{"id":50,"date":"2024-04-15T00:26:38","date_gmt":"2024-04-15T00:26:38","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=50"},"modified":"2024-04-15T00:39:03","modified_gmt":"2024-04-15T00:39:03","slug":"forschungsfragen-13-lunet-242-uldumstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/04\/15\/forschungsfragen-13-lunet-242-uldumstag\/","title":{"rendered":"Forschungsfragen &#8211; 13. Lunet 242 (Uldumstag)"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Nachdem er das Fr\u00fchst\u00fcck beendet hatte, war er schlafen gegangen, doch heute war ihm keine Ruhe verg\u00f6nnt. Gegen elf Uhr wurde er von William geweckt. Er hatte Besuch, Magister Grimaldus di Scuti, der verantwortliche Magier f\u00fcr die Auswertung und Nutzbarmachung des Elektrums der Generalit\u00e4t, war gekommen, um ihn zu sprechen. So etwas geschah normalerweise mit Ank\u00fcndigung, umgekehrt war es nun auch schon vier Tage her, dass er seinen Brief an die Generalit\u00e4t abgeschickt hatte. Er legte seinen besten Anzug an und dachte auch an das n\u00f6tige Ornat. Das wichtigste St\u00fcck war jedoch das k\u00f6nigliche Siegel, dass er dank Nathanaels Wirken tragen durfte. Es gab ihm keine wirkliche Macht, zeichnete ihn aber als G\u00fcnstling des K\u00f6nigs aus und war ein unsagbar gutes Druckmittel gegen\u00fcber allen Beamten, egal welcher Institution. Es wurde f\u00fcr besondere Verdienste gegen\u00fcber der Krone verliehen und \u00f6ffnete so manche T\u00fcr. Gleichzeitig war es auch der einzige Orden, der Zivilisten verliehen wurde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er traf di Scuti im Saal, wo dieser in einer&nbsp;der Ecken auf einem Sessel sa\u00df und gerade eine Tasse Tee, die William serviert hatte, trank. &#8222;Ich gr\u00fc\u00dfe Sie, Magister di Scuti. Ich nehme an, Sie wollen mit mir \u00fcber die neueste Entdeckung bez\u00fcglich des Elektrums sprechen?&#8220;, begr\u00fc\u00dfte Mitras ihn h\u00f6flich. &#8222;In der Tat, Magister. Ihr Bericht war h\u00f6chst alamierend und ich hoffe doch sehr, dass Sie bereits an einer L\u00f6sung arbeiten?&#8220; erwiderte dieser k\u00fchl, den Namen dabei missachtend weglassend. Mitras setzte sich ihm gegen\u00fcber hin, gerade als William mit einer Tasse f\u00fcr ihn eintrat. Er ignorierte die versteckte Beleidigung der unvollst\u00e4ndigen Anrede, nahm die Tasse entgegen, dankte William und entlie\u00df ihn mit einem Nicken. &#8222;Tats\u00e4chlich ist das Problem deutlich komplexer als gedacht. Eine Versuchsreihe hat gezeigt, dass Zauber, die nur auf einen Bereich oder gar einen Punkt im Material gewirkt werden anfangen zu, nun ja, zu wandern. Wird die Verzauberung jedoch auf das ganze Objekt gewirkt, so ist der Zauber stabil. Die Formung der Elektrumwaffen ist also nicht betroffen und auch ihre Feuerschwerter sind nicht gef\u00e4hrdet.&#8220; Mitras trank einen Schluck und fuhr fort: &#8222;Was die partielle Verzauberung angeht, da kann ich Ihnen bisher nur sagen, dass die Bewegung diskret erfolgt.&#8220; &#8222;Mir ist egal, ob sie sich versteckt oder sonstwie unauff\u00e4llig verh\u00e4lt.&#8220;, blaffte di Scuti dazwischen. &#8222;Entschuldigen Sie, wenn ich mich nicht klar ausgedr\u00fcckt habe, ich meine mathematisch diskret. Die Bewegung ist sprunghaft direkt, nicht flie\u00dfend. Der Zauber springt quasi von Punkt zu Punkt. Das Material hat eine innere Kristallstruktur, wie sie bei Metallen so noch nicht beobachtet wurde. Die Struktur ist aber nicht gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber den gesamten Objektk\u00f6rper ausgedehnt. Vielmehr unterteilt sie sich in kleine Bezirke und der jeweilige Zauber springt von Bezirk zu Bezirk. Ich habe allerdings noch nicht herausgefunden, nach welchem Muster dies geschieht.&#8220;, erl\u00e4uterte Mitras in einem leicht belehrenden, herablassenden Tonfall. Di Scuti zischte: &#8222;Nun, wie dem auch sei. Derzeit sind Sie der einzige, der an diesem Material Grundlagenforschung betreibt. Da Ihr Patent ja eine weitere Erforschung durch uns ausschlie\u00dft, hat die Generalit\u00e4t die Schule der Verwandlung ersucht, sich ebenfalls an der Untersuchung zu beteiligen, nat\u00fcrlich unter Wahrung des Patentsgeheimnisses und im Austausch mit Ihnen. Professor di Hedera stimmt nat\u00fcrlich zu. Nur leider hat er zwar \u00fcber die Gilde streng kontrollierten Zugriff auf ihre Ergebnisse, nicht jedoch auf das Material selbst. Die Generalit\u00e4t fordert Sie hiermit auf, der Schule eine viertel Tonne zur Unterst\u00fctzung der dortigen Forschung zur Verf\u00fcgung zu stellen.&#8220; Mitras musste sich beherrschen, sich den Schreck \u00fcber die gro\u00dfe Forderung nicht anmerken zu lassen, doch es schien ihm zu gelingen, denn di Scuti fuhr etwas aggressiver, vermutlich entt\u00e4uscht von der mangelnden Reaktion, fort: &#8222;Unentgeldlich versteht sich, die Forschung wird ja auch Ihnen zugute kommen. Und nat\u00fcrlich muss diese Lieferung bald erfolgen. Diese neue Entdeckung stellt doch ein betr\u00e4chtliches Risiko dar. Alternativ k\u00f6nnten Sie nat\u00fcrlich uns&nbsp;auch ein Herstellungspatent erteilen, dann versorgen wir die Schule und Sie erhalten regelm\u00e4\u00dfige Tantiemen, je erzeugten Kilogramm Material nat\u00fcrlich. Ich denke unter unseren Partnern wird sich jemand finden, der mit dem Patent verantwortungsvoll umgeht und die n\u00f6tigen Mittel hat, gr\u00f6\u00dfere Mengen schnell zu erzeugen.