{"id":67,"date":"2024-05-26T15:33:58","date_gmt":"2024-05-26T15:33:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=67"},"modified":"2024-05-21T15:35:39","modified_gmt":"2024-05-21T15:35:39","slug":"helfende-hand-20-und-21-lunet-242-ingas-und-schengstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/05\/26\/helfende-hand-20-und-21-lunet-242-ingas-und-schengstag\/","title":{"rendered":"Helfende Hand &#8211;\u00a020. und 21. Lunet 242 (Ingas und Schengstag)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am n\u00e4chsten Nachmittag erbat sich Kira, in die Stadt gehen zu d\u00fcrfen. Eigentlich hatte sie sich gestern schon mit Sebastian treffen wollen, aber \u00fcber das Kanalisieren v\u00f6llig vergessen, dass sie sich vorgenommen hatte, jeden Uldumstag in die Bibliothek zu gehen. Mitras, der ein wenig abwesend wirkte, nickte ihren Wunsch ohne Nachfragen ab, und so lief sie nach dem Mittagessen zur Kutschenstation. Julius zu finden, war nicht schwierig, und er brachte sie erst zum Postamt, wo sie einen ganzen Silberling f\u00fcr den Brief bezahlen musste, und dann zur Altstadt. Die ganze Zeit sp\u00fcrte sie, wie die Magie um sie herum flo\u00df und sie sie ein- und ausatmete. Wie neugeboren. N\u00e4her am Fluss stellte sie fest, war die Magie anders, st\u00e4rker, aber auch k\u00e4lter, leichter zu greifen, aber auch schneidener, schwieriger zu halten, und sie gab sich M\u00fche, nicht zu viel zu atmen, w\u00e4hrend sie \u00fcber die Br\u00fccke fuhren. Sie bef\u00fcrchtete, die Magie k\u00f6nnte ihr wieder entgleiten.<br>Sebastian entdeckte sie zwar rasch, als sie in die Bibliothek kam, aber er war in ein Gespr\u00e4ch mit einer h\u00fcbschen blonden Frau vertieft und schien sie nicht zu bemerken, also suchte sie sich aus der Abteilung der B\u00fccher \u00fcber Magie einige interessante Titel heraus, zog&nbsp;sich an einen Tisch in der N\u00e4he zur\u00fcck und begann zu lesen. Zun\u00e4chst griff sie sich das Buch \u00fcber die unterschiedlichen Magiearten, das sie schon beim letzten Mal gelesen hatte. &#8222;Von Hexen, D\u00e4monen und der rechten Magie. Ein Streifzug durch internationale Magieanwendungen.&#8220; Diesmal schlug sie gezielt das Kapitel zu den Skirhexen auf. Der Autor des Buches hatte Burnias offenbar besucht, denn auf der ersten Seite fand sie ein Bild, dass sie im Original schon in L\u00fchrenburg gesehen hatte: Eine schreckliche rothaarige Hexe mit angespitzten Z\u00e4hnen, umgeben von allerlei wilden Tieren, die aus dem Dunkel des Waldes hinter ihr herauszubrechen drohten. Skirhexen, las sie, seien \u00e4u\u00dferst selten, \u00e4u\u00dferlich auch meist von gew\u00f6hnlichen Skirfrauen nicht zu unterscheiden. Der Text war merkbar um Sachlichkeit bem\u00fcht, hob auch hervor, dass Skirhexen eher nicht wie auf dem Bild dargestellt seien, aber Kira merkte dennoch, dass auch hier die \u00fcblichen Schuldzuweisungen mitschwangen: Im Krieg seien Skirhexen eine m\u00e4chtige Bedrohung, da ihr Magiewirken so eng mit der umgebenden Natur verwoben sei, dass es beinahe unm\u00f6glich sei, die Zauber zu analysieren und zu brechen. Sie seien wild, unberechenbar, von &#8222;nat\u00fcrlicher Grausamkeit&#8220; &#8211; was auch immer an Grausamkeit nat\u00fcrlich war &#8211; und gerade f\u00fcr m\u00e4nnliche Soldaten und Offiziere gef\u00e4hrlich, da sie nicht davor zur\u00fcckscheuten, auch ihren eigenen K\u00f6rper einzusetzen, um an die gew\u00fcnschten Informationen zu gelangen. Ihre Verf\u00fchrungszauber seien so subtil, dass selbst starke Magier ihnen schon erlegen seien. Kira legte das Buch beiseite. Vor einem Monat noch h\u00e4tte sie vermutlich alles geglaubt, was darin stand, aber jetzt kam es ihr wie reichlich Bl\u00f6dsinn vor. Nur ein Mann konnte behaupten, dass die Sexualit\u00e4t einer Frau &#8222;von nicht zu untersch\u00e4tzender Gefahr&#8220; sei. Vermutlich hatte irgendein Feldherr in den Nordkriegen seinen Schwanz nicht bei sich behalten k\u00f6nnen und es hinterher auf die &#8222;b\u00f6sen Hexen&#8220; geschoben. Keine Frau, egal ob Skir oder nicht, w\u00fcrde vermutlich gerne und mit Freude mit dem Feind ins Bett steigen &#8211; so toll konnte Sex einfach nicht sein. Sie sch\u00fcttelte sich innerlich bei dem Gedanken. Sie seufzte. Vielleicht gab es noch andere, bessere B\u00fccher zu den Skirhexen? Suchend ging sie die G\u00e4nge ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Lady Silva!&#8220; Sebastian tauchte pl\u00f6tzlich hinter ihr auf. &#8222;Wie sch\u00f6n, Sie zu sehen.&#8220; Kira l\u00e4chelte ihn an. &#8222;Es tut mir leid, ich wollte, schon fr\u00fcher kommen, aber ich wurde aufgehalten&#8230;&#8220; Sebastian sch\u00fcttelte den Kopf. Sein Zopf war irgendwie aufgel\u00f6st und einzelne Haarstr\u00e4hnen flogen herum, was Kira an Adrian erinnerte, wenn er von einem Tag im Wald wieder herein kam. &#8222;Sie m\u00fcssen sich doch nicht rechtfertigen. Suchen Sie etwas bestimmtes?&#8220; Kira nickte. &#8222;Ein anst\u00e4ndiges Buch \u00fcber Skirhexen. Nicht eins, in dem es um Kriegstaten und sexuelle \u00dcbergriffe geht, sondern eins, in dem, naja, halt was richtiges drinsteht, \u00fcber die echten Hintergr\u00fcnde und die Magie der Hexen.