{"id":79,"date":"2024-07-21T21:02:36","date_gmt":"2024-07-21T21:02:36","guid":{"rendered":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/?p=79"},"modified":"2024-07-17T21:02:56","modified_gmt":"2024-07-17T21:02:56","slug":"das-rauschen-des-windes-29-lunet-silenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kingdom-of-albion.de\/index.php\/2024\/07\/21\/das-rauschen-des-windes-29-lunet-silenz\/","title":{"rendered":"Das Rauschen des Windes &#8211; 29. Lunet (Silenz)"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Kira erschien wieder nicht zum Fr\u00fchst\u00fcck und so langsam machte sich auch Mitras etwas Sorgen um sie. Abby grummelte und packte ihr ein Tablett zusammen, wobei sie anmerkte, dass \u201cdie junge Lady das ja eh wieder stehen lassen w\u00fcrde\u201d. Hatte es sie so sehr getroffen wieder an diese Nacht erinnert zu werden? Wahrscheinlich ja, er konnte es ihr auch nicht verdenken. Was ihr da zugesto\u00dfen war, war einfach entsetzlich. Aber alles was er jetzt tun konnte, war sie schonend wieder aufzubauen. Er sammelte ein paar B\u00fccher zusammen und suchte sorgf\u00e4ltig ein paar einfache Lehrzauber der Telekinese-Schule zusammen. Seine gro\u00dfe Zusammenfassung zur Telekinese fand er trotz einer l\u00e4ngeren Suche nicht wieder, vielleicht hatte er sie im Labor im Keller liegen lassen? Es ging aber auch gut ohne, in vielen seiner Spruchb\u00e4nde fanden sich Kapitel zur Telekinese, und er suchte sich passende Erstzauber heraus. Nichts davon war fordernd und er sch\u00e4mte sich schon fast, seiner Sch\u00fclerin bei ihrem Potential derart leichte Kost zu servieren. Aber sie brauchte ein Erfolgserlebnis, und das schnell. Morgen w\u00fcrde sie mit dem Lernen sicher wieder anfangen k\u00f6nnen. Wenn nicht, musste er sich wohl doch mehr mit ihr besch\u00e4ftigen, um sie zu tr\u00f6sten. Er f\u00fchlte sich pl\u00f6tzlich sehr schuldig daf\u00fcr, dass er die letzten Tage so derma\u00dfen anderweitig besch\u00e4ftigt war. In Gedanken versunken verpasste er das Mittagessen. Erst als er zur Uhr sah und feststellte, dass es schon fast 15 Uhr war, stellte er fest, dass er schon den halben Tag damit verbracht hatte, Lehrmaterial f\u00fcr Kira zu sammeln und aufzubereiten. Da sie sonst sehr selbstst\u00e4ndig arbeitete, war es ihm noch gar nicht aufgefallen wie viel M\u00fche so eine Lehrvorbereitung machte. Die Vermutung, die Lehrer an der Akademie h\u00e4tten ein viel leichteres Leben als ein freischaffender Magier, verpuffte angesichts dieser Feststellung ziemlich schnell. So kam man ja kaum zum Forschen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nachdem er alles zu seiner Zufriedenheit zusammen getragen und ins Labor gebracht hatte, ging er zu ihrem Zimmer und klopfte sachte an und wartete einen Moment. Erst verz\u00f6gert kam eine Antwort: \u201cJa?\u201d Mitras trat ein und sah sich um. Kira sa\u00df an ihrem Schreibtisch. Ihr Anblick erschreckte ihn. Sie war sehr blass und sah \u00fcberm\u00fcdet aus. Eigentlich hatte er gehofft, dass die drei Tage ihr Erholung bringen sollten, aber so wie sie aussah hatte es sie noch h\u00e4rter getroffen, als er nach Abbys Kommentar bef\u00fcrchtet hatte. Im schlimmsten Fall war sie gar nicht in der Lage nun zu lernen. Vielleicht sollte er ihr auch gleich die ganze n\u00e4chste Woche frei geben. \u201cHallo Kira, eigentlich wollte ich mit dir unser Vorgehen mit dem Telekinesezauber besprechen, aber wir k\u00f6nnen das auch auf Morgen verschieben.