{"id":77,"date":"2024-07-17T21:01:43","date_gmt":"2024-07-17T21:01:43","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=77"},"modified":"2024-07-17T21:01:43","modified_gmt":"2024-07-17T21:01:43","slug":"verzweiflung-26-28-lunet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/07\/17\/verzweiflung-26-28-lunet\/","title":{"rendered":"Verzweiflung &#8211; 26. &#8211; 28. Lunet"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Am n\u00e4chsten Tag war Mitras fr\u00fch auf den Beinen. Der Gedanke daran, was Kira f\u00fcr eine r\u00fccksichtslose Rabenmutter hatte, lie\u00df ihn nicht los. Das eigene Kind wegen der Haarfarbe zu versto\u00dfen war schon schlimm genug, es aber in solch einer Situation nicht zu unterst\u00fctzen, war unverzeilch. Es w\u00e4re besser f\u00fcr sie, wenn er sie niemals zu fassen bekommen w\u00fcrde. Und was diesen Johann anging, da konnte er sich nur mit M\u00fche beherrschen nicht gleich in den n\u00e4chsten Zug zu steigen um in den Norden zu fahren und ihn ob seiner Vergehen Kira &#8211; und sicher auch vielen anderen M\u00e4dchen gegen\u00fcber &#8211; zu einem Duell zu fordern. Da dieser Bastard aus einer Adelsfamilie, sicher irgendeiner der dortigen Barone, stammte, w\u00e4re es bei dem blo\u00dfen Verdacht sein gutes Recht gewesen. Und das Duell w\u00e4re lang gewesen. Kaum einer konnte Mitras mit dem Rapier das Wasser reichen und so ein Landp\u00f6bel w\u00fcrde sicher nicht in der Lage sein gegen ihn anzukommen. Und William, dem er von dem Vorfall berichtet hatte, w\u00e4re sicherlich ebenfalls mit von der Partie. Es h\u00e4tte nicht viel gefehlt und er w\u00e4re auch direkt in den n\u00e4chsten Zug gestiegen, aber Mitras hatte ihn zur\u00fcckgehalten und ihm auch den Schwur abgenommen, die Geschichte f\u00fcr sich zu behalten. Es war letztendlich Kiras Entscheidung, wer davon wusste. Fast kam Mitras sich schon etwas sch\u00e4big dabei vor, es \u00fcberhaupt an William weitergetragen zu haben, aber er hatte sich in seiner Wut dar\u00fcber erst sp\u00e4t Gedanken gemacht. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter w\u00fcrde er sie in den Norden begleiten und ihr zu ihrer Rache verhelfen. Wobei ein richtiger Prozess mit einem Schuldspruch am Ende ihr wahrscheinlich mehr helfen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras riss sich aus diesen finsteren Gedanken. Im Moment w\u00fcrde er Kira am besten helfen, wenn er ihr erst einmal ein bisschen Ruhe g\u00f6nnen&nbsp;und ihr dann mit den Telekinesezaubern ein Erfolgserlebnis verschaffen w\u00fcrde. Sollte das aber auch scheitern, w\u00fcrde sie dringend Hilfe brauchen. Mitras war zwar ein brauchbarer Heiler, auch wenn ihn die Heilkunst nicht wirklich interessierte, aber seelische Leiden vermochte er nicht zu heilen. Es gab einige Magier der Hellsichtschule, die sich auch aufs heilen verstanden, aber Hellsicht- und Verwandlungsbegabungen vertrugen sich nicht gut, so dass diese Magier \u00e4u\u00dferst selten waren. Ein Priester w\u00fcrde ihr wohl eher helfen k\u00f6nnen. Mitras sollte sich wohl schon einmal umh\u00f6ren, welche von ihnen sich auf derartige Leiden verstanden. Aber gut, Kira hatte jetzt erstmal Ruhe und er viel zu viel zu tun. Um die Schule beliefern zu