&#8220; Sebastian blickte sie nachdenklich an. &#8222;Hmmm. Es gibt ein paar Werke zu den verschiedenen Magieformen, aber eigentlich wei\u00df man \u00fcber die Skirhexen nicht viel. Ich glaube, das wollen die auch gar nicht. Ich zumindest kenne kein Buch oder keinen Autor, der wirklich mal mit Skirhexen gesprochen und sie erforscht hat.&#8220; Kira seufzte. &#8222;Naja, dann nicht.&#8220; &#8222;Es gibt aber ein paar Werke \u00fcber Naturmagie und hmm, urt\u00fcmliche Magie, zum Beispiel um mit Geistern in Kontakt zu treten oder um den Magiefluss in Ritualen gemeinsam zu lenken. Ich glaube, sowas, also gemeinsame Rituale, machen die Hexen auch.&#8220; Kira blickte in nachdenklich an. &#8222;Gemeinsam?&#8220; &#8222;Ja, ich wei\u00df nicht, halt irgendwie einen Zauber gemeinsam ausf\u00fchren. Das macht vielleicht etwas von ihrer St\u00e4rke aus. Sonst macht es ja keinen Sinn, warum sollten einige Menschen st\u00e4rkere Magie haben als andere?&#8220; Kira nickte. Das klang sinnvoll. &#8222;Klingt gut. Kann ich mir das ausleihen?&#8220; Sebastian nickte, und gemeinsam suchten sie das Buch heraus. Sie r\u00e4umte die anderen Werke wieder weg und ging nach vorne, um es auf ihren Namen auszuleihen. Sebastian, der erst noch jemand anderem helfen musste, folgte ihr nach einer kleinen Weile, und gemeinsam gingen sie \u00fcber die Stra\u00dfe in das Caf\u00e9, das sie schon letztes Mal besucht hatten. Vor der T\u00fcr hielt Sebastian inne. &#8222;Kira, es ist mir egal, was Sie dar\u00fcber denken, aber die Caf\u00e9s hier in der Innenstadt sind teuer und ich wei\u00df, dass Ihnen als Discipula ohne adeligen Hintergrund vermutlich nicht viel Geld zur Verf\u00fcgung steht. Ich genie\u00dfe die Zeit mit Ihnen, auch wenn ich keine anderen Absichten habe, verstehen Sie mich nicht falsch. Dennoch bestehe ich darauf, Sie jetzt und auch in Zukunft einladen zu d\u00fcrfen. Sonst gehen wir woanders hin.&#8220; Kira verbl\u00fcffte die Ernsthaftigkeit, mit der er sie dabei ansah. Keine anderen Absichten? Hatte er ihr gerade durch die Blume gesagt, dass er kein romantisches Interesse an ihr hatte und sie sich keine Hoffnung machen sollte? Verunsichert sah sie ihn an. Er wirkte nicht g\u00f6nnerhaft oder arrogant, das, was er gesagt hatte, entsprach einfach der Wahrheit und sein Blick wirkte aufrichtig und ehrlich. Sie err\u00f6tete und nickte. &#8222;In Ordnung. Aber sobald es geht werde ich Sie daf\u00fcr zu uns einladen und Sie bekochen. Als Ausgleich. F\u00fcr einen Freund.&#8220; Sebastian nickte und wirkte erleichtert. &#8222;Danke. Ich will nicht mit meinem Geld angeben, verstehen Sie, aber ich will es auch nicht ungenutzt lassen.&#8220; Sie l\u00e4chelte. &#8222;Das macht Sie ungemein sympathisch, das wissen Sie, oder?&#8220; Sebastian lachte, nun wieder der lockere Adelige, der er immer war. &#8222;Jaja, ich wei\u00df. Meine Schwester findet auch, ich sei f\u00fcrchterlich. Immer von Frauen umgeben und so. Sie wei\u00df einfach nicht, wie man das Leben genie\u00dft!&#8220; Sie setzten sich in eine Nische und bestellten zwei Getr\u00e4nke. &#8222;Wieso findet Ihre Schwester das schlecht?&#8220;, fragte Kira. Sebastian grinste. Er erz\u00e4hlte ihr ausschweifend von Stella, seiner kleinen Schwester, und dass sie eine f\u00fcrchterliche Streberin sei, immer gut in allem, die J\u00fcngste und Beste, ganz wie die Mutter, Baroness Felicia di Ferrus. Obwohl er \u00fcber sie und seine Mutter und deren stets auf Arbeit und Magie fokussiertes Verhalten scheinbar ganz verzweifelte, erkannte Kira die tiefe Bewunderung und Zuneigung, die er gleichzeitig ausdr\u00fcckte. &#8222;Ihre Familie scheint ein echter Gl\u00fccksgriff zu sein.&#8220;, sagte sie, als Sebastian fertig war. Er grinste. &#8222;Ja, naja, der Teil mit meiner Mutter und meinem Vater schon. Aber wir haben nat\u00fcrlich auch schwarze Schafe, die hat ja jede Familie.&#8220; Kira nickte. War sie das schwarze Schaf der Familie oder war der Rest ihrer Familie einfach schwarz und sie das wei\u00dfe Schaf? Vermutlich das rote Schaf, erg\u00e4nzte eine Stimme in ihrem Kopf. &#8222;Mein Onkel zum Beispiel, der j\u00fcngere Bruder meines Vaters, der hat irgendwie wohl einen zuviel bekommen als mein Vater geheiratet hat, er dachte wohl, er k\u00f6nne jetzt auch ganz gro\u00df ins Gesch\u00e4ft einsteigen. St\u00e4ndig taucht er bei uns auf und versucht meinem alten Herrn, oder neuerdings auch Marcus, meinem Bruder, zu erz\u00e4hlen, an wen und zu welchem Preis wir verkaufen sollen, was unsere Minen hergeben.&#8220; &#8222;Oh, aber bringt er dann nicht einfach neue Kunden?&#8220; Sebastian machte eine wegwerfende Handbewegung. &#8222;Marcus ist der Meinung, dass er lieber einige Goldm\u00fcnzen weniger Gewinn macht, als noch mehr Eisen f\u00fcr die Waffenproduktion herzugeben. Muss er auch gar nicht, die neuen Manufakturen brauchen so viel Eisen und au\u00dferdem, irgendwann hat man ja auch genug Geld, nicht? Ich finde es ziemlich anst\u00e4ndig von Marcus. Au\u00dfer meinem Onkel, der mit seinen zwielichtigen Freunden st\u00e4ndig das gro\u00dfe Geld wittert, will niemand einen Krieg. Sie haben schon Recht, ich bin ein stolzer di Ferrus, meine Familie ist anst\u00e4ndig adelig. Was ist mir ihrer Familie?