&#8220;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Menge entsprach seiner&nbsp;halben Jahresproduktion, jedenfalls aus Sicht der Generalit\u00e4t und Mitras war schlagartig klar, was di Scuti zu erreichen hoffte. Er hatte bisher stets beteuert, dass er unter der Geheimhaltung seiner Methoden nicht mehr liefern k\u00f6nne. Der Vertrag verpflichtete ihn nun also zu genau dieser Menge, aufgeteilt in eine Lieferung von 250 Kilogramm je Halbjahr. Sollte er nun die Schule binnen einiger Wochen beliefern k\u00f6nnen, war klar, dass er zumindest mittlerweile mehr erzeugen konnte. Die Generalit\u00e4t w\u00fcrde sofort darauf bestehen, dass er mehr erzeugen solle. Alternativ w\u00fcrde er eine Lizenz an die Generalit\u00e4t abtreten m\u00fcssen, die es dieser gestattete, selbstst\u00e4ndig Elektrum zu erschaffen. Und letzteres war definitiv die schlechtere Variante, denn Mitras wusste genau, wer der Partner von di Scuti war. Er und Secus di Porrum waren seit langem beste Freunde und hinzu kam, dass die di Porrums die wichtigsten Waffenlieferanten der Generalit\u00e4t waren. Ihm blieb keine andere Wahl, als die Vergr\u00f6\u00dferung seiner Produktionskapazit\u00e4ten einzugestehen. Sollte er nicht liefern k\u00f6nnen, w\u00fcrde di Scuti&nbsp;das als neuen Hebel benutzen, um das Patent zu annullieren, da ja die Sicherheit des Reiches auf dem Spiel stand. Letztendlich w\u00fcrde das zwar scheitern, aber man w\u00fcrde ihn zwingen, die Lizenz an die Partner der Generalit\u00e4t zu geben und das konnte nur ein bestimmter Verwandlungsmagier mit eigener Waffenfertigung sein: &#8222;Wenn Sie die di Porrums meinen, so werde ich Ihnen schon allein um meiner eigenen Sicherheit und der aller B\u00fcrger Uldums keine Lizenz gew\u00e4hren. Sie sollten wissen, dass ihr Freund Secus in der Gilde in Ungnade gefallen ist. Aufgrund seiner Unf\u00e4higkeit versteht sich. Die Gildenstatuten und das Gesetz verbieten es, einen einmal anerkannten Titel wieder abzunehmen, aber mehr als Magister wird er nicht mehr werden. Nein, diesem St\u00fcmper etwas so wichtiges zu \u00fcberlassen, w\u00e4re eine Beleidigung ihrer Majest\u00e4t. Der K\u00f6nig hat mich nicht mit diesem Siegel belohnt, damit ich das Material nun solchen Diletanten zur Verf\u00fcgung stelle.&#8220; sagte Mitras und hob das Siegel, das an einer Spange an seiner linken Brust haftete, demonstrativ an. Er fuhr fort, ehe di Scuti ihn unterbrechen konnte: &#8222;Nein, ich werde die Schule selbst beliefern. Die Erzeugung einer so gro\u00dfen Menge ist nat\u00fcrlich zeitaufw\u00e4ndig und wird die Forschung f\u00fcr eine Weile zum Erliegen bringen, aber daf\u00fcr wird das Ganze im Anschluss sicherlich beschleunigt werden. Ich bin sicher, dass mein alter Meister Thadeus nur die sorgf\u00e4ltigsten Forscher mit diesem Auftrag betreuen wird.&#8220;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Di Scuti war aschfahl geworden und musste sichtlich an sich halten, um ob solcher Beleidigungen nicht aufzuspringen. Sichtlich bem\u00fcht und mit knirschenden Z\u00e4hnen antwortete er dann doch kontrolliert: &#8222;Gut, Sie haben das Mengenproblem also behoben? Oder wollen Sie mich nun ob der Menge, die der Generalit\u00e4t zusteht, verprellen? Das w\u00e4re Vertragsbruch und h\u00e4tte entsprechende Konsequenzen.&#8220; &#8222;Tats\u00e4chlich konnte ich meine Kapazit\u00e4ten k\u00fcrzlich vergr\u00f6\u00dfern. Nat\u00fcrlich nur geringf\u00fcgig. Diese Formel und die Fertigung unterliegen auch der Sicherheit des Reiches wegen strengster Geheimhaltung. Stellt euch vor, was die Teufelsanbeter im S\u00fcden damit machen w\u00fcrden. Was, wenn sie statt ihrer magischen Vulkanglaswaffen mit deutlich potenteren und widerstandsf\u00e4higeren Elektrumwaffen daherk\u00e4men, um ihre alten L\u00e4nder von den Rasenna Erben zur\u00fcck zu fordern? Oder wenn die Hexen der Klans das Geheimnis aufdecken. Ihr wisst, wozu sie f\u00e4hig sind, oder?&#8220; antwortete Mitras mit Nachdruck. &#8222;Aber die Versorgung der Schule wird mich \u00fcber die Vertragserf\u00fcllung hinaus voll auslasten, wir k\u00f6nnen also erst im Sommer neu \u00fcber die Liefermenge verhandeln. Wegen der \u00d6ffnung meiner Forschung werde ich sobald m\u00f6glich Erzmagier di Hedera kontaktieren.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras setzte die mittlerweile leere Teetasse wieder ab und sagte: &#8222;Wenn das jetzt alles w\u00e4re, ich bin derzeit sehr besch\u00e4ftigt, wie Sie sich ja sicher denken k\u00f6nnen. Oh, und richten Sie ihren Freund einen Gru\u00df von mir aus. Die Duellregeln verlangen klar einen Ort und eine Zeit, das eine nach Wahl des Fordernden und das andere nach Wahl des Geforderten. Die Stra\u00dfe ist daf\u00fcr sicher nicht der richtige Ort. Wir wollen uns doch wie zivilisierte Menschen verhalten, nicht wahr?