k\u00f6nnen, hatte er seine gesamten Vorr\u00e4te verbraucht. Er hatte noch einen Monat, um die Ladung f\u00fcr die Generalit\u00e4t fertig zu bekommen, aber dank Kiras Hilfe konnte er nun auch wieder deutlich mehr produzieren. Und den Generator w\u00fcrde er die n\u00e4chsten zwei Abende auch allein geladen bekommen. Er hatte vor dem Regenerationszauber auch schon andere Vitalisierungszauber versucht, aber nie mit der Menge an Energie, die Kira ihm gegeben hatte. Dazu w\u00e4re f\u00fcr ihn allein ein mindestens zweist\u00fcndiges Ritual n\u00f6tig und das h\u00e4tte er nicht mehr durchgehalten. Nun aber strotzte er wieder vor Energie. Das Elektrum w\u00fcrde er schnell fertig bekommen und genug \u00dcberschuss produzieren, um seine Forschungen schnell wieder aufnehmen zu k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Kira kam nicht zum Fr\u00fchst\u00fcck, aber das war schon in Ordnung. Nach dem Schrecken gestern musste sie sich ja ein bisschen ausschlafen. Er bat Abigail darum ihr sp\u00e4ter etwas hoch zu bringen und ging in den Keller um mit der Fertigung zu beginnen. Heute w\u00fcrde er seine Reste verarbeiten und dann Morgen, am Schengstag, die ersten Rohstoffe f\u00fcr die n\u00e4chste Ladung vorbereiten. Ihm fiel ein, dass er und William sich dann am Abend auch wieder mit Titus treffen wollten. Er war gespannt darauf zu erfahren, was dieser herausgefunden hatte. Es war Zeit gegen die di Porrums vorzugehen, zu lange schon war diese Bedrohung aus seinem Fokus ger\u00fcckt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die zwei Tage vergingen wie im Flug. Es tat ihm ein bisschen leid, dass er keine Zeit hatte noch einmal nach Kira zu sehen, aber das w\u00fcrde er morgen am Silenz nachholen. Heute hatte er sie noch gar nicht gesehen, aber er hatte das Haus auch schon fr\u00fch verlassen und war zum Abendessen bei seinen Eltern geblieben. Nun musste er sich schon ein bisschen beeilen, um William noch rechtzeitig zu erreichen. Nach der unerfreulichen Szene mit dem Dockarbeiter hatte Titus sie zu sich nach Hause eingeladen. Er wollte ganz klar vermeiden, dass die Leute aus dem Hafenviertel ihn noch einmal mit einem Adligen\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b sahen. Er lebte in zwei Welten und geh\u00f6rte doch zu keiner so richtig dazu. Aber gerade diese Au\u00dfenseiterrolle erm\u00f6glichte es ihm, seine teils schon sehr zwielichtigen Gesch\u00e4fte zu t\u00e4tigen. Titus folgte dabei allerdings einem gewissen Kodex und w\u00fcrde nie die Sch\u00e4digung von Unschuldigen in Kauf nehmen. Er hatte sich vielmehr darauf spezialisiert, denen zu ihrem Recht zu verhelfen, die dies selbst nicht konnten und die Auftr\u00e4ge von Mitras und einigen anderen Wohlhabenden sorgten daf\u00fcr, dass er sich das auch leisten konnte, ohne sofort mit dem Gesetz aneinander zu geraten. In der Folge war er bei den \u00c4rmeren recht beliebt und wurde von den Reichen als n\u00fctzlich erachtet, jedenfalls von denen, die seinen eigenen Moralvorstellungen gen\u00fcgten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Titus wohnte im etwas j\u00fcngeren Teil der \u00f6stlichen Altstadt in einem der dortigen H\u00e4ndlerh\u00e4user. Mitras hatte keine Ahnung, wie er es