht adelig und frei, aber gemessen am Reichtum war Frederieke ihr offenbar haushoch \u00fcberlegen. Die Tatsache, dass Kira magisch war, adelte sie zwar und erhob sie somit \u00fcber die nichtadelige Frau, nur hatte sie bisher au\u00dfer einem f\u00fcrchterlich schief gelaufenen Zauber nichts bewiesen, also war sie als Discipula der reichen Handelstochter vermutlich gleichgestellt. Frederieke l\u00e4chelte sie freundlich an und erwiderte den Knicks. &#8222;Hat mein Bruder also endlich mal jemanden, der sein Haus nicht nur erw\u00e4rmt, sondern auch aufhellt! Ich freue mich, Sie treffen zu d\u00fcrfen!&#8220; Kira wusste nicht recht, was sie mit der Bemerkung anfangen sollte, aber sie sp\u00fcrte W\u00e4rme und Herzlichkeit und antwortete daher ehrlich: &#8222;Die Freude ist ganz meinerseits.&#8220; Die \u00e4ltere Frau blickte sie einen Moment pr\u00fcfend an. &#8222;So, und da wir uns jetzt vorgestellt haben, lassen wir die ganze f\u00fcrchterliche F\u00f6rmlichkeit doch einfach. Du geh\u00f6rst jetzt ja quasi zur Familie, also nenn mich Rieke.&#8220; sagte sie dann resolut, \u00f6ffnete die Arme und zog die verbl\u00fcffte Kira an sich. Diese stand v\u00f6llig \u00fcberrumpelt da und wusste nicht recht, was sie sagen sollte. Hilfesuchend blickte sie zu Mitras, doch der lachte bei ihrem Blick nur. &#8222;Tut mir leid, vielleicht h\u00e4tte ich Sie warnen sollen. Meine Schwester kann diese ganze F\u00f6rmlichkeit nicht ausstehen und ist auch generell ein sehr herzlicher Mensch.&#8220; Kira nickte. &#8222;\u00c4hh&#8230; danke?&#8220;, sagte sie, zu Frederieke gewandt. &#8222;Tut mir leid, ich bin nicht gewohnt, dass Menschen so freundlich zu Fremden sind. Aber ich glaube, Ihre ganze Familie scheint so zu sein. Ich bin auf jeden Fall von den Geistern gesegnet, bei solchen Menschen zu landen.&#8220; Frederieke lachte und zuckte mit den Schultern. &#8222;Na, wenn du die Aussage nicht irgendwann nochmal bereust. Mein Bruder hier ist ein ziemlicher Einsiedler, da hilft auch alle Freundlichkeit nicht, da versauert man glatt.&#8220; Sie grinste Mitras herausfordernd an. &#8222;Aber jetzt bin ich ja da. Und wenn es zu eint\u00f6nig wird, bringe ich meine Kinder mit, dann ist es nie langweilig.&#8220; Mitras verdrehte die Augen, er schien nicht so der Freund kleiner Kinder zu sein. Kira hingegen fand die Aussicht, mit Kindern spielen zu k\u00f6nnen, ziemlich reizvoll, sie mochte Kinder. &#8222;Wo essen wir?&#8220;, fuhr Frederieke fort. &#8222;Ich freue mich schon den ganzen Tag auf Williams K\u00fcche.&#8220; &#8222;Im Saal&#8220;, antwortete Mitras und \u00f6ffnete die T\u00fcren, verbeugte sich m\u00f6glichst steif und sagte mit einem ironisch versnobten Unterton: &#8222;Wenn ich die Damen nun bitten d\u00fcrfte. Es ist angerichtet.&#8220; Frederieke ignorierte seinen Ton und seine Verbeugung und klatschte freudig in die H\u00e4nde, um an ihm vorbei in den Saal zu eilen. Kira fragte sich, wie alt sie war. Sie wirkte fast selber noch kindlich in ihrem direkten und aufgedrehten Verhalten, aber sah eher wie Mitte zwanzig aus. Auf jeden Fall war sie ganz anders als alle, die sie sonst kannte. Sie folgte ihr in den Saal, der tats\u00e4chlich von Abigail und William vorbereitet worden war. Der Tisch war f\u00fcr sechs Personen gedeckt und auch ein wenig dekoriert mit getrockneten Blumen und einigen Steinen auf einem langen L\u00e4ufer. Tobey sa\u00df bereits an der