&#8220;&nbsp; Er stand auf und reichte di Scuti die Hand. Diesem blieb nichts anderes \u00fcbrig, als ebenfalls aufzustehen und die Geste zu erwidern. Mitras hatte so genug Zeit f\u00fcr einen kleinen Verst\u00e4rkungszauber. Er ergriff die Hand und packte zu, nicht so stark, dass er seinem Gegen\u00fcber die Hand brechen w\u00fcrde, aber der Gesichtsausdruck des anderen Magisters, der weder klein noch schw\u00e4chlich war, befriedigte ihn doch f\u00fcr dieses unangenehme Gespr\u00e4ch. Die Milit\u00e4rs, zu denen nunmal auch di Scuti geh\u00f6rte, blickten oft etwas ver\u00e4chtlich auf die Verwandlungsmagier herab. Waren diese in ihren Augen doch nur \u00c4rzte, deren einziger Nutzen es war, die K\u00e4mpfer m\u00f6glichst schnell wieder kampff\u00e4hig zu bekommen. Keiner von ihnen erwartete einen kr\u00e4ftigen H\u00e4ndedruck von einem Forscher oder Heiler. Ohne seine Hand los zu lassen fuhr Mitras fort: &#8222;Ich w\u00fcnsche Ihnen einen sch\u00f6nen Nachmittag und ich versichere Ihnen noch einmal, dass die Zauber wie das Flammenschwert, das war doch Ihre Idee? &#8230; weiter funktionieren werden.&#8220; Er sch\u00fcttelte ihm noch einmal die Hand und lie\u00df dann los, was seinem Gegen\u00fcber ein sichtlich erleichtertes Keuchen entlockte. Der vom H\u00e4ndedruck v\u00f6llig \u00fcberrumpelte di Scuti lie\u00df sich von ihm ohne Widerworte zur T\u00fcr geleiten und verabschiedete sich immer noch leicht keuchend und sich die Hand haltend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Kaum war die T\u00fcr zu und di Scuti au\u00dfer H\u00f6rweite, fluchte Mitras lautstark. William kam sofort um die Ecke. &#8222;Ha, na bist ihn endlich los geworden? Hast ihm da drinnen ja ganz sch\u00f6n den Marsch geblasen.&#8220; &#8222;Ja, habe ich, gewonnen hat trotzdem er. Mehr als Ehrenrettung war f\u00fcr mich nicht drin. Er hatte mich von Anfang an im Sack. Ich werde die Menge erh\u00f6hen m\u00fcssen. Das ist zwar kein Problem, aber so ziemlich das Letzte, was ich wollte.&#8220; erwiderte Mitras. &#8220; Ja, aber sollte das nicht auch deine Eink\u00fcnfte vergr\u00f6\u00dfern? Und die Menge ist dann ja immer noch nicht gro\u00df, oder?&#8220; fragte William. Mitras antwortete: &#8222;Sie werden auf eine Verdoppelung bestehen, was ihnen v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten in der Forschung bietet. Wenigstens sind bisher nur die Magier der Generalit\u00e4t daran beteiligt und von denen auch nur eine kleine Gruppe um di Scuti. Alles Elementarmagier. Nichts gegen die, aber das sind lausige Wissenschaftler und die, die sich dem Milit\u00e4r angeschlossen haben, sind noch schlechter. Auf dem Feld wissen die sicher zu gl\u00e4nzen, aber wir haben Frieden und da werden sie am wenigsten gebraucht. Desto schneller di Scuti an gro\u00dfe Mengen Elektrum kommen kann und desto bessere Waffen er damit bauen kann, desto eher werden er und seine Bundesgenossen auf eine neue Expansion dr\u00e4ngen.&#8220; William guckte ein bisschen geknickt und sagte: &#8222;Ja, das h\u00f6rt sich wirklich schlecht an. Aber immerhin hast du noch bis Sommer Zeit und wenn Thadeus, der alte Hund, die Forschung nun mit unterst\u00fctzt, kannst du dir ja sicher sein, dass er den milit\u00e4rischen Nutzen so gering wie nur m\u00f6glich einstufen wird.&#8220; &#8222;Ja, er wird jegliches noch so kleines Risiko ausgraben, um eine weitere Nutzung des Elektrums, egal auf welchem Gebiet zu unterdr\u00fccken&nbsp;oder zumindest strickt unter Limitierung setzen &#8211; und das schlie\u00dft&nbsp;leider meine friedlichen Varianten mit ein. Nathanael wird sicher einiges davon einfangen k\u00f6nnen, aber grunds\u00e4tzlich wird er mir eher mehr Steine in den Weg rollen, als mich zu unterst\u00fctzen. Danke jedenfalls f\u00fcr den Tee, magst du mir bitte gleich noch eine zweite Tasse bringen? Ich werde gleich die Nachricht an Thadeus aufsetzen und mich f\u00fcr den Ingastag zur weiteren Besprechung ank\u00fcndigen.&#8220; William sah ihn mitf\u00fchlend an und sagte: &#8222;Nur ein Tee oder doch lieber mit Schuss?&#8220; &#8222;Tee reicht&#8220;, sagte Mitras kurz auflachend, bevor sich seine Miene wieder verfinsterte und er nach oben ging.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kira fand die Bibliothek leicht wieder. Der gro\u00dfe Platz im H\u00e4ndlerviertel war eine gute Orientierungshilfe. Sie gr\u00fc\u00dfte den Bibliothekar an der Ausgabe h\u00f6flich, gab ihren Mantel an der Gaderobe ab und schl\u00fcpfte dann in den gro\u00dfen Saal. Beim letzten Mal hatte sie ja speziell ein Buch gesucht, diesmal nahm sie sich mehr Zeit und schaute sich die beiden Abteilungen mit Sachb\u00fcchern genauer an. In der Abteilung zur Magie fand sie einen interessanten Titel: &#8222;Von Hexen, D\u00e4monen und der rechten Magie. Ein Streifzug durch internationale Magieanwendungen.