\u201d Sie blickte sofort erschrocken auf und sagte hastig: \u201cNein, nein ist schon gut. \u00c4hh, sollen wir ins Labor gehen?\u201d Mitras blickte sie besorgt an, \u201cAlso gut, wenn du meinst, dass du wieder bereit bist, dann lass uns r\u00fcber gehen. Ich habe schon ein bisschen was vorbereitet.\u201d Er drehte sich schon um, als sie noch ein paar Notizen zusammenlegte. Im Losgehen sah er noch, wie sie ein Lesezeichen in das Buch auf ihrem Schreibtisch legte und es schloss. Er ging den Flur hinunter und dachte \u00fcber das Buch nach. Es kam ihm bekannt vor, aber sein Blick darauf war zu kurz gewesen um es genau zu erkennen. Aber gut, er konnte sie nachher noch danach fragen. Er setzte sich an seinen Arbeitsplatz und wartete, bis Kira auch sa\u00df. \u201cIch muss gestehen, mir ist ein Missgeschick geschehen, ich scheine das wichtigtste Buch verlegt zu haben. Das Grundlagenwerk der Telekinese. Darin sind die Grundlagen und einige gute Einstiegszauber erkl\u00e4rt. Insbesondere die Anleitung eines Levitationszaubers ist f\u00fcr den Einstieg besonders verst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt. Aber gut, ich habe noch eine andere Spruchsammlung, in welcher der Zauber auch sehr gut erkl\u00e4rt wird. Der Zauber l\u00e4sst einen einfachen Gegenstand auf einer vom Zaubernden vorgegebenen H\u00f6he schweben.\u201d Er blickte sie pr\u00fcfend an. Sie krampfte ihre H\u00e4nde nahezu um ihre Notizen. Hatte sie Angst? Wovor? Mit leiser, monotoner Stimme griff sie seinen Vortrag auf und erg\u00e4nzte: \u201cDer Zauber hei\u00dft Levitation oder auch Schweben. Der Zaubernde soll eine kleine Menge des Fluidums sammeln, die Arme leicht angewinkelt am K\u00f6rper halten, w\u00e4hrend die H\u00e4nde mit den Handfl\u00e4chen zueinander weisen und die Finger dabei gespreitzt halten.\u201d Fast schon mechanisch ratterte sie die einzelnen Schritte des Zaubers herunter. Fluidum war ein alter Begriff f\u00fcr die magische Energie, der nur noch in wenigen Lehrb\u00fcchern benutzt wurde. In Lehrb\u00fcchern wie dem Grundlagenwerk der Telekinese. Sie endete und sackte ein bisschen in sich zusammen. \u201cAha, du hast das vermisste Buch also schon gefunden.\u201d sagte er trocken, was er aber sofort bereute, als sie zusammenzuckte, als ob er gerade zum Schlag ansetzen w\u00fcrde. \u201cIch.. es tut mir leid\u2026 ich wollte nicht\u2026\u201d Erste Tr\u00e4nen rannen \u00fcber ihre blassen Wangen. \u201cIch wollte nur vorbereitet sein. Wirklich! Ich h\u00e4tte es wieder hingestellt.\u201d Er hatte den Eindruck, dass ihre ganze Statur irgendwie d\u00fcnner war als sonst. Hatte sie die gesamte Zeit gelernt? Sie sah schrecklich blass aus. \u201cKira, alles ist gut, also nein, nichts ist gut. Du siehst furchtbar aus. Du solltest dich erholen und nicht krampfhaft \u00fcberarbeiten.\u201d Sie schluchzte auf. \u201cT-T-Tuhut mir leid\u2026!\u201d Sie sackte weiter in sich zusammen und lie\u00df dabei ihre Notizen los, so dass sie zu Boden segelten und vor ihr einen Haufen an akuraten Zeichnungen zu Bewegungsmustern, Zusammenh\u00e4ngen zwischen Zaubern und Spr\u00fcchen ausbreiteten. Sogar einige der ihr verhassten mathematischen Formeln konnte er sehen. Es musste unglaublich viel Zeit gekostet haben, all das vorzubereiten &#8211; mehr Zeit, als ihr die letzten drei Tage eigentlich zur Verf\u00fcgung gestanden hatte. Mitras vermutete, dass sie nicht nur tags\u00fcber sich nicht erholt hatte, sondern auch nachts weiter gearbeitet hatte, statt zu schlafen. Warum bei allen Geistern verausgabte sie sich so? Er hatte doch klar gesagt, dass sie