geschafft hatte an das Haus zu kommen, da die dort ans\u00e4ssigen H\u00e4ndlerfamilien diese alten H\u00e4user als Statussymbol erachteten. Sie lebten innerhalb der alten Mauern, auch wenn es nur die zweite, neuere Mauer im Norden war und sie die erste Stadtmauer vom alten Palast trennte. \u00c4hnlich wie die alten Adelsh\u00e4user, waren auch diese alten H\u00e4ndlerfamilien ein Anachronismus. Sie existierten ob des alten Reichtums und wurden nach und nach von den gro\u00dfen H\u00e4ndlern, wie zum Beispiel seinem Vater, verdr\u00e4ngt.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras erreichte das Haus zur gleichen Zeit wie William. &#8222;Na, da komm ich ja genau richtig. Wie war es bei deinen Eltern?&#8220; &#8222;Gut, danke der Nachfrage und ist zu Hause alles in Ordnung?&#8220; &#8222;Kira ist wieder nicht zum Abendessen herunter gekommen, ich mach mir Sorgen um sie.&#8220; &#8222;Nun, wir wissen jetzt, dass sie schlimmes durch gemacht hat. Und der Zauberversuch hat sie genau in diese Situation wieder rein geworfen. Gib ihr etwas Zeit, sie soll sich erstmal davon erholen und braucht sicher Zeit f\u00fcr sich. Abby hat ja ein Auge auf sie.&#8220; &#8222;Ha, na ja, &#8230;&#8220; William wurde von einem Zuruf unterbrochen. &#8222;He, ihr beiden, wollt ihr hier nur vor meinem Haus rumlungern oder kommt ihr auch rein?&#8220; W\u00e4hrend Mitras noch mit William diskutiert hatte, war Titus aus dem Haus gekommen. Anscheinend hatte er sie geh\u00f6rt, wie sie so auf der Stra\u00dfe standen. &#8222;Guten Abend Titus. Entschuldige, William und ich hatten noch kurz etwas aus dem Haushalt zu kl\u00e4ren. Ich bin schon den ganzen Tag unterwegs. Aber gut, wir sollten wirklich reinkommen.&#8220; Titus lachte kurz auf, bis er die Mienen der beiden M\u00e4nner im Lichtschein sah. &#8222;Gab es Probleme?&#8220; Mitras sah ihn mit einem gezwungenen L\u00e4cheln an und antwortete: &#8222;Keine aktuellen. Nein, bei uns zu Hause ist alles gut. Aber ich brauche eventuell deine Hilfe in einer weiteren Angelegenheit.&#8220; &#8222;Nun gut, aber kommt erstmal rein. Bei einem kleinen Schluck, l\u00e4sst sich das alles leichter kl\u00e4ren. Und meine Herren, den Schluck werden wir auch brauchen.&#8220;, f\u00fcgte Titus mit einem Unheil verk\u00fcndenden Unterton hinzu und geleitete sie hinein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Kindchen, du musst etwas essen.&#8220; Abby schob sich durch die T\u00fcr ins Zimmer und blickte Kira vorwurfsvoll an. Kira schreckte hoch und warf eines der B\u00fccher von der Tischkante. Verdammt. Sie war eingeschlafen. Schon wieder. Ihr rechter Arm tat weh, weil die Tischkante ung\u00fcnstig gedr\u00fcckt hatte. Sie blickte Abby an, die mit einer Mischung aus Sorge und Wut vor ihr stand, schon das dritte Mal am heutigen Tag. &#8222;Ja, Abby, ich werd was essen. Vielleicht eine Scheibe Brot?&#8220; &#8222;Pff!&#8220; Abby kam zum Tisch und schob noch zwei weitere B\u00fccher zu Seite, was ein drittes abst\u00fcrzen lies. Kira fing es eben in der Luft und fauchte:&#8220; Pass doch auf! Das geh\u00f6rt Magister Mitras!&#8220; Abby lies sich davon allerdings nicht beeindrucken. Sie setzte, nein, knallte, einen Teller auf den Tisch, auf dem belegte Brote und etwas Obst lagen. &#8222;Nicht eine. Du hast noch gar nichts gegessen seit gestern abend. Drei!