{"id":52,"date":"2024-04-15T00:27:22","date_gmt":"2024-04-15T00:27:22","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=52"},"modified":"2024-04-15T00:27:22","modified_gmt":"2024-04-15T00:27:22","slug":"alte-fehden-14-lunet-ingastag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/04\/15\/alte-fehden-14-lunet-ingastag\/","title":{"rendered":"Alte Fehden &#8211; 14.Lunet (Ingastag)"},"content":{"rendered":"\n<p>Am n\u00e4chsten Tag erwachte Kira bereits fr\u00fch, was nicht so verwunderlich war, sie war auch zeitig ins Bett gegangen. Es war noch still im Haus, also griff sie sich ihr Lehrbuch des Tages &#8222;Wort und Sinn&#8220; und begann noch im Bett zu lesen. Der Titel hatte ihr nichts gesagt, aber sie stellte schon nach einigen Seiten fest, dass das Thema &#8211; Philosophie &#8211; sie durchaus interessierte. Albion hatte schon vor vielen hundert Jahren den Staat und die meisten gesellschaftlichen Strukturen von religi\u00f6sen Anwandlungen befreit, doch es waren viele starke philosophische Schulen geblieben, deren Kenntnis zumindest f\u00fcr den Adel und das h\u00f6here B\u00fcrgertum selbstverst\u00e4ndlich zur Allgemeinbildung geh\u00f6rte. Im Fernunterricht war es aber kein wichtiger Bestandteil gewesen &#8211; nur ihr Sprachenlehrer hatte zeitweilig darauf verwiesen und bem\u00e4ngelt, dass es f\u00fcr die &#8222;sch\u00f6ne Kunst von Geist und dem eleganten Ausdruck des Denkbaren in wohlgef\u00e4lligen Worten&#8220; zu wenig Raum im materialbasierten Unterricht g\u00e4be, denn &#8222;nur das Gespr\u00e4ch von Angesicht zu Angesicht kann den Geist erwecken und die Seele erquicken, wohingegen das geschriebene Wort seiner Seele beraubt und mechanisch zu werden droht&#8220;. Schon in der Einleitung hatte Kira das Gef\u00fchl, dass ihr alter Lehrer mit dem vorliegenden Werk seine wahre Freude gehabt h\u00e4tte. Die S\u00e4tze klangen elegant und tiefgr\u00fcndig, aber die Gedanken dahinter waren komplex, manchmal auch verborgen. Manche S\u00e4tze musste sie mehrfach lesen, einige las sie sich sogar selbst vor, um den Sinn zu verstehen. Obwohl es keine gute Bettlekt\u00fcre war, geno\u00df sie die Herausforderung. Nach einer Weile stand sie allerdings ganz auf, zog sich erstmal an und setzte sich dann an den Tisch, damit sie nebenbei Notizen machen konnte. Bis sie Mitras gegen acht auf dem Gang h\u00f6rte, hatte sie bereits eine kleine Tabelle angelegt, in die sie die vier gro\u00dfen&nbsp; Str\u00f6mungen zur Frage, was gutes Handeln sei, eintragen wollte und eine Liste mit Namen der Philosophen angelegt, die im Text erw\u00e4hnt wurden. Sie legte ihr Material beseite und ging in den Flur. Mitras lief vor ihr, und sie gr\u00fc\u00dfte ihn, was er freundlich erwiderte. Gemeinsam gingen sie zum Fr\u00fchst\u00fcck, wo Abby sie bat, f\u00fcr eine Anprobe ins Gesindehaus zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kira folgte ihr gleich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck dorthin, und Abby pr\u00e4sentierte ihr stolz die fertige Robe. &#8222;Du kannst sie hier im Haus tragen, wenn Mitras mit dir \u00fcbt. Sie ist zur Magieaus\u00fcbung gedacht, die silbernen F\u00e4den helfen angeblich bei der Konzentration oder so.