sich erholen sollte. Eine Mischung aus Wut und Hilflosigkeit stieg in ihm auf, w\u00e4hrend er beobachtete, wie sie die H\u00e4nde auf ihren Knien verkrampfte in dem Versuch, Kontrolle \u00fcber das Weinen und ihre Stimme zu erlangen. \u201cI-i-ich will nur nicht&#8230;\u201d Sie heulte leise auf. \u201cIch will nicht versagen. Ich w-w-will ni-hicht nach Bispar m\u00fcssen&#8230;\u201d Er schloss kurz die Augen, um sich zu sammeln, und sp\u00fcrte, wie ihre Worte ihm beinahe selbst weh taten. Warum dachte sie, er w\u00fcrde sie zur\u00fcck schicken? Nach all dem, was sie ihm erz\u00e4hlt hatte, w\u00fcrde er sie garantiert nicht dorthin zur\u00fcck lassen. Mitleid und Zuneigung ersetzten seine Wut. Arme Kira. Einem Impuls folgend stand er auf, ging zu ihr hin, schob einige der Bl\u00e4tter behutsam zur Seite, um sich vor sie knien zu k\u00f6nnen, und legte ihr behutsam die H\u00e4nde auf die Schultern. Er achtete sehr genau darauf, nicht zu viel Druck auszu\u00fcben. \u201cKira, keiner wird dich nach Bispar zur\u00fcck schicken. Erst recht nicht drei Tage, nachdem du mir erz\u00e4hlt hast, was dir dort zugesto\u00dfen ist\u2026.\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kira hatte das Gef\u00fchl, in Watte eingepackt zu sein. Die Tr\u00e4nen liefen \u00fcber ihre Wangen, aber sie f\u00fchlte sich so unglaublich leer. Sie hatte schon wieder einen Fehler gemacht. Das Buch. Sie h\u00e4tte fragen m\u00fcssen. Jetzt hatte er es bestimmt gesucht. Der Gedanke, dass ihre Mutter mit ihrem Vorwurf, ihre Hexentochter sei zu nichts n\u00fctze, Recht haben k\u00f6nnte, stach irgendwo tief in ihrer Magengrube. Nicht mal lernen konnte sie richtig. Mitras H\u00e4nde auf ihren Schultern wurden ihr bewusst. Seine Stimme klang warm, gar nicht so w\u00fctend, wie sie es erwartet h\u00e4tte. Er war so warm. Sie hatte das Gef\u00fchl, dass die W\u00e4rme seiner H\u00e4nde das einzige war, was sie gerade vor der Eisesk\u00e4lte in ihr retten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras merkte, dass sie auf keine seiner Worte reagierte. Sie wirkte entr\u00fcckt. \u201cKira, h\u00f6rst du mich \u00fcberhaupt?\u201d Sie reagierte nicht und schluchzte weiter vor sich hin. Etwas verzweifelt nahm er sie ganz in den Arm. Einen Moment lang dachte er dar\u00fcber nach, ob das \u00fcberhaupt richtig war, bei ihren Vorerfahrungen, doch der Gedanke verschwand sofort wieder, als sie ihre H\u00e4nde um seine Arme krampfte und sich an ihm festhielt. Er musste sie jetzt erst einmal stabilisieren. Was w\u00fcrde helfen? Er wirkte einen leichten Vitalisierungszauber. Normalerweise diente er zur Stabilisierung von Kranken, aber Mitras hoffte, dass er ihr so auch helfen konnte, also legte seine H\u00e4nde auf ihren R\u00fccken und lie\u00df die Magie in sie hinein flie\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Er umarmte sie, und Kira hatte das Gef\u00fchl, sich an ihm festhalten zu m\u00fcssen, ihn festhalten zu m\u00fcssen. Seine H\u00e4nde lagen auf ihrem R\u00fccken und sie sp\u00fcrte, wie die W\u00e4rme sich von ihnen ausbreitete, sie erfasste und erf\u00fcllte. Langsam verdr\u00e4ngte sie das Gef\u00fchl der Starre, und sie merkte, dass sie ihre H\u00e4nde um seine Arme geklammert hatte, gegen ihn gelehnt war, ihn riechen konnte. Sie sp\u00fcrte seine H\u00e4nde auf ihrem R\u00fccken, jetzt nicht mehr so warm, aber haltend. Sie wurde gehalten. Zum ersten Mal seit dem der Tonklumpen explodiert war, hatte sie das Gef\u00fchl, nicht mehr aus Eis zu sein. Ein wenig sp\u00fcrte sie, wie peinlich ihr das Ganze war, aber gleichzeitig merkte sie auch, dass sie ihn nicht loslassen wollte. Sie seufzte und lie\u00df den Kopf ganz gegen seine Brust sinken, lehnte sich in seine Umarmung. Nur ein kleinen Moment lang noch gehalten werden\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras merkte, wie sie sich entspannte. \u201cBist du wieder bei mir?