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira blickte verlegen zur Seite. &#8222;Hmm, ich bin weder adelig noch habe ich bisher eine anst\u00e4ndige Familie gehabt. Und \u00fcber die Familie di Venaris wissen Sie vermutlich mehr als ich.&#8220; Sebastian blickte sie einen Moment von der Seite an. &#8222;Naja, soooo viel jetzt auch wieder nicht. Ihr Magister ist ein recht verschlossenes Kerlchen. Alle wissen, dass er diesen unglaublichen neuen Stoff erfunden hat, Elektrum, und es zu einem guten S\u00fcmmchen an die Generalit\u00e4t verkauft. Aber Marcus macht immer noch Gesch\u00e4fte mit ihm, also glaube ich nicht, dass er zu sehr auf Krieg oder andere sch\u00e4dliche Dinge damit aus ist. Ich vertraue Marcus, und er vertraut wohl Mitras di Venaris.&#8220; Kira dachte an den geheimen Keller. Hoffentlich irrte Sebastian sich nicht. &#8222;Au\u00dferdem macht er ja wohl Strom damit. Und das ist schon ziemlich \u00fcberw\u00e4ltigend, Strom aus Magie. Wenn es das \u00fcberall g\u00e4be, das w\u00fcrde richtig was bringen, alle k\u00f6nnten nachts zuhause richtiges Licht haben und man br\u00e4uchte nicht so viel Kohle.&#8220; &#8222;Kommt die Kohle nicht auch aus dem Gebiet der di Ferrus?&#8220; Sebastian sch\u00fcttelte den Kopf. Er erz\u00e4hlte ihr, dass der Abbau von Eisen und Silber haupts\u00e4chlich in der Baronie&nbsp;Ferrus stattfand, es aber auch wesentlich einfacher sei, die in Adern vorkommenden Metalle aus dem Berg zu holen als die Kohle, die in breiten Schichten etwa im Vorgebirge von Berg vorkam, abzubauen. Die Erdgeister, die sich in Ferrus mit Geschenken und einigen Gespr\u00e4chen mit den Priestern zufrieden gaben, waren in Kohlebergwerken wohl wesentlich wilder und es gab viel \u00f6fter&nbsp;Probleme. &#8222;Als ob sie nicht wollen, dass wir die Kohle holen. Aber niemand wei\u00df warum.&#8220; Sebastian lachte. &#8222;Vielleicht m\u00f6gen die Geister insgesamt auch lieber saubere Luft.&#8220; Kira stimmte ihm zu. Warum auch nicht. Sie hatte schon \u00f6fter&nbsp;das Gef\u00fchl gehabt, dass die Geister in den W\u00e4ldern um Bispar darum bem\u00fcht waren, alles in Harmonie und Gleichgewicht zu halten, Bruder Harras hatte ihr auch davon erz\u00e4hlt. Er war zwar kein starker Priester, bisher hatte nie ein Geist zu ihm gesprochen, aber sie konnten wohl seinen Gesang verstehen und er hatte ihre Handlungen beobachten k\u00f6nnen, ja, sie sogar manchmal selbst schon gesehen. Seinen Beschreibungen nach waren es intelligente Wesen mit eigenen Zielen, warum nicht also auch saubere Luft?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie kehrte entspannt zum Abendessen zur\u00fcck. Die st\u00e4ndige Anspannung \u00fcber das Ein- und Ausatmen der Magie war \u00fcber die Gespr\u00e4che mit Sebastian verschwunden. Nach dem Abendessen ging Mitras wie jeden Ingastag zum Meditieren auf sein Zimmer, er musste den Generator laden. Kira entschuldigte sich bei Abby, Tobey und William, die eine Runde Poker spielen wollten, da sie das Spiel nicht kannte, und zog sich mit dem Buch aus der Bibliothek in ihr Zimmer zur\u00fcck. &#8222;Magie im Bunde &#8211; von Transfer bis Ritual&#8220;, klang ja eigentlich ganz spannend. Sie merkte allerdings nach den ersten Seiten, dass Sebastian bei der Buchauswahl ganz klar keine R\u00fccksicht auf ihren Lernstand genommen hatte. Etliche Sachen waren verk\u00fcrzt beschrieben und es gab viele Fachbegriffe f\u00fcr Bewegungen, Ger\u00e4te oder Handlungen. Sie nahm sich das Einf\u00fchrungsbuch und schlug einige davon nach, aber schon nach einer Weile beschlo\u00df sie, dass das zu m\u00fchsam sei. Sie wollte die Zauber ja nicht gleich lernen, sondern erstmal wissen, was es \u00fcberhaupt an Zauber gab. Schon im zweiten Kapitel stie\u00df sie dann auf etwas interessantes: Magietransfer. Damit war es wohl m\u00f6glich, Magie von einer Person auf eine andere zu \u00fcbertragen. Unbewusst rieb sie sich ihre Hand. Ja, das war passiert bei ihrem ersten Kanalisieren. Mitras hatte ihre Magie, die sie gesammelt hatte, aufgenommen. Hmm. Wenn man das langsam machte, war es wohl geeignet, einer Person zu erm\u00f6glichen rasch mehr nutzbare Magie anzusammeln als sie es alleine konnte. Die Geschwindigkeit, mit der man Magie aufnehmen konnte, hing, so lernte sie, vom eigenen Grundpotential zur Magieaufnahme, vom Training und davon ab, wie lange man diese halten wollte. Es machte Sinn: Mit gro\u00dfen H\u00e4nden konnte man mehr Wasser aus einem See sch\u00f6pfen. Aber auch jemand mit kleinen H\u00e4nden konnte&nbsp;sehr schnell eine gro\u00dfere Menge Wasser hochrei\u00dfen &#8211; wenn man es gleich weiter warf. Kira dachte an Mitras, wie m\u00fcde er an manchen Morgenden nach dem Laden des Generators aussah. Er hatte ihre Magie aufnehmen k\u00f6nnen. Vielleicht konnte sie seine Freundlichkeit und seine Unterst\u00fctzung so zur\u00fcckgeben? Sie schaute in das Buch. Die Grafik zum \u00dcbergaberitual sah &#8230; naja&#8230; intim