rechten Seite und wurde von Frederieke freundlich begr\u00fc\u00dft. Mitras folgte Kira und deutete ihr mit einer Handbewegung, sie solle sich neben Tobey setzen. Er selbst setzte sich mit Frederieke ihr gegen\u00fcber. Abby, die ihnen gefolgt war, nahm von einem Beistelltisch eine Flasche Wein und begann, die Gl\u00e4ser zu f\u00fcllen. Nicht lang danach trat auch William herein und brachte einen Braten und diverse Beilagen, die die Gesellschaft alsbald auf den Tellern hatte. Kira geno\u00df das Essen. Frederieke plauderte mit William, Abby und Tobey, und ab und zu neckte sie ihren Bruder, der jedoch ihre Spitzen mit w\u00fcrdevollem Schmunzeln versickern lie\u00df. Kira entspannte sich. Sie kannte solche Familienessen zumeist nur als Spie\u00dfrutenlauf, bei denen erbittert diskutiert wurde, wer in der vergangenen Woche sich am meisten verdient gemacht hatte, und nat\u00fcrlich war sie immer diejenige gewesen, die, obwohl sie im Haus und Garten durchaus viel gearbeitet hatte, als am wenigsten verdienstvoll angesehen wurde, denn Hausarbeit brachte nunmal kein Geld ein. Hier jedoch schien es wirklich um das Zusammensein zu gehen, um das gute Essen, um den Austausch von Informationen. Es war neu, aber Kira wusste, dass sie diese Art von Familienessen ab sofort jeden Silenz vermissen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sie beim Nachtisch sa\u00dfen &#8211; geeiste Fr\u00fcchte mit einer hellen, sehr leckeren So\u00dfe mit einem Gew\u00fcrz, das Kira nicht kannte &#8211; wandte sich Rieke wieder an Kira. &#8222;Du kommst also aus Bispar, ja? Das ist in der Provinz Burnias, oder?&#8220; Kira nickte. &#8222;Ja. Ich bin \u00fcberrascht, woher kennen Sie es?&#8220; Rieke runzelte missbilligend die Stirn. &#8222;Du, bitte, ja? Du brauchst mich nicht zu siezen, da komme ich mir wie eine alte, runzelige Frau vor. So viel Spie\u00dfigkeit steht h\u00f6chstens meinem Bruder hier. Ja, Bispar &#8211; meine Familie ist im Schmuckgesch\u00e4ft, und ich habe vor einigen Jahren eine Reise durch die Nordprovinzen gemacht, um neue Partner f\u00fcr den Erwerb von Baumgold zu finden. Hat Mitras dir nichts von seiner Familie erz\u00e4hlt?&#8220; Kira sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Aber das ist ja auch etwas eher privates&#8230;&#8220; &#8222;Es ist so typisch!&#8220;, beschwerte Frederieke sich, ihren Einwand ignorierend. &#8222;Also, in K\u00fcrze: Unser gemeinsamer Vater handelt mit Schmuck und Edelsteinen, und seitdem unser Land nun schon seit \u00fcber 72 Jahren keinen Krieg mehr gesehen hat, ist das auch ein recht ertr\u00e4gliches Gesch\u00e4ft. Ich hatte das Gl\u00fcck, in genau diesem Bereich meinen Mann Niclas zu treffen, der ein K\u00fcnstler und Goldschmied von besonderer G\u00fcte ist. Diese Ohrringe zum Beispiel, die hat er mir zur Geburt unserer Tochter geschenkt.&#8220; Sie zog einen ihrer Ohrringe vom Ohr und reichte ihn Kira, die nun sah, dass die kleinen roten Steine \u00c4pfel darstellten. &#8222;Es ist wundersch\u00f6n, und so unglaublich filigran gearbeitet.&#8220;, sagte sie, und reichte den Ohrring vorsichtig an Rieke zur\u00fcck, die \u00fcber das Lob sichtlich zufrieden war und den Ohrring vorsichtig wieder ansteckte. &#8222;Die Bl\u00fcten im Haar hat er dann gemacht, als unser kleiner Julius kam. Ich trage sie oft, wenn ich zur Familie gehe, weil es f\u00fcr mich Familienschmuck ist. Nicht, dass du denkst, ich m\u00fcsse hier mit dem ganzen Gold angeben.