&#8220; Seufzend griff Kira nach einer Brotscheibe und linste dabei schon wieder auf den Zauber, den sie sich gerade versuchte einzupr\u00e4gen. Lockere Hand. Wellenf\u00f6rmige&#8230; Abby wedelete mit der Hand vor ihrem Gesicht. &#8222;Kira? Nordgeist an Kira?&#8220; Ver\u00e4rgert blickte Kira auf. &#8222;Was?&#8220; Abby stemmte die Arme in die Seiten. &#8222;Du musst auch mal schlafen, Kindchen. Du hast schon Ringe unter den Augen. Das Buch ist morgen auch noch da.&#8220; &#8222;Ja, aber wer wei\u00df, ob ich es noch bin.&#8220; Kira sp\u00fcrte, wie die Verzweiflung wieder in ihr hochstieg. Mitras hatte sie nicht weggeschickt, aber wenn sie nochmal versagte, w\u00fcrde er das sicherlich. Abby murmelte etwas, das sie nicht verstand. Sie schob den Teller mit den Broten etwas zur Seite, hob das heruntergefallende Buch auf und legte es auf den Tisch, ehe sie ging. Heute morgen hatten sie bereits eine \u00e4hnliche Diskusssion gef\u00fchrt, als Abby sie das erste Mal schlafend am Tisch gefunden hatte. Abby schien \u00fcberhaupt nicht zu verstehen, wie ernst die Lage gerade war. Sie war hier, um zaubern zu lernen. Wenn sie nicht zaubern konnte, weil sie sich nicht davon l\u00f6sen konnte, wie die H\u00e4nde ihren Rock hochschoben und wie die Schreie von Johann hinter ihr her grellten, dann w\u00e4re sie nutzlos. Dann m\u00fcsste sie nach Hause zur\u00fcck. Und da wartete wahrscheinlich Johanns Vater nur darauf, ihr endg\u00fcltig den Hals umzudrehen, so wie sie seinem Sohn den Arm verdreht hatte. Immerhin war er der Baron von Hagen. Sie musste zaubern k\u00f6nnen. Sie legte das Brot beseite, nahm sich das Buch und begann, wieder die Bewegungen des Schwebezaubers zu \u00fcben, an dem sie gesessen hatte, ehe sie einged\u00f6st war.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Titus f\u00fchrte sie in ein kleines Wohnzimmer. Kaum, dass sie den Raum betreten hatten, sprang eine Frau auf mit schwarzen Haaren, die schon mit silbernen F\u00e4den durchzogen waren, vom Sofa auf und fiel William um den Hals. &#8222;William! Es ist so lange her, sch\u00f6n dich endlich mal wieder zu sehen.&#8220; Sie lie\u00df ihn wieder los, ging etwas auf Abstand und f\u00fcgte leicht vorwurfsvoll hinzu, &#8222;Du kannst dich ruhig mal \u00f6fter sehen lassen. Das letzte Mal ist ja schon ewig her&#8220;. Nun erst erkannte Mitras Stefania, Williams Schwester. &#8222;Ha, \u00e4h, ja, aber die Arbeit. Ich hab ja kaum Zeit f\u00fcr irgendwas.&#8220; stammelte ihr Bruder verlegen. Mitras wunderte sich, war William nicht erst letztens weg gewesen, um sie zu besuchen? Er w\u00fcrde ihn sp\u00e4ter zur Rede stellen, jetzt war aber nicht der richtige Zeitpunkt f\u00fcr eine Szene. Mitras selbst war Stefania in den letzten Jahren nur ein paar Mal begegnet, als Kind aber deutlich h\u00e4ufiger. Sie war gut zehn Jahre \u00e4lter als William und hatte ihn&nbsp;eine Zeit lang allein gro\u00df gezogen, als die beiden bei Verwandten in Albion untergekommen waren. Mitras wusste nicht mehr, warum sie ihre Eltern damals verlassen mussten, aber was der Grund auch war, so hatte er wenigstens die Chance gehabt William kennen zu lernen. Warum er sie aber nun mied, sollte er wohl besser bald mal herausfinden, jedenfalls wollte er nun nicht als S\u00fcndenbock herhalten und sagte: &#8222;Aber William, du wei\u00dft doch, ein Wort und du hast einen Tag frei.