aus. Zwei M\u00e4nner sa\u00dfen einerander mit nacktem Oberk\u00f6rper gegen\u00fcber, die K\u00f6pfe aneinander gelegt und Unterarme aufeinander gelegt. Der Gedanke, so mit Mitras zu sitzen, lie\u00df Kira das Blut ins Gesicht schie\u00dfen. Sie studierte den Text zu der Grafik. &#8222;Das \u00dcbergaberitual ist eine Geste, die nur unter Freunden oder Vertrauten ausgef\u00fchrt wird. Insbesondere der gebende Magier l\u00e4sst dabei zu, dass ein Teil seiner inneren Energie auf den Partner \u00fcbergeht. Die nat\u00fcrliche Intimit\u00e4t, die diesem Vorgang anhaftet, kann durch eine entsprechende Umgebung und K\u00f6rperber\u00fchrungen unterst\u00fctzt werden, wenn es den Zaubernden angenehm ist. Eine erzwungende \u00dcbergabe ist zwar m\u00f6glich, aber so verwerflich wie etwa eine Vergewaltigung, denn man dringt dabei in den privaten Bereich der anderen Person ein. Magie entrissen zu bekommen kann ausgesprochen schmerzhaft sein, daher sollte das \u00dcbergaberitual nur zwischen einander vertrauten Personen geschehen.&#8220; Also, &#8222;kann unterst\u00fctzen&#8220;. Das hie\u00df ja, sie w\u00fcrde sich nicht unbedingt ausziehen m\u00fcssen. Seine H\u00e4nde auf ihren Unterarmen fand sie jetzt nicht so schlimm. Eigentlich fand sie den Gedanken sogar ganz gut, gestand sie sich nach ein wenig Z\u00f6gern ein. Sie legte das Buch beiseite und gr\u00fcbelte eine Weile dar\u00fcber, ob &#8211; und vor allem wie &#8211; sie Mitras vorschlagen konnte, ihm helfen zu d\u00fcrfen. Aber ohne Ausziehen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras erwachte am n\u00e4chsten Nachmittag recht unerholt. Es wurde langsam wirklich m\u00fchselig den Generator zu laden. Schon zu lange hatte er seine Kraftreserven zu konstant ausgebeutet. Er sp\u00fcrte in letzter Zeit, wie es ihm schwerer fiel, Magie zu wirken. Das Elektrum herzustellen und den Generator zu laden, war auf Dauer zu viel. Er zog sich an und ging nach unten um eine Kleinigkeit zu essen. Das Mittagessen war zwar schon durch, aber William hatte f\u00fcr ihn etwas aufgehoben. Auch wenn es gut war, a\u00df Mitras recht lustlos, was William sofort auffiel. &#8222;Na, wo dr\u00fcckt der Schuh?&#8220; Die Frage lie\u00df Mitras aufblicken. Er brauchte einen Moment, ehe er antwortete: &#8222;Ich sp\u00fcre so langsam wie mir die Zeit abl\u00e4uft. Das st\u00e4ndige Laden und jetzt die Extraportion Elektrum zehren an meiner F\u00e4higkeit Magie zu sammeln. Verdammt, ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal eine richtige Pause hatte.&#8220; Er hatte begonnen, das Venarium herzustellen, sobald er ein wenig Pause an den Abenden hatte &#8211; tags\u00fcber war ihm immer noch die Gefahr der Spionage zu hoch, wenn er in die geheimen R\u00e4ume mit dem Schmelzofen und dem Malwerk ging. Nur das Schmelzen selber w\u00fcrde er sp\u00e4ter tags\u00fcber vornehmen. &#8222;Sieht man dir auch langsam recht deutlich an, mein Bester.&#8220;, sagte William trocken, so direkt, wie er immer war. &#8222;Bald siehst du fast genauso alt aus, wie du bist.&#8220; Mitras lachte m\u00fcde auf. &#8222;Ja, mach du nur deine Sp\u00e4\u00dfchen. Aber im Ernst, lange halte ich das nicht mehr aus.&#8220; &#8222;Dann lass den Generator doch. Wir brauchen das Geld nicht. W\u00e4rme bekommen wir von deinen Steinen und f\u00fcr Licht gibt es dann halt wieder Kerzen, oder dir f\u00e4llt auch daf\u00fcr was Geniales ein. Hauptsache ist, du verausgabst dich nicht vollends. Denn dann hat Thadeus auch gewonnen.&#8220; Mitras blickte resigniert drein und erwiderte: &#8222;Vielleicht hast du recht, aber noch bin ich nicht bereit aufzugeben und ich kann den Nachbarn ja auch nicht von heute auf Morgen den Strom abdrehen.&#8220; &#8222;Ha, wohl wahr. Aber lass dir mit der Entscheidung nicht zu lange Zeit.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nachdem Mitras sein versp\u00e4tetes Mittagessen beendet hatte, ging er wieder nach oben. Er wollte noch ein paar Sachen in der Bibliothek nachlesen, in der Hoffnung neue Ideen zur Erforschung und vor allem Nutzbarmachung der Bezirke zu finden. Oben angekommen stand Kira vor ihm auf dem Flur. Sie trug ihre Magierrobe und wirkte ein bisschen so, als sei sie gerade bei etwas ertappt worden, oder t\u00e4uschte er sich da? Sie blickte ihn recht sch\u00fcchtern an, was seine zerstreuten Gedanken sofort abdriften lie\u00df. Verdammt, sah sie schon immer so s\u00fc\u00df aus? Er sch\u00fcttelte sich innerlich und rief sich zur Ordnung. Disziplin. Das konnte doch nicht so schwer sein. An sie gewandt fragte er: &#8222;Hallo Kira, kann ich dir helfen?