&#8220; Kira drehte sich stolz und bewunderte sowohl den feinen Stoff als auch die Tatsache, dass Abigail sowohl den klassischen Schnitt eindeutig getroffen hatte als&nbsp;ihm auch einen frischen, weiblichen Anstrich zu geben. Danach sollte sie das gebl\u00fcmte Korsett anprobieren, und Abby ruckelte ein wenig an den St\u00e4ben herum, erw\u00e4rmte sie, steckte sie wieder in die Taschen und formte sie, so dass sie sich ganz an Kiras K\u00f6rperbau anpassten. Zum Schluss steckte sie noch den passenden gr\u00fcnen Rock ab, dann war es schon Zeit f\u00fcrs Mittagessen. Mitras war nicht da, also a\u00df Kira mit Abby, Tobey und William und ging dann nach oben, um weiter zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck machte Mitras sich f\u00fcr seinen Besuch bei der Schule fertig. Er w\u00e4hlte eine eher schlichte Robe, die eher f\u00fcr das Labor als f\u00fcr einen \u00f6ffentlichen Anlass geeignet war, f\u00fcgte aber ein paar Details wie das k\u00f6nigliche Siegel und einem Satz Manschetten, die er von Nathanael geschenkt bekommen hatte,&nbsp;hinzu. Thadeus wurde nicht m\u00fcde auf seinem Titel herumzureiten, aber sein Kleidungsstil war eher schlicht. Das pomp\u00f6se lag ihm nicht, in diesem einen Punkt waren sie sich tats\u00e4chlich einig. Mitras hatte diese Robe bewusst gew\u00e4hlt, nicht weil ihre Schlichtheit Thadeus imponieren k\u00f6nnte, sondern weil sie schlicht bequem war und er sie sich f\u00fcr diesen Anlass erlauben konnte.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Er verabschiedete sich noch bei William und verlie\u00df das Haus Richtung Droschkenstand. Er hatte Gl\u00fcck,der Kutscher Julius hielt gerade hier und er mietete ihn f\u00fcr die Fahrt zum Schulgeb\u00e4ude. Die Schule war gar nicht so weit weg, aber er hatte nicht die Ruhe die Strecke zu Fu\u00df zu laufen. Die Gilde hatte ihre Geb\u00e4ude erst vor zehn Jahren bezogen und hatte dabei die Schule von Uldum mit der Zentrale der Gilde zusammen gelegt. Er selbst war noch in der alten Schule unterrichtet worden, aber nun bildete das Gildenhaus mit den Schulgeb\u00e4uden und den dazu geh\u00f6renden Wohnh\u00e4usern f\u00fcr die Internatssch\u00fcler einen eigenen Campus am Rande des Aristrokratenviertels und der Stadt. Die Bezeichnung Gildenhaus war dabei sehr bescheiden gew\u00e4hlt, war das Geb\u00e4ude doch eines der gr\u00f6\u00dften der Stadt. Nur einige der wichtigeren Ministerien und der neue Palast waren gr\u00f6\u00dfer. Selbst das Gildenhaus der Elementarmagier war kleiner, was aber prim\u00e4r daran lag, dass die Gilde der Verwandlung schlicht die Wohlhabenste der Magiergilden war. Frieden war gut f\u00fcr das Gesch\u00e4ft.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Gildenhaus war das Verwaltungszentrum der Gilde. Es beherbergte die Sitzungsr\u00e4ume des Gildenrats, das B\u00fcro der Gildenadvokaten&nbsp;und das des Schatzmeisters und das Gildenarchiv mit der gro\u00dfen Bibliothek. Letztere war durch einen kurzen Gang mit der Schulbibliothek verbunden. Sein Freund und Mentor Nathanael hatte es vor ein paar Jahren geschafft und war zum Magus gew\u00e4hlt worden, dem Leiter der Gilde. Leider begann seine Amtszeit erst nachdem sein Vorg\u00e4nger Thadeus zum Leiter der Uldumer Schule ernannt hatte. Nathanael h\u00e4tte ihn nie ernannt, so aber war Thadeus noch an dieses wichtige Amt gekommen. Offiziell standen die Leiter der f\u00fcnf Schulen in der Gilde auf einer Stufe mit anderen W\u00fcrdentr\u00e4gern, wie dem Schatzmeister oder dem Gildenrichter. Da die gildeninterne Forschung aber von den Professoren und deren Mitarbeitern an den Schulen durchgef\u00fchrt wurde, standen die Schulleiter fast auf einer Stufe mit dem stellvertretenden Gildenleiter. Die Schule in Uldum konkurierte dabei immer mit der in Berg darum, die wichtigste der f\u00fcnf