&#8220;&nbsp;&#8222;\u00c4h ja aber&#8230;&#8220; &#8222;Nichts aber, wir kl\u00e4ren das sp\u00e4ter in Ruhe. Werte Stefania, sollte ich dir in irgendeiner Weise deinen Bruder vorenthalten haben, so tut es mir leid.&#8220; &#8222;So die Herren m\u00f6gt ihr nun bitte Platz nehmen?&#8220; Titus sa\u00df bereits am Tisch und blickte etwas finster drein. Schlagartig wurde Mitras ernst, was auch immer vorgefallen war, es musste sich um etwas Gr\u00f6\u00dferes handeln, um den immer fr\u00f6hlich wirkenden Titus so auf die Laune zu schlagen. Mitras setzte sich ihm gegen\u00fcber und er\u00f6fnete das Gespr\u00e4ch: &#8222;Sie sehen nicht gl\u00fccklich aus, also muss etwas schief gelaufen sein, oder Sie haben andere wahrhaft schlechte Nachrichten.&#8220; &#8222;Ich habe gar keine Nachrichten. Jeglicher Versuch die Manufaktur oder einen anderen Gesch\u00e4ftsbereich der di Porrums zu infiltrieren ist gescheitert. Ich habe sogar einen Mann verloren, einen sehr guten und einen Freund.&#8220; &#8222;Das tut mir leid zu h\u00f6ren, wirklich. Hatte er Familie?&#8220; &#8222;Hatte er.&#8220; Presste Titus zwischen den Z\u00e4hnen hervor. Mitras griff sofort in seine Tasche und sammelte ein paar M\u00fcnzen zusammen. Er schob zehn Goldm\u00fcnzen \u00fcber den Tisch, ein kleines Verm\u00f6gen. &#8222;Ich m\u00f6chte dass die Witwe dieses Geld bekommt, richtet ihr mein aufrichtiges Beileid aus und sagt ihr, dass Geld keine Wunden heilen kann, ich aber auf keinen Fall will, dass aus meinem Auftrag heraus auch noch ihre Existenz und die Zukunft ihrer Kinder zerst\u00f6rt wird.&#8220; Titus entspannte sich wieder ein bisschen. &#8222;Eine noble Geste Lord di Venaris, wir h\u00e4tten uns auch so um die Familie gek\u00fcmmert, aber ich wei\u00df das hier sehr wohl zu sch\u00e4tzen.&#8220; &#8222;Der Verlust ihres Freundes tut mir leid Titus, aber warum auf einmal diese Probleme? Es war schon immer schwer etwas aus den Gesch\u00e4ften der di Porrums zu erfahren, aber Sie konnten bisher doch immer zumindest Boten bestechen oder auch mal einen Buchhalter aushorchen. Was hat sich ge\u00e4ndert?&#8220; &#8222;Ich f\u00fcrchte, es ist den di Porrums gelungen, mehr magische Unterst\u00fctzung zu erlangen. Ein Vertrauter geht davon aus, dass sie einen guten Hellsichtmagier besch\u00e4ftigen oder zumindest mit ihm zusammen arbeiten. Es wird sich dabei wohl mindestens um einen Magister handeln.&#8220; Mitras fluchte ausgiebig. Wenn dieser Magier ihre Verteidigung schon so verst\u00e4rkte, wie sehr konnte er sie dann im Angriff unterst\u00fctzen. Er musste sich dahingehend unbedingt mit Nathanael beraten. Er selbst kannte keine Hellsichtmagier n\u00e4her. Schon die Spiegel ohne gr\u00f6\u00dfere Nachfragen zu bekommen war ein schwieriges und teures Unterfangen gewesen. &#8222;Nun das ist ein Problem, aber sagt Titus, Sie kennen nicht zuf\u00e4llig einen Hellsichtmagier, der mich bei der Verteidigung gegen diese neue Bedrohung unterst\u00fctzen kann oder?