&#8220; &#8222;\u00c4hm, nein Magis.. Mitras. Aber es ist so, ich habe das Gespr\u00e4ch mit William eben versehentlich mit angeh\u00f6rt. Und &#8230;&#8220; Sie suchte anscheinend nach Worten, um sich zu entschuldigen. Also doch ertappt, dachte er, auch wenn nichts schlimmes dabei war. Die T\u00fcr hatte ja offen gestanden und selbst wenn sie zu gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte sie jederzeit reinkommen k\u00f6nnen. So sch\u00fcchtern sie auch immer noch gelegentlich war, konnte er sich nicht vorstellen, warum ihr das jetzt so schwer fiel. Oder machte sie sich gar Sorgen um ihre Zukunft? Es w\u00e4re auch f\u00fcr sie nicht gut, wenn ihr Mentor pl\u00f6tzlich vor Ersch\u00f6pfung zusammenbrechen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Mitras, vielleicht kann ich dir helfen. Ich .. ich habe ein Buch \u00fcber Magie\u00fcbertragungen bei Ritualen in der Bibliothek&nbsp;gefunden. Nach den Beschreibungen dort sollte es m\u00f6glich sein, dass ich dir Magie \u00fcbertrage, oder du sie zumindest von mir nimmst. Bitte lass es uns versuchen, ich m\u00f6chte dir, nach allem was du f\u00fcr mich getan hast, auch helfen.&#8220; Mitras sah sie verdutzt an. Damit hatte er nun nicht gerechnet. Magietransfer war nicht ganz ohne und konnte f\u00fcr einen der beiden oder gar beide sogar recht schmerzhaft werden. Er hatte zwar beim Kanalisieren schon selbst dar\u00fcber nachgedacht, aber er h\u00e4tte es niemals gewagt, sie danach zu fragen. Wusste sie worauf sie sich da einlie\u00df? So verlockend es auch war, bisher hatte er es als zu \u00fcbergriffig abgetan. Und nun kam sie mit diesem Vorschlag zu ihm. W\u00e4re er nicht so angeschlagen gewesen, h\u00e4tte er direkt abgelehnt, so aber fragte er sie: &#8222;Bist du dir sicher, dass du das willst? Bist du dir im Klaren dar\u00fcber, was das f\u00fcr ein Vorgang ist? Was du mir da anbietest?&#8220; Sie blickte auf den Boden und er sah wie sie wieder einmal err\u00f6tete. Ihm wurde bewusst, dass er auch das unglaublich niedlich fand. &#8222;\u00c4hm, ich denke schon. Ich will mich aber nicht &#8230; \u00e4h&#8230; also nicht&#8230; ich denke, das geht auch mit einem Kleid an, oder?&#8220;&nbsp;Mitras lachte pl\u00f6tzlich ob dieses Gedankens auf. &#8222;Nat\u00fcrlich, es ist zwar K\u00f6rperkontakt n\u00f6tig, aber es reicht v\u00f6llig, wenn man sich an den H\u00e4nden oder besser an den Unterarmen festh\u00e4lt. Wie kommst du auf die Idee, dass man sich ausziehen sollte?&#8220; Der Gedanke, sie ausgezogen vor sich sitzen zu haben, stolperte kurz durch seinen Kopf, gepaart mit den Bildern aus dem Spiegel, doch er schob ihn rasch von sich. &#8222;Weil in dem Buch ein Bild war.&#8220; Sie blickte ihn direkt an, mit stark ger\u00f6teten Wangen, und hielt ihm die Handfl\u00e4chen hin. &#8222;Du bist doch so m\u00fcde. Lass mich dir helfen.&#8220; Er blickte sie an. Die M\u00fcdigkeit lag bleiernd in ihm. &#8222;Gut, du hast recht, ich brauche wirklich dringend Hilfe und ich gestehe, ich habe auch schon dar\u00fcber nachgedacht dich zu fragen. Mir erschien das aber doch als zu viel.&#8220; &#8222;Du hast gesagt, ich sei stark. Und ich&#8230; \u00e4h&#8230; ich helfe dir gern.&#8220; &#8222;Ja, deine St\u00e4rke ist mehr als ausreichend, das stimmt. Aber so ein Transfer ist keine einfache Sache. Mit der Magie werden auch Emotionen und Eindr\u00fccke \u00fcbertragen. Ich w\u00fcrde zwar nicht direkt deine Gedanken lesen, aber auch so bietet es mir vielleicht mehr Einblicke, als du willst. Normalerweise wird den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen in der Akademie erst beigebracht, wie sie ihre Emotionen kontrollieren und sich vor einem Transfer in einen ruhigen, neutralen Zustand versetzen. Doch das w\u00fcrde Monate dauern, dich darauf vorzubereiten.&#8220; Kira l\u00e4chelte ihn scheu an. &#8222;Es ist ok. Ich vertraue dir.&#8220; Mitras sp\u00fcrte, wie ihre Worte warm in ihm nachhallten, doch er war zu m\u00fcde, sie richtig zu erfassen. Er nahm ihre Hand und f\u00fchrte sie ins Labor. Die Kissen lagen noch da, und er setzte sich hin und wies sie mit einer Geste an, sich vor sich ihn zu setzen. Er hatte den Zauber im letzten Semester der Schule gelernt und ein paar Mal mit seinem \u00dcbungspartner durchgef\u00fchrt. Nur, dass er damals \u00fcberhaupt nicht so m\u00fcde gewesen war. In seiner Erinnerung war es eher wie eine angenehme Umarmung gewesen, die Magie auszutauschen. Aber der Magieschlag beim Kanalisieren lie\u00df ihn vermuten, dass diese sanfte Umarmung vielleicht genau das war, was er gerade brauchte. Er erkl\u00e4rte: &#8222;Gut, die \u00dcbertragung ist eigentlich ganz einfach, f\u00fcr den Gebenden jedenfalls, aber ich bin darin bereits ge\u00fcbt und wei\u00df was als Nehmender zu tun ist.&#8220; Eigentlich hatte er es seit seiner Schulzeit nicht mehr gemacht, aber das w\u00fcrde er ihr jetzt bestimmt nicht sagen. Au\u00dferdem hatte er ihre Magie beim Kanalisieren auch gut aufgenommen. &#8222;Alles, was du tun musst, ist deine Magie zu sammeln und dich mir \u00f6ffnen. Du darfst keinen Widerstand leisten, wenn du sp\u00fcrst, wie ich mir die Magie nehme.&#8220; Kira nickte. Sie schlo\u00df die Augen und atmete einige Male ruhig ein und aus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mitras ergriff ihre Arme und umschlo\u00df sie sanft mit seinen H\u00e4nden. Ihre Haut war glatt und weich. Sie f\u00fchlte sich sehr angenehm an. Erschrocken schob er den Gedanken beiseite. Hier ging es nur darum zu sehen, ob es auch wirklich klappte von ihr Magie zu empfangen, ohne ihr zu schaden. &#8222;Gut, ich werde jetzt anfangen. Sammle Magie, halte sie wie in der \u00dcbung und lass sie abflie\u00dfen, sobald du einen Sog sp\u00fcrst.