Schulen zu sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die eigentliche Schule bestand aus vier Geb\u00e4uden. Zwei davon waren gro\u00dfe&nbsp;H\u00f6rs\u00e4le, dann gab es noch ein&nbsp;Seminargeb\u00e4ude und das Hauptgeb\u00e4ude, in dem unter anderem die Schulbibliothek und&nbsp;die Verwaltung und damit auch Thadeus B\u00fcro untergebracht waren. Die R\u00e4umlichkeiten des Schulleiters lagen im Erdgescho\u00df. Eine Sekr\u00e4terin k\u00fcndigte ihn an und Mitras trat ein. Genauso wie seine Kleidung, hielt Thadeus auch sein B\u00fcro sehr schlicht. Es wurde von einem simplen, gro\u00dfen, aber trotzdem eleganten Schreibtisch dominiert. Vor diesem standen zwei einfache Sessel, w\u00e4hrend Thadeus in einem etwas gr\u00f6\u00dferen sa\u00df. An den W\u00e4nden standen Regale voller B\u00fccher und Akten.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Guten Morgen, Erzmagier di Hedera.&#8220; begr\u00fc\u00dfte Mitras seinen verhassten Meister f\u00f6rmlich. &#8222;Ah, guten Morgen Mitras. Hat sich deine neue Sch\u00fclerin schon gut eingelebt?&#8220;, fragte Thadeus in einem abf\u00e4lligen Tonfall. Mitras hatte sich vorgenommen Kiras hohen Wissensstand nicht zu erw\u00e4hnen und die Matheprobleme weiter aufzubauschen. Thadeus hatte vor gehabt ihm ein faules Ei unter zu schieben und Kira dabei komplett untersch\u00e4tzt. Sollte er ruhig weiter glauben, dass Kira nur ein dummes M\u00e4dchen vom Land war, er w\u00fcrde es ihm schon zeigen. Kira hatte Potential und wenn er sie richtig ausbildete, sollte sie die Aufnahme ohne Probleme schaffen und auch einen ser guten Abschluss erreichen. &#8222;Sie weist einige Defizite in der Mathematik auf und ist noch recht versch\u00fcchtert von der Gr\u00f6\u00dfe Uldums, aber das wird schon noch&#8220;, erwiderte Mitras mit einem leicht resignierenden Tonfall. Der Erzmagier verzog s\u00e4uerlich das Gesicht, &#8222;Nun, vielleicht habe ich dir zuviel zugemutet.&nbsp;Deine Forschungen werden sich ja nun intensivieren m\u00fcssen, sonst h\u00e4ttest du dich nicht von der Generalit\u00e4t hierher schicken lassen. Ich bin mir nicht sicher, ob ein derart unerfahrener Magister beiden Aufgaben gewachsen ist und es w\u00e4re doch schade, wenn das H\u00e4ndlersm\u00e4dchen dadurch noch st\u00e4rker benachteiligt wird, als es eh schon der Fall ist, so ganz ohne professionelle Vorbereitung durch ein erfahrenes Elternhaus. W\u00e4re es da nicht sinnvoller, wenn du dich ganz auf deine Sch\u00fclerin konzentrierst und deine Forschung samt Patent an einen erfahreneren Magister abgibst? Wobei &#8230;&#8220; Thadeus grinste ihn gemein an. &#8222;Selbst wenn du deine Zeit nur auf sie verwendest, wird sie scheitern. Immerhin habe ich f\u00fcr deine Ausbildung auch zwei Jahre gebraucht, zwei verlorene Jahre. Da wirst du es wohl kaum in einem schaffen.&#8220; Mitras ignorierte die Aussage, die Generalit\u00e4t h\u00e4tte ihn geschickt. Es stimmte, auch wenn er es nicht zugeben wollte. Stattdessen erwiderte er das Grinsen mit einer wegwerfenden Handbewegung. &#8222;Oh, keine Sorge, ich bin sehr wohl im Stande beides zu meiner vollen Zufriedenheit und zum besten meiner Discipula auszuf\u00fcllen. Im \u00dcbrigen, an wen w\u00fcrdet Ihr die Forschung denn weiter geben wollen? Ich musste meine Sicherheitsvorkehrungen schon stark ausbauen. Wollt ihr es gleich eurem Fehlschlag von einem Proteg\u00e9 di Porrum \u00fcberreichen? Ich hatte erst k\u00fcrzlich wieder eine spontane &#8218;Unterredung&#8216; mit ihm und seinem Bruder und kann nicht bef\u00fcrworten, dass diese beiden auch nur einen Finger an das Elektrum legen.