\u201d Sie nickte schwach. \u201cGut, also noch mal. Keiner wird dich nach Bispar zur\u00fcck schicken.\u201d \u201cUnd wenn ich nicht zaubern kann?\u201d, murmelte sie fast unverst\u00e4ndlich in seine Robe. \u201cSelbst dann nicht. Nur ein absoluter Unmensch, wie Thadeus zum Beispiel, w\u00fcrde dir so etwas antun.\u201d Sie drehte den Kopf leicht und blickte ihn von unten an. Ihm fiel auf, dass ihre Augen ein sehr helles Gr\u00fcn hatten, heller, als er es von der ersten Begegnung in Erinnerung hatte. \u201cJeder au\u00dfer dir w\u00fcrde das tun. Du bist einfach so gut&#8230;\u201d Sie verstummte und ihr Gesicht f\u00e4rbte sich ein bisschen rot, was allerdings angesichts ihrer Bl\u00e4sse nur dazu f\u00fchrte, dass sie wieder etwas weniger totenbleich aussah. Er lachte leise auf. \u201cGlaube mir, so schlecht sind die meisten Menschen nicht. Also gut, was ich eigentlich von dir wollte war, dass du dich von dem gro\u00dfen Schrecken erholst. Ich hatte gehofft, dass du nach ein paar Tagen Ruhe neu starten kannst.\u201d Sie richtete sich etwas auf und sagte eifrig: \u201cIch kann starten! Wirklich. Ich habe gelernt. Ich kann schon drei Zauber auswendig mit allen Bewegungen: Schweben, Puffern und Gleiten.\u201d Mitras lie\u00df sie behutsam los. Seine H\u00e4nde strichen \u00fcber ihre Arme und als sie seine H\u00e4nde ber\u00fchrte, hatte er kurz den Eindruck, sie w\u00fcrde mit den Fingern zucken, als wollte sie ihn festhalten, doch dann war der Moment vorbei und er schalt sich innerlich daf\u00fcr, in einer solch kritischen Situation dar\u00fcber nachzudenken, wie es war, von ihr festgehalten zu werden. Er stand auf und machte einige vorsichtige Schritte, um nicht auf ihre Notizen zu treten, ehe er sich wieder auf seinen Stuhl setzte. Sie hatte zarte, weiche H\u00e4nde. Er sch\u00fcttelte kurz den Kopf, um den Gedanken los zu werden, und sagte: \u201cJa, ich glaube dir, dass du gelernt hast, aber wir k\u00f6nnen nicht einfach loszaubern, w\u00e4hrend du hier fast vor Schw\u00e4che vom Stuhl f\u00e4llst.\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kira sp\u00fcrte eine Mischung aus Erleichterung und Entt\u00e4uschung. Erleichtert, weil er so wunderbar war. Weil die W\u00e4rme seiner Umarmung in ihr flo\u00df wie Magie. Wahrscheinlich war es Magie, realisierte sie. Entt\u00e4uscht, weil sie eigentlich gehofft hatte, endlich beweisen zu k\u00f6nnen, dass sie nicht untauglich war. Und weil er sie losgelassen hatte. Verlegen schaute sie zu Boden. \u201cAber\u2026 du hast mich gest\u00e4rkt. Ich\u2026 kann ich es nicht wenigstens probieren? Ich will\u2026 ich will einfach keine unf\u00e4hige Sch\u00fclerin sein&#8230;\u201d Sie verstummte. Was sollte sie sagen? In den ganzen letzten Tagen hatte sie immer nur daran gedacht, dass sie die Zauber k\u00f6nnen musste. Und dass Abigail aufh\u00f6ren sollte, sie mit anderen Dingen zu st\u00f6ren. Dass Essen und Schlaf ja aber eigentlich notwendig waren, um genug Kraft zu haben, einen Zauber auszuf\u00fchren, hatte sie verdr\u00e4ngt. Wie dumm sie war. Die W\u00e4rme in ihrem R\u00fccken erinnerte sie daran, dass er sie nicht wegschicken wollte. Sie schaute ihn an. Er