&#8220; Sie zog es heraus, ging zum Ende des Saales und entdeckte, dass es dort neben den Tischen auch gem\u00fctliche Sitzecken gab. Ein paar andere Frauen und M\u00e4nner sa\u00dfen dort schon, einige lasen alleine, andere fl\u00fcsterten leise, gemeinsam \u00fcber einen Text gebeugt. Kira schaute sich suchend um, aber der junge di Ferrus war nirgendwo zu sehen, also w\u00e4hlte sie sich einen kleinen, grau-gr\u00fcnen Sessel in einer Ecke des Saales, setzte sich hin und begann die Einleitung zu lesen:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Magie wird nicht \u00fcberall auf die gleiche Weise&nbsp;verstanden und ausgef\u00fchrt wie in unserem gro\u00dfartigen Reich Albion oder dem kultivierten Riga. In Rhorestadia hat sich eine der unseren \u00e4hnliche gildenmagische Tradition gebildet, die im Vergleich aber noch sehr r\u00fcckst\u00e4ndig ist. Dar\u00fcber hinaus wissen wir von Skir und einigen Angshire sowohl in Rhorestadia als auch in der Republik Reave jenseits des Meeres, dass sie in Zirkeln von Hexen und Druiden die bei ihnen seltener auftretende magische Begabung zu formen wissen und sich dabei an die nat\u00fcrlichen Gesetze von G\u00e4a halten, ohne eine rechte Wissenschaft zu betreiben. Unsere s\u00fcdlichen Nachbarn in Astelia haben sich hingegen&nbsp;seit Jahrhunderten der tiefgr\u00fcndigen Erforschung der Magie gewidmet. Die Magie ist ihnen zugleich auch Religion, und so sind die Voodoopriester in den Dschungeln m\u00e4chtige Herrscher. Die Gier nach Macht hat hier aber \u00fcber die Jahrhunderte ihren Preis gefordert: So unterscheiden die Priester nicht mehr zwischen Geistern und den Ausgeburten der \u00c4thersph\u00e4ren, die wir D\u00e4monen nennen, und kommunizieren mit beiden gleicherma\u00dfen. Es kommt sogar vor, dass sie den Weisungen der D\u00e4monen Folge leisten und in ihrem Namen Schrecken und Terror selbst unter den eigenen Gefolgsleuten verbreiten. K\u00f6nnte man dies in Einzelf\u00e4llen noch verstehen, so erreichten uns mit der Ankunft der Angshire, die vor dem Reiche Zendri fliehen mussten, Geschichten von noch weitaus schrecklicherem Gr\u00e4uel &#8211; anscheinend haben die Krieger dieser Lande eine Methode gefunden, mit den Toten nicht nur zu kommunizieren, sondern sie sogar wieder beleben zu k\u00f6nnen und zu scheu\u00dflichen Kriegswaffen zu formen. Dieses Werk soll nun \u00fcber alle Formen der Magieanwendung einen so gut als m\u00f6glichen \u00dcberblick geben, begonnen bei der kultivierten Erforschung \u00fcber die Naturmagie der Hexen und Druiden, den Voodoopriestern des S\u00fcdens, bis hin zu den Untaten wider der Natur der Zendri. Lesern schwachen Gem\u00fctes sei empfohlen, die letzten Kapitel auszulassen, da wir uns auch hier bem\u00fcht haben, wie im restlichen Buche, unsere Schilderungen durch allerlei lebhafte Zeichnungen erg\u00e4nzen zu lassen, die in diesem Falle aber zumindest f\u00fcr zarte Frauenzimmer nicht empfohlen werden. Dem mutigen Herz jedoch m\u00f6ge es als Anregung dienen, den rechten Weg nicht zu verlieren und sich zu wappnen gegen das B\u00f6se, das uns stets bedroht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Madame Silva?&#8220; Kira drehte den Kopf. Hinter ihr stand der junge Sebastian di Ferrus und l\u00e4chelte sie erfreut an. Sie erwiderte sein L\u00e4cheln. &#8222;Baron di Ferrus. Welche Freude, Sie zu sehen!&#8220;, antwortete sie leise. Sebastian winkte ab. &#8222;Nichts Baron, ich bin nur Bibliothekar mit Leib und Seele. Mein alter Herr ist der Baron von Mutters Gnaden und bleibt es hoffentlich noch lange.&#8220; Er schaute sich das Buch an, in dem sie gelesen hatte und nickte wissend. &#8222;Das habe ich auch gelesen. Die Zeichnungen sind rei\u00dferisch, aber es ist gut recherchiert. Sie haben einen guten Geschmack.&#8220; Kira sp\u00fcrte, wie sie ein wenig rot wurde. &#8222;Danke.&#8220; Einen Moment lang schwiegen sie, dann beugte sich Sebastian vor und fragte sie leise: &#8222;W\u00e4ren Sie vielleicht bereit, mich zu einer Tasse Tee in einem Cafe zu begleiten? Ich habe gleich Pause, und man k\u00f6nnte etwas lauter sprechen.&#8220; Kira sp\u00fcrte, dass ihr Herz einen kleinen Sprung machte. War das eine Art Rendezvous? Doch sie verwarf den Gedanken gleich wieder. Der junge Mann war ihr sympathisch, eigentlich war sie ja haupts\u00e4chlich seinetwegen in die Bibliothek gekommen, und er hatte Recht, hier konnte man sich nicht gut unterhalten. Der Vorschlag war einfach nur praktisch. Sie stimmte also freundlich l\u00e4chelnd zu und lies sich von ihm in ein nahe gelegendes Cafe f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich freue mich sehr, mehr mit Ihnen reden zu k\u00f6nnen&#8220;, er\u00f6ffnete Sebastian das Gespr\u00e4ch wieder. &#8222;Es kommt nicht jeden Tag vor, dass h\u00fcbsche junge Magierinnen unsere Bibliothek beehren.&#8220; Kira wurde feuerrot. &#8222;Es wird ja wohl einige h\u00fcbsche Magierinnen an den Akademien geben, oder?&#8220;, wehrte sie ab. Sebastian grinste breit. &#8222;Aber die kenne ich ja schon!&#8220; Kira musste lachen. &#8222;Also sind Sie eigentlich einfach nur neugierig auf die Neuen?&#8220; Sebastian lachte ebenfalls. Er lehnte sich zur\u00fcck und sagte: &#8222;Sie haben mich ertappt. Ich bin ungemein neugierig. Mein alter Herr ist so gn\u00e4dig, mich in der Bibliothek arbeiten zu lassen. Stellen Sie sich vor, was f\u00fcr eine Klatschtante ich w\u00e4re, wenn ich diese st\u00e4ndige Neugierde nicht regelm\u00e4\u00dfig durch B\u00fccher f\u00fcttern k\u00f6nnte.&#8220; Kira kicherte. Sie vermutete, dass Sebastian trotzdem eine Klatschtante war. &#8222;Haben Sie kein magisches Talent? Dann w\u00fcrden Sie doch auch zur Akademie gehen und m\u00fcssten dort lernen, oder?