&#8220; Bei den letzten S\u00e4tzen spannte sich Thadeus sichtlich an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Secus war einst, wie Mitras, ein Sch\u00fcler von Thadeus gewesen. Nur dass er aus einer Magierfamilie stammte und Thadeus ihn deswegen ganz anders behandelte. So hatte er \u00fcber die Jahre viele Schw\u00e4chen seines Sch\u00fclers gedeckt. Erst als bekannt wurde, dass dieser massiven Wissensdiebstahl betrieben hatte, um in den Rang eines Magisters aufzusteigen, hatte Thadeus ihn eiskalt abserviert, oberfl\u00e4chlich zumindest. Thadeus hatte die Untersuchung nach den ersten Ger\u00fcchten selbst \u00fcbernommen und die Verfehlungen seines Sch\u00fclers aufgedeckt. Sein geradezu skrupelloses Vorgehen hatte dem alten Magus imponiert und da die Stelle des Schulleiters von Uldum gerade vakant war, hatte er Thadeus auf diesen Posten gehoben. Secus hatte in der Folge Reue gezeigt und es war nicht zum Zerw\u00fcrfnis zwischen den beiden gekommen, noch nicht. Mitras glaubte, dass das ganze ein abgekartetes Spiel gewesen war. Es passte f\u00fcr Thadeus alles zu sehr. Aber nicht einmal ein Jahr sp\u00e4ter fiel die weitergef\u00fchrte Freundschaft zu seinem gefallenen Sch\u00fcler wieder auf ihn zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Thadeus hatte mit seinen Traditionalisten immer weiter Fu\u00df in der Gilde gefasst und hatte es geschafft mit den Konservativen ein B\u00fcndnis zu schlie\u00dfen, um den Zugang zur Schule in Uldum auf Sch\u00fcler mit klarer magischer Abstammung zu begrenzen. Parallel dazu hielt di Porrum eine \u00f6ffentliche Rede, die geradezu rei\u00dferisch kriegstreibend war. Dies f\u00fchrte dann zum Bruch zwischen den beiden, da Thadeus klarer Kriegsgegner war. Die Rede hatte aber auch viele Konservative, ebenfalls eher Kriegsgegner, aufgeschreckt. Trotz des Bruchs f\u00fchrte Thadeus Verbindung zu Secus dazu, dass das B\u00fcndnis wieder gel\u00f6st wurde und die Traditionalisten die Abstimmung verloren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Gruppierungen innerhalb der Gilde basierten auf den entsprechenden&nbsp;Parteien des Parlaments. Es fanden sich zwar nicht alle Parteien in den Gilden wieder, aber die gr\u00f6\u00dften Gruppierungen hatten in Form der Konservativen und der Progressiven ihre Gegenst\u00fccke. Einzig die Traditionalisten waren eine rein magische Gruppierung, die es aber mittlerweile&nbsp;in allen Gilden gab. Sie waren Gestrenge, die davon \u00fcberzeugt waren, dass sich das magische Potential nur durch Verbindungen unter den bereits magischen Geschlechtern steigern lie\u00df und dass Empork\u00f6mmlinge, wie sie Magier wie Mitras oder Kira, die aus nichtmagischen Verh\u00e4ltnissen stammten, nannten, zu vermeiden waren. Viele ihrer weiteren Ansichten deckten sich mit denen der Konservativen. Zus\u00e4tzlich zog sich noch einmal eine weitere Linie quer durch alle Fraktionen im Parlament wie in den Gildenr\u00e4ten, die die einzelnen Parteien innerlich spaltete. N\u00e4mlich die nach der Frage ob Albion, gest\u00fctzt auf seinem technologischen und magischen Fortschritt, expandieren&nbsp;oder den Frieden aufrecht erhalten sollte.