&#8220; Sie nickte und atmete erneut ein. Er sp\u00fcrte, wie sich die Magie um sie verdichtete. Es war schon eine Weile her, dass er selbst dazu in der Lage war, einen derartigen Sog zu erzeugen. Hoffentlich fand er zu alter St\u00e4rke zur\u00fcck und hoffentlich konnte er ihr bei ihrer weiteren Entwicklung helfen. Das Potential, dass sie nun schon besa\u00df, war be\u00e4ngstigend. Er begann, die Magie in sich aufzunehmen. Es war einfacher als erwartet. Es f\u00fchlte sich nicht so an, als w\u00fcrde er etwas von ihr nehmen, wie bei den \u00dcbungen in der Schule, sondern vielmehr, als w\u00fcrde sie es ihm bereitwillig geben. Nach einem kleinen Moment war es fast so, als w\u00fcrde sie es \u00fcber ihn sch\u00fctten, und er hatte etwas M\u00fche, mit dem Aufnehmen nachzukommen. Schon nach wenigen Minuten hatte er bereits eine&nbsp;gro\u00dfe Menge aufgenommen, auch sp\u00fcrte er, dass er nun eher Ziehen musste und es kein \u00dcbersch\u00fctten mehr war. Er verringerte, so gut es ging, die Zufuhr, da er merkte, dass er die Magie selbst sonst bald nicht mehr ganz stabil halten k\u00f6nnen w\u00fcrde. &#8222;Kira, du kannst aufh\u00f6ren zu sammeln, ich habe bereits genug. Konzentriere dich darauf, den Rest zu halten und lasse ihn dann langsam los.&#8220; Der Fluss wurde unruhig, aber stoppte nicht ganz. Sie \u00f6ffnete die Augen, schaute ihn an, und er hatte das Gef\u00fchl, sich einen Moment lang in ihren Augen zu verlieren. Der Geruch von Karamell mischte sich mit dem Geruch von Tannennadeln. Die Magie flimmerte um ihn. Er blickte auf ihre verschr\u00e4nkten Unterarme und glaubte beinahe, dort kleine, gold schimmerne F\u00e4den zu sehen, die ihre Arme umwoben. Es war einfach zu viel Magie. Seine Finger kribbelten. Das war mehr Magie, als er ohne l\u00e4ngere Meditation sammeln konnte. Sie erf\u00fcllte ihn. Etwas musste er zaubern, sonst w\u00fcrde er sie verlieren&#8230; Er l\u00f6ste sich langsam von ihr. Es tat beinahe weh, ihren Arm loszulassen. Er sank zur\u00fcck. Noch hielt er die \u00fcbersch\u00fcssige Magie,&nbsp;statt sie wieder abzugeben. Beinahe bef\u00fcrchtete er, sie w\u00fcrde ihm wieder entgleiten. Deutlich sp\u00fcrte er, dass es nicht seine Magie war. Er war so m\u00fcde&#8230; gab es da nicht einen Zauber? Freila, ajusta&#8230; Er murmelte die Worte, ehe er noch ganz dar\u00fcber nachgedacht hatte. Etwas heilendes, etwas st\u00e4rkendes&#8230; Eigentlich war es f\u00fcr ihn anstrengend f\u00fcr diese Art von Heilzauber Magie zu sammeln, obwohl es ja Verwandlungsmagie war. Aber er f\u00fchlte sich wie ein \u00fcberlaufender Waldsee. Die Magie wollte geformt werden. Er merkte, wie leicht es ihm von der Hand ging, obwohl er den Zauber nur einmal im Unterricht an der Akademie angewandt hatte. Binnen k\u00fcrzester Zeit f\u00fchlte er sich wieder frisch und erholt. Er realisierte auch, dass sich die ihm fremde Magie dem Zauber leichter anpasste. Er w\u00fcrde nicht die sp\u00e4teren Nachwirkungen f\u00fcrchten m\u00fcssen, die er sonst bei derart komplexer Heilungsmagie hatte. Seine Begabung tendierte klar zu unbelebter Materie, anderen fiel das Heilen deutlich leichter. <\/em><em>Kiras schimmernde, karamellige Form der Magie hingegen schien sich diesem Zauber direkt entgegen zu bringen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Erst jetzt wurde ihm der Wirbel an Emotionen bewusst, der mit der Magie auf ihn \u00fcbergegangen war. Es war eine zu difuse Mischung aus Aufregung, Sorge, Angst, Zuneigung und Freundlichkeit, um etwas konkretes daraus zu greifen. Der Geschmack von Karamell lag deutlich auf seiner Zunge und er widerstand knapp der Versuchung, sich die Lippen abzulecken. Ihn \u00fcberkam das Bed\u00fcrfnis, sie in den Arm zu nehmen und an sich zu dr\u00fccken. Ohne gro\u00df dar\u00fcber nachzudenken, tat er es auch. Kira, die schwer atmend vor ihm gesessen hatte, keuchte erschrocken auf und machte eine instinktive Schutzbewegung, was ihn dazu veranlasste, sie ebenso schnell wieder loszulassen. &#8222;Verzeih!&#8220; &#8222;Schon gut. \u00c4h. Hat es geklappt?&#8220; Sie wischte sich mit der erhobenen Hand verlegen die Haare aus dem verschwitzten Gesicht.&#8220;Ja, besser als erwartet. Ich konnte mein Defizit ausgleichen und konnte einen Erhohlungszauber mit dem Rest wirken. Ich f\u00fchle mich, als wenn ich eine Woche Ruhe gehabt h\u00e4tte.&#8220; Er war nun deutlich wacher, dachte klarer und war sich seiner Umgebung so bewusst wie schon lange nicht mehr. Auch wenn es nur ein kurzer Moment gewesen war, nahm er nun wahr, wie gut sie sich angef\u00fchlt hatte und dass er noch mehr wollte. Entsetzt von sich selbst dr\u00e4ngte er den Gedanken zur\u00fcck und stand auf. Er ging ein paar Schritte auf und ab, um wieder klar denken zu k\u00f6nnen. Sie hatte ihm ja klar zu verstehen gegeben, dass er zu weit gegangen war. Und dann war da noch diese Angst gewesen. Er konnte sie nicht recht zuordnen, aber konnte es sein, dass sie genau so etwas bef\u00fcrchtet hatte? &#8222;Ich danke dir, Kira, das allein hat schon sehr geholfen und entschuldige bitte noch einmal meine \u00dcberschw\u00e4nglichkeit. Die Euphorie ist mit mir durchgegangen.