&#8220;, fragte sie. Sebastian sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Nein, der Kelch ist an mir vorbei gegangen und hat meinen Bruder und meine kleine Schwester erwischt. Sie ist jetzt 16 und im ersten Schuljahr, und wenn ich sehe, wie viel sie arbeiten muss, bin ich ganz froh, nur B\u00fccher herumzutragen und meinem Vater und meinem zweiten Bruder ab und zu bei den Gesch\u00e4ften zu helfen. So hat man viel mehr Zeit f\u00fcr die sch\u00f6nen Dinge im Leben.&#8220; Kira betrachtete ihn interessiert. &#8222;Ich bin ja neu hier, welche sch\u00f6nen Dinge gibt es denn hier in Uldum?&#8220; &#8222;Sie zum Beispiel&#8220;, erwiderte der junge Mann galant. &#8222;Und nat\u00fcrlich gibt es gute Feiern, viele gute B\u00fccher und die Jagd. Ich reite sehr gerne und kann ganz passabel schie\u00dfen. K\u00f6nnen Sie reiten?&#8220; Kira beschlo\u00df, das Kompliment zu ignorieren und nickte. Sein Leben klang unglaublich sorgenfrei und entspannt. Waren alle Kinder adeliger Familien so oder lag das daran, dass seine Familie ja vermutlich ziemlich reich war? &#8222;Ja, ich kann reiten. Allerdings habe ich noch&nbsp;nie auf einem Pferd gesessen, dass schneller als ein Zugpferd laufen konnte, insofern k\u00f6nnte es sein, dass meine K\u00fcnste sich nicht ganz mit Ihren messen k\u00f6nnen.&#8220; Wieder zeigte Sebastian ein breites, einnehmendes Grinsen. &#8222;Wenn sie es mal probieren wollen, lade ich Sie auf das Gest\u00fct eines Freundes ein, sobald der Boden aufgetaut ist. Er z\u00fcchtet ganz edle Rennpferde &#8211; schnell, aber von ruhigem Charakter.&#8220; Kira wusste nicht recht, was sie sagen sollte. Ob Mitras ihr soetwas erlauben w\u00fcrde? Sebastian f\u00fchrte noch einiges zu den Pferden aus und schloss dann: &#8222;Wo kommen Sie denn her?&#8220; Kira spielte ein wenig scheu mit einer ihrer Locken. Ob er dachte, sie k\u00f6nnte aus dem Ausland kommen? Aus Skirgrad? Aber nein, dann w\u00fcrde sie ja nicht hier ausgebildet werden. Sie sollte wirklich aufh\u00f6ren, st\u00e4ndig dar\u00fcber nachzudenken, was andere \u00fcber ihr Aussehen und die Skir dachten, scholt sie sich selber. Das hatte sie doch gestern eigentlich schon gelernt. &#8222;Aus Burnias, aus einem kleinen Dorf names Bispar.&#8220; Sebastian dachte einen Moment nach. &#8222;Uhm, Norden, irgendwo in den Mooren?&#8220;, fragte er. Sie nickte, etwas verbl\u00fcfft \u00fcber seine Kenntnis der Provinz. Andererseits k\u00f6nnte er auch einfach nur gut geraten haben. Der Gro\u00dfteil von Burnias war moorig gewesen, und ihr Gro\u00dfvater hatte noch dabei geholfen, einige der Moore trocken zu legen. Ehe die Bewohner der Provinz selbst vom Ackerbau leben konnten, hatten sie das Torf gestochen und verkauft, das wusste sie aus Erz\u00e4hlungen ihres Vaters \u00fcber den Gro\u00dfvater. &#8222;Und nun sind Sie ganz bis nach Uldum gekommen? Wo sind Sie denn untergekommen?&#8220; Kira dachte kurz nach. Ob es schlau war, ihm zu sagen, wer ihr Magister war? Andererseits hatte auch er von seinen Verh\u00e4ltnissen freim\u00fctig erz\u00e4hlt, also war sie etwas Ehrlichkeit schuldig. &#8222;Magister Mitras di Venaris hat mich aufgenommen. Ich bin seine Discipula.&#8220; &#8222;Venaris!&#8220; Sebastian grinste. &#8222;Die kenne ich. Also, nicht den Magister so richtig, aber die Familie. Mein alter Herr ist mit dem Herrn Venaris bekannt, ich w\u00fcrde sagen, sogar befreundet. Die beiden handeln oft zusammen und sie treffen sich bei uns \u00f6fters zu einer Partie Schach &#8218;um der guten alten Tage wegen&#8216;, wie mein Vater sagt.&#8220; Er ahmte dabei einen zittrigen Greis nach und sch\u00fcttelte die Teetasse so sehr, dass ein wenig Tee \u00fcber seine Hand schwappte und er sie leise fluchend absetzte, um die Hand an seinem Hemd zu trocknen. Kira lachte. Der junge di Ferrus war witzig. Sorglos und wild, weniger steif als sie es von einem Adeligen gedacht hatte. &#8222;Ich bin tats\u00e4chlich froh, bei ihm zu sein, ja. Er ist nett und f\u00fcrsorglich und k\u00fcmmert sich sorgf\u00e4ltig um meine Ausbildung&#8220;, sagte sie. Sebastian blickte sie an und verdrehte spielerisch die Augen. &#8222;Sagen Sie blo\u00df jetzt nicht auch noch, er s\u00e4he gut aus, dann f\u00fchle ich mich ja gleich ganz unn\u00fctz hier.&#8220; Kira grinste schalkhaft. &#8222;Aber er sieht gut aus!&#8220; Sebastian griff sich gespielt ans Herz, was sie anspornte, noch weiter zu reden: &#8222;Seine Statur ist so m\u00e4nnlich und seine eisblauen Augen funkeln wie die Sterne in einer klaren Nacht und &#8230;&#8220; &#8222;Schon gut, schon gut!&#8220; \u00dcbertrieben \u00e4chzend lie\u00df sich Sebastian auf dem Stuhl nach hinten sinken. &#8222;Ich sehe, ich habe verloren. Da bin ich nun, ich junger Tor, und bin so einsam wie zuvor.&#8220; Kira schaute ihn l\u00e4chelnd an. Er war wirklich witzig. Wahrscheinlich war das das l\u00e4ngste Gespr\u00e4ch mit einem gleichaltrigen Mann, das sie bisher gef\u00fchrt hatte, ohne sich dabei unwohl oder angegafft zu f\u00fchlen, und das, obwohl er ihr tats\u00e4chlich Avancen gemacht hatte! Sie hatte allerdings auch das Gef\u00fchl, dass Sebastian jede Frau \u00e4hnlich mit Komplimenten \u00fcberh\u00e4ufen w\u00fcrde. Er war so ge\u00fcbt darin, vermutlich war das einfach seine Art. Sie unterhielten sich noch eine Weile, bis ihr Blick aus dem Fenster fiel und sie erschrak. &#8222;Meine G\u00fcte, es ist ja schon fast dunkel! Wie sp\u00e4t ist es denn?