<\/em> <em>Der derzeitige K\u00f6nig Elos di Leonidas hielt sich in diesen Fragen derzeit leider weit zur\u00fcck, was den einzelnen Gruppen zu viel Raum gab, ihre eigenen Pl\u00e4ne voranzutreiben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach ihrem Streit fanden sich Thadeus und Secus&nbsp;auf unterschiedlichen Seiten dieser Linie wieder. W\u00e4hrend Thadeus klarer Pazifist war, hatte sich Secus den Bellizisten angeschlossen und dr\u00e4ngte wie sein Freund di Scuti sehr auf eine verst\u00e4rkte Kriegsvorbereitung. Mitras hatte di Scuti mit seinem Angebot an die Generalit\u00e4t gut in die H\u00e4nde gespielt, was so ziemlich das Letzte war, was er wollte. Er hatte die Wissenschaftler innerhalb der Generalit\u00e4t untersch\u00e4tzt und war davon ausgegangen, dass sie das Elektrum als neues Material f\u00fcr die Nahkampfwaffenfertigung nutzen w\u00fcrden. Aber dass sie nun magische Waffen erforschten, hatte ihm deutlich vor Augen gef\u00fchrt, wie naiv er gewesen war. Es war so naheliegend &#8211; aber er hatte es nicht sehen wollen, war zu sehr auf das Geld aus gewesen. Es nagte jeden Tag an ihm.<\/em> <em>Thadeus hatte ihn vorher schon nicht gemocht &#8211; aber als Mitras Forschungen und seine Nutzungsm\u00f6glichkeiten bekannt geworden waren, hatte er Mitras \u00f6ffentlich als &#8222;entt\u00e4uschenden Bellizisten&#8220; betitelt, obwohl er genau wusste, dass dies niemals Mitras Absichten gewesen waren. Vermutlich w\u00fcrde er die Forschung nur deswegen \u00fcbernehmen, um sie zu verz\u00f6gern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;In einem Punkt habt allerdings Ihr recht, Erzmagier&#8220;, fuhr Mitras fort, nachdem er den kleinen Thriumph ausgekostet hatte, den Thadeus offensichtlicher \u00c4rger bei ihm ausgel\u00f6st hatte. &#8222;Ich brauche Unterst\u00fctzung bei der Erforschung des Materials. Meine private Ausr\u00fcstung ist gut, aber der Schule stehen da nun einmal noch ganz andere Mittel zur Verf\u00fcgung. Ich suche weiterhin nach zivilen Nutzungsm\u00f6glichkeiten und w\u00fcrde mich \u00fcber Unterst\u00fctzung daf\u00fcr sehr freuen. Der Abfluss an Material zur Generalit\u00e4t ist jetzt schon zu gro\u00df und wird sich nun noch weiter vergr\u00f6\u00dfern, da w\u00e4re es vom Vorteil, wenn wir dem K\u00f6nig etwas pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, dass ihn davon \u00fcberzeugt, alle Mittel auf eben diese zivile Nutzung umzulenken.&#8220;, f\u00fchrte Mitras sachlich aus. &#8222;Ja, das w\u00e4re was.&#8220; Thadeus l\u00e4chelte auf eine seltsame, gemeine Art. &#8222;Zu bl\u00f6d nur, dass sich das Elektrum nur zu zweierlei Arten verwenden l\u00e4sst, als Waffe und als Spielkram, oder verfolgt ihr immer noch euren l\u00e4cherlichen Ansatz und spielt mit Elektrizit\u00e4t herum?&#8220; Thadeus hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die gesamte elektrische Entwicklung f\u00fcr Humbug hielt. Warum echte Kerzen oder gar magische Beleuchtung, wie er sie in seinem B\u00fcro einsetzte, durch h\u00e4\u00dfliche Gl\u00fchbirnen ersetzen? Dass die \u00e4rmeren sich Magie einfach nur als Lichtquelle genutzt noch nicht einmal vorstellen konnten und Kerzen teuer waren, daran verschwendete er keinen einzigen Gedanken. Auch f\u00fcr die sonstigen Nutzungsm\u00f6glichkeit in Motoren war er viel zu fantasielos.&#8220;Wenigstens versucht ihr nicht weiter, noch gr\u00f6\u00dfere Waffen aus dem Zeug zu machen, wie dieser Brandstifter di Scuti. Ich musste mich neulich mit ihm unterhalten. Da ist wenigstens ein bisschen was von meiner gro\u00dfz\u00fcgigen Erziehung bei euch h\u00e4ngen geblieben.