&#8220; Sie l\u00e4chelte ihn von unten herauf an. Stolz und Ersch\u00f6pfung schwangen in ihrer Stimme mit, als sie sagte: &#8222;Ich freue mich, dass es geklappt hat. Du hattest recht, es war auch nicht schwer. Ich konnte nur irgendwie nicht aufh\u00f6ren, obwohl es immer weniger Magie um mich wurde. Ich hoffe, es hat sich nicht allzu komisch f\u00fcr dich angef\u00fchlt. Soll ich dann morgen abend nach dem Essen einfach zu dir kommen oder muss man beim Generator-Laden noch etwas spezielles beachten?&#8220;&nbsp;&#8222;Das mit dem Aufh\u00f6ren habe ich gemerkt, aber das k\u00f6nnen wir \u00fcben. Du m\u00f6chtest mir also trotzdem weiter helfen?&#8220; Mitras war deutlich \u00fcberrascht, aber auch innerlich erleichtert. &#8222;Es gibt nichts spezielles zu beachten. Die Zauber wirke ich, das Sammeln der Magie war dabei allerdings immer das gr\u00f6\u00dfte Hindernis. Alleine kann ich f\u00fcr derart komplexe Zauber die Magie nur sehr langsam aufnehmen. Mit deiner Hilfe sollte es aber deutlich schneller gehen. Ich w\u00fcrde sagen, dass wir es zur Sicherheit aber direkt beim Generator machen. Ich bereite gleich alles vor, damit wir dort Morgen abend nicht frieren.&#8220; Kira grinste. Sie stand auf, dabei wurde ihr L\u00e4cheln immer breiter. &#8222;Ich freue mich.&#8220; Sie hielt inne, dann h\u00fcpfte sie ein kleines St\u00fcck in die Luft und strahlte ihn an. Mit quietschender Stimme wiederholte sie: &#8222;Ich freue mich, ich freue mich. Ich kann helfen!&#8220; Sie tanzte an ihm vorbei und h\u00fcpfte leise singend den Flur hinab zu ihrem Zimmer. Ihre pl\u00f6tzliche Freude \u00fcberraschte ihn doch sehr, aber sie so gl\u00fccklich zu sehen l\u00f6ste ein wohlig warmes Gef\u00fchl in seinem Inneren aus. Mit neuer Kraft folgte er ihr und ging in die Bibliothek um die anstehende Arbeit zu erledigen. Ihre Zimmert\u00fcr stand offen und sie sa\u00df summend an ihrem Schreibtisch, eifrig in ein Notizbuch schreibend. Er schmunzelte, schlo\u00df ihre T\u00fcr und ging dann zu seinen B\u00fcchern. Es kostete ihn M\u00fche, dizipliniert zu bleiben, aber seine neu gewonnene Energie und ihre Freude waren es definitv wert. Ihm fiel der Schmuck seines Vaters ein. Den hat sie sich jetzt wirklich verdient, dachte er&nbsp; und beschlo\u00df, ihn ihr nach dem Abendessen zu geben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kira sp\u00fcrte, wie die Aufregung und Freude langsam abebbte, w\u00e4hrend sie alles neu Gelernte in ihr privates Notizbuch schrieb. Wie schon in den Zeiten des Fernunterrichtes hatte sie begonnen, nicht nur Notizhefte f\u00fcr die einzelnen F\u00e4cher anzulegen, sondern auch ein etwas pers\u00f6nlicheres Heft zu f\u00fchren, in dem sie ihre eigenen Gedanken und Reflexionen zu dem, was sie erfuhr, niederschrieb. Das Schreiben half ihr, es besser im Ged\u00e4chtnis zu bewahren und ihre eigenen Gedanken zu sortieren. Immer wieder strich sie sich \u00fcber die Arme, dort, wo Mitras sie festgehalten hatte. Seine H\u00e4nde waren weich, warm, und so angenehm gewesen&#8230; sie seufzte gl\u00fccklich. Schade, dass sie sich so erschreckt hatte, als er sie umarmt hatte. Aber es war ja auch nicht so angebracht eigentlich. Sie fand es ziemlich niedlich, dass er sich offenbar von seiner Freude mitei\u00dfen lie\u00df, erst beim Kanalisieren und nun wieder. Dummerweise hatte sie einfach zu sehr daran gedacht, wie Johann sie in der Scheune ebenso pl\u00f6tzlich umarmt hatte. Gerade war sie viel zu gl\u00fccklich und auch etwas zu ersch\u00f6pft, um w\u00fctend zu sein, aber es war auf jeden Fall klar, dass au\u00dfer Mitras sie nie von irgendeinem Mann in den Arm genommen werden wollte. Naja. Bruder Harras und Adrian gingen vermutlich auch. Sie lie\u00df sich aufs Bett fallen und lag eine ganze Weile tr\u00e4umend da, dachte an die W\u00e4lder und das Gef\u00fchl von Sonnenw\u00e4rme auf ihrer Haut, so sonnenwarm wie Mitras H\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als es an der T\u00fcr klopfte, w\u00e4re sie beinahe vom Bett gefallen, so sehr zuckte sie zusammen. Irgendwie war sie wohl einged\u00f6st, dieses Sammeln der Magie war zum Ende hin doch recht anstrengend geworden. &#8222;Ja?&#8220; &#8222;Kindchen, kommst du zum Essen?&#8220; Abby stand vor der T\u00fcr. Rasch stand sie auf und folgte ihr. Mitras sa\u00df am Tisch und unterhielt sich lebhaft mit William und Tobey, als sie hinter Abby herein trat. Sie hatte den Eindruck, er sei nun pl\u00f6tzlich deutlich j\u00fcnger. Seine Augen blitzen, sogar seine Haare hatten den Anschein der ersten silbrigen Str\u00e4hnen verloren und standen mit neuer Energie ein wenig vom Kopf ab. Seine Bewegungen waren nicht mehr so ersch\u00f6pft. Er sah ziemlich gut aus, sogar noch mehr als sonst, korrigierte ihre Stimme im Kopf und sie scholt sich sofort selbst f\u00fcr so einen Gedanken. Das war doch nicht die wilde Kira, so f\u00fcr einen Mann zu schw\u00e4rmen! &#8222;Ha, da ist ja unsere Heldin. So gut hat Mitras schon seit Monaten nicht mehr ausgesehen. Sch\u00f6n, dass du ihn so aufbauen konntest, scheinst ja gut was drauf zu haben.