&#8220; Sebastian fischte eine aufwendig verzierte Uhr aus der Tasche, die Kiras Vermutung \u00fcber seinen Reichtum best\u00e4tigte und \u00fcberhaupt nicht zu der schlichten Bibliotheksuniform passte. &#8222;Uhm, gleich halb sechs.&#8220; &#8222;Ach herrjeh! Ich muss dringend los. Abby hat gesagt, ich solle nicht zu sp\u00e4t heimkommen.&#8220; Sebastian nickte. &#8222;Wer auch immer Abby ist, sie hat Recht. Es ist nicht sicher f\u00fcr eine Dame allein zu sp\u00e4ter Stunde. W\u00fcrden Sie gestatten, dass ich Sie nach Hause begleite, wenn ich Sie nun schon so lange vom Heimgehen abgehalten habe?&#8220; Kira err\u00f6tete nun doch wieder. &#8222;Das ist nicht n\u00f6tig&#8220;, wehrte sie ab. &#8222;Ich bestehe darauf. Sie sind neu hier. Sp\u00e4ter m\u00f6gen Sie wissen, wie man richtig reagiert, doch f\u00fcr&#8217;s erste lassen Sie mich wenigstens eine vertrauensw\u00fcrdige Droschke ausw\u00e4hlen.&#8220; Kira wollte protestieren, doch er hatte sich abgewandt und winkte dem Kellner zu, damit dieser die Rechnung brachte. Sebastian beglich sie, ohne sie Kira zu zeigen. &#8222;Lord di Ferrus, wollen Sie mir nicht sagen, wie viel ich Ihnen schulde?&#8220;, fragte sie und versuchte, die Rechnung zu erhaschen. Sebastian zog sie ihr elegant weg und steckte sie in die Tasche. &#8222;Mylady, Sie schulden mir gar nichts, ich habe Sie eingeladen. Beleidigen Sie mich nicht. Und w\u00e4ren Sie so freundlich, meinen Vornamen zu nutzen?&#8220; Er stand auf und bot ihr den Arm an. &#8222;Sebastian. Sonst nichts. Wir sind gleich alt und von gleichem Stand, und ich w\u00e4re sehr erfreut, wenn Sie sich diese kleine Vetraulichkeit erlauben w\u00fcrden. Ich fand unser Gespr\u00e4ch n\u00e4mlich \u00e4u\u00dferst angenehm.&#8220; Kira lief rot an und stand auf, ohne den angebotenen Arm anzunehmen. &#8222;Sebastian. Danke, Sebastian&#8220;, murmelte sie etwas scheu. &#8222;Ich bin Kira.&#8220; Sebastian lie\u00df den Arm sinken und blickte sie mit einer Mischung aus Hilflosigkeit, Faszination und Am\u00fcsiertheit an. &#8222;Das freut mich, Kira.&#8220; Er begleitete sie zum Droschkenstand, wo Kira rasch Julius Droschke&nbsp;anhand des Pferdes ausmachte. &#8222;Sebastian, die Droschke werde ich nehmen. Ich bin schon heute morgen mit ihm gefahren, er wurde mir empfohlen.&#8220; Sebastian nickte. &#8222;Dann werde ich Sie der f\u00e4higen Empfehlung \u00fcberlassen. Ich hoffe, wir sehen uns wieder?&#8220; Kira nickte etwas z\u00f6gerlich. &#8222;Ja, das w\u00e4re sch\u00f6n. Ich komme bestimmt wieder in die Bibliothek. Mein Buch ist ja nun auch dort geblieben.&#8220; &#8222;Ah, ja, die B\u00fccher. Was habe ich f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass die guten Frauen von ihnen angezogen werden.&#8220; Sebastian half ihr in die Kutsche, sprach noch kurz mit Julius, reichte ihm einige M\u00fcnzen und verabschiedete sich dann mit einer Verbeugung.<\/p>\n\n\n\n<p>Erwartungsgem\u00e4\u00df weigerte Julius sich, Geld von ihr zu nehmen, als er sie vor der Haust\u00fcr absetzte. &#8222;Lord di Ferrus hat mich gro\u00dfz\u00fcgig bezahlt, Mylady.&#8220; Kira dankte in Gedanken Sebastian und dann laut Julius, ehe sie aufs Haus zulief. Ihr war ein wenig mulmig. Es war in der Zwischenzeit dunkel, also bestimmt schon sechs. Hoffentlich war sie nicht zu sp\u00e4t. Abby hat ja keine konkrete Zeit genannt&#8230; Als sie das Haus betrat, riss William die T\u00fcr der K\u00fcche auf, schaute kurz in den Flur und rief dann hinter sich: &#8222;Du kannst aufh\u00f6ren, den Teppich kaputt zu laufen, sie ist hier.&#8220; Die T\u00fcr des Esszimmers ging auf und Abby kam eilig auf sie zu. &#8222;Kira! Den Geistern sei Dank, dir ist nichts passiert! Ich hatte schon Sorge.&#8220; Verlegen schaute Kira zu Boden. &#8222;Entschuldigt. Ich habe in der Bibliothek einfach die Zeit vergessen.&#8220; Und au\u00dferdem bin ich es nicht gewohnt, dass man mich vermisst, f\u00fcgte sie in Gedanken hinzu, schob diesen Gedanken aber rasch beseite. Er passte nicht zu diesem wundervollen und aufregenden Tag. William grinste durch die K\u00fcchent\u00fcr. &#8222;Hab ich dir doch gesagt!&#8220; &#8222;Sie hat keine Kinder, wor\u00fcber soll sie sonst glucken?&#8220;, klang Tobeys Stimme vom Esszimmer her. William grinste noch breiter. &#8222;Das ist aber auch dein Job, nicht unserer! Vielleicht solltest du mal was gegen die Kinderlosigkeit tun!&#8220;, rief er zum Wohnzimmer hin. Abby holte aus und deutete eine Ohrfeige in seine Richtung an. &#8222;William! Untersteh dich! Glaub blo\u00df nicht, ich h\u00e4tte nicht gern Kinder gehabt.&#8220; William duckte sich und floh lachend Richtung K\u00fcche. Kira gluckste leise. Abby, die zum Esszimmer zur\u00fcck ging, sah tats\u00e4chlich etwas traurig aus, aber das ganze Chaos hatte sie auch davon abgelenkt, Kira zu viele Vorw\u00fcrfe zu machen, und daf\u00fcr war Kira William und Tobey dankbar.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Die Bibliothek ist durchaus ein gef\u00e4hrlicher Ort&#8220;, sagte Mitras m\u00f6glichst streng klingend, als er, angelockt von dem kleinen Tumult, die Treppe herunter kam. &#8222;Jedenfalls f\u00fcr schwer besch\u00e4ftigte Menschen.