&#8220; &#8222;Nun, ich m\u00fcsste erst R\u00fccksprache mit meiner Quelle halten und ich bin mir auch noch nicht sicher, ob ich das will. Dieser Auftrag ist deutlich gef\u00e4hrlicher, als ich dachte.&#8220; &#8222;Das verstehe ich. Mir geht es auch ausschlie\u00dflich um die Defensive. Die di Porrums werden diesen Magier sicher auch offensiv einsetzen und ich brauche Schutz. Ich bin bereit sehr gro\u00dfz\u00fcgig und diskret zu sein.&#8220; &#8222;Das glaube ich Ihnen, ich werde es vorschlagen und dann sehen wie die Reaktion ausf\u00e4llt.&#8220; Mitras merkte, dass Titus alles versuchte, um ja keine Hinweise auf seinen Kontakt durchsickern zu lassen. Wer es auch war, die Person musste ihm wichtig sein. &#8222;Gut, ziehen sie ihre Leute so weit wie n\u00f6tig zur\u00fcck. Ich brauche weiter jede nur erdenkliche Information, aber sie sollen kein unn\u00f6tiges Risiko eingehen. Ich verdopple den vereinbarten Preis, um das Risiko auszugleichen.&#8220; Titus sah ihn erstaunt an und blickte kurz zu Stefania. Anscheinend war er so viel Entgegenkommen von seinen adeligen Kunden nicht gewohnt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras lehnte sich zur\u00fcck. Die neue Bedrohung war besorgniserregend. Aber deswegen war er heute nicht hier. Er musste mehr \u00fcber diesen Bastard Johann herausfinden. Kira hatte nur gesagt, dass er adelig war, aber nicht zu welchem Haus er geh\u00f6rte. Offensichtlich war er nicht magisch, sonst h\u00e4tte er sich wehren k\u00f6nnen. Aber das hie\u00df nicht, dass es in seiner Familie keine Magier gab. Und selbst wenn sie zu den nichtmagischen Adelslinien z\u00e4hlte, war nicht klar wie gro\u00df ihr Einfluss war. Es konnte sehr wohl sein, dass Johann oder sein Vater in diesem Moment ihre Rache an Kira planten. Au\u00dferdem war dieser Johann ganz offensichtlich ein Schwein. Kira war sicher nicht sein erstes Opfer und wohl auch nicht sein letztes, auch wenn ihn die Verletzung wohl erstmal zur Ruhe bringen sollte. Aber darauf konnte und wollte Mitras sich nicht verlassen. Er wollte diesem Mistkerl das Handwerk legen. Aber dazu musste er erst mehr \u00fcber diesen neuen Feind wissen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Gut, das Ganze ist eine besorgniserregende Entwicklung, aber heute bin ich eigentlich gar nicht wegen der di Porrums hier. Ich habe einen neuen Auftrag, weniger gef\u00e4hrlich, daf\u00fcr mit mehr Reiseaufwand verbunden oder eben Hellsicht, wenn Ihr Kontakt dazu bereit ist. Es geht um meine Sch\u00fclerin. Ihr ist Schreckliches wiederfahren und dar\u00fcber muss ich mehr wissen, da es sowohl f\u00fcr mich, aber insbesondere f\u00fcr sie eine Gefahr darstellen k\u00f6nnte. Bei dem was ich nun wiedergebe, bitte ich alle Anwesenden um absolute Diskretion.&#8220; Alle nickten.&nbsp;Mitras fuhr fort: &#8222;Das Erwachen von Magiern geschieht nicht immer ruhig und bei Kira war es besonders turbulent. \u00d6ffentlich hei\u00dft es, dass sie betrunken einen jungen Herren angegriffen hat. Tats\u00e4chlich hat sie sich aber gewehrt. Sie ist nur knapp und nur dank ihrer F\u00e4higkeiten einer Vergewaltigung entgangen.&#8220; William knurrte w\u00fctend: &#8222;Und ich bin immer noch der Meinung, dass wir keine Zeit verlieren sollten und sofort selbst nach Norden fahren sollten um den Kerl aufzukn\u00f6pfen!