&#8220; &#8222;Du tust es aber trotzdem&#8220;, sagte Mitras trocken, woraufhin Frederieke schnaubte und eine Serviette nach ihm warf. &#8222;Ich habe wenigstens Kinder und sehe meine Familie t\u00e4glich. Und was siehst du? Steine und Metall und William! Nicht mal Papa guckt so viel auf irgendwelche Steine wie du!&#8220; &#8222;Abby und Tobey sieht er auch manchmal&#8220;, wandte William ein, was Frederieke und Abby zum Lachen brachte, selbst Kira musste grinsen und Tobey hustete pl\u00f6tzlich verd\u00e4chtig. Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, wandte sich Frederieke an Kira: &#8222;Was machen deine Eltern?&#8220; &#8222;Sie handeln auch, allerdings haben wir nur einen kleinen Kontor und einen Laden im Dorf, in dem man alles notwendige zum Leben kaufen kann, T\u00f6pfe, Pfannen, Kleidung und auch allerlei Lebensmittel. Mein Vater und meine Br\u00fcder reisen auch viel, um Waren aus unserer Gegend in den S\u00fcden zu bringen, und meine Mutter f\u00fchrt dann den Laden und die Gesch\u00e4fte im Dorf.&#8220; &#8222;Oh, stammt deine Familie dann noch von den Skir ab, wegen deiner Haare und wenn deine Mutter die Gesch\u00e4fte daheim regelt?&#8220; Kira wurde rot. &#8222;Nein, ich glaub nicht. Meine Haare sind vermutlich einfach nur eine ungl\u00fcckliche Laune der Natur. Au\u00dfer mir sehen alle normal aus, und meine Gro\u00dfeltern stammen aus Flate. Zumindest die, die ich kenne. Mein Gro\u00dfvater v\u00e4terlichseits ist aus Pasrino nach Burnias gesiedelt, als das Land gerade neu erschlossen wurde, weil ihm vom neuen Lehnsherren in L\u00fchrenburg die Handelslizenz zugesprochen worden ist, aber er starb vor meiner Geburt, und meine Gro\u00dfmutter&#8230;&#8220; Kira dachte kurz nach. &#8222;\u00dcber sie wei\u00df ich eigentlich nichts. Sie starb, als mein Vater noch jung war. Lebte Ih&#8230; deine Familie immer schon im Hochland?&#8220; Rieke nickte. &#8222;Unser Stammbaum reicht sogar noch ins alte Reich, und alle waren immer H\u00e4ndler. Mario, unserer \u00e4ltester Bruder, wird den Schmuckkontor \u00fcbernehmen, so dass &#8222;Venaris &#8211; Gold und Edelsteine&#8220; nicht aussterben wird. Hast du Geschwister?&#8220; &#8222;Ich habe auch zwei Br\u00fcder, einen \u00e4lteren, Adrian, und einen j\u00fcngeren, Torge.&#8220; &#8222;Oh, dann vermissen die dich jetzt bestimmt, oder?&#8220; Kira schaute nach unten und schwieg einen Moment. &#8222;Wei\u00df ich nicht&#8230;&#8220;, sagte sie dann leise. Sie sp\u00fcrte die Blicke aller am Tisch auf sich ruhen. &#8222;Adrian war nicht da, als der Unfall passierte, und Torge und ich&#8230; naja&#8230; wir sind noch nie so gut miteinander ausgekommen.&#8220; &#8222;Das kommt in allen Familien vor&#8220;, half Tobey ihr aus der Verlegenheit. &#8222;Ich hab auch einen Bruder, den ich wirklich nicht leiden kann.&#8220; Abby lachte. &#8222;Du hast aber auch acht Br\u00fcder und zwei Schwestern!&#8220; &#8222;So viele?&#8220;, staunte Kira, dankbar, das Thema wechseln zu k\u00f6nnen. Tobey schmunzelte. &#8222;Na klar! Meine Eltern haben flei\u00dfig dazu beigetragen, das gro\u00dfe Reich Rorestadia zu vergr\u00f6\u00dfern&#8230; dumm nur, dass die H\u00e4lfte ihrer Kinder dann nach Albion ausgewandert ist.