&#8220;, f\u00fcgte er l\u00e4chelnd hinzu. Auch wenn er es unfair von William fand, Abby mit ihrer Kinderlosigkeit aufzuziehen, hatte das Gepl\u00e4nkel ihn doch am\u00fcsiert und seine Stimmung etwas gebessert. &#8222;Ich hoffe, Sie haben Ihren Nachmittag dort genie\u00dfen k\u00f6nnen. Ich f\u00fcr meinen Teil habe dort schon allzu viele Stunden verbracht und so manches Mal die Zeit vergessen.&#8220;<\/em> <em>Kira blickte ihn schuldbewusst an. &#8222;Keine Sorge, Sie sind sp\u00e4t, aber nicht zu sp\u00e4t. Bis zum Abendessen dauert es noch eine Weile und ich habe auch das Bed\u00fcrfnis nach etwas Zerstreuung. H\u00e4tten Sie Lust auf eine weitere Partie Dame?&#8220;&nbsp;Kira sah ihn kurz verbl\u00fcfft an, dann nickte sie. &#8222;Heute scheint wohl mein Tag der Einladungen zu sein. Ich w\u00fcrde mich aber erst gern frisch machen, wenn das geht.&#8220; Mitras zog eine Augenbraue hoch. &#8222;Aha, ist der erste Verehrer bei Ihnen vorstellig geworden?&#8220;, fragte er neckend. Kira lief sofort tiefrot an, er hatte also ins Schwarze getroffen. &#8222;Nein, ich bin nur auf einen Tee eingeladen worden. Kein Verehrer.&#8220; &#8222;Soso.&#8220; Am\u00fcsiert und etwas besorgt betrachtete Mitras sie. Es konnte nat\u00fcrlich Zufall sein, aber er musste vorsichtig sein. Immerhin konnten die di Porrums oder andere von ihr erfahren haben und sich bem\u00fchen, mithilfe eines galanten J\u00fcnglings an sie und somit an seine Geheimnisse zu gelangen. &#8222;Ich bin neugierig, wer war denn der spendable Herr?&#8220; Immer noch tiefrot &#8211; sogar ihre Ohrenspitzen wurden rot, bemerkte er fasziniert- sagte sie: &#8222;Sebastian di Ferrus.&#8220; Er atmete innerlich auf. Sebastian war zwar, nach allem was er geh\u00f6rt hatte, ein kleiner Schweren\u00f6ter, aber komplett harmlos und ein guter Junge. Jedenfalls ging von ihm keinerlei Gefahr aus. &#8222;Ah, Cornelius j\u00fcngster Sohn. Er m\u00fcsste in Ihrem Alter sein, wenn ich mich recht erinnere. Sein Vater und meiner sind alte Gesch\u00e4ftsfreunde und f\u00fcr mich und seinen Bruder Marcus, den 2. Sohn der Familie, gilt das gleiche. Anst\u00e4ndige Menschen sind das, die di Ferrus.&#8220; Kira atmete h\u00f6rbar erleichtert aus und lie\u00df ihre angespannten Schultern sinken. Ihre Ohren nahmen wieder eine normale Farbe an. Interessant, realisierte Mitras, sie hat sich also Sorgen dar\u00fcber gemacht, mit wem sie spricht. &#8222;Sie haben also einen ersten Freund gefunden, das freut mich. Aber seien sie weiterhin vorsichtig, mit wem sie sich einlassen.&#8220; Kira nickte. &#8222;Gut, ich bin im Wintergarten und bereite das Spiel vor, bis gleich.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er ging und holte das Spiel aus dem Speisezimmer, wo Abby gerade mit dem Tisch besch\u00e4ftigt war. Ihre Miene war immer noch leicht s\u00e4uerlich, Tobey versteckte sich demonstrativ hinter einer Zeitung. Er k\u00fcrzte durch die K\u00fcche ab und ermahnte William, dass er sich diesmal&nbsp;vielleicht doch bei Abigail entschuldigen sollte. Der Spa\u00df war doch etwas zu weit gegangen. Dieser lie\u00df schuldbewusst die Schultern h\u00e4ngen. &#8222;Tobey hat angefangen, aber ja, wahrscheinlich hast du recht. Ich warte einen ruhigen Moment ab.&#8220; Mitras ging in den Saal und bog in den Wintergarten ab. Er hatte das Spiel gerade fertig aufgebaut, als Kira&nbsp; auf der anderen Seite den Raum betrat. &#8222;Sie kommen genau richtig, ich bin gerade fertig geworden.&#8220; Er blickte auf und sah, dass sie das Kleid gewechselt hatte. Sie trug nun ein burgunderfarbenes Kleid mit goldenen Bord\u00fcren, dass zwar ihre Taille nicht betonte, weil es nicht geschn\u00fcrt war, daf\u00fcr aber einen Teil der Schultern frei lie\u00df und ihre Oberweite hervorhob. Ihre Haare hatte sie locker nach oben gesteckt. Sie sah wie eine elegante, junge Dame aus, die zu einer entspannten Abendgesellschaft kam, nur der Schmuck fehlte. Wenig war noch von dem sch\u00fcchternen M\u00e4dchen \u00fcber, die vor etwa einer Woche hier das Haus betreten hatte. Er bewunderte ihre rasche Wandlung. Wie ein nicht geschliffener Stein, der nur das richtige Licht brauchte, um zu funkeln, dachte er. Mit einer fl\u00fcssigen Armbewegung schob er ihr den Stuhl zur\u00fcck, und sie setzte sich mit einem eleganten Kopfnicken als Dank. Mitras lie\u00df sich ihr gegen\u00fcber auf die Bankreihe sinken und schob ihr das Spielbrett hin, um sie er\u00f6ffnen zu lassen. Wenn wir sie noch etwas schleifen, dachte er, wird sie ein funkelnder, wundervoller Diamant.