&#8220; Mitras erwiderte m\u00f6glichst beherrscht: &#8222;Erzmagier, ich kenne eure Meinung dazu. Ja, ich wei\u00df, dass ich diese Bedrohung in die Welt gesetzt habe und glaubt mir, das bereue ich jeden Tag aufs Neue. Aber es gibt andere Nutzungsm\u00f6glichkeiten, nur muss das Material daf\u00fcr umfassender erforscht werden, als es mir bisher bewusst war. Ihr wollt di Scuti eins auswischen? Dann unterst\u00fctzt mich dahingehend. Ich wei\u00df, was Ihr von mir haltet und glaubt mir, meine Meinung \u00fcber Euch ist kaum besser.&#8220; Thadeus blickte mit von Wut ger\u00f6tetem Gesicht auf und zischte ihn derart an, dass Spuckefetzen \u00fcber den Tisch flogen: &#8222;Elender Empork\u00f6mmling, wie kannst du es wagen, so mit mir zu reden!&#8220; Mitras trat einen Schritt zur\u00fcck und antwortete k\u00fchl, demonstrativ das Siegel zurechtr\u00fcckend: &#8222;Vielleicht solltet Ihr euch einmal darauf besinnen, Erzmagier, wen Ihr vor euch habt. Recht meiner eigenen Leistung, bin ich Graf Magister Mitras di Venaris, Tr\u00e4ger des k\u00f6niglichen Siegels. Ich bitte Sie nun nocheinmal h\u00f6flichst, die Machtspiele sein zu lassen und mir die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung zukommen zu lassen, um die Forschung in die richtige Richtung zu forcieren. Der Magus wird mir in dieser Sache sicher zustimmen und die Generalit\u00e4t sitzt uns beiden im Nacken, nicht wahr?&#8220; Thadeus war tiefrot geworden, die Anspannung lie\u00df seinen Kiefer mahlen. Gerade das Mitras seinen Grafentitel mit einbrachte, hatte Wirkung. Auch den h\u00f6heren Titel, der eigentlich einem geb\u00fcrtigen Adligen oder einem Erzmagier vorbehalten war, hatte er verliehen bekommen, als ersichtlich wurde, welchen Verdienst er der Wissenschaft erbracht hatte. M\u00fchsam beruhigte sich Thadeus wieder. &#8222;Also gut &#8218;Lord&#8216; Mitras. Ich werde sehen, was ich tun kann. Ich habe einige vertrauensvolle Mitarbeiter, die darauf brennen etwas derartiges in die Finger zu bekommen und die diskret und zuverl\u00e4ssig genug sind, die n\u00f6tige Sicherheit aufrecht zu erhalten.&#8220;, presste er z\u00e4hneknirschend hervor. &#8222;Professor di Camino wird sich damit befassen k\u00f6nnen.&#8220; f\u00fcgte er schon sichtlich ruhiger hinzu. &#8222;Ich danke Euch. Ich kann binnen zwei Wochen die H\u00e4lfte der von der Generalit\u00e4t&nbsp;angeforderten Menge bereitstellen. Die andere H\u00e4lfte werde ich bis zur Mitte des n\u00e4chsten Monats liefern k\u00f6nnen. Sie erhalten Zugriff auf alle meine Forschungsunterlagen, mit Ausnahme der n\u00f6tigen Formeln zur Erzeugung der Legierung. Da es sich dabei um ein Geheimpatent handelt und es die Sicherheit des Reiches ber\u00fchrt, sehe ich mich au\u00dfer Lage es aus der Hand zu geben. Aber das verstehen Sie ja sicherlich.&#8220;, erwiderte Mitras kalt, aber in einem h\u00f6flichen Tonfall. &#8222;Gut, dann k\u00f6nnen Sie gehen.&#8220; Mitras verneigte sich knapp, gerade so, dass es noch angemessen war. &#8222;Ich w\u00fcnsche Ihnen einen sch\u00f6nen Tag, Erzmagier.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das war zu einfach gewesen. Insbesondere nachdem Mitras ihm so deutlich gesagt hatte, was er von ihm hielt. Thadeus war ein rachs\u00fcchtiger Mann, aber dass er ausgerechnet di Camino damit betraute, war ein klarer Erfolg f\u00fcr Mitras. Sollte es jedenfalls sein, denn di Camino war sowohl in der mineralogischen Alchemie als auch in der Ver\u00e4nderung von Materie ein Meister. Mitras wusste nicht, wo der Professor politisch stand, aber seine Unterst\u00fctzung bei der Forschung zu erhalten war wertvoll. Zu wertvoll, Thadeus hatte