&#8220;, begr\u00fc\u00dfte William sie. Mitras sah sie etwas entschuldigend an: &#8222;Mir blieb nichts anderes \u00fcbrig, als den anderen von deiner Hilfe zu erz\u00e4hlen. Ich hoffe, ich habe dich nicht zu sehr verausgabt? Ich danke dir jedenfalls. Und wie es der Zufall so will habe ich, dank meines Vaters, die passende Belohnung bereits parat. Aber erst essen wir.&#8220; Kira wurde rot. &#8222;Hier zu sein ist eine Belohnung.&#8220; Sie setzte sich und nahm sich vom Eintopf. Was er wohl f\u00fcr sie hatte? Nach den ersten Bissen grinste sie. Es schmeckte gut, und Komplimente machen konnte sie auch. &#8222;Eigentlich reichen sogar Williams Kochk\u00fcnste als Belohnung.&#8220; William lachte. &#8222;So eine Schmeichlerin, Mylady. Nein, nein, ich kann zwar kochen, aber unseren alten Herrn hier wiederbeleben kann auch mein Eintopf nicht, daf\u00fcr brauchte es wohl ein junges Ding wie dich.&#8220; Tobey prustete und Abby zischte: &#8222;William!&#8220; Auch Mitras schaute ihn entr\u00fcstet an. Kira war verwirrt. Hatte William etwas falsches gesagt? Er hob verteidigend die H\u00e4nde und sagte: &#8222;Nur Spa\u00df, nur Spa\u00df!&#8220;, was Mitras und Abby mit einem Kopfsch\u00fctteln quittierten, aber sich dann wieder dem Essen zuwandten. &#8222;Ich helfe gerne.&#8220;, sagte sie, und hoffte, dass das bescheiden genug klang. Arrogant oder eingebildet zu wirken hatte man ihr ja den gr\u00f6\u00dften Teils ihres Lebens genug nachgesagt, sie wollte auf keinen Fall, dass Mitras oder die anderen so \u00fcber sie dachten. Aber sie war auch wirklich stolz, dass sie hatte helfen k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem das Essen abger\u00e4umt worden war, holte Mitras eine kleine Schatulle aus einem Regal hervor. Er schob sie zu ihr hin mit den Worten: &#8222;Mit besten Gr\u00fc\u00dfen von meinem Vater und mit gr\u00f6\u00dftem Dank von mir. Ich hoffe, sie gefallen dir.&#8220; Kira betrachtete die Schatulle und hob z\u00f6gerlich die Hand. Das sah aus wie eine Schmuckschatulle. Au\u00dfer ihr&nbsp;Bruder hatte ihr noch nie jemand Schmuck geschenkt. Vorsichtig \u00f6ffnete sie die Schachtel. Darin lag ein Paar Ohrringe. Sie bestanden aus kleinen gr\u00fcnen Steinen, die zu Kugeln geschliffen waren. Um die Kugeln rankte sich feiner Silberdraht, der kleine Bl\u00fcten und Bl\u00e4tter formte. Es sah unglaublich sch\u00f6n aus. Und wertvoll. Ehrf\u00fcrchtig hielt sie sich die Hand vor den Mund, um nicht loszuquietschen, und starrte die Ohrringe einen langen Moment an. Sie sp\u00fcrte, wie ihr die Tr\u00e4nen in die Augen scho\u00dfen und blinzelte, um sie zu vertreiben. Blo\u00df nicht wieder heulen, jetzt guckten sie bestimmt alle an. Vorsichtig hob sie einen der Ohrringe heraus und betrachtete ihn von nahem. Dann blickte sie Mitras an. &#8222;Danke.&#8220;, sagte sie mit etwas belegter Stimme, und r\u00e4usperte sich. &#8222;Wieso von deinem Vater?&#8220; &#8222;Weil Frederike von dir geschw\u00e4rmt hat. Keine Sorge, er ist Juwelenh\u00e4ndler und bekommt solche St\u00fccke quasi als Ansichtsware. Er hat daf\u00fcr keinen Kupfer auf den Tisch gelegt, wertvoll sind sie aber trotzdem. Er war der Meinung, dass sie dir stehen sollten, also werden sie wohl passend sein. Mein Vater irrt in solchen Dingen nie.&#8220; Mitras lachte, &#8222;W\u00e4re auch nicht gut f\u00fcr ihn, zu seinen Kundinnen geh\u00f6ren sogar die T\u00f6chter des K\u00f6nigs und dessen Frau.&#8220; Kira steckte sich die Ohrringe an. &#8222;Sieht das gut aus?&#8220; Sie hielt sich die Haare zur\u00fcck und strahlte die anderen an. &#8222;Hervorragend!&#8220; &#8222;Wunderbar!&#8220; &#8222;Mylady, zu edel!&#8220; Abby, William und Tobey lobten sie \u00fcberschw\u00e4nglich. Mitras betrachtete sie still, aber auch er l\u00e4chelte. Aufgeregt stand Kira auf und eilte in das gegen\u00fcberliegende Badezimmer, um die Ohrringe zu bewundern. Sie sahen wirklich gut aus. Begeistert betrachtete sie sich eine Weile selbst im Spiegel. &#8222;Ich sehe gar nicht mehr so d\u00fcnn an den Wangen aus.&#8220;, fiel ihr auf. Offenbar machte sich Williams Essen bemerkbar. Sie beschlo\u00df, etwas mehr darauf zu achten, nicht zu viel zu essen. Bis jetzt war es aber eher eine Verbesserung. Sie fand, sie sah nun nicht mehr so hager und kantig aus, ein bisschen fraulicher eher. Erwachsener. Eine erwachsene Magierin, die von ihrem Mentor diese wundervollen Ohringe bekommen hatte, weil sie ihm geholfen hatte. Sie war n\u00fctzlich gewesen. Vermutlich das erste Mal in ihrem Leben, dass sie das wirklich war. Stolz ging sie ins Esszimmer zur\u00fcck, wo der Abend mit allen gemeinsam fr\u00f6hlich ausklang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am n\u00e4chsten Nachmittag erbat sich Kira, in die Stadt gehen zu d\u00fcrfen. Eigentlich hatte sie sich gestern schon mit Sebastian treffen wollen, aber \u00fcber das Kanalisieren v\u00f6llig vergessen, dass sie sich vorgenommen hatte, jeden Uldumstag in die Bibliothek zu gehen. 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