trug seine Arbeitsrobe, eine schlichte Version seiner Magierrobe, die er im Labor bevorzugte und sa\u00df zur\u00fcckgelehnt in seinem Stuhl und musterte sie sorgenvoll. Wahrscheinlich fragte er sich, was er mit diesem Ungl\u00fcckshaufen von Sch\u00fclerin jetzt anfangen sollte. Ein bisschen sp\u00fcrte sie einen Hauch von etwas anderem in seinem Blick, etwas, das sie nicht einordnen konnte. Sie versuchte, sich aufzurichten. Nicht schwach sein. Ihr Magen grummelte ein bisschen, aber Hunger war ihr vertraut genug, um ihn einfach ignorieren zu k\u00f6nnen. \u201cIch f\u00fchle mich wirklich gar nicht so schlecht. Du hast etwas gezaubert, oder?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie w\u00fcrde jetzt nicht klein bei geben, was ihm ein bisschen imponierte. \u201cAlso gut, wir werden es jetzt probieren. Wenn du es schaffst, machst du drei Tage Pause um wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen und dann legen wir wieder richtig los, wenn es aber nicht klappt, wird die ganze n\u00e4chste Woche nicht gearbeitet!\u201d Kira sah ihn an und l\u00e4chelte beinahe, auch wenn es etwas gequ\u00e4lt aussah. \u201cIch schaff das.\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie musste das schaffen. Sie durfte nicht wieder versagen. Sie durfte ihn nicht entt\u00e4uschen. Und au\u00dferdem \u2013 was genau sollte sie drei Tage, schlimmer, eine ganze Woche machen, wenn sie nicht lernen sollte? Haushalt und Schweine f\u00fcttern standen vermutlich auch nicht auf der Liste der Dinge, die Mitras mit \u201cnicht Arbeiten\u201d meinte. Der Gedanke lie\u00df fast eine Spur Belustigung in ihr aufkeimen, wurde jedoch schnell von der aufsteigenden Nerv\u00f6sit\u00e4t \u00fcberdeckt. Sie w\u00fcrde zaubern. Jetzt. Sich nicht ablenken lassen, egal wie es schmeckte. Sie stand auf und begann, ihre Notizen wieder einzusammeln. \u201cWas soll ich denn probieren?\u201d Mitras schaute sie von der Seite an und l\u00e4chelte, was ihr Herz kurz aussetzen lie\u00df. &#8222;Naja, das Schweben, denke ich mal.&#8220; Er ging zu seinem Schreibtisch, zog eine Schublade auf und nahm drei Holzkugeln heraus. &#8222;Mit diesen hier hat Nathanael mit mir ge\u00fcbt.&#8220; Seine Miene verfinsterte sich kurz. &#8222;Das w\u00e4re eigentlich Thadeus Aufgabe gewesen&#8230; Aber egal.&#8220; Er legte zwei der Kugeln auf der Kante des steinernen Beckens ab und ging mit der dritten in den Zirkel, indem sie auch das letzte Mal mit den Magie\u00fcbungen begonnen hatten. &#8222;Komm her. Erst nochmal das konzentrierte Sammeln. Und wenn du ruhig und gleichm\u00e4\u00dfig im Fluss bist, kannst du den Zauber wirken.&#8220; Er legte den Ball in die Mitte des Zirkels und begann, die Ger\u00e4te, die er auch beim letzten Mal genutzt hatte, anzustellen. Kira stand auf und setzte sich ein kleines St\u00fcck von der Kugel entfernt in den Kreis. Sie hatte beinahe das Gef\u00fchl, ihr w\u00fcrde das Herz gleich vor Aufregung aus der Brust springen, aber sie konzentrierte sich und begann mit dem Kanalisieren. Ausatmen, Einatmen. Sie lie\u00df die Magie abflie\u00dfen und atmete sie wieder ein, bis sie das Gef\u00fchl hatte, ihr Atmen w\u00e4re fast wie das Rauschen der Wellen am Strand. Einmal ver\u00e4nderte sich die Struktur der Magie um sie &#8211; vielleicht hatte Mitras einen Zauber gewirkt. F\u00fcr einen Moment hatte sie das Gef\u00fchl, der Raum w\u00fcrde kurz nach Schokolade oder Nougat riechen. Ob das seine Magie war? Sie konzentrierte sich weiter auf das Atmen. Ruhig werden. Da ist die Kugel. Die