in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, dass er das Elektrum f\u00fcr zu gef\u00e4hrlich hielt und dass er sich keinen sinnvollen Nutzen au\u00dfer Kriegsger\u00e4t vorstellen konnte. Mitras hatte fest damit gerechnet, dass sein Meister versuchen w\u00fcrde ihn und die Forschung an sich zu bremsen. Warum betraute er jemanden, der wirklich kompetent war? Mitras beschloss seinem Freund und Mentor Nathanael einen Besuch abzustatten. Er konnte sicher etwas Licht ins Dunkel bringen. Rasch verlie\u00df er das Schulgeb\u00e4ude und ging schnellen Schrittes zum Gildenhaus hin\u00fcber. Er kam jedoch nicht weiter als bis zur Sekret\u00e4rin des Magus, da dieser au\u00dfer Haus war. Mitras ersuchte sie, ihn um einen Termin zu bitten und ging den Weg nach Hause zu Fu\u00df.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nathanael war ein bemerkenswerter Mann. W\u00e4hrend sein Vater aus einer der alten Adelsfamilien stammte, war seine Mutter aus dem S\u00fcden geflohen. Mitras wusste nicht, was die beiden zusammen gebracht hatte, aber nach Nathanaels Erz\u00e4hlungen war sie eine einmalige Frau gewesen. Ihr verdankte er aber auch sein gr\u00f6\u00dftes Hemmnis, seinen dunklen Teint. Die Gesellschaft in Uldum war im Allgemeinen recht weltoffen. Das galt aber nicht f\u00fcr die h\u00f6heren Kreise. Unter den h\u00f6heren Adligen, insbesondere in den Reihen der Konservativen, herrschte ein latenter Rassismus gegen die Skir und die Menschen des S\u00fcdens vor und Nathanael hatte diesen oft genug zu sp\u00fcren bekommen. Auch Kira w\u00fcrde es vielleicht merken, sollte sie weiter aufsteigen. Nathanael hatte sich davon nicht beirren lassen. Als Leiter der Bibliothek hatte er dann letztendlich den vorletzten Magus dazu gebracht, dass Mitras zu Thadeus Sch\u00fcler wurde. Allerdings hatte er dabei keine b\u00f6sen Absichten gehabt, wie er Mitras sp\u00e4ter einmal erz\u00e4hlte. Er hatte Thadeus auf diesem Wege eigentlich davon \u00fcberzeugen wollen, dass auch Magier ohne langen Stammbaum ein gro\u00dfes Potential haben k\u00f6nnen. Als absehbar war, dass dieser Versuch gescheitert war, hatte Nathanael den mittlerweile eingeschulten Mitras unter seine Fittiche genommen. Bis zur Einschulung hatte Thadeus, wenn auch unter permanentem Lammentieren, Mitras Ausbildung konsequent voran getrieben. Ein Scheitern seines Sch\u00fclers w\u00e4re auch klar auf ihn zur\u00fcck gefallen. Mit der Einschulung war Mitras aber selbst f\u00fcr sein Vorankommen verantwortlich gewesen. Jeder anst\u00e4ndige Meister h\u00e4tte&nbsp;trotzdem seine Unterst\u00fctzung nicht eingestellt, aber Thadeus wollte ihn scheitern sehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>So hatte er Nathanael kennen gelernt und mit der Zeit waren sie trotz des gro\u00dfen Altersunterschieds gute Freunde geworden. \u00dcber seinen Mentor und ihre gemeinsame Geschichte zu sinnieren, lenkte ihn von seinen Sorgen rund um Thadeus Pl\u00e4ne ab, bis er zu Hause war. Er hatte nun noch ein paar Stunden, bis es Zeit f\u00fcr das n\u00e4chste Lehrgespr\u00e4ch war. Er beschloss sich eine Tasse Tee zu holen, etwas zu entspannen, um auf andere Gedanken zu kommen.&nbsp;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am n\u00e4chsten Tag erwachte Kira bereits fr\u00fch, was nicht so verwunderlich war, sie war auch zeitig ins Bett gegangen. Es war noch still im Haus, also griff sie sich ihr Lehrbuch des Tages &#8222;Wort und Sinn&#8220; und begann noch im Bett zu lesen. 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