&#8220; Er nahm sich noch einen Schluck Wein und erz\u00e4hlte dann zu Kiras Begeisterterung eine Geschichte aus seiner Kindheit, bei der sie den zweitj\u00fcnsten Bruder der gro\u00dfen Familie einmal auf einem Markt vergessen hatten und beinahe ohne ihn wieder nach Hause gefahren w\u00e4ren. &#8222;Bei so vielen Kindern, sagte meine Mutter, ist es wie mit einer Schachtel Mehlw\u00fcrmer &#8211; ob einer fehlt, siehst du erst, wenn du sie alle auf die Angelhaken gef\u00e4delt hast!&#8220; Alle lachten, aber Kira fiel auf, dass Mitras zwar schmunzelte, aber dabei nicht Tobey, sondern sie anschaute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras lauschte Tobeys Geschichte nur mit einem halben Ohr. Er kannte sie schon, ebenso wie Abby und William, aber normalerweise h\u00f6rte man den Geschichten von Tobey auch dann gerne zu, wenn er sie zum dritten Mal erz\u00e4hlte. Tobey war ein begnadeter Erz\u00e4hler. Doch etwas an Kiras Antwort auf seine Schwester hatte ihn stutzig gemacht. Unfall. Warum bezeichnete sie ihre Magieentdeckung &#8211; denn davon hatte sie ja offenbar gesprochen &#8211; als Unfall? Seines Wissens nach hatte sie einen Dorfjungen, einen jungen Adeligen aus der Provinz, angegriffen und ihm im Gerangel die rechte Hand samt Sehnen und Knochen verbogen. Der Bericht sprach davon, dass sie bereits vorher durch zahlreiche aggressive Handlungen gegen\u00fcber den Dorfbewohnern aufgefallen sei, deswegen hatte er bisher nicht weiter hinterfragt, warum sie einen Kameraden angegriffen haben k\u00f6nnte. Doch so wie er sie kennengelernt hatte, konnte er sich dieses Bild von ihr immer schlechter vorstellen. Der Bericht und seine Beobachtungen passten einfach nicht zusammen. Ebensowenig wie die Bezeichnung eines von ihr ausgehenden Angriffes als Unfall. Er beobachtete sie, wie sie mit vom Wein ger\u00f6teten Wangen da sa\u00df und \u00fcber Tobeys Erz\u00e4hlung kicherte. Sie wirkte einfach nicht aggressiv. Sie hatte geweint, als er sie kritisiert hatte, nicht sich verteidigt, das passte doch nicht zu einer eher aggressiven Person. Des Weiteren h\u00f6rte er aus ihren doch sehr sporadischen Erz\u00e4hlungen von zu Hause heraus, dass sie wenig Anschluss an das Dorf oder ihre Familie hatte. Warum bezeichnete sie ihre roten Haare als unnormal<\/em><em>, ja sogar ungl\u00fccklich? Er hatte immer gedacht, Skirvorfahren zu haben, sei in den Provinzen v\u00f6llig normal. Im Osten lebten ja auch viele Menschen, die zuvor zum Reich Roestadia geh\u00f6rten und Angshire Vorfahren hatten. Konnte es sein, dass die Familie sie ausgeschlossen hatte, vielleicht auch, weil sie anders aussah? Von ihrem Bruder Adrian wohl nicht, ihre Stimmfarbe klang liebevoll, wenn sie vom ihm sprach. Er w\u00fcrde wohl weiter gute Gelegenheiten abwarten m\u00fcssen, um mehr von ihr zu erfahren. Bis er von Titus was h\u00f6ren w\u00fcrde, k\u00f6nnte es noch Wochen dauern.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Tobey beendete seine Geschichte und g\u00e4hnte dann. &#8222;Meine lieben Herrschaften, Ladys, es freut mich, euch erheitert zu haben, aber ich werde mich verabschieden m\u00fcssen.&#8220; Rieke schaute auf die Uhr. &#8222;Ach, herrjeh, ja. Mitras, kannst du mich noch zum Kutschenstand begleiten? Es ist schon so sp\u00e4t und ich habe Niclas versprochen, nicht zu sp\u00e4t nach Hause zu kommen.&#8220; Mitras nickte. Der Kutschenstand war an der gro\u00dfen Kreuzung, eigentlich musste man nur einmal um das Haus herumgehen, aber im Dunkeln war es definitiv besser, sie nicht alleine gehen zu lassen. Sie l\u00f6sten die Tafel auf, die Geschwister zogen sich M\u00e4ntel an und traten nach drau\u00dfen in die kalte, leicht verregnete Winternacht. &#8222;Sie ist nett, deine neue Sch\u00fclerin.