Kugel schwebt gleich. Sie hob die Hand, schaute auf die Kugel, holte Luft &#8211; und lie\u00df die Magie in ihre Handbewegung gleiten. Ihr Mund f\u00fcllte sich mit einem Geschmack von Salz und gleichzeitig dem s\u00fc\u00dfen Karamell das Kanalisierens. Entfernt hatte sie das Gef\u00fchl, das Rauschen des Windes in den Bl\u00e4ttern zu h\u00f6ren, wie im Sommer im Wald. Sie blickte weiter auf die Kugel. Die Kugel schwebte. Die Kugel schwebte! \u00dcberrascht quietschte sie auf, woraufhin die Kugel zu Boden fiel. Hinter ihr gab es ein kurzes, dumpfes Ger\u00e4usch, wie ein Echo des Ger\u00e4usches, dass die Kugel machte, als sie vom Boden des Zirkels abprallte und dann einen kleinen Kreis rollte. &#8222;Sie ist geflogen! Mitras, hast du gesehen? Sie ist geflogen!&#8220; Mitras stand schr\u00e4g hinter ihr ihr, neben dem steinernen Becken, und hielt eine der anderen Kugeln in der Hand, die er betrachtete. &#8222;In der Tat.&#8220;, sagte er, mehr zu sich und der Kugel, als zu ihr gewandt. &#8222;Die Kugel ist abgehoben. Es hat also bestens geklappt. Und sobald du dich \u00fcber die drei Tage hinweg erholt hast, wirst du auch noch eine ganze Menge weiterer Zauber erlernen und beherrschen.&#8220; Kira sp\u00fcrte, wie die Erleichterung durch sie hindurch brach wie eine Welle durch eine Sandburg. Es hatte geklappt, sie war eine Magierin. Sie w\u00fcrde wirklich bleiben k\u00f6nnen. Sie lie\u00df sich nach hinten auf den Boden fallen. Die Anspannung der letzten Tage wurde ihr bewusst. Ehe sie wusste warum, sp\u00fcrte sie, wie die Tr\u00e4nen wieder in ihr aufstiegen, und sie rollte sich zusammen und weinte, diesmal vor Gl\u00fcck, oder vor Ersch\u00f6pfung, das konnte sie nicht so genau sagen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitras betrachtete die Kugel in seiner Hand, sie hatte er noch fangen k\u00f6nnen, die dritte war irgendwo unter einen der Schr\u00e4nke gerollt. Er war erleichtert und besorgt zugleich. Erleichtert, dass das Trauma nur die Verwandlungsmagie betraf und sie nun einen f\u00fcr sie so wichtigen Erfolg erzielt hatte. Aber auch besorgt. Sie hatte den Magieflu\u00df die letzten Male eigentlich schon gut unter Kontrolle gehabt, trotzdem waren nun die beiden anderen Kugeln mit abgehoben und das, obwohl sie in einer v\u00f6llig anderen Richtung gelegen hatten. Und eigentlich auch au\u00dferhalb der Reichweite, die Schweben am Anfang hatte &#8211; normalerweise wirkte man diesen Zauber zu Beginn nur im Sichtfeld und dort auch nur etwa einen Meter. Bei diesem Zauber konnte durch ein zuviel an Magie nicht viel schief gehen, aber andere Zauber waren da durchaus gef\u00e4hrlicher. Brachten viele andere Lehrlinge kaum genug Potential auf, um Zauber anderer Schulen am Anfang \u00fcberhaupt zu wirken, so musste er bei ihr zusehen, wie er sie gebremst bekam. Ihr Potential war wirklich unheimlich.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>W\u00e4hrend er noch seinen Gedanken nachhing, rollte sie sich pl\u00f6tzlich f\u00f6rmlich in sich zusammen und begann wieder zu schluchzen. Besorgt war er schon fast auf und zu ihr hingesprungen, bis ihm ihre Aura auffiel. Er hatte die Zauber zur magischen Sicht noch nicht wieder beendet und sah nun wie sie immer noch stark schimmerte, aber nicht mehr in \u00e4ngstlichen, verst\u00f6rten Farben, sondern in gr\u00fcnlichen T\u00f6nen die Freude, die aber auch unendliche Ersch\u00f6pfung ausdr\u00fcckten. Behutsam ging er neben ihr auf die Knie und legte ihr eine Hand auf die bebende Schulter. &#8222;Alles wird gut, Kira, aber jetzt ist es definitv das Wichtigste, dass du wieder zu Kr\u00e4ften kommst. Es gibt ja auch gleich Abendessen. Morgen solltest du dir Ruhe g\u00f6nnen und am Mafuristag vielleicht mal wieder in die Stadt fahren. Am Abend des Uldumstags, nach dem Abendessen k\u00f6nnen wir uns dann bei einem Gl\u00e4schen zusammensetzen und besprechen wie es weiter geht. Ich denke mal, dass wir f\u00fcrs erste bei Telekinesezaubern bleiben.