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sp\u00e4ter am Abend sa\u00df Mitras allein in seinen Gem\u00e4chern und sann mit einem Glas Wein \u00fcber die letzten Entwicklungen nach. Kiras Erscheinen hatte zwar einiges durcheinander gewirbelt, stellte sich aber als Bereicherung f\u00fcr den Haushalt dar. Das Spiel mit ihr war genau die Ablenkung, die er gebraucht hatte und er bekam langsam das Gef\u00fchl, dass sie sich ihm gegen\u00fcber \u00f6ffnete. Er hatte ihr ein bisschen \u00fcber Sebastians Familie erz\u00e4hlt. Die di Ferrus waren eine der magischen Dynastien Albions und konnten ihre Linie bis ins alte Reich verfolgen. F\u00fcr albionische Verh\u00e4ltnisse war ihre derzeitige Generation aber doch etwas auffallender. Nicht etwa Cornelius trug urpr\u00fcnglich den Titel des Barons, sondern seine Frau. Er selbst war b\u00fcrgerlicher Herkunft und kannte wiederum Mitras Vater schon seit Ewigkeiten. Die beiden waren Gesch\u00e4ftspartner und enge Freunde. Sie hatten sich damals zu einer Kooperation zusammengeschlossen, um eine neue Edelsteinmine in Ferrus zu erschlie\u00dfen. Dabei hatte Cornelius es hinbekommen, sich unsterblich in die junge Baronin Felicia di Ferrus zu verlieben und noch au\u00dfergew\u00f6hnlicher, sie erwiderte diese Gef\u00fchle auch noch. Sie war die letzte der Linie di Ferrus und hatte ihre Eltern schon fr\u00fch an eine Seuche verloren. Mitras hatte sie immer bewundert. Sie hatte es nicht nur geschafft ihre Baronie zu halten, sie war auch zu einer sehr kompetenten Magierin geworden, eine durchweg starke Frau, die nun ihre Position und ihr Verm\u00f6gen, dass ihr t\u00fcchtiger Mann stetig mehrte, einsetzte, um sich f\u00fcr die Rechte der Frauen im Reich einzusetzen. Mitras hatte diese Ungleichheit nie verstanden. In seinen Augen gab es, mal abgesehen von einigen physiologischen Merkmalen, keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Gerade Magierinnen wie Felicia zeigten doch, dass sie ihren m\u00e4nnlichen Kollegen in nichts nachstanden und doch hatten gerade die Traditionalisten wie Thadeus nichts als Verachtung f\u00fcr sie \u00fcbrig. Unter den Progressiven hingegen geno\u00df sie einen au\u00dfergew\u00f6hnlich guten Ruf. Sie war gut mit Nathanael befreundet und z\u00e4hlte ebenfalls zu Mitras Unterst\u00fctzern, auch wenn sie als Elementarmagierin wenig Einflu\u00df in der Gilde der Ver\u00e4nderung, Verwandlung und Heilung hatte. Aber genauso wie Nathanael geno\u00df sie die Gunst des K\u00f6nigs und auch in der Generalit\u00e4t h\u00f6rte man auf sie. War es doch ihr Eisen, dass die Armee bewaffnete.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Mittlerweile hatte sich die Anzahl der di Ferrus auch wieder vergr\u00f6\u00dfert. Vier Kinder hatten die beiden bekommen, der \u00c4lteste war \u00e4lter als Mitras und wie seine Mutter Elementarmagier. Sohn Nummer zwei, Marcus, kam ganz nach dem Vater und w\u00fcrde dessen Handelshaus und die Verwaltung der Baronie \u00fcbernehmen, wenn ihr Vater sich zur Ruhe setzte. Er war genauso alt wie Mitras und die beiden verstanden sich pr\u00e4chtig. Sebastian und seine junge Schwester Stella kannte Mitras hingegen kaum trotz der Tatsache, dass sie auch der Schule der Verwandlung angeh\u00f6rte. W\u00e4re sie zwei oder drei Jahre j\u00fcnger, h\u00e4tte Nathanael es sicher so gedreht, dass sie seine erste Discipula geworden w\u00e4re. Aber so war er noch nicht mal Magister gewesen, als ihr Talent entdeckt worden war. Und mit Kira hatte er es nun auch nicht schechter getroffen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Als seine Gedanken wieder auf seine Sch\u00fclerin zur\u00fcck kamen, beschlo\u00df er noch einmal nach ihr zu sehen und ging zum Spiegel. Leicht benebelt vom Wein wischte er den Gedanken beiseite, dass dieser Eingriff in ihre Privatsph\u00e4re unangemessen sei. Er wollte ja nur sicher gehen, dass sie nicht wieder bis tief in die Nacht lernte, sagte er sich selbst. Tats\u00e4chlich lag sie aber schon im Bett und schlief tief und fest. Ihr Gesicht war zum Spiegel gewandt und v\u00f6llig entspannt. Eine Woge der Zuneigung stieg in ihm auf, v\u00e4terlicher Stolz, dachte er sich. Geistesabwesend betrachtete er sie eine Weile und dachte so vor sich hin, dass es ihm gar nicht so recht war, wenn ein Frauenheld wie Sebastian sich an seine Kira heranmachte, sei er auch noch so ein guter Kerl.<\/em> <em>Sie sah einfach zu h\u00fcbsch aus&#8230; Der Gedanke, jemand k\u00f6nnte ihr zu nahe kommen, sie verletzen, versetzte ihm einen scharfen Stich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Von diesem kurzen Gef\u00fchl hochgeschreckt, sammelte Mitras sich wieder und deaktivierte den Spiegel. Sebastian hatte einen gewissen Ruf weg, aber er war wirklich kein schlechter Mensch. Er wusste das Wort nein richtig aufzufassen und soweit Mitras wusste, gab es bisher nie Beschwerden \u00fcber ihn. Und was Kira anging, so hatte er ihr im Zuge des Spiels auch erkl\u00e4rt, dass sie vorsichtig mit allzu freundlichen Menschen sein musste, da seine Feinde sicher fr\u00fcher oder sp\u00e4ter versuchen w\u00fcrden, \u00fcber sie an ihn heran zu kommen. Sie war nicht dumm und hatte seine Sorgen sofort verstanden. Vielleicht war er auch einfach nur zu empfindlich. Ja, sie war seine erste Sch\u00fclerin und ja, seine Lage war au\u00dfergew\u00f6hnlich, aber deswegen musste er ja nicht ihre Kontakte einschr\u00e4nken. Er sollte nicht so paranoid sein, dachte er sich.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem er das Fr\u00fchst\u00fcck beendet hatte, war er schlafen gegangen, doch heute war ihm keine Ruhe verg\u00f6nnt. Gegen elf Uhr wurde er von William geweckt. Er hatte Besuch, Magister Grimaldus di Scuti, der verantwortliche Magier f\u00fcr die Auswertung und Nutzbarmachung des Elektrums der Generalit\u00e4t, war gekommen, um ihn zu sprechen. 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