&#8220;, sagte Rieke, als sie um die Ecke bogen. &#8222;Ja, das ist sie, aber sie ist auch sehr in sich gekehrt und taut nur langsam auf. Irgendwie habe ich auch das Gef\u00fchl, dass einige Geheimnisse sie umgeben. Ich habe mir jedenfalls noch keine abschlie\u00dfende Meinung gebildet. Sie weist aber ein gro\u00dfes Potential auf. Das n\u00e4chste Jahr wird jedenfalls interessant.&#8220; Rieke l\u00e4chelte. &#8222;Geheimnisse, huh? Vielleicht ist sie auch einfach 18, das erste Mal weit weg von zuhause und von deinem st\u00e4ndigen Siezen und deinem Gehabe einfach versch\u00fcchtert. Du siehst immer \u00fcberall Komplotte und Verschw\u00f6rungen, seitdem du bei Thadeus in die Lehre gegangen bist. Aber entspann dich doch einfach. Das Schicksal hat dir eine sch\u00f6ne Sch\u00fclerin mit viel Potential ins Haus gesp\u00fclt. Da kannst du dich auch einfach mal freuen.&#8220; &#8222;Ja, aber&#8230;&#8220;, setzte Mitras an. &#8222;Shhh!&#8220; Rieke legte ihm einen Finger auf den Mund. &#8222;Mach mal kein aber. Genie\u00df einfach, dass du jetzt wieder eine h\u00fcbsche Frau hast, mit der du deine magischen Tricks und Spielereien diskutieren kannst. Vielleicht f\u00e4llt ihr ja auch was ein, wie sie dir helfen kann mit deiner ganzen Paranoia.&#8220; Mitras zweifelte, dass Kira ihm bei irgendwas eine Hilfe sein w\u00fcrde, zumindest nicht in diesem ersten Jahr, aber er wusste auch, dass es nutzlos war, Rieke zu widersprechen. Auch nicht darin, dass Magie nicht aus Tricks bestand. Also winkte er ihr eine Kutsche heran, verabschiedete sich und ging dann rasch wieder nach Hause. Das Wetter war wirklich ungem\u00fctlich, da wollte man auf keinen Fall l\u00e4nger drau\u00dfen bleiben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Kira war bereits nach oben gegangen und Abby war Tobey nach dr\u00fcben gefolgt. Nur William r\u00e4umte noch in der K\u00fcche auf. Er dankte ihm noch einmal f\u00fcr das wunderbare Essen und&nbsp; w\u00fcnschte eine gute Nacht. Oben&nbsp; in seinen Gem\u00e4chern machte er sich kurz frisch, zog sich halb aus und lie\u00df sich nur noch in einem Unterhemd und der Hose auf einen Sessel fallen. Vielleicht sollte er auf seine Schwester h\u00f6ren und die ganze Sache etwas entspannter angehen. Kira war ja nun wirklich nicht auf den Kopf gefallen. Aber eines lie\u00df ihn keine Ruhe, was hatte seine Schwester gesagt? Er hatte jetzt eine h\u00fcbsche Frau im Haus? Er dachte an Claudia, seine erste Partnerin. Sie hatte nie in seinem Haus gelebt. Vielleicht war das auch ein Grund gewesen, warum ihre Beziehung nie recht geklappt hatte, warum sie letztendlich seinen Heiratsantrag so theatralisch abgelehnt hatte. Seitdem war er wirklich ziemlich alleine. Auch seine alten Freunde hatte er schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, fiel ihm auf. Fr\u00fcher hatten sie sich \u00f6fters getroffen, als sie noch zur Schule gingen, zum Lernen und f\u00fcr die anderen, k\u00f6rperlichen Annehmlichkeiten, aber die Arbeit am Elektrum und am Generator hatte ihn die Einladungen immer wieder ausschlagen lassen &#8211; und irgendwann hatte es wohl keine mehr gegeben. Er seufzte. Seine Schwester hatte Recht, er war zu oft allein. Und jetzt war da Kira. Sicher