&#8220;&nbsp;<\/em><em>Stefania griff seinen Arm und dr\u00fcckte ihn. &#8222;Lass ihn ausreden.&#8220; Mitras atmete langsam aus und fuhr fort: &#8222;Der Grund, warum ich diesen Johann noch nicht habe herschleifen lassen, um ihn vor Gericht zu stellen&nbsp;ist der, dass er adelig ist und ich nicht wei\u00df, wie adelig. Kira konnte mir nur berichten, dass er von h\u00f6herer Geburt ist und das kann alles hei\u00dfen, vom Neffen eines Herzogs bis zum Bastard eines verarmten Barons. Ich muss also wissen um wen es sich handelt und wie ich an ihn heran kommen kann.&#8220; Mitras hofte, dass, wenn er diesen Johann zur Strecke bringen w\u00fcrde, es Kiras Blockade l\u00f6sen k\u00f6nnte. Das wollte er Titus gegen\u00fcber aber nicht unbedingt erw\u00e4hnen. Informationen waren schlie\u00dflich Geld wert. &#8222;Also Titus, ich habe nur den Namen Johann. Er ist adelig und aus der Gegend um Bispar. Er ist ungef\u00e4hr 19 Jahre alt und hat gerade eine umfassende magische Behandlung seiner schwer verletzten Arme bekommen. Ich muss wissen, um wen genau es sich handelt und wie seine Verbindungen aussehen. Offiziell ist Kira der Aggressor in dieser Geschichte und nur die Entdeckung ihrer F\u00e4higkeiten hat sie vor einem Schauprozess und einem Schuldspruch gerettet. Ich will, dass ihr Ruf wieder hergestellt wird und dass dieser elende Bastard nie wieder einer Frau leid zuf\u00fcgt.&#8220; &#8222;Ihr wollt also einen Adeligen dingfest machen, der sich gern an kleinen M\u00e4dchen vergreift? Das gef\u00e4llt mir. Betrachtet die Sache als erledigt, ich bringe Ihnen alle n\u00f6tigen Informationen, um ihn anzuzeigen und fertig zu machen. Die Anhebung des Solds in der anderen Sache ist mehr als genug, das hier ist als Bonus mit drin. Als Zeichen, dass wir ihre Gro\u00dfz\u00fcgigkeit zu sch\u00e4tzen wissen. Und weil mir die Sache zusagt.&#8220; Stefania beugte sich l\u00e4chelnd vor. &#8222;Ja, das habe ich mir gedacht. Mitras, ich kenne dich schon lange, und es zeigt sich mal wieder, dass du dein Herz immer noch am richtigen Fleck hast. Bring Kira hier zu mir, oder etwas, dass sie aus Bispar mitgebracht hat und dass ihr wichtig ist, dann werden wir rasch mehr wissen.&#8220; Mitras blickte sie verbl\u00fcfft an. &#8222;Zu dir?&#8220; Titus schien leicht verzweifelt zu sein und sch\u00fcttelte den Kopf, sagte aber nichts. William grinste. &#8222;Mitras, da sie es selbst sagt, darf ich dir meine Schwester Stefania vorstellen? Seherin der Inuk, also Hellsichtmagierin vom Rang einer Erzmagierin, wir ihr in der Gildenmagie sagen w\u00fcrdet.&#8220; Mitras hatte das Gef\u00fchl, ihm w\u00fcrde kurz der Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen werden. Stefania war Titus Quelle! Kein Wunder, dass er sie so sch\u00fctzte. Er r\u00e4usperte sich. &#8222;Oh.&#8220; Und nachdem er sich gesammelt hatte, f\u00fcgte er hinzu: &#8222;Das ist mir eine Ehre, Stefania. Ihr h\u00fctet eure Geheimnisse gut.