&#8220; Unter seinen Worten und seiner Ber\u00fchrung hatte sie sich wieder beruhigt. Er hatte keine Ahnung, ob sie alles verstanden hatte, was er gesagt hatte, aber nun richtete sie sich wieder auf und sagte: &#8222;Ist gut.&#8220; Sie hielt einen Moment inne, ihr Gesicht nah an seinem und er hatte das Gef\u00fchl, als w\u00fcrden ihre hellgr\u00fcnen Augen ihn heranziehen. Dann breitete sich ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht aus und sie umarmte ihn heftig. &#8222;Danke! Ich&#8230; ich bin dir so dankbar! Du bist der beste Mentor, den ich mir vorstellen kann!&#8220; Er erwiderte die Umarmung vorsichtig. &#8222;Danke. Gut, ich w\u00fcrde mal sagen du machst dich jetzt erst einmal ein bisschen frisch und ich r\u00e4ume hier auf und dann hole ich dich gleich in deinem Zimmer f\u00fcr das Abendessen ab.&#8220; Kira nickte, stand auf und h\u00fcpfte ein kleines St\u00fcck in die Luft. Ihr Grinsen war immer noch da und w\u00e4rmte beinahe den Raum, so ansteckend und gl\u00fccklich sah es auf. Er versp\u00fcrte deutlichen Stolz und musste schmunzeln, w\u00e4hrend er ihr nach sah, wie sie leicht t\u00e4nzelnd den Raum verlie\u00df. Ihr Hintern war durchaus fraulich, aber ihre Freude hatte den Charme eines Kindes. Seine Zuneigung f\u00fcr sie stieg auf jeden Fall an, und er merkte, dass er auch stolz war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dann verdunkelte sich seine Miene. Warum bedeutete es so viel f\u00fcr sie? Warum hatte sie drei N\u00e4chte lang gelernt, statt zu schlafen? Was war da in ihrer Vergangenheit, dass sie so antrieb? Die Angst vor Bispar konnte nicht nur an diesem Dorfadeligen liegen. Wenn Stefania da war, w\u00fcrde er sie um Hilfe bitten. Die Hellsichtschule konnte soetwas, in die Vergangenheit und an entfernte Orte blicken. Er hoffte, dass Stefania ihr Handwerk wirklich so gut beherrschte, wie William und Titus angedeutet hatten. Er musste herausfinden, was Kira innerlich so zerriss &#8211; anderenfalls w\u00e4re es sowohl f\u00fcr sie als auch f\u00fcr ihn gef\u00e4hrlich. Eine emotional instabile und so potente Magierin k\u00f6nnte ihm das Dach vom Kopf abheben lassen, und zwar im genauen Wortsinne. Gr\u00fcbelnd hob er die Kugeln auf und r\u00e4umte die Notizen zusammen. Er legte alles sorgf\u00e4ltig auf den bisher leeren Schreibtisch, den er f\u00fcr sie vorgesehen hatte. Dann nutzte er einen Telekinesezauber, um den dritten Ball wieder unter dem Schrank hervorzuholen, und letztendlich beendete er alle \u00dcberwachungszauber und deckte die Ger\u00e4te wieder zu.<\/em> <em>Mit William w\u00fcrde er auch noch reden m\u00fcssen, fiel ihm ein. Warum hatte er gelogen?<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kira erschien wieder nicht zum Fr\u00fchst\u00fcck und so langsam machte sich auch Mitras etwas Sorgen um sie. Abby grummelte und packte ihr ein Tablett zusammen, wobei sie anmerkte, dass \u201cdie junge Lady das ja eh wieder stehen lassen w\u00fcrde\u201d. Hatte es sie so sehr getroffen wieder an diese Nacht erinnert zu werden? 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