ihm war schon \u00f6fter aufgefallen, dass sie auf eine gewisse Weise sch\u00f6n anzusehen war, aber er hatte noch nie richtig dar\u00fcber nachgedacht. Nein, du hast es nicht zugelassen, dass du da n\u00e4her dr\u00fcber nachdenkst, scho\u00df es ihm durch den Kopf. Unruhig ob dieser Gedanken setzte er sich an seinen Spiegel und ehe er so recht wusste wieso, hatte er die Formel gemurmelt, die n\u00f6tigen Gesten vollf\u00fchrt, den Spiegel am geheimen Siegel ber\u00fchrt und lie\u00df seine Magie hineinflie\u00dfen. Eine weitere Bewegung sp\u00e4ter sah er in Kiras Zimmer. Sie hatte das Kleid ausgezogen und sa\u00df in ihrem Unterkleid am Schreibtisch, fast schon au\u00dferhalb des Winkels, den er einsehen konnte, und bl\u00e4tterte in einem Buch. Von hier konnte er nicht sehen in welchem, aber es musste wohl eines der Lehrb\u00fccher sein. Auf dem Nachttisch entdeckte er ein Buch, dass er noch nicht kannte, sie hatte die Bibliothek also schon genutzt. Warum auch nicht. Ein wenig Zerstreuung war sicher nicht verkehrt. Ich sollte auch mal wieder etwas entspannendes lesen. W\u00e4hrend er noch \u00fcber die Auswahl seiner B\u00fccher nachdachte, stand sie auf und ging quer durch den Raum. Sie ging in die Toilette und kam nach kurzer Zeit mit einem Krug wieder heraus und stellte ihn auf den kleinen Tisch mit der Schale. Sie drehte sich mit dem R\u00fccken zu ihm zum Kleiderschrank und fing an, ihr Untergewand zu \u00f6ffnen. Mitras registrierte es in Gedanken versunken erst gar nicht, was er da sah, und dann waren ihre Schultern schon entbl\u00f6\u00dft. Das Kleid glitt langsam an ihr herunter und legte ihren R\u00fccken frei. Er staunte ob der makellosen, hellen Haut und war ganz hingerissen von dem Anblick. Als das Kleid dann aber auf ihre H\u00fcften glitt und sie es vollends nach unten streifen wollte, kam er wieder zur Besinnung und realisierte, was er da gerade tat. Er wischte so schnell \u00fcber den Spiegel, dass er dabei eines der Duftfl\u00e4schchen, die daneben standen, herunter riss. Es klirrte zu Boden, brach aber den Geistern sei Dank nicht. Fluchend b\u00fcckte er sich, hob es wieder auf und starrte dann einen Moment auf sein Spiegelbild, das nun wieder zu sehen war. Eine h\u00fcbsche Frau. Herrjeh, was hatte Frederieke da nur angerichtet!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Im Waschbecken stand noch ein Rest kaltes Wasser. Er nahm sich etwas davon und spritzte es sich ins Gesicht, um wieder klar zu werden. Immerhin musste er sich auch noch um den Generator k\u00fcmmern. Dieser Gedanke k\u00fchlte ihn noch besser ab als das Wasser. Z\u00e4hneknirschend machte er sich fertig und begann in seinem Zimmer mit der n\u00f6tigen Meditation. \u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b<\/em> \u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u200b Kira wachte um halb sieben auf, wie sie feststellen konnte, sobald die Lampe hell genug leuchtete. Drau\u00dfen war es stockfinster und es trommelte Schneeregen gegen das Fenster. Im Gegensatz zu gestern f\u00fchlte sie sich gar nicht erholt, ihre Stimmung passte zum Wetter. Ihr Kopf tat immer noch leicht weh, und sie erinnerte sich an [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-44","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch-1"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44\/revisions\/45"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}