&#8220; Stefania l\u00e4chelte. Pl\u00f6tzlich verstand Mitras, warum er bei ihr immer das Gef\u00fchl gehabt hatte, keine Aura sehen zu k\u00f6nnen, obwohl selbst nichtmagische normalerweise eine Gef\u00fchlsaura hatten. Sie hatte sie vermutlich verborgen. Die Inuk, das fahrende Volk, hatten eigene Pfade und Wege, ihre magischen Kinder auszubilden, und Hellsicht kam bei Ihnen tats\u00e4chlich \u00f6fter vor als die anderen Magiearten. Das erkl\u00e4rte auch, warum William oft nur gesagt hatte, seine Schwester sei &#8222;weg&#8220; und er &#8222;allein zu Hause&#8220;. Vermutlich war sie zu einem Lehrmeister oder einer Lehrmeisterin gereist. &#8222;Du brauchst jetzt nicht f\u00f6rmlich zu werden, Mitras. Ich hab dir sogar mal den Po abgewischt, auch wenn du dich daran vermutlich nicht mehr erinnern kannst.&#8220; Das konnte er in der Tat nicht und war auch dankbar daf\u00fcr. &#8222;In Ordnung. Gut, ja, etwas von Kira oder sie selbst sollte ich wohl herbringen k\u00f6nnen. Oder du besuchst uns am Mafuristag oder so und l\u00e4sst dich von deinem Bruder bekochen.&#8220; William wollte protestieren, wurde jedoch von Stefania unterbrochen. &#8222;Eine hervorragende Idee, kleiner Bruder, nicht wahr? Dann kannst du mir auch sagen, warum erst dein Arbeitgeber ein Gesch\u00e4ft mit uns haben muss, damit du wieder auftauchst.&#8220; William schien nicht geneigt zu sein, auf diese Frage eine Antwort geben zu wollen. &#8222;Du bist doch die Magierin.&#8220; grummelte er. &#8222;William!&#8220; Ihr Lachen war ansteckend und freundlich. &#8222;Ich schaue nicht in deinen Kopf, selbst wenn ich es k\u00f6nnte.&#8220; Sie blickte wieder zu Mitras. &#8222;Also ist es abgemacht. Ich komme herum, sobald es passt.&#8220; Mitras nickte. Er sp\u00fcrte, wie die Gespr\u00e4che ihn erm\u00fcdeten. Messerangriffe, Vergewaltigungen und verletzte Frauen gab es in diesem Land eindeutig zu viele. Eine Weile sprachen die vier noch \u00fcber einige Tagesthemen der Hauptstadt und \u00fcber die Pl\u00e4ne der Generalit\u00e4t, mit dem Elektrum einen neuen Eroberungszug starten zu k\u00f6nnen, und Mitras sp\u00fcrte, wie mutlos er dabei wurde. Schlie\u00dflich verabschiedete er sich und ging stumm mit William nach Hause. Dieser schien seinen Gedanken ebenso nachzuh\u00e4ngen, und so verabschiedeten sie sich kurz, als sie im Haus waren, und Mitras ging rasch schlafen. Morgen w\u00fcrde er mit Kira reden, ihr ein paar B\u00fccher zur Telekinese empfehlen und schauen, was er sich von ihr wohl f\u00fcr den Hellsichtzauber leihen konnte. Und dann w\u00fcrde er zumindest gegen einen dieser deprimierenden Zust\u00e4nde etwas tun k\u00f6nnen. Auch mit William w\u00fcrde er bald reden m\u00fcssen. Was war vorgefallen, dass er Treffen mit seiner Schwester vort\u00e4uschte, sie selbst aber mied. Er w\u00fcrde sicher Gr\u00fcnde daf\u00fcr haben, aber Mitras sp\u00fcrte ein leichtes Stechen bei dem Gedanken, dass sein \u00e4ltester Freund Geheimnisse vor ihm hatte und ihn und seine Schwester sogar anlog. Konnte er ihm wirklich noch trauen?<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am n\u00e4chsten Tag war Mitras fr\u00fch auf den Beinen. Der Gedanke daran, was Kira f\u00fcr eine r\u00fccksichtslose Rabenmutter hatte, lie\u00df ihn nicht los. Das eigene Kind wegen der Haarfarbe zu versto\u00dfen war schon schlimm genug, es aber in solch einer Situation nicht zu unterst\u00fctzen, war unverzeilch. 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